Aussichtsturm Katzenbuckel
Katzenbuckel
Blick auf den Katzenbuckel

Blick auf den Katzenbuckel

Höhe 626 m ü. NN
Lage Grenze Baden-Württemberg
Gebirge Odenwald
Geographische Lage 49° 28′ 15″ N, 9° 2′ 28″ O49.4708333333339.0411111111111626Koordinaten: 49° 28′ 15″ N, 9° 2′ 28″ O
Katzenbuckel (Baden-Württemberg)
DEC
Katzenbuckel
Typ erloschener Vulkan
Gestein Basalt
Alter des Gesteins ca. 60 Mio. Jahre

Der Katzenbuckel ist ein erloschener Vulkan und mit 626 m die höchste Erhebung des Odenwaldes. Er steht auf der Gemarkung der Gemeinde Waldbrunn in Baden-Württemberg, etwa 4 km östlich von Eberbach am Neckar. Sein zweiter Gipfel, der Michelsberg, wurde durch Steinbruchbetrieb gänzlich abgetragen.

Inhaltsverzeichnis

Geologie

Der Katzenbuckel-Vulkan besitzt einen Schlotdurchmesser von etwa 1.000 Metern. Er überragt die Buntsandsteinhochfläche des Odenwalds. Zur Zeit des Ausbruchs vor rund 60 Millionen Jahren lagen über der heutigen Landoberfläche noch Sedimentgesteine mit einer Mächtigkeit von über 600 Metern, hier waren ursprünglich Gesteine bis zu den Schichten des Jura vorhanden.[1] Diese wurden im Laufe der Jahrmillionen abgetragen (durchschnittlich 1 mm in 100 Jahren) und haben das harte Basaltgestein (Sanidin-Nephelinit, ein Basanit) des Vulkans freigelegt. Der Natrium-Shonkinit am Michelsberg steht für einen Magmennachschub, der in den weitaus größeren Sanidin-Nephelinit-Magmenkörper intrudierte.

Der Ausbruch des „Katzenbuckel-Vulkans“ ist durch das Vorhandensein von Tuffen und kleinen vulkanischen Bomben beweisbar. Es dürfte sich um einen explosiven Ausbruch gehandelt haben, der möglicherweise ursächlich auf eine Wasserdampfexplosion durch Grundwasser-Magmen-Berührung im Untergrund zurück geht (Maar-Vulkanismus), worauf Tuffe mit Nebengesteinseinschlüssen hinweisen. Spuren eines Einsturztrichters oder einer Caldera wurden bisher nicht gefunden. Die Entwicklung des Vulkanismus am Katzenbuckel bedarf noch weiterer geologischer Untersuchungen auf der Basis der aktuellen Forschungslage (die letzten geowissenschaftlichen Forschungsprojekte stammen aus den 1970ern und 1980ern).

Das vulkanische Gestein wurde als Schotter in zwei Steinbrüchen abgebaut: im Steinbruch am Gaffstein wurde eine Varietät des Katzenbuckel-Hauptgesteins Sanidin-Nephelinit gewonnen, und im Steinbruch am Michelsberg der Natrium-Shonkinit. Nach einer Sprengung im Jahr 1970 trat Grundwasser zu Tage und verfüllte die unteren Sohlen im Steinbruch am Michelsberg; hierdurch ist der Katzenbuckelsee entstanden.

Am Katzenbuckel treten Ganggesteine mit einer Fülle von Mineralen auf, die heute kaum noch zugänglich sind, da mit dem Ende des Steinbruchbetriebs keine neuen Aufschlüsse mehr angelegt werden. Als Vorkommen sind beispielsweise Natrolith und Apatit zu nennen.[2] Durch den hohen Gehalt an Magnetit wird an einigen Stellen, besonders am Gipfelfelsen, eine Kompassnadel von der magnetischen Nordrichtung abgelenkt.

Der Katzenbuckel und seine Gesteine waren Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen. So erschien die Dissertation über den „Nephelinit vom Katzenbuckel“ von H. Rosenbusch im 19. Jahrhundert.[3] Weiter zu nennen sind etwa die Untersuchungen von W. Freudenberg aus dem Jahr 1906,[4] H. Nieland 1931,[5] oder G. Frenzel 1955[6] und 1975.[7] 1982 erschien ein Geologischer Führer zum südlichen Odenwald von Volker Schweizer in Zusammenarbeit mit Reinhart Kraatz, in dem unter anderen die Geologie des Katzenbuckels und seine Aufschlüsse beschrieben werden.[1]

Namensherkunft

Der See im ehemaligen Steinbruch (kein Kratersee). Gut zu erkennen ist die Färbung des kristallinen Grundgesteins, die vom sonst an der Oberfläche des Odenwaldes aufgeschlossenen Buntsandstein und Muschelkalk deutlich abweicht.

Zur Herkunft des Wortes „Katzenbuckel“ gibt es verschiedene Theorien. Zum einen wird der Name darauf zurückgeführt, dass der Katzenbuckel die umliegenden Bewohner an den gekrümmten Rücken einer Katze erinnert hat. Eine alternative Erklärung ist die Wortherkunft vom Namen des Stammes der Chatten, die einst ihr Hauptsiedlungsgebiet in Nord- und Mittelhessen hatten. Auch der Name des nur drei Kilometer entfernten Hessen leitet sich von „Chatten“ ab. Deutsche Auswanderer des 18. Jahrhunderts aus der Gegend um Eberbach gaben einer Erhebung in ihrer neuen Heimat Ephrata in Pennsylvania den Namen „Katzebuckel“. Der Begriff ist unter den Pennsylvania-Deutschen noch immer gebräuchlich. Die Orthographie erfolgt dort meist als „Catseboucle“. Zum Gipfel, auf dem eine Seniorenresidenz mit vielen Dialektsprechern gelegen ist, sowie die Muddy Creek Library, ein mennonitisches Forschungszentrum, führt die „Cat's Back Road“ (auf Deutsch etwa Katzbuckelstraße).

Lehrpfad

Ein geologischer und mineralogischer Lehrpfad – der „Weg der Kristalle“ – gibt Einblick in die Entstehungsgeschichte des Katzenbuckels. Der Lehrpfad, der im ehemaligen Steinbruch am Katzenbuckelsee beginnt und am Aussichtsturm endet, hat eine Wegstrecke von anderthalb Kilometern und ist in einer guten Stunde auf ausgeschilderten Wegen zu begehen.

Aussichtsturm

Auf der Kuppe des Katzenbuckels befindet sich ein 18 Meter hoher, historischer Aussichtsturm aus Sandstein. Von dort ist Rundsicht über die bewaldeten Kuppen und Bergrücken des Odenwaldes und zu den Nachbargebieten möglich.

Einzelnachweise

  1. a b Volker Schweizer, unter Mitarbeit von Reinhart Kraatz: Kraichgau und südlicher Odenwald. Sammlung geologischer Führer, Band 72, 203 S., Verlag Gebrüder Bornträger, 1970. ISBN 978-3-443-15031-0
  2. Betz,V.: Über Mineralfunde vom Katzenbuckel/Odenwald. Aufschluß, 24, Heidelberg 1973
  3. H. Rosenbusch: Der Nephelinit vom Katzenbuckel. Dissertation Universität Freiburg, 1869
  4. W. Freudenberg: Geologie und Petrographie des Katzenbuckels im Odenwald. Mitteilungen der Badischen Geologischen Landesanstalt, Bd. 5, S. 185-344, 1906
  5. H. Nieland: Beiträge zur Mineralogie und Petrographie des Katzenbuckels im Odenwald. Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, Beilagen, Bd. A 63, Stuttgart 1931
  6. G. Frenzel: Einführung in die Geologie und Petrographie des Katzenbuckels im Odenwald. Aufschluß, Sonderband 2, Roßdorf 1955
  7. G. Frenzel: Die Nephelingesteinsparagenese des Katzenbuckels im Odenwald. Aufschluß, Sonderband 27 (Odenwald), Heidelberg 1975

Weblinks


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