5. Königlich Bayerisches Infanterie-Regiment „Großherzog Ernst Ludwig von Hessen“

Das 5. Infanterieregiment „Großherzog Ernst Ludwig von Hessen“ war ein Verband der 7. Infanterie-Brigade der bayerischen Armee. Der Friedensstandort des Regiments war Bamberg.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Aufstellung

Das Regiment wurde am 4. Juli 1722 in Ingolstadt errichtet. Es wurde aus dem III. Bataillon des Leib-Regiments (21 Offiziere und 332 Mann), aus dem Regiment "Maffei" (10 Offiziere und 95 Mann) sowie aus dem Regiment "Kurprinz" (4 Offiziere und 4 Unteroffiziere/Mannschaften) gebildet. Erster Inhaber war GWM Wilhelm Benedikt Marquis de Cano, der zugleich der erste Namensgeber des Regiments war (Regiment zu Fuß "Graf Cano"). Der erste Oberstkommandant (die Bezeichnung Kommandeur wurde erst 1872 gebräuchlich) war Oberst Karl Wilhelm Freiherr von Lerchenfeld. Die Fahne der Leib-Kompagnie war aus weißer Seide mit einem aufgemalten Muttergottesbild. Die Fahnen der Kompagnien bestanden aus je zwei weißen und blauen Streifen. In der Fahnenspitze waren die Initialen des Kurfürsten angebracht. Der Inhaber des Regiments hatte das Privileg, die Fahnen aufzubewahren, deren Ausgabe schon damals unter besonderen Formalitäten erfolgte. Zum 6. August 1722 war das Regiment in 10 Füsilier-Kompagnien gegliedert und bestand aus 30 Offizieren, 10 Fähnrichen, 1 Quartiermeister, 1 Adjutanten, 1 Regiments-Tambour, 10 Feldwebeln, 10 Führern, 10 Fourieren, 9 Musterschreibern, 10 Feldscherern, 40 Korporalen, 27 Spielleuten und 344 Mann. Am 25. Mai 1724 meuterten Soldaten in Ingolstadt wegen rückständigen Soldes, ein Lieutenant desertierte. Ab September 1725 war der Stab und das II. Bataillon in Straubing, das I. Bataillon in Donauwörth stationiert. Im August 1726 wurde eine Kompagnie des Regiments in Friedberg gegen streikende Augsburger Arbeiter eingesetzt. Im April 1731 war das Regiment wieder geschlossen in Ingolstadt untergebracht. Am 3. April 1732 wurde das III. Bataillon aufgestellt, das Regiment zählte nun 1300 Mann. Am 27. Juni 1732 gab es Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften zur Aufstellung des Prinz Joseph-Ludwigs-Regiments ab. Am 27. Mai 1737 wurde Johann Leonhard de Friderico zum Oberstkommandanten ernannt. Nach dem Tod de Canos (13. Juli 1737) und einer kurzen Vakanz wurde am 9. November 1737 GWM Theodor Heinrich Topor Freiherr von Morawitzky auf Tenczin und Rudnitz zum Inhaber des Regiments ernannt, das zugleich in Regiment zu Fuß "Graf Morawitzky" umbenannt wurde. 1735 nahm das Regiment 264 Mann von Landfahnen der Oberpfalz auf.

Feldzüge gegen die Türken (1738/1739)

Das Regiment stellte das I. Bataillon mit 14 Offizieren, 5 Fähnrichen sowie 593 Unteroffiziere und Mannschaften zum Auxiliarkorps ab. Am 17. Oktober 1738 fielen 2 Mann bei Ratza, 2 Mann sind aus anderen Gründen verstorben. Im Gefecht bei Grotzka am 22. Juli 1739 verlor das Bataillon 1 Offizier und 2 Grenadiere, 10 Mann wurden verwundet. Am 30. Juli 1739 erlitt es während der Rückzugkämpfe bei Pancsowa keinen Mann. Bald darauf erhielt das Bataillon 159 Mann Ersatz. Vom 20. August bis 1. September 1739 nahm es an einen Entsatzversuch des durch türkische Truppen belagerten Belgrad teil, wo 4 Offiziere und 13 Mann den Tod fanden. Die Gefechtsstärke des Bataillons betrug seinerzeit 330 Mann, 102 Kranke befanden sich Ratza. Bis April 1740 hatte das Bataillon insgesamt 657 Mann verloren.

Österreichischer Erbfolgekrieg (1741 bis 1745)

Teilnahme am Siebenjährigen Krieg (1757 bis 1759)

Das Regiment stellte am 3. April 1757 das I. Bataillon mit 31 Offizieren, 38 Unteroffizieren und 584 Mann zum Auxiliarkorps des Generalmajor Graf Seyssel. Im Oktober und November 1757 war es bei der Inbesitznahme von Schweidnitz (12. November) und Breslau (22. November) durch die österreichische Armee beteiligt, wobei es nur geringe Verluste durch Gefechtshandlungen hinnehmen musste (1 Gefallener, 4 Verwundete). Das Regiment verlor jedoch in der Zeit 31 Kranke und 70 Deserteure. In der unglücklichen Schlacht von Leuthen am 5. Dezember 1757 fielen 20 Mann des Bataillons, 3 Offiziere und 64 Mann wurden verwundet, 3 Offiziere und 114 Mann gerieten in Gefangenschaft.

Koalitionskriege

Dritter Koalitionskrieg 1805

Am 22. November 1805 stieß der Oberstkommandant Oberst Philipp von Bieringer an der Spitze seines I. Bataillons zu den Verschanzungen des Strubpasses vor, musste jedoch wegen zu starken Feindfeuers die Männer geordnet zurückführen. Er griff an diesem Tage noch wiederholt an, allerdings ohne Erfolg. Für seine persönliche Tapferkeit und seine militärischen Führungsqualitäten vor dem Strubpass wurde ihm dennoch das Militär-Ehrenzeichen verliehen, das mit Armeebefehl vom 1. März 1806 in das Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens umgewandelt wurde.

Vierter Koalitionskrieg 1806/1807

Im Gefecht bei Glogau von 11. bis 13. November 1806 wurden die preußischen Truppen bei einem Ausfallversuch von der bayerischen Kavallerie zurückgeschlagen und verschanzten sich hinter einigen großen Holzstößen vor dem Glacis der Festung. Der Kommandierende der Oberstlieutenants-Kompagnie, Stabskapitän Heinrich von Stonor, ließ mit einem Spähtrupp aus 1 Schützen-Sergeanten und 3 tapferen Gemeine den Feind hinter den Holzstößen aufklären. Diese griffen jedoch unerschrocken an und jagten trotz heftigsten Kartäschenfeuers ca. 20 bis 30 Preußen in die Flucht. Stonor erkannte, dass die Holzstöße verschwinden mussten, und schlug vor, diese niederzubrennen. Am 12. November erkundete er nochmals die Lage bei den Holzstößen. Noch vor Sonnenaufgang des nächsten Tages brachte er mit 9 Mann genügend Brennmaterial zu den Holzstößen und zündete sie an. Für seine besondere Tapferkeit bei seinem Unternehmen bei Glogau erhielt er das Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens.

Fünfter Koalitionskrieg 1809

Am 16. April 1809 erhielt das I. Bataillon des Regiments, das bei Landshut stand, den Befehl, nach Altdorf abzumarschieren und alle nach Bruckberg und Moosburg führende Straßen zu besetzen, um den Rückzug der 3. Division "Deroy" von Landshut nach Altdorf zu decken. Da Altdorf bereits durch österreichische Plänkler und Kavallerie besetzt war und der Pfettrachbach wegen Hochwassers nicht durchwaten werden konnte, musste das Bataillon über einen Brückensteig Mann für Mann passieren. Hierfür wurde Oberlieutenant Anton Fabris mit 60 Schützen zur Deckung des Bataillons eingesetzt. Die Österreicher rückten sehr schnell nach, aber Fabris konnte mit hohem Munitionseinsatz den Feind immer wieder aufhalten. Nachdem das Bataillon den Brückensteig passiert hatte, setzte sich Fabris mit seinen Männern ebenfalls ab und warf den Brückensteig unter heftigem gegnerischen Feuer in den Pfettrachbach. In dem Dorf Pfettrach bildete er eine neue Verteidigungsstellung und hielt den Ort mit hartnäckigem Widerstand, bis die österreichische Artillerie es in Brand schoss. Er zog sich aus Pfettrach zurück und erreichte das Dorf Arth. Er richtete sich unverzüglich im Ort und auf dem höher liegenden Kirchhof zur Verteidigung ein. Dabei munterte er stets seine ermüdete Truppe auf, nicht aufzugeben, und wies nachdrängende Kavallerie und Infanterie-Plänkler der Österreicher durch lebhaftes Feuer mehrmals zurück. Mit Einbruch der Dämmerung wich er mit seinen erschöpften Männern Weihmichl und besetzte dort eine vorhandene militärische Stellung. Für sein Tapferes Halten gegen die nachdrängenden Österreicher bei Pfettrach wurde Oberlieutenant Fabris mit dem Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens ausgezeichnet.

Am 8. August 1809 erhielt Oberstlieutenant Franz Joseph Ferdinand von Schmöger in Imst den Auftrag, die nach Arzel führende Innbrücke in Besitz zu nehmen. Als er mit 3 Kompagnien des II. Bataillons dort ankam, war die Brücke bereits von Tiroler besetzt. Er befahl dem Oberlieutenant Sack mit einer halben Kompagnie die Brücke auf dem diesseitigen Ufer zu besetzen. Die Tiroler auf der anderen Seite der Brücke machten keine Anstalten, das Vorhaben zu verhindern. Der Oberstkommandant Oberst Wilhelm Baron von Metzen, der mit dem I. Bataillon nach Landeck marschierte, befahl, dass die Brücken bei Roppen zu besetzen und abzuwerfen sei, die bei Mayerbach zu halten sei. Hierzu setzte er Hauptmann Renner mit der Oberst-Kompagnie zur Verstärkung in Marsch, die jedoch von ca. 350 Tiroler bei Karras abgefangen wurde. Oberstlieutenant von Schmöger befahl Hauptmann Renner, seine Position zu halten und erst nach der Dämmerung nach Imst zu verlegen, um die Tiroler über die Stärke der bayerischen Truppen zu täuschen und sie annehmen zu lassen, dass Karras durch die Bayern besetzt gehalten würde. Schmöger ließ die 2 Kompagnien und Teile der Oberst-Kompagnie rings um Imst biwakieren und die vorhandenen 6 bis 7 Brücken abwerfen. Am 9. August vor Sonnenaufgang griffen die Tiroler Karras an und Tiroler Bauern stießen von Arzel auf die Innbrücke vor. Oberlieutenant Sack wich von drei Seiten bedroht kämpfend auf die Anhöhen bei Imst aus. Währenddessen erhielt Oberstlieutenant von Schmöger den Befehl, das Bataillon abmarschbereit zu machen. Oberst von Metzen zog sich mit dem I. Bataillon aus Landeck zurück. Es bestand nun die Gefahr, dass die Bataillone voneinander abgeschnitten würden. Von Schmöger verstärkte die Kompagnie von Oberlieutenant Sack mit 30 Mann unter Lieutenant Eckel und einer Haubitze, mit der er einige Schuss in die vorrückenden Tiroler abfeuern ließ. Die Tiroler zögerten, von Schmöger befahl Oberlieutenant Sack, unverzüglich vorzugehen und die alten Stellungen wieder zu nehmen, welches mit Bravour gelang. Zugleich gewann Lieutenant Eckel die Straße nach Karras und konnte sie für eine Viertelstunde halten, was ausreichte, dass das I. Bataillon passieren konnte. Nach Vereinigung mit der Hauptmarschkolonne wurden die Bayern von Tirolern auf den Anhöhen unter Feuer genommen. Von Schmöger warf sogleich in einem schneidigen Angriff die Tiroler zurück. Als in Imst die beiden Bataillone des Regiments, das 2. Dragoner-Regiment und die Reste des 10. Linien-Infanterie-Regiments beisammen lagen, griffen die Tiroler von allen Seiten an. Von Schmögers Piketts bildeten die Nachhut, denen er befahl, die Stellung erst nach seinem ausdrücklichen Befehl zu räumen, damit die bayerischen Truppen nicht abgeschnitten und nacheinander aufgerieben würden. Hierzu verstärkte er mit allen verfügbaren Männern die 30 Grenadiere des Lieutenants von Mayerhofen, der etwa eine dreiviertel Stunde gegen die Tiroler übermacht standhielt. Dann befahl er den Rückzug durch das feindlich gesinnte Imst und musste musste sich nach Imst durch die Tiroler, die ihn bereits überflügelt hatten, zur Hauptkolonne durchkämpfen. Von Schmöger blieb bis über Telfs bei der Arrieregarde, die den Rückzug der Bayern deckte. Für sein tapferes und umsichtiges Verhalten bei Imst erhielt Oberstlieutenant von Schmöger das Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens verliehen.

Napoléons Russlandfeldzug 1812

Das I. und II. Bataillon trat zu Beginn des Feldzugs mit 47 Offizieren, 135 Unteroffizieren und 1450 Mann an.

Befreiungskriege 1813 bis 1815

Zwischen Wiener Kongress (1815) und Deutschem Krieg (1866)

Krieg gegen Preußen 1866

Am 12. Mai 1869 übernahm Gustav Franz Xaver Ritter von Mühlbauer das Kommando über das Regiment.

Deutsch-französischer Krieg 1870/1871

Nach dem Aufmarsch vom 22. Juli bis 30. Juli 1870 trat das Regiment mit 68 Offizieren, 2736 Unteroffizieren und Mannschaften, 73 Pferden und 13 Wagen an. In der Schlacht bei Weißenburg am 4.August 1870 hatte es seine Feuertaufe, in der 2 Offiziere, der Korporal Mühlbauer (der Sohn des Kommandeurs) und 11 Mann fielen, 3 Offiziere und 42 Mann wurden verwundet. In der Schlacht bei Wörth am 6. August 1870 erlitten das I. und II. Bataillon Verluste an 9 Gefallenen und an 35 Verwundeten. Am 14. August 1870 erbeutete das Regiment in Marsal 60 Geschütze, 3000 Gewehre und erhebliche Munitionsvorräte. Danach war das Regiment an der Belagerung von Toul beteiligt und nahm am 1. September 1870 an der Schlacht von Sedan teil, wo es nur 1 Toten und 3 Verwundete verlor. Vom 20. September 1870 bis 28. Januar 1871 war es Teil des Belagerungsringes um Paris.

Erster Weltkrieg

Das Regiment trat am 2. August 1914 in einer Stärke von 84 Offizieren, 3.260 Unteroffiziere und Mannschaften sowie 234 Pferden an als Teil der 6. Armee.

Das Regiment verlor während des Ersten Weltkriegs insgesamt an

  • Gefallenen und durch Unfall Verstorbenen: 70 Offiziere, 361 Unteroffiziere, 36.13 Mann
  • Krankheit Verstorbenen: 1 Offizier, 12 Unteroffiziere und 121 Mann
  • Vermissten: 1 Offizier, 14 Unteroffiziere und 223 Mann

In Gefangenschaft waren am Ende des Krieges 27 Offiziere, 3 Ärzte, 176 Unteroffiziere und 1.098 Mannschaften.

Tradition nach 1918

Die Tradition des Regiments übernahm in der Reichswehr die 10. Kompanie des (bayerischen) Infanterie-Regiments 21 in Bayreuth.

Literatur

  • Konrad Krafft von Dellmensingen, Friedrichfranz Feeser, "Das Bayernbuch vom Weltkriege 1914-1918", I. Band, Chr. Belser AG, Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1930
  • Günter Wegner, Deutschlands Heere bis 1918, Band 10 Bayern, Biblio Verlag, Osnabrück 1984

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