Reinach (BL)
BL dient als Kürzel für den Schweizer Kanton Basel-Landschaft und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Reinach zu vermeiden.
Reinach
Wappen von Reinach
Basisdaten
Kanton: Basel-Landschaft
Bezirk: Arlesheim
BFS-Nr.: 2773Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Gemeinde
PLZ: 4153
UN/LOCODE: CH RCH
Koordinaten: (611484 / 260348)47.4937937.591025303Koordinaten: 47° 29′ 38″ N, 7° 35′ 28″ O; CH1903: (611484 / 260348)
Höhe: 303 m ü. M.
Fläche: 7.00 km²
Einwohner: 18'868
(31. Dezember 2008)[1]
Website: www.reinach-bl.ch
Karte
Karte von Reinach

Reinach (BL) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Arlesheim des Kantons Basel-Landschaft in der Schweiz.

Die nach Allschwil zweitgrösste Gemeinde des Kantons Basel-Landschaft liegt auf 303 m ü.M.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Reinach liegt am Südfuss des Bruderholz im Birstal und hat eine kurze Grenzverbindung mit der Stadt Basel. Die Ostgrenze der Gemeinde bildet der Fluss Birs mit seinem dichten Auenwald und der Reinacher Heide. Diese Heide ist ein Vogelparadies und man findet hier viele botanische Raritäten. Nachbargemeinden sind Arlesheim, Münchenstein, Bottmingen, Oberwil, Therwil, Aesch, sowie die Stadt Basel und Dornach im Kanton Solothurn. Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 700 Hektaren, davon sind 29 % Landwirtschaftsfläche, 17 % Wald, 53 % Siedlungen und 1 % unproduktive Fläche.

Wappen

Blasonierung: Gespalten; vorne in Silber ein roter Baselstab (Bischofsstab), hinten in Blau drei pfahlweise gestellte goldene Kugeln. Die drei Kugeln sind die Attribute des Kirchenpatrons St. Nikolaus. Mit den Farben Silber und Blau betont der gespaltene Schild die Zugehörigkeit zum bischöflichen Amt Birseck; der rote Stab (ohne Krabben) erinnert überdies an das Bistum Basel.

Geschichte

Die ältesten archäologischen Funde (Gräber und Werkzeuge) gehen in die mittlere Steinzeit zurück. Im Ortsbebiet wurden in den Jahren 2002 bis 2005 Funde von etwa 7.000 bis 800 v. Chr. gemacht, die Bronzezeit (1800 - 800 v. Chr.) ist etwas spärlicher vertreten, aber Keramiken, ein Scherbenteppich vom Mausacker, Gräber und Schmuckstücke beweisen, dass Reinach auch in dieser Zeit besiedelt war. Auch aus der Latènezeit (800 - 100 v. Chr.) fand man Gräber und aus der Römerzeit (ab 100 v. Chr.) Brandgräber, Münzen, Tafelgeschirr, Glasgefässe und vieles mehr. Eine stark stilisierte und verwitterte hallstattzeitliche Grabstele aus Sundgauer Molasse wurde 1973 in der Hubackerstraße gefunden.

Die erste schriftliche Überlieferung in welcher Reinach als Rinacho erwähnt wird stammt aus der Regierungszeit von Ludwig Garewart, welcher 1164-1176 Bischof von Basel war. Im Jahr 1194 war vermerkt, dass Reinach zum Kloster Beinwil gehörte.

Beim grossen Basler Erdbeben im Jahr 1356 wurde ein Grossteil des Dorfes zerstört. 1373 geriet das Bistum Basel in Schulden und Reinach wurde an die Herren Hannemann und Ulrich von Ramstein verpfändet.

Erdbebenkreuz in Reinach

Als 1501 Basel der Eidgenossenschaft beitrat, blieb Reinach ein Teil des Bistum Basel. Die Reinacher mussten bis 1511 nach Pfeffingen zur Kirche gehen und erhielten erst dann ihre eigene Pfarrei mit Dorfkirche. Ab 1525 war Reinach reformiert, kehrte aber 1595, unter dem Basler Bischof Christoph Blarer von Wartensee, wieder zum alten Glauben zurück.

Reinach wurde zum wirtschaftlichen Zentrum, zum Sitz der Amtsschaffnerei und besass das Frucht- und Salzmagazin der beiden Vogteien Birseck und Pfeffingen.

In Folge der Französischen Revolution floh 1792 der Bischof von Basel, und das Birseck wurde von französischen Truppen besetzt. Unter französischer Herrschaft wurde Reinach dann für kurze Zeit Kantonshauptort des Département du Mont Terrible. Im Jahr 1800 wurde die Zahl der Départemente reduziert, und das Dorf wurde nun von der Hauptstadt Colmar aus regiert. Erst mit dem Wiener Kongress von 1815, der das Birseck dem Kanton Basel und der Schweizerischen Eidgenossenschaft zusprach, wurde sein Schicksal enger mit jenem der Schweiz verknüpft.

Während der Basler Kantonstrennung, der Auseinandersetzung zwischen der Stadt und der Landschaft, verhielten sich die Reinacher stadttreu, wurden dann aber 1833, mit dem übrigen Birseck, Teil des neuen Kantons Basel-Landschaft.

Mit seinen etwas mehr als 1200 Einwohnern war Reinach auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein reines Bauerndorf. Der grosse Rebberg, der heute beinahe vollständig überbaut ist, gehörte zum Ortsbild.

Noch bis in die 1930er Jahre bot sich das heutige zentrale Schulgelände der Gemeinde mit dem Bachmatten-, dem Lochacker- und dem Weiermattschulhaus als weite offene Flur dar. Es war - wie der Name andeutet - sumpfig und teilweise sogar mit Schilf bestanden, so dass sich auch Störche wohl fühlten.

Den Beginn der stürmischen Reinacher Bevölkerungsentwicklung brachte eigentlich das Jahr 1907, das der abseits der damaligen Jurabahn liegenden Gemeinde mit der Eröffnung der Trambahn Basel-Aesch erstmals Schienenanschluss an die nahegelegene Rheinstadt verschaffte. Reinachs Einwohnern boten sich jetzt einerseits die grossen Vorteile der näher gerückten Stadt mit ihren vielfältigen Erwerbsmöglichkeiten und dem reichen kulturellen Angebot, andererseits lockten aber auch ländliche Wohnruhe und grosse Baulandreserven immer mehr Neuzuzüger ins Birsecker Dorf. Mit der Motorisierung beschleunigte sich der Wandel vom Bauerndorf zur Pendler- und Agglomerationsortschaft noch mehr, so hatte 1950 das Dorf 3'475 Einwohner und in den folgegenden drei Jahrzehnten verfünffachte sich die Bevölkerung bis auf über 18'000.

Bevölkerung

34 % der Bevölkerung sind römisch-katholisch, 30 % reformiert. Der Ausländeranteil beträgt 17.1 %.

Wirtschaft

Reinach gehört zum Wirtschaftsraum Nordwestschweiz und zur Agglomeration Basel. Daher haben sich in den letzten Jahren viele bekannten Firmen in dieser Stadt niedergelassen. Besonders die beiden grosszügigen Industriezonen Kägen und Schönmatt bieten Raum dafür. Ein Vorteil bietet auch der Anschluss an die Talstrasse H18 (Autostrasse) welche ihrerseits Reinach mit Basel, dem Rest der Schweiz, Italien, Deutschland und Frankreich verbindet.

Im Abstand von vier Jahren führen die Reinacher Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbetriebe die AGIR (Ausstellung des Gewerbes und der Industrie Reinach) durch. Initiiert wurde diese KMU-Messe 1980 von Willi Baader (damaliger Präsident des Gewerbe- und Industrievereines Reinach) und Willy Goettin. 1982 wurde sie mit 70 Firmen zum ersten mal durchgeführt. 2002 waren 130 Unternehmen vertreten. Die letzte AGIR fand 2007 statt.

Politik

Gemeindepräsident ist Urs Hintermann. Partnerstadt von Reinach ist Ostfildern (Deutschland).

Verkehr

Reichnach im Dreiländereck

ÖV

Reinach wird mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erschlossen. So durchquert die BLT-Tramlinie 11 die Stadt und stellt damit eine Verbindung mit Aesch, und über Münchenstein mit dem Bahnhof Basel SBB sicher.

In Ost-Westlicher Richtung durchquert die Buslinie 64 die Stadt und verbindet sie mit dem Bahnhof Dornach-Arlesheim an der S-Bahnlinie 3 und andererseits mit Therwil/Biel-Benken.

Das Gewerbegebiet Kägen wird seit dem 11. Dezember 2006 mit der Buslinie 62 erschlossen. Die Linie verkehrt ab Dornach Bahnhof zum südlichen Rand des Gewerbegebiets und weiter bis Reinach Dorf.

Strasse

Mit der Hochleistungsstrasse H18 (ehemals J18) ist Reinach an das schweizerische Nationalstrassennetz (A2) angeschlossen und besitzt mit den beiden Anschlüssen Reinach Nord und Reinach Süd eine direkte Verbindung.

Sehenswürdigkeiten

Denkmal des Gefechtes am Bruderholz von 1499
  • Bruderholzdenkmal von 1959 zur Erinnerung an das Gefecht am Bruderholz im Schwabenkrieg von 1499
  • Wegkreuz am Dorfausgang gegen Aesch, welches von Niklaus Kury (1737-1803) erstellt wurde
  • Heimatmuseum in der Kirchgasse 9
  • Aussichtspunkt Rebberg mit einer Panoramatafel
  • Evangelisch-Reformierte Kirche des Architekten Ernst Gisel

Einzelnachweise

  1. Statistik Basel-Landschaft – Wohnbevölkerung nach Nationalität und Konfession per 31. Dezember 2008

Weblinks


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