Auswahlwette
Toto-Schein von 1966

Unter Toto sind mehrere Sportwetten – bezogen auf die Sportart Fußball – des Deutschen Lotto- und Totoblocks zusammengefasst: Auswahlwette und Ergebniswette. Fußball-Toto wird in England bereits seit 1921 angeboten. 1934 wurde in Schweden ein staatliches Unternehmen zur Durchführung von Toto-Wetten gegründet. Die Hälfte der Spieleinnahmen wurden an die Spieler wieder ausgeschüttet; die Ausschüttungsquote betrug daher 50 %.

Inhaltsverzeichnis

Toto-Sportwette in der Bundesrepublik

Nach Deutschland kam die Sportwette nach dem Zweiten Weltkrieg, als es keine staatlichen Mittel zur Förderung des Sports gab. Die Sportverbände ergriffen die Initiative und initiierten die Gründung der staatlichen Fußball-Toto-Gesellschaften. In den Jahren 1948 – beginnend mit der Staatlichen Bayrischen Fußballtoto am 27. April 1948 – und 1949 wurden diese in allen deutschen Bundesländern gegründet. Anfang der 1950er Jahre bildeten sich die ersten Blöcke: der Nord-Süd-Block (Berlin, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern) und der Süd-West-Block (Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz).

Am 11. November 1956 übernahmen alle Toto-Lotto-Gesellschaften mit der Gründung des Deutschen Totoblocks die als Ergebniswette die Zwölferwette, 1959 wurde auf die Dreizehnerwette mit zunächst 6 (und ab 1961 4) Gewinnrängen umgestellt. 1967 kehrte man zur Zwölferwette anstelle der Neunerwette und der Dreizehnerwette zurück. 1969 kam dann die Elferwette, 2004 dann wieder die Dreizehnerwette. Auch landesspezifisch gab es diverse unterschiedliche Spielformeln.

Die Auswahlwette hat eine ähnlich wechselvolle Geschichte. Am 7. Oktober 1962 wurde die Auswahlwette mit der Spielformel „6 aus 36“ und 4 Gewinnrängen eingeführt. Ab dem 19. Januar 1964 galt dann die Spielformel „6 aus 39“ mit 5 Gewinnrängen. Am 1. Januar 1975 wurde die Auswahlwette 6 aus 45 eingeführt und ermöglichte das Tippen von 6 aus 45 Spielpaarungen. Gewertet wurden nun die 6 torreichsten unentschiedenen Begegnungen, ausgewählt werden gemäß der Spielformel die Spiele mit der niedrigsten Tordifferenz, beginnend bei den unentschiedenen Spielen und dort mit den Spielen mit den meisten Toren.

Toto-Sportwette in der DDR

Am 12. Dezember 1953 wurde durch eine staatliche Verordnung (GBl. S. 1271) die Toto-Sportwette in der Deutschen Demokratischen Republik eingeführt. Zuvor gab es immer wieder heftige Propaganda auch von Seiten der Sowjetunion gegen die Toto-Fußballwetten in Westdeutschland. Verantwortlich für die Toto-Sportwetten in der DDR war der VEB Sporttoto mit Sitz in Ost-Berlin, der unmittelbar unter der Aufsicht des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport beim Ministerrat unterstellt war. Die Hauptannahme- und Annahmestellen unterstanden den Bezirksstellen. Die Aufteilung der Wetteinlagen des Totos waren wie folgt vorgesehen: 55 % an Toto-Spieler, 25 % für den Sport in der DDR, 10 % als Steuereinnahmen, 7,5 % als Provision für die Annahmestellen, 1,5 % für Verwaltungskosten und Werbung und 1 % für einen Sicherheitsfonds.

Toto nach 1990

In Deutschland sind Sportwetten aufgrund des Glücksspielmonopols nur durch die staatlichen Lotteriegesellschaften im Deutschen Lotto- und Totoblock legal. Einige Wettbüros und -gesellschaften besitzen jedoch seit 1990 von der DDR ausgestellte Lizenzen, über deren weitere Gültigkeit bislang keine abschließende juristische Bewertung vorliegt. Eine lange erwartete Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 29. März 2006, in der geklärt werden sollte, ob und in welchem Umfang private Sportwettenanbieter auch in Deutschland Sportwetten veranstalten dürfen, brachte nicht die gewünschte Klarheit. Denn nach diesem Urteil hängt die Legitimität des staatlichen Sportwettenmonopols davon ab, dass sich die staatlich lizenzierten Anbieter (i.e. Oddset) hinsichtlich der von der Wettleidenschaft ausgehenden Gefahren in ihrer Eigenwerbung in Zukunft sehr stark zurückhalten. Inwieweit aber Oddset diesen Auflagen tatsächlich nachgekommen ist, wurde insbesondere im Zusammenhang mit Aktivitäten von Oddset bei der FIFA WM 2006 bezweifelt.

Seit dem 10. Februar 1996 galten bei der Auswahlwette 6 aus 45 die 6 torreichsten Begegnungen, ab dem 31. Januar 1998 wieder die unentschiedenen Begegnungen.

Bei der Ergebniswette wird auf 11 bzw. 13 (Elferwette, Dreizehnerwette) Spielpaarungen getippt. Es kann jeweils auf Sieg der Heim- oder Gastmannschaft oder auf unentschiedenen Ausgang getippt werden.

Toto in Österreich

In Österreich gibt man Tipps auf 12 Spiele ab, wobei die Gewinnzone bei mindestens 10 Richtigen beginnt. Zusätzlich gibt es noch eine Torwette, wo man die Ergebnisse der ersten vier Spiele tippen kann. Bei der Torwette gibt es auch einen zweiten Rang. Wenn man sowohl den normalen Toto-Tipp also auch die Torwette richtig hat, gewinnt man den Hattrick-Jackpot. Außerdem bieten die Totoscheine die Möglichkeit, mehrere Runden mit demselben Tipp mitzuspielen und Joker zu spielen.

Gewinnwahrscheinlichkeit

Wären alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich, würden die Gewinnchancen auf den Hauptpreis 1:3n betragen, wobei n die Anzahl der Spiele ist. Die konkreten Wahrscheinlichkeiten sind wie folgt:

  • n=9: 1:19.683
  • n=10: 1:59.049
  • n=11: 1:177.147
  • n=12: 1:531.441
  • n=13: 1:1.594.323

Um die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, dass m Spiele erraten werden, muss noch die Wahrscheinlichkeit für n Spiele mit einem ganzzahligen Faktor>1 multipliziert werden, da in diesem Fall nicht nur eine der insgesamt 3^n möglichen Tipps gewinnt, sondern es mehrere mögliche gewinnbringende Tipps gibt. Dieser Faktor berechnet sich nach folgender Formel (hierbei stehen die übereinandergestellten Variablen für den Binomialkoeffizienten in der Stochastik):

G(m,n)={n \choose m} 1^m 2^{n-m} [1], also die Wahrscheinlichkeit P(m,n)=\frac {1}{3^n} {n \choose m} 2^{n-m}. In konkreten Zahlen schaut das folgendermaßen aus (kaufmännisch gerundet):

n=13

  • m=13: 1:1.594.323
  • m=12: 1:61.320
  • m=11: 1:5.110
  • m=10: 1:697
  • m<10: 99,84% („Niete“ in Deutschland)

n=12

  • m=12: 1:531.441
  • m=11: 1:22.143
  • m=10: 1:2.013
  • m<10: 99,946% („Niete“ in Österreich)

Der Erwartungswert für die Zahl der erratenen Spiele ist n/3, also bei 13 Tipps 4 1/3.

Wie man sieht, ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Hauptgewinn größer als beim Lotto, allerdings spielen beim Toto normalerweise auch weniger Leute mit.

Generell sind die Wahrscheinlichkeiten jedoch auch vom Fußballfachwissen des Teilnehmers abhängig und können teilweise erheblich größer sein.

Einzelnachweise

  1. Stochastik Skript Marcel Steiner

Siehe auch

Weblinks


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