Autodrehkran Panther
ein ADK Panther beim Bau eines Futterhauses

Der Autodrehkran Panther (ADK Panther) ist ein in der DDR hergestellter Autokran, der auf Basis des zweiachsigen IFA H6 gebaut wurde. Der Kran wurde ursprünglich für Lasten bis 5 Tonnen im VEB Hebezeugwerk Sebnitz produziert (Typen ADK I/5 und ADK V/5) und später auf 6,3 Tonnen verbessert (Typen ADK 63 und ADK 63-2). Bei den späteren Varianten wurde der Name Panther nicht mehr verwendet, im Volksmund jedoch auch auf diese Fahrzeuge übertragen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Unabhängig von der Entwicklung des Autodrehkran Bleichert begann 1953 auch der Wissenschaftsbereich (WB) der ABUS (Arbeitsmittel für Bergbau und Schwerindustrie) im Zentralen Konstruktionsbüro (ZKB) in Zusammenarbeit mit der Firma VEB Hebezeugwerk Sebnitz einen Autodrehkran zu entwickeln. In Sebnitz hatte man während des Zweiten Weltkrieges Erfahrungen mit der Lizenzproduktion von Bilstein-Kranen, und nach dem Krieg mit dem Traktordrehkran Brigadefreund sammeln können. Mit dem wachsenden Bedarf an mobilen Drehkränen versuchte man zunächst einen Kran zu entwickeln, der einfach auf serienmäßige LKW-Fahrgestelle verbaut werden konnte. Der damals einzig verfügbare Typ des IFA H6 eignete sich nicht wegen der Verwindungssteife des Rahmens und seiner zu geringen Nutzlast.

ADK I/5

Der ADK I/5 beim Verbau von Betonteilen

Die Einmannbedienung des Krans erfolgt aus dem Fahrerhaus, im Straßenverkehr sitzt der Fahrer ganz normal auf der linken Seite, der Kranbetrieb erfolgt von der Beifahrerseite in rückwärtiger Richtung mit Blick auf den Drehtisch. Um das Fahrzeug im Kranbetrieb bewegen zu können, verfügt es über einen zweiten Satz Fußpedale und eine gekuppelte Doppellenkung. Um bessere Sicht zu gewährleisten, ist das Dach nach hinten abgeschrägt und verglast.

Mittels einer Achsverriegelung lässt sich eine starre (ungefederte) Verbindung von Rahmen und Hinterachse im Kranbetrieb herstellen. Unter Last ist dann noch eine Standortveränderung des Krans mit 5 km/h möglich. Die Hubarbeit erfolgt idealerweise in rückwärtiger Richtung mit einem Ausschlag von bis zu 45° (von der Mitte). Außerhalb dieses Bereichs verlagert sich die Last von der Hinterachse auf die Vorderachse, was durch seitliche Abstützungen, die sich zwischen den Achsen unterhalb des vorderen Endes des Drehtisches befinden, verhindert werden kann.

Der Kran wurde überwiegend im nichtstationären Kranhakenbetrieb genutzt. Der Oberwagen war über ein Drehwerk fest mit dem Unterwagen verbunden. Das Drehwerk und das Hubwerk wurde elektrisch betrieben, das Wippwerk über eine Hydraulik. Der dieselelektrische Antrieb erlaubte es auch, das Fahrzeug als mobiles Notstromagregat mit 18 kW einzusetzen, sowie den Kran über Fremdstrom zu betreiben. Der Schwenkberreich war bis 1956/57 unbegrenzt. Die verschleiß- und störanfälligen Schleifringkörper machten dann die Stromführung zum Oberwagen über einen Kabelbaum notwendig, der jedoch den Schwenkbereich auf 340° beschränkte. Ab 1955 konnte der Ausleger um 1,5 m manuell verlängert werden, um so eine Hubhöhe von etwa 12 Metern erreichen zu können. Für Straßenfahrten wurde der Einsteckausleger nach hinten weggeklappt und die Hakenflasche entsprechend hinten an den Gegengewichten befestigt. Für Schüttgutbewegung, beispielsweise Kohleumschlag, konnte der Kran um eine Greiferausrüstung mit einem elektrisch betriebenen Motorgreifer erweitert werden. Sofern die dazu notwendige Erweiterung im Kran vorhanden war, konnte der Greifer innerhalb von Minuten angebaut werden. Weitere mögliche Anbauten sind ein Lasthebemagnet sowie ein Vakuumheber. Bis 1962 wurden 858 Stück ADK I/5 in Sebnitz gefertigt.

ADK I/5 B

Mit der ab 1959 gefertigten Variante ADK I/5 B ging man auf die Forderungen der Bauindustrie ein, einen mobilen Turmdrehkran zu produzieren. Um den Kran auch im Hochbau einzusetzen, wurde ein Hochbaukranteil entwickelt. Die Hubhöhe wuchs aus maximal 26 Meter an, die Ausladung betrug bis zu 13 Meter. Der Ausleger wurde durch den Kran selbsttätig aufgerichtet. Während des Transportes lag der Ausleger auf einem einachsigen, lenkbaren Nachläufer. Die Gesamtlänge des Fahrzeuggespanns betrug 22 m.

ADK V/5

1960 begann man in Sebnitz mit der Weiterentwicklung des ADK I/5. Wichtige Änderungen waren der Einbau eines leistungsfähigeren Motors und der Einbau einer Einscheiben-Trockenkupplung. Als neue Zusatzausrüstung wurde ein Einsteckausleger mit einer Traglast von 0,9 t eingeführt. Bis 1965 wurden 1180 Stück produziert.

ADK 3,6 und ADK 63

der ADK 63

1965 begann die Produktion des ADK 3,6 der eine hydraulische Lenkhilfe und ein verbessertes Schaltgetriebe aufwies. Durch Überarbeitung der Auslegerkonstruktion und der Bestückung der Auslegerverlängerung mit einem pneumatischem System konnte die Tragfähigkeit auf 6,3 t erhöht werden. Die Hubgeschwindigkeit im 2- und 3-strängigen Betrieb wurde um 35 % erhöht. Ab 1968 wurde eine Lastmomentsicherung (LMS) serienmäßig eingebaut. Ab 1967 wurde das Fahrzeug als ADK 63 vertrieben. Durch eine wirtschaftspolitische Umstrukturierung wurde der VEB Hebezeugwerg Sebnitz ab 1970 dem Fortschritt-Kombinat unterstellt. Die Kranproduktion wurde in den VEB Schwermaschinenbau „Georgi Dimitroff“ Magdeburg verlagert. Bis zum Produktionsende 1970 wurden 1692 Stück gebaut.

ADK 63-2

Einsatz eines ADK 63-2 beim Wohnungsbau

Die Produktion begann noch 1968 im VEB Hebezeugwerg Sebnitz und wurde ab 1971 im VEB Schwermaschinenbau „Georgi Dimitroff“ Magdeburg-Buckau weitergeführt. Der ADK 63-2 erhielt einen gänzlich neuen Kranaufbau. Der Ausleger ist dabei nicht mehr direkt auf dem Drehtisch gelagert, sondern befindet sich auf einem Stützbock. Für das Wippen wurden zwei Zylinder verwendet. Die Feinfühligkeit des Drehwerkes wurde erhöht. Die Auslegerverlängerung wurde von 1,5 auf 3 Meter vergrößert und ist auch unter Last hydraulisch ausschiebbar. Neben einem moderneren Motor hatte der ADK 63-2 auch eine Motorbremse. Die Achsverriegelung konnte nun erstmals hydraulisch vom Fahrerhaus betätigt werden. Auch die Fahrerkabine wurde überarbeitet und mit neuen Instrumententafeln versehen. Von 1969 bis 1972 wurden nur 399 Stück gefertigt.

ADK 63-1

Der ADK 63-1 wurde parallel zum ADK 63-2 gebaut und unterscheidet sich von diesem im Wesentlichen durch die mechanische Teleskopierung des Auslegers. Von 1971 bis 1975 wurden 890 Stück in Magdeburg gebaut.

Technische Daten

Viele Teile der Fahrzeuge sind Standardkomponenten anderer LKW. So sind beispielsweise Achsen und Bremsanlage Bauteile des IFA H6, während der Motor vom IFA H3A/IFA S4000 bzw. später vom IFA W50 stammte.

  ADK I/5 ADK V/5 ADK 63 ADK 63-2
Motor
(4-Takt-Dieselmotor, 4 Zylinder)
Typ EM 4-15-1 Typ EM 4-22/90 Typ 4 VD 14,5/12-0 SRW
(EM 4-22/90)
Typ 4 VD 14,5/12-1 SRW
Motorleistung 44 kW (60 PS) bei 1500 min-1 66,3 kW (90 PS) 66,3 kW bei 2000 min-1 66,2 kW bei 2300 min-1
Fahrgeschwindigkeit 31,5 km/h 42,2 km/h 55,0 km/h 57,5 km/h
Dienstgewicht
Eigenmasse
13400 kg
 
13400 kg
 
 
13300 kg
 
13000 kg
max. Tragkraft 5000 kg 5000 kg 6300 kg 6300 kg
Hubgeschwindigkeit 4,3 m/min 7 m/min 9,5 m/min (dreisträngig) bis 28,5 m/min (einsträngig)
Generator 20 kVA, 400 V, 27 A 30 kVA, 400 V, 44 A  

Literatur

  • Walter Lütche: Giganten der Arbeit – 40 Jahre Fahrzeugkranbau in der DDR, KM-Verlags GmbH Griesheim, 2003 ISBN 3-934518-05-2
  • Ralf Christian Kunkel: DDR Baumaschinen 1945–1990, Motobuchverlag 2010 ISBN 978-3-613-03032-9

Weblinks

 Commons: TAKRAF ADK 5 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: TAKRAF ADK 63 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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