Aussteiger

Als Aussteiger bezeichnet man Menschen, die sich durch ihr Verhalten von gesellschaftlichen Normen zu befreien versuchen, indem sie aus ihrer konkreten Lebenswelt innerlich oder äußerlich „aussteigen“.

Ein klassisches Beispiel war bereits in der griechischen Antike der Philosoph Diogenes, in der christlichen Frühzeit die Einsiedlermönche in der nahöstlichen oder ägyptischen Wüste.

Heutige Beispiele sind Alternativbewegungen wie die Hippies oder die New-Age-Bewegung. Auch ehemalige Mitglieder von Sekten oder von Neonazi-Strukturen werden als Aussteiger bezeichnet, ebenso Menschen, die ihr Land verlassen, um woanders einem anderen Lebensstil nachzugehen.

Inhaltsverzeichnis

Äußerer und innerer Ausstieg

Zu einem äußeren Ausstieg zählt, dass Aussteiger aufgeben, was ihnen im Leben vor dem Ausstieg wichtig erschien oder ihr Leben regulierte. So zum Beispiel ihre Erwerbsarbeit, Freunde und Bekannte, Glaubensgemeinschaften, politische Systeme und Bewegungen, den Wohnort oder alte Gewohnheiten. Der Hintergrund für den Ausstieg aus dem bisherigen Leben kann vielfältig sein. Grundsätzlich geht dem Ausstieg ein mangelndes Wohlbefinden voraus, welches sich meist auf die Gruppe oder das System seiner vorherigen Lebensweise bezieht. Ausdrücklich geäußerte Kritik kann sehr fundamental empfunden, ebensowohl aber auch ausweichend und schlagwortartig sein.

Gespräche mit diesen Aussteigern zeigen, dass die Zwänge und Regelungen einer Gesellschaft oft nicht den Neigungen und Ansichten ihrerselbst entsprechen. Häufig wird von Aussteigern der wachsende Kapitalismus als Auslöser für ihre Gedanken genannt, der durch viele seiner Eigenschaften die soziale Gemeinschaft gegeneinander ausspiele und entfremde.

Gründe für einen Ausstieg finden sich aber auch in den verschiedensten Bereichen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens oder des Mainstreams. Die Normen und Werte des Aussteigenden entsprechen oft nicht mehr denen der Allgemeinheit oder der zuvor zugehörigen gesellschaftlichen Gruppe. Nur durch den radikalen Wandel seiner Position in der Gesellschaft sieht der Aussteiger eine Möglichkeit, sein persönliches Gleichgewicht bzw. eine innerliche Befriedigung wieder herzustellen.

Als Synonym für einen inneren Ausstieg, bei dem ein geregeltes Leben oberflächlich beibehalten wird, innerlich aber mit der Außenwelt gebrochen wird, verwendet man auch den Begriff der „inneren Emigration“. Diese Formulierung wurde zuerst im Nachkriegsdeutschland zur Rechtfertigung und als Vorwurf gegenüber den Emigranten benutzt, wenn man Hitlerdeutschland nicht verlassen hatte; sie geht auf eine Polemik von Frank Thieß gegen Thomas Mann zurück.

Thematisierung in der Kunst

Das Phänomen des politischen Aussteigers wurde in verschiedenen Kunstrichtungen verarbeitet, unter anderem in Literatur und Film, aber auch in Comics. Als berühmte Beispiele aus der Literatur gelten:

Vor allem seit den 1960er Jahren taucht das Thema auch in Spielfilmen zunehmend auf:

Der Comic The Fabulous Furry Freak Brothers handelt von drei Hippie-Aussteigern und ihren Abenteuern.

Siehe auch

Literatur

  • Reimar Oltmanns: Du hast keine Chance, aber nutze sie. Eine Jugend steigt aus, Rowohlt, Reinbek 1980, ISBN 3-499-17683-1
  • Ina-Maria Greverus/Erika Haindl (Hgnn.): Versuche der Zivilisation zu entkommen, C.H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09275-6
  • Benedikt Vallendar: Der Mann, der Wärme bringt Über den deutschen Bauingenieur Thomas Deininger, der im Urwald von Misiones, Argentinien, mit seiner elfköpfigen Familie Subsistenzwirtschaft betreibt. In: Rheinischer Merkur 31/2007.
  • John Krakauer: In die Wildnis - Allein nach Alaska, Malik/Piper, München 1997, ISBN 978-3492250672

Weblinks

Allgemein

Zu Aussteigern aus Neonazi-Strukturen

Zu Aussteigern aus religiösen Sekten


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