Austro Daimler
Austro-Daimler
Austro-Daimler Logo
Unternehmensform KG, AG (ab 1910)
Gründung 1899
Unternehmenssitz Wiener Neustadt
Unternehmensleitung

Gründer: Eduard Bierenz
Eduard Fischer

Mitarbeiter 800 (1906)
4500 (1914)
Produkte

Pkw, Militär- und Nutzfahrzeuge, Flugmotoren

Austro-Daimler ADM (1923)
Austro-Daimler ADR (1928)
Austro-Daimler ADR (1928)

Austro-Daimler ist die Kurzbezeichnung für die ehemalige österreichische Tochtergesellschaft der deutschen Daimler-Motoren-Gesellschaft (Cannstatt).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Oesterreichische Daimler-Motoren-Commanditgesellschaft Bierenz Fischer u. Co in Wiener Neustadt wurde am 11. August 1899 mit einem gezeichneten Kapital von 200.000 Gulden als Tochtergesellschaft der deutschen Daimler-Motoren-Gesellschaft gegründet. Zusätzlich waren beteiligt: Eduard Bierenz - ein Freund Gottlieb Daimlers - sowie Eduard Fischer, Besitzer einer Eisengießerei. Zwischen dem Stammwerk in Cannstatt und dem neuen Werk in Wiener Neustadt wurden Facharbeiter ausgetauscht. Für diese Zeit wird die Zahl der am österreichischen Standort Beschäftigten mit 70 bis 80 angegeben.

Im Jahr 1900 wurde in Wiener Neustadt das erste Automobil hergestellt, ein Viersitzer mit Zwei-Zylinder-Motor. Die Produktion umfasste darüber hinaus auch Lastwagen, Omnibusse, Schiffsmotoren und Schienenfahrzeuge.

Gottlieb Daimlers Sohn Paul trat 1902 als persönlich haftender Gesellschafter in das Unternehmen ein und übernahm auch dessen technische Leitung; Eduard Bierenz schied als Teilhaber des Unternehmens aus, das nach Umbenennung als Oesterreichische Daimler-Motoren-Commanditgesellschaft firmierte.

Erstmals 1905 entstand in der Fabrik ein Wagen mit Allradantrieb. Paul Daimler verließ Wiener Neustadt, um im neuen Daimler-Werk Stuttgart-Untertürkheim den Posten von Wilhelm Maybach zu übernehmen. Durch Vermittlung von Generalkonsul Emil Jellinek wurde im darauffolgenden Jahr Ferdinand Porsche Nachfolger Paul Daimlers. Ebenfalls im Jahr 1906 wird der Name in Oesterreichische Daimler-Motoren-Gesellschaft geändert, ca. 430 Beschäftigte arbeiten im Werk.

1907 werden bereits 700 Arbeiter und 80 Angestellte gezählt, die neben Flugmotoren auch einen Rennwagen bauten.

Das Jahr 1909 markiert die Trennung zwischen den deutschen und österreichischen Daimler-Werken. Nach der Umwandlung in eine AG im Jahre 1910 nannte sich das Unternehmen bis 1928
Oesterreichische Daimler-Motoren-Aktiengesellschaft. Bei der Prinz-Heinrich-Fahrt konnten die ersten drei Plätze mit einem speziell konstruierten Rennwagen erzielt werden. Der Mitkonstrukteuer Ferdinand Porsche fuhr selbst einen der Wagen und wurde Rennsieger.

Der österreichische Kaiser Franz Joseph erlaubte 1911 dem Unternehmen, den kaiserlichen Doppeladler im Firmenwappen zu verwenden, welcher den Austro-Daimler Wagen große Bekanntheit verschaffte.

Die deutsche Konzernmutter Daimler verkaufte 1912 die noch in ihrem Besitz befindlichen Aktien der Oesterreichischen Daimler-Motoren A.G. Dies bedeutete die endgültige Aufspaltung beider Unternehmen, die von nun an in Konkurrenz zueinander stehen.

1913 erfolgte die Fusion mit den Škoda-Werken (Pilsen). 1914 wurden ca. 900 Beschäftigte gezählt; die Produktion wurde mit Beginn des ersten Weltkrieges auf die Belange des Militärs umgestellt.

Zum Kriegsende 1918 hatte Austro Daimler mit einer starken Verschuldung zu kämpfen, was auf Inflation und hohe Preise für Rohstoffe zurückzuführen war. Zur finanziellen Konsolidierung mussten die Škoda-Anteile daher wieder abgegeben werden. Die Erfüllung des Friedensvertrags von Saint-Germain verlangte 1919 die Vernichtung aller noch vorhandenen Flugmotoren. Man begann nun wieder mit der Produktion ziviler Kraftwagen. 1923 wurde eine Interessengemeinschaft mit den Puch-Werken (Graz) begründet (siehe auch Johann Puch). Im gleichen Jahr verließ Ferdinand Porsche nach 17 Jahren Tätigkeit bei Austro-Daimler das Unternehmen und wurde bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart Vorstandsmitglied und Leiter des Konstruktionsbüros.

Etwa um 1926 wurde die markante Kühlerfigur eingeführt: Die von einem Ring umschlossene Armbrust mit Pfeil. Im Jahre 1928 entstand aus der Fusion von Austro-Daimler, der Oeffag und den Puch-Werken die Austro-Daimler-Puchwerke A.G.. Das neue Unternehmen kooperierte fortan mit der Steyr AG; fünf Jahre später (1933) wurde das Austro-Daimler-Werk in Wiener Neustadt teilweise stillgelegt, am 30. Juni 1934 die Pkw-Fertigung endgültig eingestellt und die Maschinen an Steyr und Puch abgegeben. Am 12. Oktober 1934 erfolgte der Zusammenschluss mit der Steyr AG zur Steyr-Daimler-Puch A.G.. Der Bau von Pkw der Marke Austro-Daimler wurde völlig eingestellt und die Produktion auf Militär- und Schienenfahrzeuge beschränkt.

Zur Fortsetzung der Unternehmensgeschichte siehe Artikel Steyr Daimler Puch AG, der auch die ehemalige Steyr AG behandelt.

PKW-Modelle 1920–1934

Typ Bauzeitraum Zylinder Hubraum Leistung Vmax
Luxuswagen 6/25 PS 1920-1922 4 Reihe 2250 cm³ 25 PS (18,4 kW) 75 km/h
Luxuswagen 15/35 PS 1920-1922 4 Reihe 3300 cm³ 35 PS (25,7 kW) 80 km/h
AD 6-17 (17/60 PS) 1921-1924 6 Reihe 4424 cm³ 60 PS (44 kW) 100 km/h
ADM II (10/40 PS) 1923-1924 6 Reihe 2540 cm³ 40 PS (29 kW) 100 km/h
ADM II (10/45 PS) 1924-1927 6 Reihe 2613 cm³ 45 PS (33 kW) 100 km/h
ADV (17/60 PS) 1924-1927 6 Reihe 4424 cm³ 60 PS (44 kW) 100 km/h
ADM – 3 Liter (12/100 PS) 1926-1928 6 Reihe 2994 cm³ 100 PS (74 kW) 130 km/h
ADR (12/70 PS) 1927-1931 6 Reihe 2994 cm³ 70 PS (51 kW) 105 km/h
ADR Sport (12/100 PS) 1929-1931 6 Reihe 2994 cm³ 100 PS (74 kW) 130 km/h
ADR 8 (18/100 PS) 1931-1934 8 Reihe 4624 cm³ 100 PS (74 kW) 125 km/h
Bergmeister (14/120 PS) 1932-1934 6 Reihe 3614 cm³ 120 PS (88 kW) 145 km/h

Literatur

  • Hans Seper u. a.: Österreichische Automobilgeschichte. Eurotax Verl., Klosterneuburg 1999, ISBN 3-905566-01-X
  • Franz Pinczolits: "Austro Daimler", Weilburg Verlag, Wiener Neustadt 1986,ISBN 3-900100-42-X

Siehe auch

Weblinks


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