Austerität

Austerität (engl. austerity, von lat. austeritas „Enthaltsamkeit“, „strenge Einfachheit“) ist ein Fremdwort für „Strenge“ oder „Sparsamkeit“, das heute vor allem in ökonomischen Zusammenhängen gebraucht wird und dann eine staatliche Sparpolitik bezeichnet, die durch Drosselung laufender Ausgaben im öffentlichen und privaten Bereich, sprich durch strenge Führung des öffentlichen Haushaltes bei gleichzeitiger Politik der Einschränkung des Massenkonsums, in Zeiten ökonomischer Krisen eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation herbeiführen soll.

Inhaltsverzeichnis

Ökonomisch

Der Begriff austerity wurde in dieser Bedeutung zuerst im Vereinigten Königreich während der Zeit des Zweiten Weltkriegs verwendet. Charakterisiert wurden damit die Sparmaßnahmen des Schatzkanzlers und Handelsministers Stafford Cripps, die eine ausgeglichene Zahlungsbilanz, Vollbeschäftigung und die Aufbringung ausreichender Mittel zur Aufrüstung erreichen sollten. Für vergleichbare Sparprogramme wurde das englische Wort dann auch ins Deutsche entlehnt und zunächst in Wortverbindungen wie Austerity-Politik, Austerity-Maßnahmen oder Austerity-Programm, sowie später dann auch in der relatinisierten Form Austerität (Austeritätspolitik) gebraucht.[1] Als Musterfall von Austerität in der deutschen Geschichte gilt die Wirtschaftspolitik des Reichskanzlers Heinrich Brüning.[2]

Austeritätspolitik in Reaktion auf Überschuldung des Staatshaushalts sei nach Ansicht von Fabian Lindner insofern problematisch, weil sie einerseits den Finanzmärkten glaubwürdig demonstrieren wolle, dass die Überschuldung zurückgeführt werden soll und damit die Rückzahlung von Krediten nicht gefährdet sei; anderseits bewirke sie selbst durch Kürzung der Staatsausgaben einen Rückgang des Wirtschaftswachstums.[3] Eine IMF-Studie weist auf Bedenken gegenüber einer exzessiven Austeritätspolitik hin, da sie die Armen treffe und IMF-unterstützte Programme beeinträchtige.[4] Paul Krugman kritisierte Empfehlungen der OECD, die in Richtung Austeritätspolitik gehen, obwohl sie durch deren eigene Prognosen nicht fundiert würden.[5]

Andere Bedeutungen

In älterer Zeit war Austerität als Fremdwort der gehobenen deutschen Literatur- und Wissenschaftssprache auch noch in anderen Bedeutungen geläufig, so als ethisch-philosophischer Begriff für „Strenge, unbiegsame Hartnäckigkeit (der Tugend und Moral)“[6], für die in der lateinischen Tradition besonders die Unbeugsamkeit Catos d.J. als virtus austera Catonis sprichwörtlich war[7], oder als ästhetisch-kunstwissenschaftlicher Begriff für eine prunklos sparsame, auf das Nötigste beschränkte Gestaltungs- oder Ausstattungsweise, wie sie zum Beispiel dem mittelalterlichen Baustil der Zisterzienser zugeschrieben wird (zisterziensische Austerität)[8].

Weblinks

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Broder Carstensen, fortgeführt von Ulrich Busse: Anglizismenwörterbuch: Der Einfluß des Englischen auf den deutschen Wortschatz nach 1945, Band 1, Walter de Gruyter, Berlin u. a. 1993, Nachdr. 2001, S. 65-66.
  2. Paul Krugman: That ’30s Feeling. The New York Times, 17. Juni 2010.
  3. Fabian Lindner: Sparen ist eine schlechte Idee. zeit-online, 19. Mai 2010.
  4. Fiscal Adjustment in IMF-Supported Programs. International Monetary Fund, 2003.
  5. Paul Krugman: The Pain Caucus. The New York Times, 30. Mai 2010.
  6. Friedrich Kirchner: Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe, 5. Aufl., bearb. von Carl Michaëlis, Verlag der Dürr'schen Buchhandlung, Leipzig 1907, S. 79
  7. Friedrich Kirchner, Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe, 2. Aufl., Georg Weiss Verlag, Heidelberg 1890 (= Philosophische Bibliothek, 24), S. 46
  8. Adolf Reinle: Die Kunst der Renaissance, des Barock und des Klassizismus, Huber Verlag, Frauenfeld 1956 (= Joseph Gantner u. a., Kunstgeschichte der Schweiz, Band III), S. 36, vgl. S. 25

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