Australasiatische Antarktisexpedition
Das Basislager der Expedition
Mertz fotografierte auf einer Erkundung im Dezember 1912 seinen Kollegen Ninnes; beide überlebten die Expedition nicht
Mawson arbeitet im ständig heftigen Sturm

Die Australasiatische Antarktisexpedition oder inoffiziell Aurora-Expedition war eine australische wissenschaftliche Expedition, deren Mitglieder zwischen 1911 und 1914 einen Teil der Antarktis erforschten. Geführt wurde sie vom australischen Geologen Douglas Mawson, der später für seine Leistungen bei der Führung dieser Expedition zum Ritter geschlagen wurde. 1910 begann Mawson mit der Planung einer Expedition zur Kartierung der zweitausend Kilometer langen Küstenlinie der Antarktis südlich von Australien. Die Australian Association for the Advancement of Science zollte seinen Plänen Beifall und trug wesentlich zur Finanzierung der Expedition bei. Die übrigen Gelder wurden durch Unterstützung aus der Öffentlichkeit aufgebracht.

Das für die Expedition ausgewählte Team kam hauptsächlich von australischen und neuseeländischen Universitäten. Von den Männern, die Basen auf dem antarktischen Kontinent bemannen sollten, waren 22 australische Bürger. Vier waren Neuseeländer, drei Briten und einer ein Schweizer. Drei der Leiter (Mawson, Frank Wild und John King Davis) waren Veteranen von vorhergehenden Antarktisreisen.

Als Schiff war das Robbenjagdschiff Aurora aus Neufundland vorgesehen, ein dampfgetriebenes Segelschiff mit einer Länge von knapp 50 Metern und einer Verdrängung von 600 Tonnen. Das Schiff wurde für die Fahrt einigen Modifikationen unterzogen, darunter die Aufstockung um drei große Tanks für die Frischwasserlagerung. Der Kapitän der Aurora war John King Davis.

Das Schiff lief am 2. Dezember 1911 in Richtung Macquarie-Insel aus und kam am 11. Dezember an, nachdem man stürmische Wetterverhältnisse überstanden hatte. Ein zweites Schiff, die Toroa, folgte mit Lebensmitteln und Passagieren. Am 23. Dezember verließ die Aurora die Macquarie-Insel und begann, die Küstengebiete zu erforschen, wobei Georg-V.-Land und Königin-Mary-Küste entdeckt und benannt wurden.

Die Männer errichteten ihre Hauptbasis bzw. Winterquartiere Mawson’s Huts am Kap Denison in der Commonwealth-Bucht, wo achtzehn Mann den Winter von 1912 verbrachten und sieben den Winter von 1913. Ihre Hütten stehen heute noch immer, zwei intakt und zwei als Ruinen. Sie bauten auch Quartiere auf der Macquarie-Insel und eine Westbasis auf dem Shackleton-Schelfeis, doch diese existieren heute nicht mehr.

Die Teams aller drei Basen führten routinemäßige wissenschaftliche und meteorologische Beobachtungen durch, die detailliert in den umfangreichen Berichten festgehalten wurden, die erst zwischen 1922 und 1942 publiziert wurden. Sie bewältigten auch Monate der Fehlschläge, was die Ausrüstung und die Masten anging, als sie die erste drahtlose Funkverbindung der Antarktis einrichteten, die mit Hobart verbunden war.

Schlittenfahrten an der Küste und im Inland gaben der Mannschaft die Möglichkeit, zuvor unbekanntes Territorium zu erforschen. In der zweiten Hälfte des Jahres 1912 wurden fünf große Fahrten von der Hauptbasis und zwei von der Westbasis aus unternommen.

Auf einer solchen Schlittenfahrt, die von Mawson geleitet wurde und auf der die Hunde von Xavier Mertz und Belgrade Ninnis gelenkt wurden, fielen Ninnis, ein Team von sechs Hunden und der Schlitten mit dem Großteil der Lebensmittel in eine Gletscherspalte. Die Überlebenden begannen eine brutale Heimreise ins 500 Kilometer entfernte Basislager, auf der sie sich von den übrigen Hunden ernährten. Mertz fiel in ein Delirium und starb während der Rückfahrt und ließ Mawson als einzigen Überlebenden zurück. Er halbierte seinen Schlitten mit einem Federmesser und zog ihn dann mit geologischen Proben und sehr wenig Lebensmitteln 160 Kilometer weit zurück zur Basis am Kap Denison. Er kam dort am 8. Februar 1913 an, nur wenige Stunden, nachdem Davis' Bergungsmannschaft auf der Aurora zurückgefahren war, und wurde gesundgepflegt, während er mit sechs Freiwilligen für ein weiteres, diesmal ungeplantes Jahr blieb. Mawson dokumentiert diese harte Reise in seinem Buch "The Home of the Blizzard".

Weitere Mitglieder der Expedition waren Frank Hurley als offizieller Fotograf, Frank Wild als Führer der Westbasis, Charles Hoadley als Geologe und Cecil Madigan als Meteorologe.

Siehe auch

Literatur

  • Douglas Mawson, "The Home of the Blizzard, the Story of the Australasian Antarctic Expedition, 1911-1914". William Heinemann, London 1915, Vol. I und Vol. II (in Englisch, abgerufen am 26. Mai 2010).

Weblinks

 Commons: Australasiatische Antarktisexpedition – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Goldenes Zeitalter der Antarktis-Forschung — Der Höhepunkt des goldenen Zeitalters der Antarktis Forschung: Roald Amundsen und seine Begleiter erreichen im Dezember 1911 als erste den geographischen Südpol. Das Goldene Zeitalter der Antarktis Forschung – im englischen Sprachraum auch als… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Antarktisexpeditionen — Diese Liste der Antarktisexpeditionen ist eine chronologische Liste von Expeditionen und Seereisen, bei denen es um die Antarktis ging oder bei denen die Antarktis prominent involviert war. Nicht eingeschlossen sind Seereisen, die die… …   Deutsch Wikipedia

  • Heldenalter der Antarktis-Forschung — Der Höhepunkt des goldenen Zeitalters der Antarktis Forschung: Amundsens Gruppe, erste am Südpol im Dezember 1911 Das Goldene Zeitalter der Antarktis Forschung – im englischen Sprachraum auch als „Heroic Age“ (Heldenalter) bezeichnet – beschreibt …   Deutsch Wikipedia

  • BANZARE — Die British Australian (and) New Zealand Antarctic Research Expedition (BANZARE) war eine Forschungsexpedition in der Antarktis, die zwischen 1929 und 1931 durchgeführt wurde und die zwei Reisen in aufeinanderfolgenden antarktischen Sommern… …   Deutsch Wikipedia

  • Expedition Endurance — Die Endurance unter Segel, um 1915 Die Expedition Endurance war eine Antarktisexpedition in den Jahren 1914 bis 1917. Ihr offizieller Titel war Imperial Trans Antarctic Expedition. Sie war die letzte große Expedition des „Heldenzeitalters“ der… …   Deutsch Wikipedia

  • 1911 — Portal Geschichte | Portal Biografien | Aktuelle Ereignisse | Jahreskalender ◄ | 19. Jahrhundert | 20. Jahrhundert | 21. Jahrhundert   ◄ | 1880er | 1890er | 1900er | 1910er | 1920er | 1930er | 1940er | ► ◄◄ | ◄ | 1907 | 1908 | 1909 | 1910 |… …   Deutsch Wikipedia

  • Erich von Drygalski — Erich Dagobert von Drygalski zwischen 1900 und 1920 Erich Dagobert von Drygalski (* 9. Februar 1865 in Königsberg; † 10. Januar 1949 in München) war ein deutscher Geograph, Geophysiker und Polarforscher …   Deutsch Wikipedia

  • 1912 — Portal Geschichte | Portal Biografien | Aktuelle Ereignisse | Jahreskalender ◄ | 19. Jahrhundert | 20. Jahrhundert | 21. Jahrhundert   ◄ | 1880er | 1890er | 1900er | 1910er | 1920er | 1930er | 1940er | ► ◄◄ | ◄ | 1908 | 1909 | 1910 | 1911 |… …   Deutsch Wikipedia

  • Drygalski-Insel — Vorlage:Infobox Insel/Wartung/Bild fehlt Drygalski Insel Gewässer Südpolarmeer Geographische Lage …   Deutsch Wikipedia

  • Mawson — Sir Douglas Mawson (* 5. Mai 1882 in Bradford, Yorkshire; † 14. Oktober 1958 in Brighton, Adelaide, South Australia) war ein australischer Antarktisforscher, der die erste australische Antarktisexpedition von 1911 bis 1914 leitete. Portrait, 1914 …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”