Ausnang
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Leutkirch im Allgäu
Leutkirch im Allgäu
Deutschlandkarte, Position der Stadt Leutkirch im Allgäu hervorgehoben
47.82555555555610.022222222222654Koordinaten: 47° 50′ N, 10° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Ravensburg
Höhe: 654 m ü. NN
Fläche: 174,95 km²
Einwohner: 22.181 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 127 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88299
Vorwahl: 07561
Kfz-Kennzeichen: RV (alt WG)
Gemeindeschlüssel: 08 4 36 055
Stadtgliederung: Kernstadt und 8 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Marktstraße 26
88299 Leutkirch im Allgäu
Webpräsenz:
Oberbürgermeister: Hans-Jörg Henle
Lage der Stadt Leutkirch im Allgäu im Landkreis Ravensburg
Karte
Leutkirch und Schloss Zeil 1907

Leutkirch im Allgäu ist eine ehemalige Freie Reichsstadt im Südosten des Bundeslandes Baden-Württemberg. Im westlichen Allgäu zwischen Memmingen und Wangen im Allgäu an der A 96 gelegen, bildet die Stadt ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Leutkirch ist nach Einwohnerzahl hinter Ravensburg, Wangen und Weingarten die viertgrößte Stadt des Landkreises Ravensburg sowie nach seiner Fläche von 175 km² hinter Stuttgart, Baiersbronn, Bad Wurzach und Ehingen die fünftgrößte Gemeinde in Baden-Württemberg.

Leutkirch im Allgäu ist seit dem 1. Januar 1974 Große Kreisstadt. Mit seinen Nachbargemeinden Aichstetten und Aitrach hat die Stadt Leutkirch eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Leutkirch liegt im westlichen Allgäu am nördlichen Ende der Adelegg, dem nördlichsten Ausläufer der Alpen. Die Altstadt liegt zwischen dem rechten Ufer der Eschach und der Wilhelmshöhe, einer Aufragung am Rande des Aitrachgebiets. Die Eschach betritt im äußersten Südosten des Stadtgebiets bei Schmidsfelden das Stadtgebiet, fließt dann in nordöstlicher Richtung durch den Osten des Stadtgebiets vorbei an Emerlanden, Winterstetten, Friesenhofen und Urlau, erreicht dann die Kernstadt, die sie von Süden nach Norden durchfließt. Anschließend fließt sie am Ort Mailand vorbei und vereinigt sich unweit nördlich mit der von Westen kommenden Wurzacher Ach zur Aitrach, die wenige Kilometer nördlich das Leutkircher Stadtgebiet wieder verlässt, um schließlich in die Iller zu münden. Das westliche Stadtgebiet wird hingegen über Nebenflüsse der Argen zum Bodensee hin entwässert, somit liegt Leutkirch auf der Europäischen Hauptwasserscheide.

Nachbargemeinden

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Leutkirch im Allgäu. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt: Lautrach (Landkreis Unterallgäu), Legau (Landkreis Unterallgäu), Altusried (Landkreis Oberallgäu) sowie Isny im Allgäu, Argenbühl, Kißlegg, Bad Wurzach und Aichstetten (alle Landkreis Ravensburg).

Stadtgliederung

Rathaus

Das Stadtgebiet Leutkirchs besteht aus der Kernstadt und den im Rahmen der Gemeindereform der 1972 eingegliederten ehemaligen Gemeinden Diepoldshofen, Friesenhofen, Gebrazhofen, Herlazhofen, Hofs, Reichenhofen, Winterstetten und Wuchzenhofen.

Die eingegliederten Gemeinden sind heute zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden. In jeder der Ortschaften gibt es eine Ortsverwaltung, deren Leiter der Ortsvorsteher ist.

Zu allen Stadtteilen und zur Kernstadt gehören noch viele räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die oft wenige Einwohner haben oder Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnung sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen sind dies:

Teilort Einwohner[2] Wohnplätze
Kernstadt 11.513 Moosmühle, Riedlesmühle, Ziegelstadt, ferner Nibelsiedlung, Siedlung Pfingstweide, Repsweihersiedlung
Diepoldshofen 572 Bergkönig, Bodenhaus, Erlenstockhof, Hünlishofen, Oberburkhardshofen, Rast, Riedlings, Rimmeldingen, Staighaus, Stegrot, Übendorf, Unterburkhardshofen, Weißenbauren
Friesenhofen 777 Bachschwemme, Badhaus, Bahnhof Friesenhofen, Boschen, Bottentann, Ellmeney, Friesenhofer Sägmühle, Halden, Hitzenlinde, Kaltbronnen, Oberhofen, Rimpach, Rinnebühl, Speckenloch, Unteres Moos, Wald
Gebrazhofen 1807 Engelboldshofen, Engerazhofen, Enzlesmühle, Feldershof, Fuchsberg, Grimmelshofen, Grünenberg, Hinterberg, Kolbshof, Liezenhofen, Merazhofen, Moosacker, Mühlhof, Nannenbach, Roßwinkel, Sackhof, Sackmühle, Schönenbühl, Spechtshof, Stampfe, Toberazhofen, Uttenhofen, Vogelhof, Weihersmühle, Winterazhofen, Wolferazhofen, Wolferazhofer Bad
Herlazhofen 2522 Bahnhof Gebrazhofen, Berg, Berger, Bettelhofen, Birnmann, Bufler Burris, Ellerazhofen, Ewigkeit, Gaile, Gerber, Grünenbach, Haselburg, Haslerhöfe, Heggelbach, Hinterberg, Hundhöfe, Kapf, Kauter, Kellers, Krug, Lanzenhofen, Missen, Mühle, Öschhöfe, Schuhmacher, Sonthofen, Spitzenrain, Stemmer, Tautenhofen, Tautenhofer Einöden, Unger, Urlau, Urlau-Oberösch, Urlau-Unterösch, Vesterhof, Viehweide, Weipoldshofen, Welschen, Willerazhofen, Willerazhofer Bad Zollhaus
Hofs 916 Alexanderhof, Alpenblick, Ausnang, Bergs, Beyschlechts, Bimmlings, Bremerwies, Brühlhof, Bruggen, Dinghof, Dietmanns, Dietrichshof, Dornhof, Eisbäuerleshof, Ellmeney, Freihalden, Fuchsen, Gallenhöfle, Gegenbauerhof, Grund, Höll, Jockenbauernhof, Klotzbauernhof, Krattenmacherhof, Lochbühl, Martinshof, Muschhof, Quickenhof, Raggen, Reischach, Rotis, St. Leonhard, Sonnenhalde, Tobelhof, Vogelsang, Vorderreischach, Waldhörnle, Waldhof, Wiesental
Reichenhofen 1914 Auenhofen, Bernhard, Boschen, Brunnentobel, Greishof, Haid, Haider Einöden, Haldenhaus, Herbrazhofen, Hinterberg, Hinterstriemen, Mailand, Rostall, St. Wolfgang, Schloss Zeil, Sebastianssaul, Unterzeil, Vorderberg, Vorderstriemen
Winterstetten 442 Emerlanden, Emerlander Mühle, Hinznang, Hitzenlinde, Isgazhofen, Jörger, Öschhof, Schmidsfelden, Unterhitzenlinde, Unterselach, Vogelberg, Weidach
Wuchzenhofen 1980 Adrazhofen, Allmishofen, Balterazhofen, Bauernhalden, Berghof, Bergschmid, Boschenmühle, Einsiedler, Furt, Geigers, Glockenreute, Grafenbrandhöfe, Grenzhof, Großenbauer, Gschwend, Haldenhof, Hammerschmiede, Hasenberg, Hinterer Spitalhof, Höll, Kesselbrunn, Kiechle, Lauben, Luttolsberg, Metzger, Neumühle, Nibelhöfe, Niederhofen, Nonnenbühl, Ölmühle, Ottmannshofen, Quellenhof, Schachen, Schadenhof, Schorniggelhäuser, Schorniggelhöfe, Spitalriedhöfe, Talhof, Tannhöfe, Vorderer Spitalhof, Waldbauer, Weiherhof, Weißweber, Wielazhofen

Raumplanung

Leutkirch im Allgäu ist ein Mittelzentrum im innerhalb der Region Bodensee-Oberschwaben, dessen Oberzentrum die Städte Ravensburg, Weingarten und Friedrichshafen sind. Der Mittelbereich Leutkirch umfasst den nordöstlichen Bereich des Landkreises Ravensburg, im Einzelnen die Städte und Gemeinden Aichstetten, Aitrach, Bad Wurzach, Isny im Allgäu und Leutkirch. Darüber hinaus gibt es Verflechtungen mit den Gemeinden des angrenzenden Oberzentrums Memmingen in Bayern. Ferner liegt Leutkirch laut Landesentwicklungsplan Baden-Württemberg auf der Landesentwicklungsachse LindauWangen–Leutkirch–Memmingen und der Regionalen Entwicklungsachse Bad SaulgauAulendorfBad WaldseeBad Wurzach–Leutkirch–Isny.

Geschichte

Geschichte der Kernstadt

Vor- und frühgeschichtliche Siedlungsspuren sind im Allgäu selten. Um so mehr fällt auf, dass aus Leutkirch ein Grabfund der Völkerwanderungszeit bekannt ist[3] (namengebend für Fibeln vom Typ Leutkirch). Offenbar ließen sich im Vorfeld des Donau-Iller-Rhein-Limes, zu dem das nahe Kastell Isny gehört, frühe Alamannen nieder.

Eine Besiedlung des Westallgäuer Hügellandes während der Merowingerzeit ist archäologisch bisher kaum nachweisbar, ist jedoch aufgrund historischer Quellen – frühe Nennungen, Patrozinien und Ortsnamenformen – anzunehmen.

Die Stadt entstand durch das Zusammenwachsen zweier Dörfer, Ufhofen und Mittelhofen, die zu Füßen der Leutekirche St. Martin lagen. Die Namensgeberin der späteren Stadt, die Leutekirche ist heute im Wappen der Stadt abgebildet. Eine erste urkundliche Erwähnung des alten Kirch- und Gerichtsortes des Nibelgaus findet sich in einer St. Gallener Urkunde aus dem Jahr 766, in der das Gebiet nach dem Aussterben der Udalrichinger an die Grafen von Bregenz und im Weiteren an die Grafen von Montfort vergeben wurde. Während deren Regentschaft entstand zwischen Ufhofen und Mittelhofen eine Marktsiedlung.

Im Jahr 1293 wurde Leutkirch von König Adolf von Nassau die Rechte der Stadt Lindau verliehen und wurde so zur Freien Reichsstadt. Frühere Urkunden lassen aber auch schon auf eine städtische Siedlung mit dem Begriff in burgo schließen.

Das Hauptgewerbe der Stadt wurde der Leinwandhandel. Die größte Zunft mit bis zu 200 Mitgliedern waren die Weber, deren Erzeugnisse bis nach Italien und Spanien gehandelt wurden. 1488 wurde Leutkirch Mitglied im Schwäbischen Bund und erlangte Sitz und Stimme auf dem Reichstag und im Schwäbischen Bund.

1546 hielt in Leutkirch die Reformation Einzug.

Leutkirch, Kupferstich von Merian, um 1650

Der Dreißigjährige Krieg setzte der Stadt schwer zu. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, die Zahl der Bürger sank auf 184. Auch die Zeit nach 1648 war keine Blütezeit für die Stadt, deren Verschuldung weiter zunahm. Trotz dieser wirtschaftlich schlechten Zeiten wurde 1740 das barocke Rathaus erbaut. Die Stuckdecke von Johannes Schütz zählt heute zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt.

Bei der Mediatisierung 1803 wurde Leutkirch zunächst bayerisch, 1810 kam die Stadt zum Königreich Württemberg und wurde Sitz des Oberamtes Leutkirch, das im Jahr 1938 aufgelöst wurde.

1872 wurde die Bahnstrecke Kißlegg–Leutkirch eröffnet, 1874 die Bahnlinie nach Isny und 1889 nach Memmingen. Im 19. Jahrhundert setzte zögernd eine Industrialisierung ein. Die eher handwerklich geprägte traditionelle Glasindustrie im heutigen Ortsteil Schmidsfelden beispielsweise ging jedoch um 1900 wieder zugrunde.

Im Zuge der Gebietsreform schlossen sich 1972 acht Nachbargemeinden mit der Stadt Leutkirch zusammen. Dadurch überschritt die Einwohnerzahl die Grenze von 20.000, so dass die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt stellte. Die Landesregierung von Baden-Württemberg beschloss dies dann mit Wirkung vom 1. Januar 1974. Zum 11. Juni 1974 wurde der Name der Stadt geändert. Seither lautet die offizielle Bezeichnung Große Kreisstadt Leutkirch im Allgäu. Am 1. Januar 1973 erfolgte im Rahmen einer Kreisreform die Eingliederung in den heutigen Landkreis Ravensburg (KFZ-Kennzeichen RV). Zuvor gehörte Leutkirch zum Altkreis Wangen (KFZ-Kennzeichen WG).

Geschichte der eingemeindeten Dörfer

In den meisten heute zu Leutkirch eingemeindeten Dörfern lebten im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit überwiegend Bauern, die als freie Bauern keinem Herrn außer dem Kaiser untertan waren. Diese so genannten Freien auf Leutkircher Heide hatten eine eigene Gerichtsbarkeit, ihre Dörfer somit de facto zumindest im Spätmittelalter den Sonderstatus von Reichsdörfern. Da der Status des freien Bauern jedoch an die Person gebunden war und die Erblichkeit im Laufe der Jahrhunderte unterschiedlich und zunehmend zum Nachteil der freien Bauern geregelt war, ging die Bedeutung der freien Bauern mehr und mehr zurück. Das Haus Habsburg beanspruchte zudem die von freien Bauern bewohnten Dörfer als Bestandteil seiner Landvogtei Schwaben. Immerhin blieben in diesen Dörfern pro forma einige Sonderrechte bis zum Ende des Alten Reiches bestehen.

Diepoldshofen

Diepoldshofen wurde 1152 erstmals erwähnt. Im 13. Jahrhundert war es im Besitz der Klöster Baindt, Isny und Rot. Die Herrschaft oblag der Grafschaft Zeil, mit der der Ort 1810 an Württemberg fiel. Danach gehörte der Ort zunächst zur Oberschultheißerei Zeil innerhalb des Oberamts Leutkirch. 1820 wurde die Gemeinde Diepoldshofen gebildet, die bis 1849 zum fürstlich Waldburg-Zeilschen Amt gehörte, dann wieder zum Oberamt Leutkirch. Bei dessen Auflösung 1938 kam die Gemeinde zum Landkreis Wangen.[4]

Friesenhofen

Friesenhofen wurde um 1176 erstmals erwähnt. Im 14./15. Jahrhundert war der Ort im Besitz des Klosters Kempten. Das Gebiet bildete eine eigene Hauptmannschaft der Herrschaft Trauchburg, bei welcher die Landeshoheit lag. Ende des 18. Jahrhunderts verödete die Siedlung. 1805/07 entstanden die mehrere neue Siedlungen, zum Beispiel Bachschwemme, Boschen, Bottentann und Speckenloch. 1806 kam das Gebiet an Württemberg und es wurde die Gemeinde Friesenhofen gebildet. Diese gehörte zunächst zum Oberamt Wangen, kam 1842 an das Oberamt Leutkirch und bei dessen Auflösung 1938 an den Landkreis Wangen.

Gebrazhofen

Gebrazhofen wurde 1249 als Egebrechtshoven erstmals erwähnt, doch ist nicht mit Sicherheit festzustellen, ob es sich dabei wirklich um den heutigen Ort handelt. 1353 wird ein Ort Geberatzhofen genannt. Der Ort bildete ein Amt der Landvogtei Schwaben und damit von Vorderösterreich. Es umfasste ein Gebiet, das König Rudolf 1291 zusammen mit der Grafschaft Zeil und der Stadt Leutkirch erworben hatte. 1415 wurde es in die Landvogtei Schwaben eingegliedert und unterstand dem Oberamt Altdorf. Ab 1802 war es zwischen Österreich und Bayern strittig, bis es 1806 an Bayern kam. 1810 wurde es württembergisch und in die Schultheißerein Gebrazhofen, Herlazhofen, Niederhofen, Tautenhofen und Wuchzenhofen aufgeteilt, die alle zum Oberamt Leutkirch gehörten. 1819 wurden Tautenhofen nach Herlazhofen und Niederhofen nach Wuchzenhofen eingegliedert, so dass nur noch drei Gemeinden bestanden. Diese kamen 1938 zum Landkreis Wangen.[5]

Herlazhofen

Herlazhofen wurde um 1246 als Erlandishovin erstmals erwähnt. Im 14. Jahrhundert kamt der Ort teilweise an die Herren von Hohentann und im 15. Jahrhundert an das Kloster Kempten. Später gehörte es zum Amt Gebrazhofen der Landvogtei Schwaben. 1806 kam es unter bayerische und ab 1810 unter württembergische Verwaltung. Dann wurde Herlazhofen eine eigene Gemeinde im Oberamt Leutkirch. 1819 wurde die Gemeinde Tautenhofen eingegliedert und 1938 kam die Gemeinde zum Landkreis Wangen.

Hofs

Hofs wurde 1359 erstmals genannt als es von Truchseß Otto von Waldburg an das Kloster Weingarten verkauft wurde. Der Ort gehörte dann zum Amt Ausnang, deren hohe Obrigkeit der Landvogtei Schwaben unterstand. Mit Weingarten kam das Amt Ausnang 1802 an Nassau-Oranien, 1804 an Österreich, 1806 an Bayern und 1810 an Württemberg. Ausnang war als Ort bereits im 18. Jahrhundert vereinödet. So entstand 1810 die Gemeinde Hofs innerhalb des Oberamts Leutkirch. 1938 kam die Gemeinde zum Landkreis Wangen.

Reichenhofen

Reichenhofen wurde 1127 als Richehoven erstmals erwähnt. Im 14. Jahrhundert war der Ort Sitz der Herren von Trauchberg. Später hatten die Klöster Isny, Rot und Kempten Besitzungen. Schließlich das Spital Waldsee. 1756 vereinödete der Ort und andere Siedlungen entstanden. Die Landeshoheit über das Gebiet lag bei der Grafschaft Zeil. Mit dieser kam es 1806 an Württemberg und gehörte zunächst zur Schultheißerei Zeil-Zeil, wurde 1820 eine Gemeinde im fürstlichen Amt Waldburg-Zeil und Trauchburgischen Amt Zeil (bis 1849), gehörte aber seit 1810 zum Oberamt Leutkirch und kam 1938 zum Landkreis Wangen.

Tautenhofen

Tautenhofen wurde nach 1094 als Tutenhofen erstmals erwähnt. Der Ort gehörte zum Amt Gebrazhofen der Landvogtei Schwaben und kam mit dieser 1810 an Württemberg. Danach war Tautenhofen eine selbstständige Gemeinde im Oberamt Leutkirch. 1819 wurde sie jedoch nach Herlazhofen eingegliedert und kam mit dieser 1938 zum Landkreis Wangen.

Urlau

Urlau wurde 834 als Urallon erstmals erwähnt. Besitzungen hatte das Kloster St. Gallen. Im 15. Jahrhundert gehörte es den Herren von Hohentann und dem Kloster Kempten. Die Kirche wurde kam über die Herren von Hohentann, die sie als Lehen des Hochstifts Würzburg hatten, an die Memminger Familie Ammann. Schließlich kam es über die Augsburger Familie Feuchtwekk an die Herren von Laubenberg und 1700 an die Deutschordenskommende Altshausen. Im Urlauer Tann wurde im Zweiten Weltkrieg eine große Munitionsanstalt gebaut, die Muna Urlau.

Winterstetten

Winterstetten wurde 834 als Wintirsteti erstmals erwähnt. Das Gebiet war eine Hauptmannschaft der Herrschaft Trauchberg, welche die Landeshoheit ausübte. 1806 kam das Gebiet an Württemberg und 1820 wurde die gleichnamige Gemeinde im Oberamt Wangen gebildet. Dann kam sie zum Oberamt Leutkirch und 1938 zum Landkreis Wangen.

Wuchzenhofen

Wuchzenhofen wurde 1353 als Wuczenhofen erstmals erwähnt. Der Ort gehörte zum Amt Gebrazhofen der Landvogtei Schwaben und kam 1806 an Bayern und 1810 an Württemberg. 1811 entstand die Gemeinde Wuchzenhofen, in die 1819 die Gemeinde Niederhofen eingegliedert wurde. Sie gehörte stets zum Oberamt Leutkirch und kam 1938 zum Landkreis Wangen.

Eingemeindungen

In die Stadt Leutkirch im Allgäu wurden folgende Gemeinden eingegliedert:

  • 1. Januar 1972: Hofs
  • 1. Juni 1972: Diepoldshofen, Friesenhofen, Gebrazhofen, Herlazhofen, Reichenhofen, Winterstetten und Wuchzenhofen
Diepoldshofen
Diepoldshofen
Friesenhofen
Friesenhofen
Gebrazhofen
Gebrazhofen
Herlazhofen
Herlazhofen
Hofs
Hofs
Reichenhofen
Reichenhofen
Winterstetten
Winterstetten
Wuchzenhofen
Wuchzenhofen

Einwohnerentwicklung

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohnerzahlen
1350 ca. 1.800
1500 ca. 2.000
1610 ca. 2.200
1790 1.750
1823 1.879
1855 2.277
1. Dezember 1871 ¹ 2.819
1. Dezember 1880 ¹ 2.891
1. Dezember 1900 ¹ 3.383
1. Dezember 1910 ¹ 4.010
16. Juni 1925 ¹ 4.283
16. Juni 1933 ¹ 4.510
Jahr Einwohnerzahlen
17. Mai 1939 ¹ 4.864
13. September 1950 ¹ 6.079
6. Juni 1961 ¹ 7.247
27. Mai 1970 ¹ 9.899
31. Dezember 1972 20.038
31. Dezember 1975 19.974
31. Dezember 1980 19.900
27. Mai 1987 ¹ 20.309
31. Dezember 1990 20.722
31. Dezember 1995 21.585
31. Dezember 2000 22.029
31. Dezember 2005 22.415

¹ Volkszählungsergebnis

Religionen

Dreifaltigkeitskirche

Das Gebiet der heutigen Stadt Leutkirch gehörte anfangs zum Bistum Konstanz und war dem Archidiakonat Tannenfels, Dekanat auf der Heide unterstellt. Eine Kirche und Pfarrei wird bereits 788 erwähnt. 797 taucht sie als St. Martinskirche auf, die 1352 von König Karl IV. an das Stift Stams verschenkt wurde. Durch Tausch kam sie schließlich an das Kloster Weingarten. Die heutige Kirche wurde 1514/19 im spätgotischen Stil erbaut, der Turm hat noch romanische Überreste. 1814 erhielt die Kirche eine Zwiebelhaube auf ihrem Turm.

Die Reformation hielt in Leutkirch erst 1546 Einzug – fünf Jahre nach dem Tod des aus Leutkirch stammenden Wiener Bischofs Johann Fabri, der seine Leutkircher von Wien aus energisch vor dem neuen Glauben gewarnt hatte. Die Bevölkerung schloss sich dem Augsburgischen Bekenntnis und dem Schmalkaldischen Bund an. Die Folge waren langjährige Streitigkeiten mit dem Patronatsherrn der Pfarrkirche St. Martin, dem Kloster Weingarten. 1562 wurde zwischen beiden Parteien ein Vergleich geschlossen. Danach behielten die Katholiken die Pfarrkirche St. Martin, den Protestanten wurde die Spitalkirche zugesprochen. 1589 wurde diese baulich erweitert und heißt heute Gedächtniskirche. Das Spital selbst war 1418 gegründet worden. Die Zahl der Katholiken wurde jedoch nach diesem Vergleich begrenzt. Von 1613 bis 1615 baute sich die evangelische Gemeinde die Dreifaltigkeitskirche, den ersten protestantischen Kirchenbau zwischen Donau und Bodensee, die heutige evangelische Hauptkirche der Stadt. Architekt war Daniel Schopf, der eine Kirche im Stil von Heinrich Schickhardt schuf. Diese wurde 1857/60 neugotisch umgestaltet, doch wurde dies 1972 bis auf die Ausstattung wieder rückgängig gemacht.

In Leutkirch wurde auf Initiative von Dekan Karl Kästle im Jahr 1958 das Bischöfliche Knabenseminar eröffnet. Der in Hauerz geborene Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart Carl Joseph Leiprecht stellte das Haus unter den Schutz der Patronin Regina Pacis, Königin des Friedens. 28 Jahre bestand das Haus als Bischöfliches Studienheim Regina Pacis, von den Leutkirchern liebevoll Semi oder auch Semi Leutkirch genannt, mit bis zu hundert Schülern. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart wollte begabten Jungen im Oberland den Besuch einer höheren Schule ermöglichen und erhoffte sich so auch Nachwuchs für den Priesterstand.

Offiziell wurde aus Kostengründen das Knabenseminar 1984 geschlossen, umgebaut, modernisiert und 1987 als Haus Regina Pacis neu eröffnet.

Evangelische Kirchengemeinde

Die evangelische Kirchengemeinde Leutkirch blieb bis 1802 selbständig und wurde 1810 in die Evangelische Landeskirche in Württemberg eingegliedert und dem Dekanat Ravensburg zugeordnet. In der Gemeinde sind heute zwei Pfarrer tätig. In die Stadtteile Leutkirchs zogen vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg auch evangelische Bewohner. Auch sie gehören zur Evangelischen Kirchengemeinde Leutkirch. Dabei finden in Unterzeil, Gebrazhofen und Friesenhofen regelmäßige Gottesdienste meist in den dortigen katholischen Kirchen oder Gemeindehäusern statt.

Katholische Kirchengemeinden

Die katholische Gemeinde gehörte bis 1802 noch zum Bistum Konstanz. Dann wurde sie dem Ordinariat Ellwangen unterstellt, aus dem 1821/27 das neu gegründete Bistum Rottenburg (heute Rottenburg-Stuttgart) hervorging.

Hier wurde Leutkirch Sitz eines Dekanats. Zu ihm gehören auch alle katholischen Kirchengemeinden in den Stadtteilen Leutkirchs, die nach der Reformation ausnahmslos katholisch blieben.

Im Einzelnen gibt es in den Leutkircher Ortsteilen folgende katholische Kirchen:

  • St. Johann Baptist Diepoldshofen (Kirche von 1846 mit altem Turm)
  • St. Johann Baptist Engerazhofen (Kirche von 1789/90, jedoch älterer Vorgängerbau)
  • St. Petrus und Paulus Friesenhofen (spätgotische Kirche mit späteren Erneuerungen um Umbauten im 17. Jahrhundert)
  • Mariä Himmelfahrt Gebrazhofen (spätgotischer Turm mit Kirchenschiff von 1689/90)
  • Expositurvikariats-Filialkirchengemeinde St. Nikolaus Heggelbach (1631 Umbau einer spätgotischer Kirche, 1706 geweiht)
  • St. Stephanus Herlazhofen (Kirche von 1426 mit Erweiterung 1717; eine Kirche und Pfarrei wird aber bereits 1275 erwähnt)
  • St. Gertrud Hinznang (spätgotischer Bau mit Umbauten des 18. und 19. Jahrhundert sowie neoromanischem Chorabschluss von 1884)
  • St. Gallus und Magnus Hofs (Kirche und Pfarrei 1275 genannt, die spätgotische Kirche wurde 1755 und 1860 erweitert)
  • St. Gordian und Epimachus Merazhofen (Kirche von 1841 mit altem Turm)
  • St. Bartholomäus Ottmannshofen (alte Kirche mit Erweiterung von 1897)
  • St. Laurentius Reichenhofen (Kirche von 1500 mit Turm von 1534 und Umbauten von 1756 und 1888; eine Kirche wird aber bereits 1275 erwähnt)
  • St. Maria Schloss Zeil (1612 als Stiftskirche erbaut, 1760 klassizistische Veränderungen)
  • Filialkirchengemeinde St. Magnus Unterzeil (16. Jahrhundert, Turm von 1684/90 mit Zwiebelhaube, die jedoch 1828 durch einen Helm ersetzt wurde)
  • St. Martinus Urlau (romanische Urkirche mit barocker Umgestaltung von 1667 und neuem Chorgewölbe von 1742)
  • St. Margareta Willerazhofen (spätgotische Kirche mit Umbauten von 1698 und Erweiterungen des 19. Jahrhundert)
  • St. Johannes Baptista Wuchzenhofen (spätklassizistischer Bau von 1842 mit Ausmalung von 1887/88 mit spätgotischem Turmunterteil der alten Kirche von 1353).

Darüber hinaus gibt es einige Filialkirchen und Kapellen, wie zum Beispiel St. Leonhard Rimpach (erbaut 1765 unter Verwendung des gotischen Vorgängerbaus), Kapelle La Salette Engerazhofen (erbaut 1864 mit Schiff von 1889), Kapelle St. Johann und Paul Herlazhofen (erbaut 1603, im 19. Jahrhundert restauriert), Kapelle Ellerazhofen (erbaut 1845), Kapelle St. Veit Grünenbach (spätgotisch mit barockem Umbau), Kapelle Lanzenhofen (vermutlich 18. Jahrhundert), Kapelle St. Silvester und Wendelin (1594 umgebaut), Kapelle zur Hl. Ottilie Raggen (neoromanisch, frühere Kapelle St. Agatha wurde 1902 abgebrochen), Kapelle Auenhofen (Baujahr unbekannt), Filialkirche St. Stephan Striemen (gotisch mit Erneuerung 1890), Kapelle St. Wolfgang (im gleichnamigen Weiler, 1427-67 erbaut), Kapelle Sebastianssaul (1675 erbaut), Kapelle St. Fridolin (erbaut 1934, Vorgängerbau aus dem 18. Jahrhundert), Kapelle Balterazhofen, Kapelle Lauben (18. Jahrhundert), Kapelle Weipoldshofen (Baujahr unbekannt, wurde 2005 renoviert) und Kapelle Wielazhofen (erbaut 1883, erweitert 1954).

Andere christliche Gemeinden

Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Leutkirch auch Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter eine Evangelisch-methodistische Gemeinde. Auch die Neuapostolische Kirche ist in Leutkirch vertreten.

Politik

Gemeinderat

Die Kommunalwahl am 13. Juni 2004 ergab folgendes Ergebnis:

Liste Anteil +/− Sitze +/−
CDU 41,4 % −7,8 13 Sitze −5
FW 21,5 % −7,6 6 Sitze −3
Leutkircher Liste 19,5 % +19,5 6 Sitze +6
Unabhängige 10,7 % -3,8 3 Sitze -2
SPD 6,9 % -0,3 2 Sitze ±0

Bürgermeister

An der Spitze der Freien Reichsstadt Leutkirch stand der vom königlichen Landvogt ernannte Amtmann. Daneben gab es auch einen erstmals 1311 erwähnten Rat, deren Mitglieder zugleich die Richter waren. Vorsitzender des Stadtgerichts war der Amtmann. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Zunftverfassung eingeführt. Danach nahm der von den Bürgern gewählte Bürgermeister den Vorsitz im Rat. Der Amtmann war nur noch Vorsitzender des Gerichts. Neben dem Rat gab es noch den so genannten Ausschuss der Zwanzig als Vertreter der Zünfte. Später war der Amtmann wieder Mitglied im Rat, dem ferner zwei Bürgermeister, drei Geheime und neun Ratsherren angehörten.

1802 wurde die bayerische und ab 1810 die württembergische Verwaltung eingesetzt. Danach gab es einen Stadtschultheiß und den Rat. 1935 wurde aus dem Stadtschultheiß der Bürgermeister, der seit der Erhebung zur Großen Kreisstadt 1974 die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister trägt. Heute wird der Oberbürgermeister für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Er ist Vorsitzender des Gemeinderats und Leiter der Stadtverwaltung. Der Oberbürgermeister hat einen Ersten Beigeordneten als hauptamtlichen Stellvertreter, der die Amtsbezeichnung Bürgermeister trägt.

Die Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister seit 1802:

  • 1802–1803: Gottlieb Friedrich Mendler und Johann Jakob Uhland
  • 1804–1806: Stadtkommissar Jäger
  • 1807–1817: Johannes Zorn und Abraham Stör (abwechselnd)
  • 1818–1833: Gabriel Schneider
  • 1833–1845: Johann Früh
  • 1845–1875: Wilhelm Blaich
  • 1875–1893: Jakob Blaich
  • 1893–1928: August Fischer
  • 1929–1934: Max Held
  • 1934–1939: Fritz Ehrle
  • 1940–1943: Die Amtsgeschäfte wurden vom 1. bzw. 2. Beigeordneten versehen
  • 1943–1945: Walter Reichert
  • 1945–1946: Josef Rusch
  • 1946–1954: Eugen Herrmann
  • 1954–1986: Josef Feger
  • 1986–2002: Otto Baumann
  • 2002–2008: Elmar Stegmann
  • 2008-lfd. Hans-Jörg Henle

Wappen

Die Blasonierung des Wappens der Stadt Leutkirch im Allgäu lautet: In Blau eine rot gedeckte silberne Kirche mit rechtsstehendem großem Turm mit Giebeldach und goldenem Kreuz sowie mit zwei linksstehenden kleinen Türmchen mit Kegeldächern; über dem Kirchendach in goldenem Schildchen ein doppelköpfiger schwarzer Adler. Die Stadtflagge ist blau-gelb.

Das Wappen ist schon im Siegelabdruck aus dem Jahr 1382 zu sehen. Es handelt sich um ein redendes Wappen und bezieht sich auf die Kirche St. Martin, die Pfarrkirche (Leutekirche) für ein weites Umland war. Der Adler deutet auf die frühere Reichsstadt hin. Im 19. Jahrhundert war der Adler teilweise durch die württembergischen Hirschstangen ersetzt, doch setzte sich schließlich wieder das heutige Wappen durch. Die Flagge wurde aus den Wappenfarben entnommen, doch hatte die Bürgergarde im Jahr 1832 ebenfalls eine Fahne in den gleichen Farben.

Städtepartnerschaften

Leutkirch unterhält seit 1982 Städtepartnerschaften mit Lamalou-les-Bains, Hérépian und Bédarieux in Frankreich und seit 1995 eine Städtepartnerschaft mit Castiglione delle Stiviere südlich des Gardasees in Italien.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

St.-Martins-Kirche und Pulverturm

Museen

Das Heimatmuseum Museum im Bock zeigt Exponate der Stadt- und Handwerksgeschichte. Der Glashütte im ehemaligen Glasmacherdorf Schmidsfelden ist ein Glasmuseum angegliedert.

Konzerthäuser

Das im Jahr 2003 gegründete Weltenklanghaus in Heggelbach veranstaltet regelmäßig kammermusikalische Konzerte mit Musikern aus verschiedenen Kulturen und Musiktraditionen.

Bauwerke

Altstadt

Die Leutkircher Altstadt ist in wesentlichen Teilen seit der Frühen Neuzeit erhalten geblieben und wirkt daher auf viele Besucher malerisch.

Das Rathaus der ehemaligen Reichsstadt wurde 1740/41 mit Walmdach erbaut. Der historische Sitzungssaal im Rathaus mit Stuckdecke stammt von Johann Schütz. Das Gotische Haus in der Marktstraße zählt zu den fünf bedeutendsten Denkmalobjekten Südwürttembergs. Es wurde zwischen 1377 und 1379 erbaut. Es wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum Denkmal des Monats Juni 2008 ernannt. Von der ehemaligen Stadtbefestigung sind noch der Bock- oder Blaserturm und der Pulverturm von 1693 erhalten. Das ehemalige Kloster, das 1281 gestiftet wurde, diente nach der Auflösung 1804 ab 1853 als Schulhaus. Nach dem Neubau der Schule wurde es als Wohnhaus genutzt. Die Dreifaltigkeitskirche wurde von 1613 bis 1615 erbaut und war der erste evangelische Kirchenneubau im schwäbischen Oberland. Das 1408 erbaute Spital dient heute als Stadtbauamt. Das Schlösschen Hummelsberg wurde 1636 von der Ulmer Patrizierfamilie Furttenbach errichtet. In den 30er Jahren bauten die Nationalsozialisten unterhalb der Wilhelmshöhe einen Thingplatz.

Schloss Zeil

Schloss Zeil oberhalb des Dorfes Unterzeil nördlich der Kernstadt ist ein imposantes Renaissance-Bauwerk. Es kann nur von außen besichtigt werden. Frei zugänglich ist jedoch die zum Schloßkomplex gehörende Pfarrkirche St. Maria.

Atelierhäuser in Rotis
Aichers Atelierhäuser

Im Ortsteil Rotis, einer Mühlenanlage, entwarf der Grafiker, Designer und Typograf Otl Aicher in den 1980er Jahren für seine Bürogemeinschaft einige Atelierhäuser. Hier finden heute noch Fachseminare statt. Aicher benannte auch seine Schriftsippe Rotis nach dem Ortsteil.

Autobahnkapelle

Neben den oben aufgeführten konfessionellen Gotteshäusern gibt es in Leutkirch auch einen ökumenischen Sakralbau: Im Juli 2002 wurde auf dem Winterberg nahe dem Ortsteil Tautenhofen die Galluskapelle als ökumenische Autobahnkapelle eingeweiht. Vom Rastplatz an der A 96 führt ein steiler Fußweg hinauf zu der Kapelle. Vor dem Rundbau stehen in Bronze gegossen die Allgäuheiligen Gallus, Magnus und Columban.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Leutkircher Frühlingsfest
  • Leutkircher Altstadtsommer-Fest ALSO
  • Leutkircher Kinder- und Heimatfest
  • Flugplatzfest in Unterzeil, jährlich Ende April
  • Gallusmarkt, jährlich im Oktober

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Leutkirch liegt an der Bundesautobahn A 96, die von Lindau nach München führt. Die B 18 und B 465 ergänzen die gute Anbindung an das Straßennetz des Bundes.

Leutkirch liegt an der Bahnstrecke Leutkirch–Memmingen. Per Bahn ist die Stadt somit täglich im Zwei-Stunden-Takt (morgens und nachmittags teilweise auch stündlich) erreichbar. Am 1. September 1872 wurde die Bahnstrecke Kißlegg-Leutkirch und damit der Anschluss nach Aulendorf fertiggestellt (Württembergische Allgäubahn). Am 15. August 1874 wurde die Bahnstrecke Leutkirch–Isny, 1889 die Strecke Leutkirch-Memmingen eröffnet.

Die Stadt ist mit einigen Buslinien u. a. mit Isny und Bad Wurzach verbunden und gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an. Innerhalb Leutkirchs verkehrt der Stadtbus Leutkirch.

Seit 1955 gibt es den Verkehrslandeplatz Leutkirch-Unterzeil (ICAO-Ortskennung: EDNL).

Ansässige Unternehmen

Medien

In Leutkirch befindet sich seit 1945 der Sitz des Schwäbischen Verlages, der die Schwäbische Zeitung, eine der größten Tageszeitungen Baden-Württembergs, herausgibt. Für 2010 plant der Verlag mit der Zentralredaktion jedoch den Umzug nach Ravensburg.

Behörden, Einrichtungen und Justiz

Leutkirch ist Sitz eines Amtsgerichts, das zum Landgerichtsbezirk Ravensburg und zum Oberlandesgerichtsbezirk Stuttgart gehört. Die Stadt ist auch Sitz des Dekanats Leutkirch des Bistums Rottenburg-Stuttgart, das zum Dekanatsverband Wangen-Leutkirch gehört.

Bildungseinrichtungen

In Leutkirch gibt es das allgemeinbildende Hans-Multscher-Gymnasium, die Otl-Aicher-Realschule, die Don-Bosco-Schule als Förderschule, drei Grund- und Technische Hauptschulen in Leutkirch, Gebrazhofen und Wuchzenhofen. Eine selbständige Hauptschule besteht in Diepoldshofen; selbständige Grundschulen existieren in Engerazhofen, Friesenhofen, Oberer Graben, Herlazhofen-Willerazhofen, Reichenhofen und Ausnang.

Der Landkreis Ravensburg ist Träger der Gewerblichen Schule Leutkirch mit Technischem Gymnasium und der Haus- und Landwirtschaftlichen Sophie-Scholl-Schule. Ferner gibt es eine Fachschule für Landwirtschaft und einen Schulkindergarten für besonders förderungsbedürftige Kinder.

Die private Schule für Erziehungshilfe St. Anna rundet das Schulangebot Leutkirchs ab.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Die Stadt Leutkirch im Allgäu hat folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen:

  • 1859: Gustav Griesinger (1804–1888), evangelischer Stadtpfarrer, Burschenschafter und Dichter
  • 1871: Johann Joseph Lauth (1812–1874), Oberamtmann des Oberamts Leutkirch und Begründer der Lauth'schen Stiftung
  • 1949: Carl Joseph Leiprecht (1903–1981), Bischof der Diözese Rottenburg
  • 1959: Ernst Vogler (1879–1966), Begründer der Vereinigung der Leutkircher in Stuttgart und Umgebung
  • 1962: Karl Kästle (1893–1970), katholischer Stadtpfarrer
  • 1969: Emil Vogler (1899–1996), Schulrektor und Begründer des Leutkircher Heimatmuseums
  • 1978: Josef Siedler (1913–2005), Landwirt und Landtagsabgeordneter
  • 1983: Georg Moser (1923–1987), Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart
  • 1986: Josef Feger (*1920), ehemaliger Oberbürgermeister
  • 1990: Erwin Henning (1901–1993), Kunstmaler
  • 2008: Georg Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg (*1928)

Söhne und Töchter der Stadt

Sonstige Persönlichkeiten

  • Der als „Segenspfarrer vom Allgäu“ bekannt gewordene Augustinus Hieber war 31 Jahre lang bis zu seinem Tod 1968 katholischer Pfarrer des heutigen Leutkircher Ortsteils Merazhofen.
  • Der Gestalter Otl Aicher lebte von 1972 bis zu seinem Tod 1991 zusammen mit seiner Frau, der Schriftstellerin Inge Aicher-Scholl, der älteren Schwester der Geschwister Scholl im Leutkircher Ortsteil Rotis und entwickelte hier die heute weit verbreitete Rotis-Schriftenfamilie.

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Bevölkerungsstand
  2. Stand: Dezember 2007
  3. R. Roeren: Ein frühalamannischer Grabfund aus Oberschwaben. In: Festschrift für Peter Goessler. Tübinger Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Stuttgart 1954, Seite 137–141
  4. siehe Gemeinde Diepoldshofen in der Beschreibung des Oberamts Leutkirch von 1843
  5. siehe Gemeinde Gebratzhofen in der Beschreibung des Oberamts Leutkirch von 1843

Literatur

  • Erich Keyser: Württembergisches Städtebuch Band IV Teilband Baden-Württemberg Band 2. In: Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte – Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages, Stuttgart, 1961
  • Emil Vogler: Leutkirch im Allgäu. Geschichte, Wirtschaft und Kultur im Spiegel der Jahrhunderte. Stadt Leutkirch, Leutkirch 1963
  • Nicola Siegloch: Leutkirch im Allgäu. Stadt und Land. Reihe Archivbilder. Sutton, Erfurt 2004 ISBN 3-89702-696-1
  • August Friedrich Pauly: Beschreibung des Oberamts Leutkirch. 1843 Volltext in Wikisource
  • Johann Wilhelm Loy: Geistliche und weltliche Geschichte der des H. Röm. Reichs freyen Stadt Leutkirch. Typographische Gesellschaft, Kempten 1786 (Digitalisat)

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”