Austro-Amerikaner

Austro-Amerikaner sind US-amerikanische Staatsbürger österreichischer Herkunft. Laut U.S.-Behörden leben derzeit ca. 735.000 Menschen mit österreichischen Wurzeln in den Vereinigten Staaten. Die Staaten mit den größten austro-amerikanischen Bevölkerungsanteilen sind New York, Kalifornien, Pennsylvania, Florida und New Jersey. Die „Dunkelziffer“ könnte allerdings viel höher sein, da viele Deutschamerikaner ebenfalls österreichische Wurzeln besitzen, aber zur Zeit der größten Einwanderungswelle vor dem Ersten Weltkrieg österreichische Einwanderer ebenfalls als Deutsche gesehen wurden.

Um nun den Ursprung des Begriffes Austroamerikaner zu finden, muss man sich zuerst mit dem Begriff des Deutschamerikaners und dessen Herkunft auseinandersetzen. In Amerika leben derzeit ca. 50 Millionen Bürger, die sich als Deutschamerikaner bezeichnen können, was immerhin einen Bevölkerungsanteil von einem Sechstel bedeutet. Die meisten Deutschen immigrierten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die USA. Diese wurden in der Folge als „German americans“ also „Deutschamerikaner“ bezeichnet. Auch aus der damaligen k.u.k. – Monarchie wanderten zu dieser Zeit viele in die USA aus. Die meisten Auswanderer stammten jedoch nicht aus dem heutigen Österreich, sondern aus anderen Teilen der Monarchie, v.a. Ungarn, Böhmen und Mähren und Polen. Diese bezeichneten sich in ihrer neuen Heimat ihrem Nationalstolz folgend auch als Ungarn, Tschechen, Polen etc. Die Auswanderer aus dem heutigen Österreich wurden, auch aufgrund ihrer geringen Zahl, jedoch insbesondere aufgrund der Sprache automatisch meist den Deutschamerikaner zu- bzw. untergeordnet.

Nebenbei ist noch hinzuzufügen, dass Österreich in der Folge des Ersten Weltkrieges für Amerika, wie auch weltpolitisch nur eine sehr marginale Rolle gespielt hat. Erst durch die Flucht aus den österreichischen Gebieten aufgrund der Verfolgung durch die Nationalsozialisten bzw. davor auch bereits durch den Ständestaat kam es mit bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem intensiven Aufeinandertreffen von Österreichern und Amerikanern, insbesondere auch während der Besatzungszeit. Im Zeitraum von 1945–1955 fanden auch die meisten Gründungen von Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaften in Österreich, die ihren Namen auch mit „Austro-American Societies“ übersetzen bzw. von „American-Austrian-Societies“ in den USA statt. Zu dieser Zeit existierte also bereits die bewusste Differenzierung zwischen Deutschamerikanern und Österreich-Amerikanern. Die Auswanderung von Österreichern in USA fand natürlich mit der Besatzungszeit kein Ende und so kam es, dass heute in den USA ca. 735.000 Einwohner österreichischer Herkunft leben, die nicht weiter als 3 Generationen zurückreicht. Für die Österreichischen Auswanderer ist in Österreich am ehesten die Bezeichnung Österreich-Amerikaner verwendet wurde, falls sie nicht einfach nur als ausgewanderte Österreicher bezeichnet wurden, während eben jene in den USA Austrian Americans genannt wurden und werden.

Herkunft des Ausdrucks

Ausdrücke wie franco-, italo- oder eben auch austro- sind Zusätze, die v.a. im Zusammenhang mit Beziehungen, wie zum Beispiel mit bilateralen, staatlichen Verhältnissen verwendet werden, wie dann zum Beispiel im Englischen „franco-american relations“ oder auch „franco-canadian relations“, wobei diese Art der Beschreibung auch bei staatenübergreifenden Firmen anzutreffen ist wie bei der Firma „Franco-American (Campbell’s)“. Deshalb bezeichnen sich Österreichisch-Amerikanisch Gesellschaften auch als Austro-American Societies, da ihr Ziel in der Pflege österreichisch-amerikanischer Beziehungen besteht. Man findet jedoch auch Ausdrücke wie frankophil im Deutschen oder francophil im Englischen, womit eine Beziehung, in diesem Fall zu den Franzosen und deren Kultur definiert wird.

Während in den USA Mitte des 20. Jahrhunderts der Ausdruck French-American gebräuchlich und auch in der Schrift angewandt wurde, etablierte sich im Laufe der Zeit immer mehr der Ausdruck „Franco-american“ v.a. im Slang. Selbiges trifft auch zum Beispiel auf „italo-“ zu. (In Großbritannien werden übrigens diese Adjektive jedoch eher verschmäht und eher der Ausdruck French American gewählt.) Der Begriff austro- ist also in Anlehnung an die oben genannten Beispiele entstanden, wobei dieser Ausdruck v.a. in Österreich Anwendung findet, da auch selbst Amerikaner eher dazu neigen, Austrian American als Austro-American zu sagen. Der Begriff Austroamerikaner wurde vor allem in den österreichischen Medien der 70er und 80er geprägt und wird auch heute noch verwendet, um die österreichische Herkunft derart berühmter Personen zu unterstreichen. Ironischerweise mussten die meisten erst in die USA auswandern, um erfolgreich und berühmt zu werden, um auch danach in Österreich anerkannt zu werden. Der Austroamerikaner entstand v.a. auch in Zusammenhang mit dem Berühmtwerden österreichischer Auswanderer in den USA, wie zum Beispiel Arnold Schwarzenegger, Ex-Gouverneur des Staates Kalifornien oder der verstorbene Jazz-Musiker Joe Zawinul. Zu bekannten Austroamerikanern zählen auch Fred Astaire, Arnold Schönberg, Billy Wilder oder Ernst Florian Winter.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass der Begriff Austroamerikaner als halb eingedeutschter Anglizismus des kolloquialen Begriffs „Austro-American“ zu sehen ist und seine Verwendung eher in der Umgangssprache findet, was auch für sein amerikanisches Pendant gilt und daher seltener in der Literatur zu finden ist. Hier sind wenn, dann eher die Begriffe Austrian American bzw. Österreich-Amerikaner geläufig und der Begriff bzw. dass Adjektiv austro-american auf die Definition wirtschaftlicher, gesellschaftlicher oder staatlicher Verbindungen, Vereinbarungen etc. beschränkt.

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