Ausgleichende Gerechtigkeit

Die ausgleichende Gerechtigkeit (auch kommutative Gerechtigkeit, iustitia commutativa) ist ein Unterbegriff der Gerechtigkeit und beschreibt diejenigen Zustände als gerecht, in denen eine tatsächlich quantitativ gleiche Güterverteilung an die Individuen ohne Beachtung von Verteilungskriterien (beispielsweise orientiert an Leistung, Würde, Verdienst, physischen Fähigkeiten) hergestellt ist. Sie wird in der Nikomachischen Ethik von Aristoteles auch als arithmetische Gerechtigkeit bezeichnet, da sie im Unterschied zur geometrischen Gerechtigkeit keine Zuteilungsmaßstäbe anlegt, sondern einen mengenmäßigen Leistungsausgleich beschreibt.

Innerhalb des Konzepts der ausgleichenden Gerechtigkeit unterscheidet die praktische Philosophie zwischen der Tauschgerechtigkeit im Rahmen eines freiwilligen Vertragsverhältisses und der erzwungenen korrektiven Gerechtigkeit (iustitia correctiva).

Zum Gegenstandsbereich der ausgleichenden Gerechtigkeit gehören demnach:

  • Tausch von Gütern (gleichwertige Güter, auch Kauf usw.),
  • Wiedergutmachung von Schäden (Schadenersatz usw.),
  • Verhängung von Strafen (Strafrecht).

Siehe auch


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Gerechtigkeit — Recht * * * Ge|rech|tig|keit [gə rɛçtɪçkai̮t], die; : das Gerechtsein, gerechtes Verhalten: die Gerechtigkeit der Richterin, eines Urteils; Gerechtigkeit fordern; die soziale Gerechtigkeit. * * * Ge|rẹch|tig|keit 〈f. 20; unz.〉 I 〈unz.〉 1.… …   Universal-Lexikon

  • Gerechtigkeit — Der Kuss von Gerechtigkeit und Friede. Unbekannter Künstler, Antwerpen um 1580 …   Deutsch Wikipedia

  • Gerechtigkeit — Ge·rẹch·tig·keit die; ; nur Sg; 1 das Gerechtsein, die gerechte (1) Beschaffenheit: Zweifel an der Gerechtigkeit eines Urteils, eines Richters haben 2 etwas, das man für ↑gerecht (1) hält, besonders ein Verhalten oder eine Handlung ↔… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Gerechtigkeit — Jemandem Gerechtigkeit widerfahren lassen: ihn richtig beurteilen, Vorurteile außer acht lassen. Das ist die ausgleichende Gerechtigkeit: wird schadenfroh meist dann gesagt, wenn jemandem ein Mißgeschick passiert, nachdem er sich vorher anderen… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Gerechtigkeit — 1. Begriff: Als brauchbarste Definition kann auch heute noch die Formulierung des römischen Juristen Ulpian (170–228 n. Chr.) gelten: „G. ist der feste und dauernde Wille, jedem sein Recht zuzuteilen“. G. regelt die Beziehungen von Menschen zu… …   Lexikon der Economics

  • Gerechtigkeit —    Das AT beschreibt gerechtes Verhalten u. G. (hebr. ”sedaqa “) in verschiedenen Zusammenhängen: als Gleichheit vor Gericht, als Kennzeichen der Königsherrschaft (”Tun von Recht“), als über die bloße Pflicht hinausgehende Solidarität mit… …   Neues Theologisches Wörterbuch

  • ausgleichende, strafende Gerechtigkeit — Nemesis …   Universal-Lexikon

  • Soziale Gerechtigkeit — bezeichnet ein Leitbild einer Gemeinschaft, in der die Verteilung ihrer Güter den – von verschiedenen politischen Denkschulen unterschiedlich verstandenen – vorherrschenden ethischen Prinzipien dieser Gemeinschaft entspricht. Gerechtigkeit ist… …   Deutsch Wikipedia

  • Eine Theorie der Gerechtigkeit — A Theory of Justice (Eine Theorie der Gerechtigkeit) ist ein 1971 veröffentlichtes, vielbeachtetes Buch des US amerikanischen Philosophen John Rawls.[1] Rawls entwarf in seinem Werk ein Konzept einer politisch sozialen Grundordnung, das auf dem… …   Deutsch Wikipedia

  • Theorie der Gerechtigkeit — A Theory of Justice (Eine Theorie der Gerechtigkeit) ist ein 1971 veröffentlichtes, vielbeachtetes Buch des US amerikanischen Philosophen John Rawls.[1] Rawls entwarf in seinem Werk ein Konzept einer politisch sozialen Grundordnung, das auf dem… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”