Auschwitz II
Einfahrtsgebäude des KZ Birkenau, Ansicht von innen, 1945
KZ Auschwitz-Birkenau (Polen)
DMS
KZ Auschwitz-Birkenau
KZ Auschwitz-Birkenau
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Karte des heutigen Polen
Blick vom Eingangsgebäude zur Bahnrampe im Lager, 2006

Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus. Es wurde 1941 drei Kilometer entfernt vom Stammlager Auschwitz I gebaut und befand sich nahe der Stadt Auschwitz im nach der militärischen Besetzung Polens errichteten Landkreis Bielitz. Nach der deutschen Besetzung Polens im September 1939, vor der Eingliederung in das Deutsche Reich zum 26. Oktober 1939 wurde dieser bis dahin polnische Landkreis Teil des neugebildeten Regierungsbezirkes Kattowitz in der preußischen Provinz Schlesien und ab 1941 Teil des Gaus Oberschlesien.

Der Name „Auschwitz“ wurde zum Symbol für den gesamten Holocaust, den Völkermord an etwa sechs Millionen europäischen Juden. In die Konzentrationslager Auschwitz wurden insgesamt mehr als 1,3 Millionen Menschen aus ganz Europa deportiert. Davon wurden hier geschätzte 1,1 Millionen Menschen ermordet, eine Million davon Juden. Etwa 900.000 der Deportierten wurden direkt nach ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet oder erschossen. Weitere 200.000 Menschen wurden von der SS durch Krankheit, Unterernährung, schwerste Misshandlungen, medizinische Versuche oder die spätere Vergasung ermordet.

Heute sind von diesen Konzentrationslagern noch viele Teile erhalten bzw. originalgetreu ergänzt. Sie sind öffentlich zugänglicher Bestandteil des bekanntesten Museum in Oświęcim, dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau, Gedenkstätte des Holocaust (Shoa) und jüdischer Friedhof auf dem Gelände der beiden ehemaligen Konzentrationslager I und II. Dieses Museum ist zugleich Gedenkstätte, internationales Begegnungs- und ein wichtiges Holocaust-Forschungszentrum. Es wurde von der UNESCO unter dem Namen Auschwitz-Birkenau – deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager (1940–1945)[1] zum Weltkulturerbe erklärt.

Inhaltsverzeichnis

Lagergliederung

Karte Interessengebiet
KZ Auschwitz-Birkenau

Das 1940 errichtete, etwa drei Kilometer entfernt liegende Konzentrationslager Auschwitz I war das Verwaltungszentrum des gesamten Lagerkomplexes. Es trägt deshalb auch den verwaltungstechnischen Namenszusatz Stammlager. Dort kamen ungefähr 70.000 Menschen, meist polnische Intellektuelle und sowjetische Kriegsgefangene, zu Tode. Gefangene oder Häftlingsgruppen konnten von der SS zwischen beiden Lagerteilen nach deren Bedarf hin und her verschoben werden, wenn beispielsweise in bestimmten Berufen Ausgebildete gesucht wurden.

Auschwitz-Birkenau, oder auch KL Auschwitz II genannt, wurde 1941 als Arbeits- und als Vernichtungslager zugleich konzipiert und besaß später insgesamt sechs Gaskammern und vier Krematorien. Unter unvorstellbar grausamen Bedingungen wurden hier viele hunderttausende Häftlinge – die nicht sofort nach ihrer Ankunft mit Zügen vergast worden waren – gefangen gehalten und gefoltert bzw. durch Zwangsarbeit, Erfrieren, Verhungernlassen, Erschöpfung, medizinische Experimente, unbehandelte Krankheiten, Exekutionen und schließlich durch Vergasen getötet. Viele Gefangene aus ganz Europa wurden aber bereits am Tag ihrer Ankunft ermordet und ihre Leichen verbrannt. Deshalb verbinden heute die meisten Menschen vor allem diesen Teil des Lagerkomplexes mit dem Namen „Auschwitz“.

Im Frühjahr 1942 begannen die Massendeportationen von Juden mit Transporten aus Polen, aus Frankreich, aus der Slowakei und aus dem deutschen Reichsgebiet. Mitte des Jahres waren schon 16.000 Juden aus Polen, über 4.000 aus Frankreich und mehr als 1.000 aus der Slowakei in dem Vernichtungslager inhaftiert. In den kommenden Jahren steigerten sich die Transporte bis zu deren Höhepunkt im Jahre 1944 mit 600.000 Juden, von denen 500.000 direkt in den Gaskammern ermordet wurden. Überall in den besetzten europäischen Ländern gab es Durchgangslager, von denen aus die Deportationszüge in die östlichen Vernichtungslager rollten. Die Anzahl der Opfer und der zeitliche Verlauf der Deportierung ist im Artikel Opferzahlen der Konzentrationslager Auschwitz detailliert beschrieben.

Innerhalb des durch die Flüsse Sola und Weichsel umgrenzbaren Interessengebiet KL Auschwitz mit ca. 40 Quadratkilometern Fläche wurden weitere 39 Nebenlager errichtet. Die polnische Bevölkerung wurde nach und nach aus dem Interessengebiet vertrieben. Das Interessengebiet war somit von der Umgebung abgeschnitten und gut kontrollierbar. Viele Fluchtversuche von Häftlingen sind aufgrund dieser für sie ja nicht erkennbaren tiefen Staffelung des gesamten Komplexes gescheitert.

Die bekanntesten Nebenlager im Interessengebiet waren:

  • Plawy (Landwirtschaft, Fischzucht)
  • Hermannsee (Landwirtschaft, Geflügel-, Kaninchen- und Fischzucht)
  • Rajsko (SS-Hygieneinstitut, Pflanzenzuchtversuchsstation)
  • Budy (Landwirtschaft, Fischzucht)

(siehe Liste der Neben-/Außenlager des KZ Auschwitz I)

Neben dem I.G.-Farben-Industriekomplex Buna, einem neu errichteten Werk für synthetischen Treibstoff und Gummi, wurde schließlich das KZ Auschwitz III Monowitz als Arbeitslager errichtet, das nicht innerhalb des Interessengebietes lag. Damit wollte die Werksleitung erreichen, dass die „Arbeitskräfte“ nicht von täglichen Fußmärschen von und zum Stammlager entkräftet werden und zugleich mehr Einfluss auf die „eigene“ Zwangsbelegschaft haben.

Besondere Lagerbereiche

Die so genannte Zentrale Sauna (offizieller Name BW.32) war zugleich Aufnahmegebäude und die Desinfektions- und Entwesungsanlage in Auschwitz-Birkenau[2]. In diesem Gebäude lief die Aufnahmeprozedur der neu ins Lager angekommenen Häftlinge ab. Hier wurde ihnen ihre Identität abgenommen, indem ihnen unpersönliche Nummern zugewiesen wurden. In der „Sauna“ wurden schwangere Frauen und erkrankte Häftlinge aus den arbeitsfähigen Häftlingen selektiert, die bei der Selektion auf der „Rampe“ (Bahnsteig) nicht aufgefallen waren.

Ein separater Bereich des Lagers war das Frauenlager.

In einem anderen Bereich, Kanada genannt, wurden nach der Aufnahme die Besitztümer der Häftlinge sortiert und gesammelt. Die Kleidung und Wertgegenstände wurden vom SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt (WVHA) unter Oswald Pohl übernommen und verwertet. [3]

Entstehung

Die „Judenrampe“
Unterkunft in Auschwitz-Birkenau
Ruinen der Gaskammern, Oktober 2002

Am 26. September 1941 erhielt Rudolf Höß den Befehl, ein zusätzliches Arbeitslager für 100.000 russische Kriegsgefangene im Interessengebiet Auschwitz zu errichten. Dieses Lager entstand neben dem Dorf Brzezinka (Birkenau), drei Kilometer vom KZ Auschwitz I entfernt. Dazu zwangen die Nationalsozialisten die Bevölkerung des Ortes, ihre Häuser zu verlassen, und ließen das Lager durch Häftlinge des KZ Auschwitz I errichten.

Das Barackenlager war etwa fünf Quadratkilometer groß. Es war in mehrere Sektionen unterteilt, die wiederum in Felder gegliedert waren. Dazu kamen Kasernen und Verwaltungsgebäude für die SS-Bewacher. Diese Felder sowie das gesamte Lager waren mit einem lebensgefährlichen doppelten Elektrozaun aus Stacheldraht umzäunt. Zwischen diesen beiden Zäunen standen die 5 m hohen Wachtürme in einem Abstand von ca. 150 m, die mit Maschinengewehren und Scheinwerfern ausgestattet waren. Etwas vor dem inneren Hochspannungszaun war noch ein gewöhnlicher Drahtzaun. Dieses Bewachungssystem bildete die nachts geschlossene „kleine Postenkette“.

Es gab im Laufe der Zeit folgende Schutzhaftlager bzw. Lagerbereiche bzw. im Lagerjargon genannte Bereiche (siehe oben die Lagekarte):

  • das Männerlager,
  • das Quarantänelager,
  • das Frauenlager (seit 26. März 1942; B I),
  • den Häftlingskrankenbau (II o,p),
  • das Effektenlager „Kanada“ (II f),
  • das Zigeunerlager (seit Frühjahr 1943),
  • das Familienlager Theresienstadt (seit Herbst 1943; in II b),
  • das Lager „Mexiko“ (Bauabschnitt III),
  • das Lager für ungarische Juden (05 bis 10/1944; B III).

Zunächst in einem kleineren Umfang gedacht als Arbeitslager, in dem Kriegsgefangene und andere Häftlinge Zwangsarbeit für die SS leisten sollten, veränderte sich die Funktion des Lagers schon in der Planungsphase. Die angestrebte Zahl der Häftlinge wurde deutlich erhöht. Im Herbst 1942 wurden in Auschwitz-Birkenau erstmals russische Kommissare und arbeitsunfähige Häftlinge mit Zyklon B umgebracht, nachdem bereits Ende 1941 Versuche damit im Stammlager stattgefunden hatten. Wenig später wurden Mütter mit Kindern und nicht zur Arbeit taugliche Personen aus den eintreffenden Transporten selektiert und vergast. Ab Juli 1942 oder gar schon ab April (der genaue Zeitpunkt ist in einem engen Zeitrahmen umstritten) wurde die überwiegende Mehrzahl der herantransportierten Juden sofort ermordet. Auschwitz-Birkenau hatte damit die Funktion eines Vernichtungslagers übernommen, wurde in Teilen aber zugleich auch als Konzentrations- und Arbeitslager weiter verwendet.

Östlich davor, außerhalb der eigentlichen "kleinen" Lagerpostenkette, war der Kasernenbereich der SS, an dessen östlicher Seite auch ein SS-Lazarett gebaut wurde, das nicht mit den Häftlings-Krankenbaracken (in Abschnitt II o und p) verwechselt werden darf.

Selektion und Vergasung

Selektion an der Rampe direkt nach der Ankunft. Die nicht Arbeitsfähigen wurden ohne Registrierung vergast.
(Foto: Auschwitz-Album)

Die meisten Opfer kamen in Auschwitz-Birkenau mit dem Zug an, oft nach tagelangen Reisen in Viehwaggons. Die ankommenden Gefangenen wurden von einer Entladerampe (alte Rampe, südlich vom Bahnhof Auschwitz) zu Fuß ins Lager getrieben. Im Frühjahr 1944 wurde ein Gleisanschluss direkt bis ins Lager zur neuen Rampe gelegt (siehe Foto). Manchmal wurde der ganze Transport direkt in die Gaskammern geschickt – meistens wurde erst eine so genannte Selektion durchgeführt, bei der die „Schwachen, Alten und Kranken“ von den „Arbeitsfähigen“ nach Augenschein getrennt und zur Gaskammer geführt wurden. Die Einteilung der Lagerärzte zur Selektion und die Leitung der Selektionen führte der Standortarzt Eduard Wirths. An diesen Selektionen war auch der für grausame pseudowissenschaftliche medizinische Experimente berüchtigte Lagerarzt Josef Mengele beteiligt. Im damaligen Sprachgebrauch wurde der Begriff Selektion nicht verwendet, sondern dies wurde als Rampendienst bezeichnet, bzw. der Vorgang selbst als Aussortierung.

Eine alte jüdische Frau mit zwei Kindern auf dem Weg zur Gaskammer
(Foto: Auschwitz Album)

In Auschwitz-Birkenau gab es in vier Krematorien und in zwei Bauernhäusern Gaskammern. Sie wurden aber nicht alle im gleichen Zeitraum genutzt. Im Laufe des Jahres 1942 wurden zunächst die Bauernhäuser als Gaskammern verwendet. Im ersten Halbjahr 1943 gingen dann die vier Krematorien in Betrieb, bei denen Zwei im Untergeschoss Gaskammern mit Größen von 210 Quadratmetern enthielten. Die beiden anderen Krematorien hatten oberirdische Gaskammern mit je 236 Quadratmetern Gesamtfläche. Vier Baufirmen waren vor Ort am Bau beteiligt. Die Verbrennungsöfen (Krematorien) und die Lüftungsanlagen der Gaskammern wurden von der Erfurter Firma J. A. Topf und Söhne konstruiert, eingebaut, gewartet und repariert.

Details zu den Gaskammern und Krematorien sind im Artikel Gaskammern und Krematorien der Konzentrationslager Auschwitz beschrieben.

Zwangsarbeit

Die Häftlinge, die die Selektion überlebten, mussten dann in den an das Lager angrenzenden Industriebetrieben Zwangsarbeit leisten, wobei hauptsächlich Industrieanlagen zur Herstellung von synthetischem Benzin oder Synthesekautschuk (sog. Buna) für die I.G. Farben erstellt werden mussten. Auch andere deutsche Firmen wie Krupp hatten Werke in direkter Nähe zu Auschwitz; sie zahlten den NS-Stellen „Miete“ für jeden überlassenen Arbeitssklaven, von dem auch die SS-Schutzmannschaften profitierten.

Das Fabrikgelände und die „Landwirtschaftsbetriebe“ waren weiträumig von der „großen Postenkette“ umgeben. Beim morgendlichen „Zählappell“ wurden alle Häftlinge gezählt und marschierten dann als Arbeitskommandos zur Arbeit aus dem Lager heraus. Die Arbeitskommandos und die jeweiligen Arbeitsplätze durften nicht ohne Bewachung und schriftlichen Befehl verlassen werden. Die Häftlinge befanden sich nachts also innerhalb der „kleinen Postenkette“ und arbeiteten am Tag innerhalb der „großen Postenkette“. Innerhalb dieses Systems genügten relativ wenige Bewacher, um das Terrorregime aufrecht zu erhalten. Die Kapos trugen einen Großteil der Überwachungsfunktionen. War die Häftlingszahl beim Abendappell im Lager vollzählig, konnte diese äußere Bewachung aufgelöst werden.

Die Zwangsarbeiter waren vollkommen rechtlos und nicht nur der Willkür des SS-Wachpersonals, sondern auch der Zivilangestellten der deutschen Firmen ausgeliefert. Plötzliche Entschlüsse, Personen wegen geringster „Vergehen“ oder einfach aus einer Laune heraus zu ermorden, waren an der Tagesordnung; der Tod war allgegenwärtig.

Der Massenmord an den ungarischen Juden

Die deutsche Wehrmacht marschierte im März 1944 in Ungarn ein. Dort lebte noch die größte Gruppe europäischer Juden einer Nation, die bislang vom Holocaust verschont geblieben war. Von den 795.000 ungarischen Juden wurden im Mai bis Juli 1944 rund 438.000 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Am 29. und 30. April fuhren erstmals zwei Züge mit insgesamt rund 3.800 Menschen nach Auschwitz, von denen der erste mit 1.800 Menschen Auschwitz noch im April erreichte. Am 15. Mai begannen die allgemeinen Deportationen mit mindestens drei Güterzügen täglich und ungefähr 4.000 Menschen in jedem Zug. Ein Teil der arbeitsfähigen Ungarn wurden als Zwangsarbeiter in andere Lager überstellt.

Von den 795.000 ungarischen Juden wurden insgesamt rund 508.000 deportiert. Neben den Transporten von 438.000 Juden nach Auschwitz sind ab Oktober 1944 weitere 64.000 Juden zur Verwendung in der Rüstungsindustrie in das Reichsgebiet deportiert worden. Von den Deportierten kamen rund 382.500 ums Leben. Der auf Auschwitz entfallende Anteil der 382.500 Opfer wurde bislang nicht exakt ermittelt. Weitere 120.000 Juden sind in Ungarn gestorben bzw. wurden ermordet. Damit ergibt sich für Ungarn insgesamt eine Opferzahl von 502.000 Juden.[4]

Die Ermordung der „Zigeuner“ und „Zigeunermischlinge“

Viele Roma und Sinti waren mit den seit März 1943 einsetzenden Deportationen der von der Rassenhygienischen und kriminalbiologischen Forschungsstelle als „Zigeuner“ und „Zigeunermischlinge“ Kategorisierten im „Zigeunerfamilienlager“, einer speziellen Sektion von Birkenau, inhaftiert. Nur wenige von ihnen überlebten, weil die Lebensbedingungen dort so organisiert waren, dass sie in kurzer Zeit zum Tode führten. Im Juli 1944 kam es zu einer Vergasung, der der für Auschwitz ungewöhnliche und zunächst erfolgreiche Versuch des Widerstands gegen den Abtransport zu den Gaskammern vorausgegangen war.

Ob bzw. inwieweit Angehörige der als „Nichtzigeuner“ von der Verschleppung in das Vernichtungslager grundsätzlich ausgenommenen Gruppe der Jenischen nach Birkenau deportiert wurden, ist bislang unbekannt. Es gibt aber Hinweise, dass es innerhalb der Transporte von Roma und Sinti als „Zigeunermischlinge“ etikettierte Jenische gegeben hat.

Fluchtversuche und Aufstand des Sonderkommandos

Inschrift in einer Baracke

Insgesamt versuchten ungefähr 700 Häftlinge die Flucht aus Auschwitz; sie gelang in etwa 300 Fällen. (Nach anderen Angaben gelangen weniger als 150 Fluchtversuche.[5]) Die Deutschen erschossen die anderen Flüchtlinge während ihres Ausbruchsversuchs oder ergriffen sie und ermordeten sie später. Versuchte Flucht wurde oft mit Verhungern im Bunker bestraft; oft wurden auch die Familienangehörigen von Flüchtigen verhaftet und in Auschwitz I zur Abschreckung ausgestellt. Eine andere Strafe war, Mitgefangene für die Flucht büßen zu lassen. Am 6. Juli 1940 gelang Tadeusz Wiejowski die erste Flucht in Begleitung von zwei Mitgliedern der polnischen Widerstandsbewegung, die als „zivile Arbeiter“ im Lager angestellt waren. Wiejowski überlebte den Krieg nicht. Am 20. Juni 1942 gelang vier Polen, Kazimierz Piechowski, Stanisław Gustaw Jaster, Józef Lempart und Eugeniusz Bendera ein extrem gewagter Fluchtversuch. Sie brachten SS-Uniformen und Waffen an sich und fuhren mit einem gestohlenen Fahrzeug aus dem Gelände weg. Einer der Flüchtlinge trug einen Bericht über Auschwitz mit sich, der für das Oberkommando der polnischen Heimatarmee geschrieben worden war.[6]

Am 7. Oktober 1944 führte das jüdische Sonderkommando (die Häftlinge, welche die Gaskammern und Krematorien bedienen mussten und von den anderen Häftlingen als Sicherheitsrisiko getrennt gefangen gehalten wurden) einen Aufstand durch. Davor gab es bereits zumindest einen gescheiterten ähnlichen Plan für den Termin 28. Juli um neun Uhr abends.[7] Dieses Mal hatten weibliche Gefangene Sprengstoff von einer Waffenfabrik eingeschmuggelt, und das Krematorium IV wurde damit teilweise zerstört.[8] Anschließend versuchten die Gefangenen eine Massenflucht, aber alle 250 Entflohenen wurden kurz darauf gefasst und getötet.

Kenntnisse der Alliierten

Auschwitz II, RAF-Aufklärungsfoto 1944
Überreste eines gesprengten Krematoriums

Die Deutschland bekämpfenden Alliierten besaßen detaillierte Luftaufnahmen aller Lager seit dem 31. Mai 1944. 2003 veröffentlichte die Royal Air Force erstmals Bilder von Aufklärungsflügen über Auschwitz, auf denen starker Rauch von den Verbrennungsgruben nördlich von Krematorium V[9] zu sehen ist. Von diesen Verbrennungsgruben wurden 1944 geheime Aufnahmen von einem Mitglied des Sonderkommandos gemacht. Zwei entkommene Häftlinge (Rudolf Vrba und Alfréd Wetzler) hatten zudem genaue Beschreibungen und Lagekarten erstellt, welche die Alliierten im Sommer 1944 erreichten (siehe auch Auschwitz-Protokolle). Witold Pilecki, der als einziger Mensch freiwillig in die Gefangenschaft des Lagers ging, schickte mehrere Berichte an die westlichen Alliierten (Aufenthalt zwischen 19. September 1940 und 27. April 1943). Die ZOW lieferte zunächst dem polnischen Untergrund Informationen über das Lager und die dortigen Aktivitäten der Deutschen. Ab Oktober 1940 schickte die ZOW Berichte nach Warschau und ab März 1941 wurden Pileckis Berichte über die polnische Widerstandsbewegung zur britischen Regierung in London geschickt, die den westlichen Alliierten als wichtigste Informationsquelle über Auschwitz dienten. Spätere ausführliche Berichte stammen von den geflohenen Rudolf Vrba und Alfréd Wetzler (April 1944).

Der englische und amerikanische Gesandte in der Schweiz informierten im Frühsommer 1944 in einer detaillierten Darstellung ihre Regierungen über die beginnende Vernichtung der ungarischen Juden. Empfohlen wurde ein Luftschlag gegen den Bestimmungsort und die Bahnlinien sowie alle ungarischen und deutschen Dienststellen, die mit genau zutreffenden Straßen- und Häuserangaben (z.B. in Budapest) benannt wurden. Die Deutschen hatten von diesen Telegrammen Kenntnis, führten die Deportationen trotzdem weiter durch. Die empfohlene Bombardierung wurde von amerikanischer und englischer Seite nicht durchgeführt.[10]

Am 13. September 1944 flogen amerikanische Bomber einen Angriff auf die Buna-Werke und richteten beträchtlichen Schaden an. Weitere Luftangriffe in der Region fanden am 20. August sowie am 18. und 26. Dezember statt. Ein gezielter Angriff auf die Gaskammern oder Transportwege wurde nie durchgeführt. Die Frage, ob die alliierten Luftstreitkräfte auch das Lager oder die Schienen dorthin hätten bombardieren sollen, wird bis heute kontrovers diskutiert.

Abbruch des Lagers

Einige Krematorien und Gaskammern des KZ Birkenau wurden schon ab November 1944 abgerissen. Die Verbrennungsöfen wurden demontiert und sollten jüngsten Studien zu Folge in dem noch als sicher geltenden KZ Mauthausen wiederaufgebaut werden. Das letzte Krematorium sprengten die Nationalsozialisten kurz vor der Befreiung des Lagers durch die anrückenden sowjetischen Truppen im Januar 1945.

Todesmärsche und Befreiung

Zwischen dem 17. Januar 1945 und dem 23. Januar wurden etwa 60.000 Häftlinge evakuiert und in Todesmärschen nach Westen getrieben. In den Lagern und Außenstellen blieben etwa 7500 Häftlinge zurück, die zu schwach oder zu krank zum Marschieren waren. Mehr als 300 wurden erschossen; man nimmt an, dass eine geplante Vernichtungsaktion nur durch das rasche Vorrücken der Roten Armee verhindert wurde.

Zuerst wurde das Hauptlager Monowitz am Vormittag des 27. Januar 1945 durch die sowjetischen Truppen (322. Infanteriedivision der 60. Armee der I. Ukrainischen Front unter dem Oberbefehl von Generaloberst Pawel Alexejewitsch Kurotschkin) befreit. Von den dort zurückgelassenen Gefangenen – die Angaben reichen von 600 bis 850 Personen – starben trotz medizinischer Hilfe 200 in den Folgetagen an Entkräftung.

Das Stammlager und Auschwitz-Birkenau wurden – auch durch die Soldaten der 322. Division – schließlich am frühen Nachmittag des 27. Januar befreit.[11] In Birkenau waren fast 5.800 entkräftete und kranke Häftlinge, darunter fast 4.000 Frauen, unversorgt zurück geblieben. In den desinfizierten Baracken wurden Feldlazarette eingerichtet, in denen die an Unterernährung und Infektionen leidenden und traumatisierten Häftlinge versorgt wurden.

Einige Tage später wurde die Weltöffentlichkeit über die Gräueltaten informiert. Die Ermittler fanden über eine Million Kleider, ca. 45.000 Paar Schuhe und sieben Tonnen Menschenhaar, die von den KZ-Wächtern zurückgelassen wurden.

Opferzahlen

Gedenktafeln für die in Auschwitz-Birkenau Ermordeten

In den Jahren 1940 bis 1945 wurden in die Konzentrationslager Auschwitz mindestens 1,1 Millionen Juden, 140.000 Polen, 20.000 Sinti und Roma sowie mehr als 10.000 sowjetische Kriegsgefangene deportiert. Knapp über 400.000 Häftlinge wurden registriert. Von den registrierten Häftlingen sind mehr als die Hälfte aufgrund der Arbeitsbedingungen, Hunger, Krankheiten, medizinischen Versuchen und Exekutionen gestorben.

Die nicht registrierten 900.000 nach Birkenau Deportierten wurden kurz nach der Ankunft ermordet.

Als Obergrenze der Opfer im Konzentrations- und Vernichtungslagerkomplex Auschwitz wird die Zahl von 1,5 Millionen Opfern angegeben.

Details zur Ermittlung der Opferzahlen sind im Artikel Opferzahlen der Konzentrationslager Auschwitz beschrieben.

Bekannte Gefangene und Opfer

  • Jean Améry, österreichischer Schriftsteller, Überlebender von Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen
  • Angela Autsch, Nonne des Klosters Mötz in Tirol
  • Victor Aronstein, deutscher Arzt, wurde vermutlich am 13. Januar 1945 in Auschwitz vergast
  • Jehuda Bacon, Künstler, als Kind ins Familienlager deportiert, kam in das sogenannte Rollwagenkommando, Zeuge im Eichmann-Prozess und den Frankfurter Auschwitz-Prozessen
  • Władysław Bartoszewski, der ehemalige Außenminister Polens
  • Esther Bejarano, neben Anita Lasker-Wallfisch letzte noch lebende Überlebende des Mädchenorchesters von Auschwitz
  • Tana Berghausen und Ruben Baer, zwei Kinder aus Bielefeld, nach denen stellvertretend für alle ermordeten Kinder Straßen in ihrer Heimatstadt benannt wurden
  • Hana Brady jüdisches Mädchen, bekannt geworden durch den Inhalt ihres erhalten gebliebenen Koffers (Hanas Koffer).
  • Wilhelm Brasse, polnischer Lagerfotograf, Überlebender
  • Thomas Buergenthal, seit 2000 Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag
  • Anne Frank war zwischen September und Oktober 1944 in Auschwitz-Birkenau inhaftiert. Sie wurde dann in das KZ Bergen-Belsen gebracht, wo sie an Typhus starb.
  • Otto Frank, Vater von Anne Frank und Leiter der niederländischen Opekta, kam am 3. September 1944 nach Auschwitz, überlebte und kehrte nach Amsterdam zurück, verstarb 1980 in Basel/Schweiz
  • Edith Frank, Mutter von Anne Frank, war von September 1944 bis Januar 1945 in Auschwitz-Birkenau inhaftiert, und starb am 6. Januar 1945 in der Krankenbaracke an Unterernährung.
  • Adolf Frankl überlebte Todesmarsch des KZ Auschwitz-Birkenau, Maler Bilder aus dem Inferno
  • Viktor Frankl wurde vom Ghetto Theresienstadt hierher deportiert, von dort nach Dachau, wo er befreit wurde.
  • Ala Gertner, Beteiligte am Aufstand des Sonderkommandos
  • Kurt Gerron, Schauspieler (Der blaue Engel) und Regisseur, kam im Oktober 1944 in Auschwitz um.
  • Peter Hammerschlag, österreichischer Dichter, ermordet 1942
  • Julius Hirsch, Fußballspieler, kam am 1. März 1943 nach Auschwitz. Das genaue Todesdatum ist unbekannt.
  • Regina Jonas, erste Rabbinerin, am 12. Dezember 1944 vergast
  • Imre Kertész, ungarischer Schriftsteller, Überlebender von Auschwitz und Buchenwald
  • Wieslaw Kielar, polnischer politischer Gefangener. Kam im ersten regulären Häftlingstransport zunächst nach Auschwitz I, später nach Auschwitz-Birkenau und blieb für insgesamt fast fünf Jahre als Gefangener im Lager
  • Gertrud Kolmar, deutsche Schriftstellerin
  • Hans Krása, tschechisch-deutscher Komponist
  • Primo Levi, italienischer Schriftsteller, überlebte Auschwitz III Monowitz und schrieb später über seine Erlebnisse.
  • Fritz Löhner-Beda, Schlagertexter und Librettist, Textautor des Buchenwaldliedes
  • Henryk Mandelbaum, Mitglied des Sonderkommandos, überlebte und stand als wichtiger Zeitzeuge Rede und Antwort; er starb am 17. Juni 2008.
  • Filip Müller, Beteiligter am Aufstand des Sonderkommandos
  • Miklos Nyiszli, Beteiligter am Aufstand des Sonderkommandos
  • Felix Nussbaum, deutscher Maler, verheiratet mit der Malerin Felka Platek, ermordet im August 1944.
  • David Olère, polnischer Maler und Mitglied des Sonderkommandos, überlebte und fertigte detaillierte Zeichnungen der Gaskammern an.
  • Felka Platek, polnische Malerin, verheiratet mit dem Maler Felix Nussbaum, ermordet im August 1944.
  • Ruth Rewald, deutsche Kinderbuchautorin, letztes Lebenszeichen am 18. Juli 1942.
  • Nico Richter, niederländischer Komponist, wurde 1944 von hier nach Dachau und später nach Kaufering deportiert. Er stirbt wenige Wochen nach der Befreiung an den Folgen der 3½-jährigen KZ-Haft.
  • Rózia Robota, Beteiligte am Aufstand des Sonderkommandos
  • Alma Rosé, Violinistin
  • Erich Salomon, deutscher Bildjournalist, wurde mit seiner Frau von Theresienstadt nach Auschwitz gebracht und dort vermutlich am 7. Juli 1944 ermordet.
  • Edith Stein, katholische Nonne und Heilige jüdischer Abstammung, wurde in Auschwitz-Birkenau vergast.
  • Viktor Ullmann, Komponist, wurde aus Theresienstadt nach Auschwitz gebracht und vergast.
  • Else Ury, deutsche Kinderbuchautorin („Nesthäkchen“), kurz nach dem 12. Januar 1943 vergast.
  • Simone Veil war 13 Monate als Jüdin in Bergen-Belsen und Auschwitz inhaftiert und wurde am 27. Januar 1945 befreit.
  • Elie Wiesel überlebte Auschwitz III Monowitz und schrieb später über seine Erlebnisse.
  • Otto Wolken war Häftlingsarzt in Auschwitz-Birkenau und wurde am 27. Januar 1945 befreit.
  • Mala Zimetbaum, Häftling seit September 1942, floh im Juni aus dem Lager, wurde wiedergefangen und am 15. September 1944 ermordet.
  • Sioma Zubicky, Wunderkind jüdischer Zirkusartisten (spielte u. a. mit Édith Piaf und Josephine Baker), Schriftsteller (Spiel, Zirkuskind), überlebte.

Täter

→ Hauptartikel: Personal im KZ Auschwitz

Die Größe des Komplexes wird auch durch die hohe Anzahl an Bewachern deutlich. So gehörten im Sommer 1944 ca. 4.500 Mann zur SS-Garnison Auschwitz.

Lagerkommandanten:

Wie alle nationalsozialistischen Konzentrationslager unterstanden auch die Lager in Auschwitz Heinrich Himmler und der SS-Inspektion der KL, wobei die europaweite Koordination des Massenmordes vor allem bei Adolf Eichmann lag. Die Verwaltung am Ort wurde vom Lagerkommandanten des KZ Auschwitz I (Stammlager) gesteuert. Eine etwas größere Selbständigkeit mit eigenen Lagerkommandanten hatte das KZ Auschwitz-Birkenau nur zwischen November 1943 und Ende 1944.

  • Rudolf Höß (Mai 1940 bis November 1943; er wurde in Warschau zum Tode verurteilt und 1947 vor dem Eingang des Krematoriums von KZ Auschwitz I gehängt.)
sowie erneut in Auschwitz als Standortältester von Mai bis Juli 1944 zur „Ungarn-Aktion“
  • Friedrich Hartjenstein (November 1943 bis 15. Mai 1944; er wurde zum Tode verurteilt; er starb 1954 in Paris in Haft.)
  • Josef Kramer (Mai 1944 bis Ende 1944; er wurde 1945 in Hameln hingerichtet.)
  • Richard Baer (ab Mai 1944 im Stammlager, ab Ende 1944 bis Januar 1945 auch für Birkenau; verstarb 1963 in Frankfurt vor Prozessbeginn in Untersuchungshaft.)

Weitere Einzelheiten zu Tätern:

Versuche der rechtlichen Aufarbeitung nach 1945:

Nur 800 der etwa insgesamt 8.000 in Auschwitz als Wachpersonal etc. eingesetzten SS-Angehörigen wurden vor Gerichten angeklagt, 40 davon vor deutschen Gerichten.

Eine Rechtliche Aufarbeitung erfolgte zunächst in den 13 Nürnberger Prozessen vor dem Internationalen bzw. US-Militärgerichtshof von November 1945 bis 1948 sowie dem polnischen Krakauer Auschwitzprozess von 1947. Eine juristische Aufarbeitung fand in Deutschland erst in den 1960er Jahren statt. Es kam zu sechs Frankfurter Auschwitzprozessen zwischen 1963/1965 mit dem 1. und 1965/1966 dem 2. Auschwitzprozess sowie weiteren 4 Nachfolgeprozesse in den 1970er-Jahren. Carl Clauberg, Adolf Eichmann, Irma Grese, Friedrich Hartjenstein, Franz Hößler, Josef Kramer, Otto Moll, Heinrich Schwarz, Johann Schwarzhuber und viele weitere wurden an anderen Orten verurteilt. In Österreich kam es zu einer Vielzahl von Verfahren.


Einrichtung des Museums, Gedenken

Nach dem Krieg wurden die Buna-Werke vom polnischen Staat übernommen und bildeten den Beginn der Chemieindustrie in der Region. Die Gebäude der Konzentrationslager verfielen langsam. 1947 entschied das polnische Parlament, die Auschwitz-Konzentrationslager in eine Gedenkstätte mit Museum umzuwandeln. Das KZ Auschwitz gehört seit 1979 zur UNESCO-Liste des Welterbes und führte dort zunächst den Namen „Konzentrationslager Auschwitz“. Um eine Identifikation des Lagers mit seiner Lage in Polen auszuschließen, beschloss das Welterbekomitee 2007, die offizielle Bezeichnung in Auschwitz-Birkenau - deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager (1940–1945) abzuändern. Gleichzeitig wurde ein Text zur besonderen Bedeutung des Lagers verabschiedet.[12]

Das Internationale Auschwitzkomitee wurde 1952 von Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers gegründet. Es dient einerseits als Interessenvertretung seiner Mitglieder, dann aber auch zur Koordinierung der Tätigkeiten nationaler Auschwitz-Komitees (z. B. Frankreich, Polen, DDR), bzw. Häftlingsvereinigungen und es fördert das Gedenken an die Deportationen und die Shoah / den Holocaust.

Der Text am Denkmal im Vernichtungslager Birkenau, das 1967 auf Initiative des Internationalen Auschwitz Komitees errichtet wurde, lautet:

Dieser Ort sei allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung und
Mahnung an die Menschheit.
Hier ermordeten die Nazis über anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder.
Die meisten waren Juden aus verschiedenen Ländern Europas.

Seit 1988 findet einmal jährlich der Marsch der Lebenden zur Erinnerung an den Holocaust statt.

Am 1. September 1992 hat der erste österreichische Gedenkdiener seinen Dienst im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau und dem Auschwitz Jewish Center angetreten.

Der 27. Januar, der Tag der Befreiung des KZ Auschwitz, ist seit 1996 in Deutschland offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Gedenktag wird außer in Deutschland unter anderem auch in Israel, Großbritannien und Italien offiziell als staatlicher Gedenktag begangen.


60. Jahrestag 2005:

Die größte europäische Shoa-Gedenkstätte in Paris wurde zum Gedenktag 2005 eingeweiht. Der französische Präsident Chirac betonte, es müsse mit der ganzen Härte des Gesetzes gegen die Leugnung des Holocaust vorgegangen werden.

Am sechzigsten Jahrestag der Befreiung wurde in zahlreichen Veranstaltungen der Opfer der industriellen Massenvernichtung gedacht.

  • Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder rief auf der Gedenkveranstaltung des Internationalen Auschwitz Komitees in Berlin dazu auf, der widerlichen Hetze der Neonazis und den immer neuen Versuchen, Nazi-Verbrechen zu verharmlosen entschieden entgegenzutreten.
  • Die Deutsche Bischofskonferenz gab eine Stellungnahme heraus, dass Auschwitz auch möglich geworden sei, weil zu wenige Deutsche den Mut zu Widerstand gehabt hätten. Auch die katholische Kirche müsse sich nach ihrer Mitverantwortung für den Holocaust fragen lassen.[13] Der polnische Papst Johannes Paul II. erklärte in einer Botschaft zum 60. Jahrestag der Befreiung, dass es niemandem erlaubt ist, an der Tragödie der Schoah vorbeizugehen. Dieser Versuch, ein ganzes Volk planmäßig zu vernichten, liegt wie ein Schatten über Europa und der ganzen Welt; es ist ein Verbrechen, das für immer die Geschichte der Menschheit befleckt.[14] Am 28. Mai 2006 besuchte Papst Benedikt XVI. im Rahmen seiner Apostolischen Reise nach Polen das Lager.[15] In seiner Ansprache sagte er, dass die Machthaber des dritten Reiches hier an dieser Stelle nicht nur das jüdische Volk als Ganzes ausrotten wollten, sondern in letzter Konsequenz auch den Gott der Juden und Christen.
  • Bei einer Gedenkfeier im Sächsischen Landtag zieht die rechts-extreme NPD demonstrativ aus dem Parlamentssaal aus.
  • Ingo Stawitz, der NPD-Kandidat für den Kieler Landtag (Wahl Februar 2005) erklärte, dass man am 8. Mai nur der deutschen Kriegsopfer gedenken werde.
  • Der Europarat gedachte in Straßburg der Opfer. Der Präsident der Parlamentarischen Versammlung, René van der Linden, rief dazu auf in Europa weiter für Menschlichkeit und Demokratie zu kämpfen, dies sei man jedem einzelnen Holocaust-Opfer schuldig.
  • Der französische Opferverband „Fils et Filles des Déportés Juifs de France“ FFDJF zeigte in Zusammenarbeit mit der französischen Bahn SNCF eine Ausstellung über die Deportation von 11.000 jüdischen Kindern in das Vernichtungslager über das Streckennetz der Reichsbahn. Die Deutsche Bahn hat mit Hinweis auf die personellen und finanziellen Ressourcen abgelehnt, die Ausstellung in den deutschen Bahnhöfen Saarbrücken, Kaiserslautern, Mannheim, Frankfurt am Main, Fulda, Erfurt, Görlitz zu zeigen.
  • Am 24. Januar 2005 sprachen auf der Sondersitzung der UN-Generalversammlung die Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel und Bronisław Geremek wie auch der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland Joschka Fischer.
  • Am 1. November 2005 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Januar in einer Resolution offiziell zum internationalen Holocaustgedenktag.

Auschwitz-Album

Auschwitz-Album werden zwei Fotoalben genannt, die Fotografien aus dem Konzentrationslager Auschwitz, also aus der Zeit vor seiner Befreiung am 27. Januar 1945, zeigen. Die Aufnahmen darin sind von SS-Angehörigen gemacht und gesammelt worden. Die Fotoalben sind auf verschiedenen Wegen überliefert worden.

Ein erstes Auschwitz-Album wurde 1945 von Lilly Jacob während ihrer Haft im Konzentrationslager Dora-Mittelbau entdeckt und 1980 der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem übergeben. Es zeigt die Abläufe im Inneren des Vernichtungslagers Ende Mai oder Anfang Juni 1944 (Ungarn-Aktion).

Ein zweites Auschwitz-Album erwarb im Dezember 2006 das United States Holocaust Memorial Museum von einem anonym gebliebenen ehemaligen Oberst der US-Army, der es 1946 gefunden hatte, mit 116 Aufnahmen, die der SS-Obersturmführer Höcker als führender Offizier der Wachmannschaft gemacht hatte. Der Großteil des Fotoalbums zeigt Angehörige des Lagerpersonals bei Schießübungen und bei Freizeitaktivitäten.

Die vier Aufnahmen von Alex beim Krematorium V: Georges Didi-Hubermann publizierte 2007 vier Fotografien, die Häftlinge im Lager machen konnten.[16] Mit einer eingeschmuggelten Kamera gelang es im August 1944 einem griechischen Häftling Alex, der zur Arbeit im Sonderkommando gezwungen worden war, ein Foto von einem Leichenverbrennungsgraben und 3 Aufnahmen von Frauen zu machen, die beim Krematorium V auf die Hinrichtung warten müssen. Der belichtete Film brauchte durch verschiedene Hände Wochen, bis er vom polnischen Widerstand in Krakau im September entwickelt werden konnte. Didi-Huberman fragt sich in seinem Buch nach der Wirkung dieser Bilder auf den Betrachter. Er nennt sie "Bilder trotz allem" (frz. "images malgré tout").

Zitate

  • „Was sind das für Zeiten, wo
    ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
    weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“

    Bertolt Brecht 1938: „An die Nachgeborenen“
  • „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“
    Paul Celan 1947: „Todesfuge
  • „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“
    Theodor W. Adorno 1949: „Kulturkritik und Gesellschaft“
  • „Das perennierende Leiden hat so viel Recht auf Ausdruck wie der Gemarterte zu brüllen; darum mag falsch gewesen sein, nach Auschwitz ließe kein Gedicht mehr sich schreiben.“
    Theodor W. Adorno 1966: „Negative Dialektik“
  • „Wer nicht in Auschwitz war, kommt nie hinein. Wer dort war, kommt nie heraus.“
    Primo Levi ??
  • „Wusstet ihr, … dass es nur ein Wort für Entsetzen gibt, nur ein Wort für Angst? Wusstet ihr, dass das Leiden keine Schranke kennt, der Schrecken keine Grenze?“
    Charlotte Delbo (Mitglied der Résistance, wurde nach Auschwitz deportiert)
  • Mit dem Zerstören Israels, mit der Schoah, sollte im letzten auch die Wurzel ausgerissen werden, auf der der christliche Glaube beruht und endgültig durch den neuen, selbstgemachten Glauben an die Herrschaft des Menschen, des Starken, ersetzt werden. Ansprache Papst Benedikt XVI. in Auschwitz am 25. Mai 2006

Siehe auch

Literatur

  • Theodor W. Adorno: Ob nach Auschwitz noch sich leben lasse. Ein philosophisches Lesebuch, hrsg. von Rolf Tiedemann. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1997, ISBN 3-518-11844-7.
  • Tadeusz Borowski, Friedrich Griese: Bei uns in Auschwitz, auf deutsch: 2006, Verlag Schöffling, ISBN 3-89561-329-0
  • Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Bd. 5: Hinzert, Auschwitz, Neuengamme. ISBN 978-3-406-52965-8
  • Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1989 (1958 1. A.), ISBN 3-498-00884-6.
  • Georges Didi-Huberman: Bilder trotz allem. Übers. Franz. v. Geimer. München: Wilhelm Fink Verlag 2007. 260 Seiten mit 30 Abbi. ISBN 978-3-7705-4020-4
  • Wacław Długoborski, Franciszek Piper (Redaktion): Auschwitz 1940-1945. Węzłowe zagadnienia z dziejów obozu. Autorinnen: Danuta Czech, Tadeusz Iwaszko, Stanisław Kłodziński, Helena Kubica, Aleksander Lasik, Franciszek Piper, Irena Strzelecka, Andrzej Strzelecki, Henryk Świebocki. Herausg.: Verlag Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, 1995, 5 Bände, 1.250 S., ISBN 83-85047-52-2 (PL). In deutscher Übersetzung unter Leitung von Jochen August. Auschwitz 1940-1945. Studien zur Geschichte des Konzentrations und Vernichtungslagers Auschwitz. (5 Bände: I. Aufbau und Struktur des Lagers. II. Die Häftlinge - Existentzbedingungen, Arbeit und Tod. III. Vernichtung. IV. Widerstand. V. Epilog.) 2.076 Seiten. ISBN 83-85047-76-X
  • Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main, S. Fischer, ISBN 978-3-10-039326-5.
  • Ka-Tzetnik 135633: Shivitti. Löhrbach 2005, ISBN 3-922708-50-1.
  • Helena Kubica: Man darf sie nicht vergessen. Die jüngsten Opfer von Auschwitz. Hrsg.: Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, 2003; 383 Seiten; deutsch-polnische Ausgabe, ISBN 83-88526-30-8.
  • Robert Jan van Pelt, Debórah Dwork: Auschwitz. Von 1270 bis heute. Pendo Verlag, Zürich, 1998, ISBN 3-85842-334-3.
  • Otto Schwerdt, Mascha Schwerdt-Schneller: Als Gott und die Welt schliefen. Verlag Lichtung, 1998, 111 Seiten. ISBN 3-929517-27-2
  • "Aus der Hölle zurück" von Tadeusz Sobolewicz, Bericht eines ehemaligen Auschwitz-Häftlings, herausgegeben vom Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-14179-6
  • Shlomo Venezia: Meine Arbeit im Sonderkommando Auschwitz: Das erste umfassende Zeugnis eines Überlebenden. Vorwort von Simone Veil. Dagmar Mallett Übersetzung. Blessing, 2008. 271 Seiten. ISBN 3-89667-365-3

| Lit.Liste zum Stammlager (Auschwitz I)Lit.Liste zum KZ Auschwitz III-Monowitz |

Filme

Quellen, Zitatnachweise

  • Y. Gutman und M. Berenbaum (Hrsg.): „Anatomy of the Auschwitz Death Camp“, Indiana University Press, 1994
  • Alfred Kantor (Vorw. Friedrich Heer): Das Buch des Alfred Kantor, Athenäum Verlag Frankfurt a. M. 1987/ Mc Graw-Hill Company New York 1971
  • Franciszek Piper: Die Zahl der Opfer von Auschwitz aufgrund der Quellen und der Erträge der Forschung 1945 bis 1990. Verlag Staatliches Museum in Oświęcim, 1993, ISBN 83-85047-17-4.
  1. Vgl. DPA-Meldung vom 27. Juni 2007. Eingetragen seit 1979 in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit.
  2. Franciszek Piper: Architektur des Verbrechens. Das Gebäude der sog. Zentralen Sauna im KL Auschwitz II-Birkenau.
  3. SS-Wirtschaftsverwaltungsamt / Dok: Verteilung von Uhren Zugriff 26. März 2007
  4. Wolfgang Benz(Hrsg): Dimension des Völkermordes,DTV, 1996, ISBN 3-423-04690-2
  5. Bericht des Auschwitzmuseums
  6. Bericht des Auschwitzmuseums
  7. Andreas Kilian: Der “Sonderkommando-Aufstand” in Auschwitz-Birkenau bei shoa.de.
  8. Deshalb wurden am 5. Januar 1945 hingerichtet: Ala Gertner, Rózia Robota, Regina Safirsztajn und Ester Wajcblum. Einige der Beteiligten kamen aus einem Ort, Będzin. www.jewishgen.org/Yizkor/bedzin (engl.)
  9. Komora gazowa i krematorium V
  10. Telegramm vom 6. Juli 1944 Edmund Veesenmayer an Joachim von Ribbentrop Punkt 5: über drei entzifferte Geheimtelegramme aus Bern (abgedruckt in: Francisek Piper: Die Zahl der Opfer von Auschwitz. S. 80)
  11. Nikolai Politanow: „Wir trauten unseren Augen nicht. In spiegel.de vom 27. Jan. 2008.
  12. World Heritage Committee approves Auschwitz name change Presseerklärung des Welterbekomitees vom 28. Juni 2007
  13. Deutsche Bischofskonferenz: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zur Einweihung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas am 10. Mai 2005 10. Mai 2005
  14. Der Heilige Stuhl: Botschaft seiner Heiligkeit Johannes Paul II. anlässlich des 60. Jahrestages des Befreiung der Gefangenen des Vernichtungslagers Aschwitz-Birkenau 2005
  15. Der Heilige Stuhl: Apostolische Reise seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. nach Polen (25-28. Mai 2006) Programm 2006
  16. Didi-Huberman, 2007 - Rezension, Geschichte der Aufnahmen siehe Literatur

Weblinks

50.03583333333319.1783333333337Koordinaten: 50° 2′ 9″ N, 19° 10′ 42″ O


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