Auslandschinese
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Tor zur Chinatown von Montreal:
Inschrift: "Tángrénjiē 唐人街" = "Straße der Tang-Menschen"

Auslandschinesen (chin. 華僑, Huáqiáo) sind Chinesen mit Wohnsitz außerhalb Chinas. Schätzungen sprechen heute von etwa 35 Millionen Auslandschinesen.

Inhaltsverzeichnis

Schwerpunkte

Diese leben vor allem in Südostasien, wobei sie in Singapur die Mehrheit und in Indonesien, den Philippinen, Thailand, Vietnam und Malaysia bedeutsame Minderheiten stellen. Ihre Vorfahren, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in diese Ländern eingewandert sind, stammten meistens aus dem Gebiet des Perlflussdeltas und den Küstenprovinzen Guangdong und Fujian. Eine weitere Gruppe von Auswanderern kommt aus Taiwan und Hainan. In letzter Zeit wandern diese vermehrt in die westlichen Ländern USA, Kanada, die Länder Südamerikas und Australien aus.

Verteilung auf die Kontinente

Bevölkerung (1998)
Gebiet  % Anzahl
Asien 80 17.070.000
Amerika 11,63 5.020.000
Europa 2,3 945.000
Ozeanien 1,28 564.000
Afrika 0,3 126.000
Total 100 33.720.000

Staaten mit den meisten Überseechinesen

Diese Zahlen beruhen auf Zahlen der Behörde für Überseechinesen der Republik China auf Taiwan aus dem Jahr 2005 und divergieren somit von offiziellen Zahlen aus der Volksrepublik China 1.

Land Bevölkerung 2005 Rang
Indonesien 7.566.200 1
Thailand 7.053.240 2
Malaysia 6.187.400 3
Vereinigte Staaten 3.376.031 4
Singapur 2.684.900 5
Kanada 1.612.173 6
Peru 1.300.000 7
Vietnam 1.263.570 8
Philippinen 1.146.250 9
Myanmar 1.101.314 10
Russland 998.000 11
Australien 614.694 12
Japan 519.561 13
Vereinigtes Königreich 500.000 14
Kambodscha 343.855 15
Frankreich 230.515 16
Indien 189.470 17
Laos 185.765 18
Brasilien 151.649 19
Niederlande 144.928 20

Herkunftsregionen

Der Landstrich um den Perlfluss ist seit mehr als zwei Jahrtausenden stark vom maritimen Austausch geprägt. Überseehandel, Schmuggel, Piraterie und Emigration haben hier eine lange Geschichte. 1996 wurde das Barvermögen der Überseechinesen auf zwei Billionen US-Dollar geschätzt, mehr als das Geld der 1,3 Milliarden Menschen in der Volksrepublik China. Der Anteil der Überseechinesen an den Investitionen auf dem chinesischen Festland liegt bei 80 Prozent (zum Vergleich: Deutschland 0,25 Prozent).

Der chinesische Begriff Überseechinese oder Auslandschinesen (华侨 huáqiáo) steht für chinesische Staatsangehörige, die als Fremde vorübergehend oder auch dauerhaft (seit Generationen z.B. in Indonesien) im Ausland leben.

Konflikte

Für ethnische Chinesen, die ausländische Staatsbürger sind, werden die Begriffe hǎiwài huárén (海外华人 = Überseechinesen) oder huáyì (华裔 = Nachkommen von Chinesen) verwendet.

In chinesischen Gemeinschaften in Übersee entstehen häufig kulturelle Konflikte mit den nachfolgenden Generationen. So werden chinesischstämmige Kinder, die aber in westlichen Kulturen aufwachsen, abfällig "Bananen" genannt; das ist ein Wortspiel für "außen gelb, innen weiß".

Wirtschaftliche Bedeutung

Die rund 60 Mio. Auslandschinesen (hier Macau, Hongkong und Taiwan mitgezählt) sind in den meisten asiatischen Staaten eine neue Wirtschaftsgroßmacht. Ihre Wirtschaftskraft wird nur von den USA und von Japan übertroffen. Ihre Investitionen liegen höher als die japanischen Auslandsinvestitionen, in der Volksrepublik China selbst stellen sie etwa 80% der Investoren.


Geschichtliche Einordnung

Zwischen 1740 und 1840 war der Handel in Südostasien fest in chinesischer Hand. Erst das Eindringen des europäischen Kolonialismus änderte die Lage. Die chinesischen Händler wurden aber in das Kolonialsystem integriert. Die Kolonialmächte schätzten sie als Mittelsmänner und verhinderten so, eine Unterwanderung ihrer Geschäftsprozesse durch Einheimische. Opium wurde zum Beispiel auch mit Hilfe der Überseechinesen umgeschlagen. Das Kuli (Tagelöhner)-System wurde von den Überseechinesen mitorganisiert und ermöglichte es den Kolonialmächten, Arbeitskräfte für Infrastrukturprojekte zu rekrutieren.

Die Auswanderung aus China wurde vom chinesischen Kaiserreich sanktioniert, da das Reich fürchtete, es könnten sich Widerstandsnester gegen die Herrschaft in der Fremde herausbilden. Diese Einschätzung war überwiegend richtig, da die Nationalbewegung aus den chinesischen Gemeinschaften aus Übersee finanzielle Hilfe für die politische Umgestaltung Chinas erhielt.

Politische Wirren führten neben der Suche nach ökonomischen Vorteilen immer wieder zur Auswanderung. Die Herkunftsprovinzen sind oftmals die Küstenprovinzen Fujian und Guangdong. In Malaysia leben besonders viele Hakkas.

Der Umstand, dass die chinesischen Händler ins Kolonialsystem integriert waren, machte sie in Südostasien besonders zu einer Paria-Gruppe in den sich bildenden Nationalstaaten.

Diese Paria-Stellung ermöglichte es den Vielvölkerstaaten in Südostasien ein nationale Identität mittels des Ausschlußes der Chinesen zu entwickeln. Chinesen waren von jeher oft einer Feindschaft der Einheimischen ausgesetzt, die sich unterschiedlich zeigte und auswirkte: von Verleumdung, Diskriminierung, Unterdrückung, Verfolgung bis hin zu Pogrome, Vertreibung und/oder Ermordung.

Die politischen Entwicklungen in China verstärkten diese Prozesse. In Thailand waren die Chinesen dem König verdächtig, weil 1911 eine republikanische Revolution das Kaiserreich in China stürzte. Nachdem die chinesische Republik durch die kommunistische Volksrepublik ersetzt wurde, waren in Indonesien die Chinesen automatisch des Kommunismus verdächtig, die u.a. zum Völkermord an den Chinesen Indonesiens führten.

Die nationalen Eliten in Südostasien missbrauchten die "Chinesenfrage" als Dampfablasser für soziale Proteste. Die Pogrome richten sich vor allem gegen die untere sozialen Ränge in der chinesischen Diaspora.

Siehe auch

Weblinks


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