Autobahnrestaurant

Eine Autobahnraststätte (auch Autobahnrastplatz, -rastanlage oder -rasthof) dient hauptsächlich der Erholung während längerer Fahrtdistanzen im Fernverkehr und bietet dem Schwerlastverkehr Stellplätze, um die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten zu können. Der Autobahnraststätte ist in der Regel eine Tankstelle angeschlossen – mit Waschräumen, Toiletten sowie Babywickelräumen und häufig auch behindertengerechten Einrichtungen für die Reisenden. Ferner verfügen Rastanlagen meistens über Einkaufsmöglichkeiten, öffentliche Telefone und Internetzugang und oftmals über einen Kinderspielplatz. Meist sind die Raststätten durchgehend geöffnet.

Feng-Shui-Rasthaus Gruibingen (A8)
Kunst-Raststätte Illertal-Ost (A7)
Raststätte „Freienhufener Eck Ost“ an der A13 Dresden-Berlin
Die Raststätte Dammer Berge ist eines von zwei Brückenrestaurants an deutschen Autobahnen

Viele Autobahnraststätten haben ein separates Restaurant. Es ist meist in einem weiteren Gebäude abseits der Tankstelle untergebracht. Bei einigen Anlagen befinden sich auch Tankshop und Raststätte unter einem Dach. Selten gibt es Raststätten, die als Brückenrestaurant quer über die Autobahn führen und somit beiden Fahrtrichtungen dienen.

Inhaltsverzeichnis

Autobahnraststätten in Deutschland

1936 bis 1945

Zusammen mit dem Bau der Reichsautobahnen begann Mitte der 1930er in Deutschland die Planung und Errichtung der Infrastruktur. Am 1. Mai 1936 wurde die erste Reichs-Autobahntankstelle bei der Anschlussstelle Darmstadt eröffnet, die neben Waschgelegenheiten auch einen Aufenthaltsraum für 10 Personen aufwies. Später folgten Tankstellen an der freien Strecke, die auch eine Küche und einen Gastraum für 30 Personen hatten. Mit der Fertigstellung von längeren, durchgehenden Streckenabschnitten kam der Bau von Rastanlagen, die in Anlehnung an den Gasthof, das Gasthaus und die Gaststätte als Rasthof, Rasthaus oder Raststätte bezeichnet wurden. Als erste größere Anlage wurde am 27. August 1937 das „Rasthaus am Chiemsee“ mit 520 Sitzplätzen eröffnet, das insgesamt erst 1941/42 fertiggestellt war und nach 1945 der US-Army als Erholungszentrum diente. Am 7. November 1938 folgte der „Rasthof Magdeburger Börde“. Es war mit 200 Sitzplätzen der erste und gleichzeitig der einzige vollständig fertiggestellte Rasthof, der mit dem sechsstreifigen Ausbau der Bundesautobahn 2 abgerissen wurde. Bis zum Baustopp 1942 waren 78 Tankstellen und 24 Rastanlagen errichtet worden. Während des Zweiten Weltkrieges wurden diese unter anderem als Lazarette genutzt.

1945 bis 1994

1951 wurde als Ersatz für die „Raststätte Chiemsee“ die „Raststätte Irschenberg“ als erster Neubau nach dem Krieg in Betrieb genommen. Am 6. Juli 1951 gründete die Bundesrepublik Deutschland die „Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahnen mbH“ (GfN). Die Gesellschaft für Nebenbetriebe führte die Vorplanung der Nebenbetriebe durch und übernahm die Baukosten. Außerdem war sie zuständig für die Verpachtung, die Verwaltung und den Unterhalt der Liegenschaften. Daneben wurde von 1950 bis 1952 eine Musterplanung von Rastanlagen im Bundesministerium für Verkehr erstellt. Diese war gekennzeichnet durch verschiedene Betriebselemente. So gab es eine Verkehrsflächenvorgabe von 12.000 bis 15.000 m², gegenüber 1000 m² bei den Vorkriegsanlagen, und Tanken, Parken sowie Rasten als Reihenfolge in der Betriebsabwicklung. Die Tankstellen wurden parallel zu den Fahrbahnen angeordnet sowie die Zapfstellen für die Pkw auf der linken und für die Lkw auf der rechten Gebäudeseite in Fahrtrichtung. Die Raststätten wurden untergliedert in getrennte Gasträume für Pkw- und Lkw-fahrer, außerdem wurde die Küche auf Omnibus-Stoßbetrieb eingerichtet. Ein Bauprogramm sah 1952 alle 100 Kilometer Rasthofanlagen und kleinere Anlagen in Abständen von zirka 30 Kilometer vor. Spezielle Übernachtungsgebäude an den Raststätten, sogenannte Motels, entstanden erstmals 1957. Selbstbedienungs-Raststätten wurden ab 1962 eingeführt, wozu die Schnellimbiss-Raststätte entworfen wurde, auch als Kombination mit einem Tankstellengebäude in Insellage. 1981 unterhielt die GfN 167 Raststätten und 267 Tankstellen. Mitte der 1980er kamen die Raststätten aufgrund von unzeitgemäßer Einrichtung und Ausstattung, mangelnder Sauberkeit, mäßiger Qualität der Küche sowie fehlender Attraktivität stark in die Kritik. Dies führte Ende der 1980er zu einem umfangreichen Modernisierungs und Umgestaltungsprogramm der veralteten Raststätten für 2 Milliarden DM. 1989 wurde an der Raststätte „Uttrichshausen West“ bei Fulda erstmals ein McDonalds-Restaurant eingerichtet.

Seit 1994

1994 wurde die Gesellschaft für Nebenbetriebe in die Aktiengesellschaft Tank & Rast umfirmiert. Eine Platzierung von 49 % der Aktien war ursprünglich für 1995 geplant, 1998 wurde die Gesellschaft aber komplett an Investoren verkauft. Der Gesellschaft war es nach einer Änderung des Bundesfernstraßengesetzes jetzt möglich, die Servicebetriebe selbst zu planen und zu bauen, was bis dahin den Landesstraßenbauverwaltungen oblag. Die Gesellschaft konnte 1994 die Ostdeutsche Autobahntankstellengesellschaft mbH mit 31 Tankstellen sowie die Mitropa-Raststätten an den Autobahnen erwerben. Tank & Rast hat heute bei den Rastanlagen an der Autobahn einen Marktanteil von rund 90 % und unterhält mit 340 Tankstellen und 370 Raststätten, zu denen 50 (noch an keine Kette angeschlossene, teils zu renovierende) Hotels zählen, an rund 390 Standorten etwa 720 Servicebetriebe (Tankstellen, Raststätten, Hotels) an der Autobahn.

Das staatlich vorgesehene Betreibermodell setzt auf eine primär mittelständische Pächterstruktur, die Tank & Rast gemeinsam mit den Pächtern in verschiedenen Pachtmodellen umsetzt. An vielen Standorten finden die Autobahnreisenden auch das Angebot bekannter Gastronomieketten wie Mövenpick oder Wienerwald vor, diese Unternehmen sind jedoch in der Regel in Form von kleineren integrierten Modulen repräsentiert.

In den letzten Jahren hat Tank & Rast zirka 400 Millionen Euro in die Modernisierung ihrer Raststätten investiert und eine Vielzahl von Betrieben komplett neu gebaut. Mit der Marke Serways führt das Unternehmen zur Zeit eine Dienstleistungsmarke ein, die das gesamte Angebot auf einer Autobahnrastanlage (Gastronomie, Läden, weitere Serviceleistungen) umfasst. Unter der Bezeichnung Sanifair wurde gleichzeitig ein neues Toilettenkonzept integriert, das die Benutzungsgebühr bei Einkauf im Geschäft oder im Restaurant zurückerstattet. Auch nehmen an diesem auf Qualität ausgerichteten Konzept Markenartikler wie Barilla, Nordsee, Lavazza, Burger King, McDonald’s und Segafredo Zanetti teil. Darüber hinaus bieten die Rastanlagen auch regional erzeugte und angebaute Nahrungsmittel und Spezialitäten an.

Im Durchschnitt findet man in Deutschland alle 60 Autobahnkilometer eine Autobahnraststätte. Etwa 500 Millionen Reisende besuchen die Raststätten im Jahr.

Bedeutung für Tramper

Tramper nutzen die Autobahnraststätten als Umsteigepunkt auf längeren Strecken. Sie müssen die Autobahn so zwischen der Start- und Zielauffahrt ihrer Route nicht verlassen. Sie lassen sich meist auf der letzten Raststätte aussetzen, bevor ihre Mitfahrgelegenheit die geplante Route verlässt. An der Raststätte sprechen sie Rastende an oder trampen klassisch an der Ausfahrt mit Daumen oder Schild. Trampen ist auf Autobahnen grundsätzlich verboten. Da Autobahnraststätten zur Autobahn gehören, gilt hier rechtlich gesehen auch das Trampverbot. Es wird aber im Allgemeinen in den Bereichen der Autobahnraststätten toleriert, in denen Fahrzeuge problemlos und ungefährdet anhalten können.

Anschlussstellen und Zufahrten

Um die Rentabilität zu erhöhen, werden Raststätten in Ausnahmefällen manchmal auch nur an einer Richtungsfahrbahn errichtet und haben zusätzliche Zufahrten der anderen Richtungsfahrbahn. Zwei Raststätten in Deutschland, die Raststätte Dammer Berge und das Brückenrasthaus Frankenwald, sind als Brückenrestaurant über die Autobahn konzipiert, so dass ein Zugang von beiden Seiten der Autobahn möglich ist. Manche sind so platziert, dass man auch vom untergeordneten Straßennetz zufahren kann. Diese bildet auch eine Vereinfachung für den Zulieferverkehr und kann mitunter auch als Autobahnauffahrt ausgelegt sein. Üblicherweise besteht aber zwischen der regionalen Straße und der Autobahn keine Verbindung. Wohl ist es aber möglich, diese Zufahrten auch als Notauffahrt für Einsatzdienste, wie Feuerwehr oder Rettungsdienste zu benutzen. In diesem Fall dienen meist Schranken als Absperrung, damit normale Verkehrsteilnehmer nicht die Notauffahrten benutzen und dadurch möglicherweise Rettungseinsätze behindern. Während Autobahnraststätten in der Regel direkt auf der Autobahn platziert sind und oft eine eigene Ein- und Ausfahrt besitzen, zumindest eine Betriebszufahrt, befinden sich Autohöfe, die ebenfalls der Versorgung des Fern- und Schwerlastverkehr dienen, in der Nähe normaler Autobahnausfahrten.

Eine rechtliche Besonderheit ist, dass für Autobahnraststätten keine Sperrstundenregelung existiert (§ 15 Absatz 4 Bundesfernstraßengesetz). Jedoch ist zwischen 0:00 Uhr und 7:00 Uhr der Ausschank und der Verkauf von alkoholhaltigen Getränken verboten.

Parkplätze auf der Raststättenanlage

Parkplätze für Personenkraftwagen gibt es auf den Raststättenanlagen auch in der Urlaubszeit in der Regel in ausreichender Anzahl. Die Lkw-Stellplätze sind dagegen ab 18 Uhr in Deutschland üblicherweise alle belegt, da die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten sind. Widerrechtliches, sehr gefährliches Parken ist oft anzutreffen, schon in den Zufahrten sind häufig die Lkw abgestellt. Diese Situation wird sich in den nächsten Jahren nicht ändern, sondern noch verschärfen.[1]

Nach den Angaben des BAG gibt es derzeit 21.000 ausgewiesene Autobahn-Stellplätze für Lastkraftwagen auf 430 BAB-Rastanlagen mit einer Gastronomie, sowie 1520 auf den unbewirtschafteten Rastanlagen, die statistisch zu 180 Prozent ausgelastet sind. Dazu kommen noch ungefähr 20.000 Stellplätze auf den ca. 200 Autohöfen[2]. Nach einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen von 2006 werden bis 2015 zusätzlich 30.000 Lkw-Stellplätze benötigt, da der Lkw-Güterverkehr sich bis 2020 nach den Experten des VDA um fast 40% steigert. Es sollen bis 2025 nach dem Beschluss der Bundesregierung 11.000 neue Lkw-Stellplätze in Deutschland direkt an den Autobahnen entstehen[3].

Autobahnraststätten in Österreich

In Österreich gibt es ein sehr dichtes Netz an Raststationen an den Autobahnen und Schnellstraßen. Meist gibt es eine Tankstelle mit angeschlossenem Laden und ein separates Rasthaus, selten ist nur eine Tankstelle mit kleinem Café vorhanden (z. B. Kapfenberg S6). Oft wurde versucht, das Rasthaus im Stil der Region zu bauen (z. B. Landzeit Loipersdorf an der A2 im Stil eines burgenländischen Bauernhofs). In den Rasthäusern gibt es entweder Restaurants mit Bedienung oder einen Selbstbedienungsbereich (Marktrestaurant) und bieten meist qualitativ gute Küche. Die Stationen sind auf Massenbesuch eingerichtet und verfügen über dementsprechend große Räume und Toilettenanlagen. Bei sehr großen Raststätten ist manchmal auch ein Hotel angeschlossen.

In Österreich werden die meisten Raststätten durch die Unternehmen Landzeit, Rosenberger, Oldtimer, Autogrill, Mövenpick und Wienerwald betrieben. Daneben gibt es noch einige Unternehmen welche nur eine Raststätte besitzen (z. B. Alland A21)

Auch in Österreich gibt es eigene Regelungen, die beispielsweise die Mindestabstände der Raststätten zueinander regeln. Dazwischen kann es vereinzelt Kioske geben, die aber nicht dieselben Angebote vertreten dürfen wie die angrenzenden Raststätten. Ein Beispiel ist der Rastplatz Triestingtal an der Süd Autobahn A2 zwischen den Raststätten Wöllersdorf und Guntramsdorf. Hier dürfen nur einzelne Biolebensmittel verkauft werden.

Autobahnraststätten in der Schweiz

In der Schweiz werden aktuell 34 Raststätten entlang dem Nationalstraßennetz von verschiedenen Unternehmen betrieben. Bei 9 Anlagen (a) kann die Autobahn mit dem Auto gequert und so die Fahrtrichtung gewechselt werden. Bei 8 Anlagen (b) kann die Autobahn zumindest zu Fuß überquert werden.

A1: La Côte (b), Bavois (a), Rose de la Broye (a), Grauholz (a), Deitingen, Gunzgen, Kölliken, Würenlos (b), Kempthal (a), Forrenberg, Thurau, St. Margrethen (b)

A2: Basel-Weil (b), Pratteln (b), Eggberg, Teufengraben, Luzern-Neuenkirch (a), Gotthard, San Gottardo, Bellinzona, Colderio (b)

A3: Herlisberg, Fuchsberg (b), Glarnerland (b), Walensee

A4: Konaueramt (a)(Eröffnung 2009)

A5: Pieterlen (a)

A6: Münsingen

A9: Villette (b), Le Chablais, Grand St-Bernard (a)

A12: La Gruyère (a)

A13: Rheintal (b), Heidiland (a), Viamala Raststätte Thusis (a), San Vittore

Siehe auch

Die folgenden deutschen und österreichischen Autobahnraststätten haben einen Artikel in Wikipedia:

sowie folgende historische Autobahnraststätte:

  • Rodaborn bei Triptis (Thüringen), 1936 erste deutsche Autobahnraststätte.

Literatur

  • Ralph Johannes, Gerhard Wölki: Die Autobahn und ihre Rastanlagen. Geschichte und Architektur. Imhof, Petersberg 2005, ISBN 3-932526-68-6

Einzelnachweise

  1. Volker Kring: Nachts, wenn alles schläft, wird’s eng in Thüringen. Freies Wort, 9. August 2008
  2. VEDA e.V.: Selbstbewusst und mutig in die Zukunft, Pressemitteilung vom 18. Oktober 2007
  3. Einige Artikel von der Verkehrsrundschau und Ver.di zum LKW- Parkplatzproblem

Weblinks


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