Reichsrüstungsministerium

Reichsrüstungsministerium

Das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition im Kabinett Hitler (Bezeichnung ab 2. Juni 1943: Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion) war ab dem 17. März 1940 ein Ministerium des Deutschen Reiches.

Inhaltsverzeichnis

Reichsminister für Bewaffnung und Munition

Fritz Todt

Am 17. März 1940 wurde das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition, welchem Fritz Todt vorstand, durch Führererlass (RGBl. I, S. 513) gegründet. Todt sollte die Kriegswirtschaft im wachsenden Machtbereich der NSDAP organisieren.

Wehrwirtschaftsstab Ost

Federführend für die Ausarbeitung der wehrwirtschaftlichen Planung des Überfalles auf die Sowjetunion war der Wehrwirtschaftsstab Ost welcher von den Staatssekretären des Amtes für den Vierjahresplan dominiert wurde. Sein praktisches Ergebnis war die Grüne Mappe.

Am 14. Juli 1941 forderte der Wehrwirtschaftsstab Ost beim Oberkommando der Wehrmacht die "baldige Ghettoisierung" der Juden in den neu besetzten Teilen der Sowjetunion damit "die zuverlässigen Nicht-Juden zum Zuge kommen".[1]

Am 28.Juli 1941 hatten die Mitorganisatoren der Euthanasiemorde, Viktor Brack und Richard von Hegener eine Besprechung beim Wehrwirtschaftsgeneral des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) Georg Thomas. Es ging um die Unterstützung des WiRü.Amts für die Durchführung des Sonderauftrages des Führers.

Am 31. Juli 1941 besprachen Wehrwirtschaftsgeneral Thomas und Görings Staatssekretär Paul Körner über »Organisationsfragen Russland«. In der anschließenden Sitzung des Wirtschaftsführungsstabes Ost erklärte Backe erneut, dass für die Versorgung der Stadtbevölkerung der UdSSR »nur ganz geringe Mengen verfügbar« seien. Göring beauftragte Heydrich, »eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflussgebiet in Europa« vorzubereiten.[2]

Akademisierung der Wehrwirtschaft

Todt wurde über die Bilanzen der Rüstungsbetriebe und der strategischen Produktionsmittel im deutschen Machtbereich informiert und hat seiner Pflicht entsprochen Hitler zu berichten. Die deutschen wehrwirtschaftlichen Strategien zum zweiten Weltkrieg waren durch wissenschaftliche Expertise eingehend überprüft. Allein das Kieler Institut für Weltwirtschaft hatte zu diesen Themen mehr als 1.600 Gutachten erstellt.[3] Hitler war beratungsresistent. Der Luftwaffengeneral Todt starb am 8. Februar 1942 in der Nähe der Wolfsschanze.

Albert Speer

Hitler ernannte Albert Speer zum Nachfolger auf dem Ministerposten und zum Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Festungsbau, Wasser und Energie. Speer war, anders als Todt nicht direkt von Göring abhängig, sondern galt als Hitlers persönlicher Kullissenschieber. Mit einem Führerbefehl vom 21. März 1942 wurde Speer ermächtigt einschneidende Maßnahmen zur Vereinheitlichung und Vereinfachung des Berichtswesens anzuordnen. Gleichzeitig wurde durch diesen Führererlass die Selbstverantwortung der in der deutschen Wirtschaft führenden Männer herausgestellt und so auch für das Erhebungswesen eine neue Grundlage geschaffen. Mit der im April 1942 geschaffenen Zentralen Planung lenkte Speer alle Bereiche der Kriegswirtschaft (z.B. die wichtigen Rohstoffkontingente an Betriebe). Der Rüstungsindex stieg laufend und erreichte im Juli 1944 sein Maximum (1944 322 zu 1940 100). [4] Daraufhin wurde das Maschinelles Berichtswesen (MB) dem Ministerium für Bewaffnung und Munition unterstellt und erhielt die Schlüsselposition zwischen Ministerium und Rüstungsindustrie. Das MB forcierte als Serviceleistung in den Rüstungsbetrieben die Lochkartentechnik. Mit dem MB konnten aus dem Speerministerium, die verfügbaren Produktionsmittel zeitnah disponiert und Produktionsentscheidungen getroffen werden. Zu diesen Produktionsmitteln gehörten Zwangsarbeiter und Menschen aus den Konzentrationslagern.

Eine rationale, im polykratische NS System ungewöhnliche, Weisungsbefugnis über alle wehrwirtschaftlich wesentlichen Bereiche des sozialen Lebens macht Speer im Umkehrschluss auch für die Errichtung der Vernichtungslager verantwortlich. Speer hat in Einzelbeurteilungen und später pauschal SS-Wirtschaftsbetrieben das Plazet der kriegswichtig bescheinigt. [5]

Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion

Bezeichnung ab 2. Juni 1943: Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion, Viktoriastraße 11, Berlin. Ab 16. September 1943 leitete Hans Kehrl das Planungsamt, ab 1. November 1943 das Rohstoffamt im Reichswirtschaftsministerium, später wurde er Präsident des Rüstungsamtes im Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion. Das Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit (RKW) wurde im Juni 1921 vom Reichswirtschaftsministerium und dem Deutschen Verband der technisch-wissenschaftlichen Vereine gegründet. Aus einer Selbstdarstellung von 1940 »Seit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus sind im Zuge der Rationalisierung, des Vierjahresplanes, der Leistungssteigerung und der Kriegswirtschaft die Arbeiten des RKW von der Wirtschaftsführung besonders gefördert worden«. Pressenotiz , »20 Jahre Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit« Im August 1943 wurde das RKW faktisch in das Ministerium für Rüstung und Kriegsproduktion übernommen. Sein Leiter Dipl-. Ing. Georg Seebauer, wurde dort Leiter des Amtes »Produktion von Verbrauchsgütern«. [6]

Unter Speers Regie wurde die Rüstungsproduktion massiv erhöht. Dies geschah durch den Einsatz von Millionen von Zwangsarbeitern, die vor allem unter Fritz Sauckel und SS-Gruppenführer Dr.-Ing. Hans Kammler rekrutiert wurden. In die Amtszeit Speers fiel die Verlagerung einiger Rüstungsbetriebe untertage. Dies verringerte für die eingesetzten Zwangsarbeiter, die häufig in Konzentrationslagern eingesperrt waren, die Chance zu überleben weiter, wie beispielsweise im Dora-Mittelbau.

Siehe auch

Chronik der Speerdienststellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Götz Aly und Susanne Heim "Vordenker der Vernichtung" Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verl. 1993. S. 539. Fischer-Taschenbücher 11268, S. 506
  2. Aly/Heim S. 507.
  3. Aly/Heim S. 12.
  4. bekundete der Stellvertretende Leiter der DAF, Staatsrat Rudolf Schmeer in "Neuordnung des Berichtswesens", in : Der deutsche Volkswirt, Ausgabe vom 21.8.1942 S. 1502 wiedergegeben nach Götz Aly, Karl Heinz Roth: Die restlose Erfassung: Volkszählen, Identifizieren, Aussondern im Nationalsozialismus. Fischer, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-596-14767-0 (Englische Version) bei books.google.com online S.139
  5. Sonderprogramm Prof. Speer in Auschwitz-Birkenau »In politischer Entscheidung machte Speer sich den Ausbau des KZ Auschwitz zum Vernichtungslager am 15. September 1942 (Oswald Pohl an Heinrich Himmler, Bericht v. 16.9.42) zu eigen. In Anwesenheit seiner leitenden Mitarbeiter für Rüstung, Arbeitskräfte und Bauen genehmigte er da dem Chef des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts Oswald Pohl und dessen Bau-Chef Hans Kammler die Vergrößerung des Barackenlagers Auschwitz. Damit adoptierte er als Rüstungsminister das SS-Bauvorhaben, erkannte es als Generalbevollmächtigter für die Regelung der Bauwirtschaft (Generalbevollmächtigter (GB) Bau) grundsätzlich als«  http://www.wdr.de/tv/speer_und_er/02Nachspiel02AufsatzWillems.phtml
  6. Aly/Heim S.232

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