Autobahnbau in Nordhessen (1933–1945)

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Autobahnbau in Nordhessen 1934

Das deutsche NS-Autobahnprojekt strahlte auch nach Nordhessen aus. Tatsächlich wurde die Projektskizze von Klipp in der NS-Planung der Autobahnstrecke GöttingenKasselBad Hersfeld umgesetzt. Eine besondere Rechtfertigung für das in der NS-Zeit geplante Autobahnnetz rings um Kassel war die äußerst schlechte Verbindung Kassels im Eisenbahnnetz der Reichsbahn. So wird erklärlich, dass im eigentlich verkehrsarmen Nordhessen zuerst mit dem Bau der Autobahnstrecke Kassel–Göttingen begonnen wurde. Am 1. Mai 1934 wurde die „Oberste Bauleitung für Kraftfahrbahnen“ in Kassel in der Kronprinzenstraße ½ eingerichtet. Ihr Leiter war der Direktor der Reichsbahn Otto Liebetrau. Die Bauleitung bestand aus 9 Dezernaten für Trassierung, Grunderwerb, Finanz- und Personalangelegenheiten, zwei bautechnische Streckendezernate. Ferner gab es hier ein Dezernat für Brückenbau, Fahrbahndecken und Bodenkunde. Die Bauarbeiten wurden auf 5 Bauabteilungen Göttingen, Hannoversch Münden, Bettenhausen, Wilhelmshöhe und Bad Hersfeld aufgeteilt. Im Jahre 1934 beschäftigte die Oberste Bauleitung 47 Beamte, 103 Angestellte und 84 Arbeiter, während in den fünf Bauabteilungen 162 Beamte, Angestellte und Arbeiter tätig waren. Die mit den Arbeiten beauftragten Unternehmen beschäftigten im Bereich der Obersten Bauleitung Kassel 3.200 Arbeitskräfte, die teilweise beim Brückenbau im Zwei- oder gar Dreischicht-Betrieb eingesetzt wurden, so beim Bau der Asbachtalbrücke bei Bad Hersfeld.

November 1934 Baubeginn der Strecke Kassel–Göttingen

Noch im November 1934 wurde mit dem Bau der Strecke Kassel–Göttingen gestartet, während die Bauarbeiten an der Linie Kassel–Homberg erst im Sommer 1935 begannen. In der Festschrift zur 600-Jahr-Feier der Gemeinde Guxhagen im Jahre 1952 wird der Bau der Autobahnbrücke über die Fulda ausführlich beschrieben. Die Brücke wurde in den letzten Kriegstagen gesprengt und war bis 1952 nur einspurig wieder aufgebaut worden.

Eröffnung der Strecke Kassel–Göttingen 20. Juni 1937

Die Eröffnung der Strecke Kassel–Göttingen fand am 20. Juni 1937 mit einem großartig inszenierten Festakt des Gauleiters auf der Autobahn statt. Die Parteizeitung des NS-Gaus Kurhessen ordnete dieses Ereignis zwischen die „Heerschauen“ der NS-Bewegung, den 6. Hessentag der NSDAP in Kassel und den Reichskriegertag des Kyffhäuserbundes in Kassel, ein. Die Autobahn hatte zweifellos einen utopischen Charakter, da die damalige Verkehrsdichte in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr gering war. Zusätzlich wurde Nordhessen noch als besonders verkehrsarm eingeschätzt. Die Bilder aus der damaligen Zeit zeigen daher Autobahnstrecken, die keinen oder nur wenig Verkehr aufweisen. Zur Herstellung von Propaganda-Bildern über die Autobahn musste ein Verkehr besonders arrangiert werden. Die Strecke Kassel–Homberg wurde am 17. Dezember 1937 eröffnet.

Propaganda und Zeitdruck

Autobahnbrücke bei Vollmarshausen

Da von der Propaganda das Ziel gesetzt worden war, ab 1936 jährlich 1000 km Autobahn fertig zu stellen, stand das Autobahnprojekt unter sehr großem Zeitdruck. Diese Ziele wurden in den Jahren 1936 bis 1938 erreicht und zu den Terminen großartig gefeiert und auf den NS-Parteitagen in Nürnberg von Fritz Todt als erreicht verkündet. Allerdings schränkten ab Mitte 1938 die Befestigungsarbeiten am Westwall die Arbeiten an der Autobahn ein, da Baukapazitäten abgezogen werden mussten. Das Bauziel von 3000 km wurde im Jahre 1938 nur mit provisorisch eingerichteten, z. T. einspurigen und nur mit Schotter bedeckten Fahrbahnen der letzten Kilometer erreicht. Von den 3000 km waren 9,8 % einspurig. Im Jahre 1939 sank die Bauleistung infolge der Kriegsvorbereitungen auf 255 km ab. Die Bauleistung stieg im Jahre 1940 infolge von Zwangsarbeitereinsatz wieder auf 436 km an. Bis zum Sommer 1943 wuchs das Netz auf insgesamt 3858 km an, davon 14,3 % einspurig.

Das Autobahnprojekt stand wegen der geänderten wirtschaftlichen Prioritäten in der Kriegszeit erheblich unter Druck, vollständig eingestellt zu werden. Das Projekt verbrauchte knappe Rohstoffe, wie Stahl und Zement, ohne einen Beitrag zur militärischen Stärkung von Deutschland zu leisten. Daher sollte das Autobahnprojekt im deutlichen Unterschied zur Zeit vor 1940, wo Eröffnungen spektakulär gefeiert wurden, möglichst unauffällig, ja sogar unter Ausschaltung der Presse, weitergeführt werden. So wurde z. B. an der Linie Kassel–Hannover im Krieg zwar weitergebaut. Aber als am 3. August 1942 die 13 km lange, provisorisch fertiggestellte Strecke Göttingen–Nörten für den Verkehr freigegeben wurde, ordnete der Landrat des Kreises Göttingen an, auf eine öffentliche Bekanntgabe der Freigabe abzusehen und auch die Presse nicht zu informieren.

Durch eine neue Prioritätensetzung in der Kriegszeit wurden die Baustellen der Linie Kassel–Eisenach aufgelassen, wofür die isoliert stehende Autobahnbrücke im Wald bei Vollmarshausen Zeugnis gibt.

Anstelle der Linie Kassel–Eisenach wurde die Strecke Bad Hersfeld–Eisenach, noch im 5. Kriegsjahr, am 1. Juli 1943 provisorisch fertiggestellt. Auch beeinträchtigte der Zeitdruck die Sorgfalt, mit der Brückenbauwerke ausgeführt wurden. Beispielsweise misslang der Übergang von der ebenen Werratalbrücke bei Hannoversch Münden an den steilen Anstieg, so dass lange Busse mit der Karosserie den Boden berührten. Die Brücke bei Wommen auf der Strecke Bad Hersfeld–Eisenach wurde nicht nur als Sparmaßnahme lediglich einspurig ausgeführt, sondern hatte auch Probleme mit der Gründung der Pfeiler.

Der Autobahnbau wurde von 1940 bis 1943 mit Zwangsarbeitern, die unter härtesten Bedingungen leben mussten, weitergeführt.

Literatur

  • Richard Vahrenkamp: Der Autobahnbau 1933–1943 und das hessische Autobahnnetz. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. Band 109, Verlag PH.C.W. Schmidt, Neustadt an der Aisch 2004, S. 225–266.
  • Working Papers in the History of Mobility, No. 3/2001.

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