Autofähre Konstanz - Meersburg
Autofähre zwischen Meersburg und Konstanz-Staad

Die Autofähre Konstanz–Meersburg verkehrt zwischen dem Konstanzer Stadtteil Staad und der Stadt Meersburg. Die Autofähren verbinden das durch den Bodensee eingeengte Konstanz mit dem Linzgau und im weiteren Einzugsbereich das Nord- und Südufer des Bodensees im Verlauf der Bundesstraße 33. Neben Autos und Nutzfahrzeugen werden auch Motorradfahrer, Radfahrer und Fußgänger befördert. Hauptsächliche Nutzer sind der Fernverkehr mit der Schweiz, Berufspendler und Touristen. Die Autofähre Konstanz–Meersburg wird durch die Stadtwerke Konstanz GmbH betrieben. Die Benutzer umgehen durch die 4,5 km lange Fährstrecke den 53 km langen Landweg um den Überlinger See. [1]

Während der Überfahrt ergibt sich ein schöner Blick auf die Insel Mainau und das Meersburger Stadtpanorama.

Die Schiffe verkehren tagsüber im halbregelmäßigen 10-Minuten- bis Viertelstunden-, bis in die späten Abendstunden im Halbstundentakt, anschließend fährt ein Nachtschiff, welches einmal je Stunde die beiden Häfen in Konstanz und Meersburg ansteuert.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Da die deutsche Bahn, damals noch die Reichsbahn, keine kostendeckende Möglichkeit sah, Konstanz an das überregionale Zugnetz anzuschließen, kam erstmals im Frühjahr 1914 die Idee auf, den Bodanrück und vor allem Konstanz über die südöstliche Ecke Badens durch eine Fähre mit Oberschwaben zu verbinden.

Planung

Die Planung wurde durch den Ersten Weltkrieg verworfen. Am 11. Dezember 1924 genehmigte der Stadtrat die Ausarbeitung eines solchen Planes. Die Direktion der Stadtwerke sollte die Frage der Beschaffung eines Bootes prüfen und das Tiefbauamt einen Kostenvoranschlag aufstellen für die Zu- und Abfahrtsstelle, wobei an die Rutsche beim Zeppelindenkmal oder an Staad gedacht worden war.

Im Frühjahr 1925 wurde der Vorschlag erweitert und Interessenten angehört, um die Planung zu verfeinern. Oberbürgermeister Dr. Moericke lud daraufhin zum 23. Januar 1925 über 20 Vertreter Konstanzer Unternehmen zu einer Besprechung ein, in der sich Bürgermeister Arnold für die Schaffung der Fährverbindung einsetzte, auch wenn diese aus damaliger Sicht nicht rentabel arbeiten könnte (später stellte sie sich als äußerst rentabel heraus). Überlegt wurde ein Boot von knapp 30 Metern Länge und einer Breite um die 8 Meter. In der späteren Planung und auch in der Durchführungsphase stellte sich heraus, dass die Kosten explodierten. Ursprünglich sollte der Etat 250.000 RM betragen. Am 9. Dezember 1927 hat der Stadtrat, ihm blieb wegen des Fortschritts des Schiffs- und Ländenbaus nichts anderes mehr übrig, einen Etat von 608.000 RM bewilligt, wobei hier einmalige Zuschüsse vom Land bereits berücksichtigt waren. Ursprünglich kamen verschiedene Routen in Frage:

1. nordwestlich MainauUnteruhldingen = 4,5 km
2. südöstlich Mainau – Unteruhldingen = 4,1 km
3. Staad – Meersburg = 4,5 km
4. Eichhorn – Meersburg = 6,1 km
5. Klein-Venedig – Meersburg = 8,7 km

Der Meersburger Bürgermeister Karl Moll setzte sich für Meersburg als Fährehafen am nördlichen Seeufer ein. Dadurch schied Unteruhldingen als Anlegestelle aus. Der Konstanzer Bürgermeister entschied sich für die Route 3.

Das Projekt Fähre stieß auf großen Widerstand. Die Bürgermeister der anrainenden Gemeinden und Städte wie Singen und Radolfzell auf Konstanzer sowie Salem und Uhldingen auf Meersburger Seite sprachen dem Projekt jegliche Wirtschaftlichkeit und Notwendigkeit ab. In der nun über das ganze Projekt entscheidenden Sitzung am 13. Dezember 1927, in der sich besonders Oberbürgermeister Moericke, Bürgermeister Arnold und Stadtverordneten-Obmann Ellegast einsetzten, stimmten 63 Stadtverordnete für und 20 gegen die Gewährung der erforderlichen erhöhten Mittel.

Im Jahr 1927 wurde mit der Bodan-Werft Kressbronn der Vertrag abgeschlossen, ein „Kraftwagen-Fährschiff“ zu bauen. [2]

Erste Fährschiffe und Fährbetrieb

Der Bau des ersten Fährschiffes schritt voran, und am 7. Februar 1928 wurde in Anwesenheit der Vertreter der Stadt der Schiffsrumpf im Rohbau zu Wasser gelassen. Das Schiff wurde auf den Namen Konstanz getauft. Es hatte ein offenes Fahrdeck mit vier Aufbauten an den Ecken, die die Führerstände und Aufenthaltsräume enthielten. Daher erhielt es schon bald den Spitznamen Hohler Zahn. Technisch war es das erste Fährschiff auf einem Binnensee, das ohne zu wenden hin- und herfuhr, also kein eigentliches vorne und hinten hatte. Der Fährbetrieb wurde am 30. September 1928 aufgenommen. Im Jahr 1929 wurden bereits 48.000 Pkw und Nutzfahrzeuge, sowie 360.000 Personen befördert.

Schon 1930 wurde ein zweites Schiff fertig- und in Dienst gestellt. Es war ein wenig größer und erhielt ebenfalls den Namen Konstanz, weshalb die erste Fähre den (Folge-)Namen Meersburg erhielt. Das neue Schiff hatte als erstes das Aufenthaltsdeck oberhalb vom Fahrdeck und führte damit das bis heute gültige Bauschema ein. Der Fährbetrieb entwickelte sich zu einem profitablen Geschäft und es mussten weitere Schiffe gebaut werden.

1939 kam das dritte Schiff Konstanz II (ab 1947 Bodan; ab 1963 Meersburg) dazu, verstärkte die Flotte und ermöglichte mehr Überfahrten in der gleichen Zeit.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Während des Zweiten Weltkriegs und in der Besatzungszeit durch die französische Besatzungsmacht war der Fährbetrieb für den zivilen Verkehr stark eingeschränkt. Zunächst wurden die Fähren Konstanz und Bodan durch die Kriegsmarine beschlagnahmt. Der Fährbetrieb wurde bis 1944 durch die Fähre Meersburg gewährleistet. Von 1944 bis zum Kriegsende wurde für den zivilen Fährbetrieb die Konstanz statt der Meersburg eingesetzt. Nach dem Einzug der Ersten Französischen Armee in Konstanz am 26. April 1945 wurde der Fährbetrieb zunächst eingestellt (siehe französische Besatzungszone), aber ab Juli 1945 wieder aufgenommen. Die hungernde Konstanzer Bevölkerung nutzte die Fährverbindung für Hamsterfahrten in den Linzgau. Ab 1949 verkehrten wieder alle drei Fähren. Nach dem Krieg stiegen jedoch die Beförderungszahlen sehr rasch und stark an und übertrafen schnell die besten Friedensjahre vor 1939.

Neubauten wegen der Motorisierung und des Grenzverkehrs

Am 1. April 1952 nahm dann das vierte Fährschiff seinen Dienst auf, es wurde auf den Namen Linzgau getauft.

In den folgenden Jahren folgten weitere Fährschiffe, die Thurgau (Kanton Thurgau; 1954), die Hegau (Hegau; 1957), die Fritz Arnold (1963 – als Gedenken an den Bürgermeister Fritz Arnold der Stadt Konstanz, welcher am Fährprojekt und am Aufbau der Konstanzer Busflotte, dem „roten Arnold“, beteiligt war) und die Fontainebleau (1970 – nach der Konstanzer Partnerstadt Fontainebleau). Mit dem wachsenden Verkehr wurde die Fährlinie ab dem Jahr 1967 auch nachts betrieben.

Technischer Fortschritt im Fährebau

In den 1970er bis frühen 1990er Jahren wurde in eine neue Generation Fährschiffe investiert, sie waren größer und breiter als die Vorgänger, sind mit einer Länge von knapp 80 Metern und einer ausreichenden Breite für vier Autospuren fähig, bis zu 90 Autos zu transportieren. Sie wurden auf die Namen Konstanz (1975), Meersburg (1980) und Kreuzlingen (1993) getauft. Im Jahre 2004 wurde die Tábor (nach der Konstanzer Partnerstadt Tábor) in den Dienst gestellt. Sie ist im Oberbau modern und unterscheidet sich optisch deutlich von den anderen Fährschiffen. Sie bildet das Flaggschiff der Fährflotte.

Bau und Erweiterung der Fährhäfen

Die Malerin Kasia von Szadurska (*1876, †1942) hat von der ersten Phase des Fährhafenbaus in Meersburg 1929 das Bild „Fährehafenbau in Meersburg“ und vom Fährhafen in Staad 1940 das Gemälde „Meersburg von Konstanz aus gesehen“ gemalt. Die Gemälde befinden sich in der Ausstellung/im Fundus der Städtischen Galerie Meersburg, welche die Meersburger Maler im Neuen Schloss in Meersburg ausstellt.

In einer späteren Phase um 1953 wurde die jetzige große Wartefläche für LKW und PKW in Meersburg durch Aufschüttung der entsprechenden Seefläche gewonnen. Die entsprechende Wartefläche für Fahrzeuge in Konstanz-Staad konnte erst 1952/53 ausgebaut werden, nachdem das gartenartige Gelände neben dem alten Fähranleger durch eine Erbengemeinschaft (vertreten durch den Ehrenbürger William Graf in den USA) verkauft wurde.

Im Jahr 2006 wurde der Fährehafen erweitert und der Seglerhafen Staad dem Betrieb übergeben. [3]

Heutige Situation

Fährschiff Tabor läuft in Hafen Staad ein

Im heutigen Fährbetrieb sind folgende Schiffe in Betrieb:

  • MF Fritz Arnold, 1963
  • MF Fontainebleau, 1970
  • MF Konstanz, 1975
  • MF Meersburg, 1980
  • MF Kreuzlingen, 1993
  • MF Tábor, 2004

Die Fritz Arnold ist benannt nach dem früheren Technischen Bürgermeister der Stadt Konstanz Fritz Arnold. Sie ist das letzte Schiff mit Steuerrädern. Sie hat drei Räder, zwei zum Lenken für jeden Voith-Schneider-Propeller und ein Rad für voraus und zurück. Die anderen Schiffe werden durch Joysticks gesteuert. Diese kann man auf der Tábor sehen, da dort das Steuerhaus in Fahrgasthöhe ist und somit einen Einblick in die Arbeit der Schiffsführer gewährt. Die Fritz Arnold, Fontainebleau, Konstanz und die Meersburg werden über eine Welle (direkter Antrieb) angetrieben, d. h. sie besitzen für jeden Propeller einen Motor, an dem eine Welle zu jedem Schiffsende verläuft. Die Kreuzlingen und die Tábor sind diesel-elektrisch, d. h. sie haben vier Stromgeneratoren, die nur Strom produzieren (indirekter Antrieb). Durch Kabelbahnen wird an jedem Schiffsende jeweils ein E-Motor angetrieben.

Die Schiffe verkehren zwischen Konstanz und Meersburg tagsüber laut Plan im Viertelstundentakt, ab etwa 20:30 Uhr im Halbstundentakt und zwischen 23:00 und 5:30 Uhr im Stundentakt. Die Überfahrt dauert rund 15 Minuten. Im Sommer und bei erhöhtem Verkehrsaufkommen verkehren zusätzliche Schiffe unter Aufhebung des regulären Fahrplans im „Schnellkurs“. Hierbei fahren die Fähren etwa alle 10 bis 15 Minuten.

Während der Überfahrt steht den Passagieren das Oberdeck mit einem Aufenthaltsraum und einem Bistro zur Verfügung.

Das Fahrgeld wird nach der Einfahrt der Fahrzeuge auf die Fähre direkt am Auto kassiert. Fußgänger bezahlen auf dem Oberdeck beim kontrollierenden Kassierer.

Statistik

Nach Angaben der Stadtwerke Konstanz überqueren die Schiffe jährlich rund 61.000 Mal den Bodensee und befördern dabei:

  • 5,3 Mio. Personen
  • 1,6 Mio. Personenkraftwagen
  • 509.000 Zweiräder
  • 79.000 Nutzfahrzeuge

Der Fährbetrieb schafft rund 130 Arbeitsplätze in den Bereichen Technik, Verwaltung und Fahrdienst. Dazu kommen noch die Bistrobeschäftigten, die nicht zu den Mitarbeitern des Fährebetriebs gehören, sondern durch eine Privatperson, die die Bewirtung auf den Autofähren übernimmt, eingesetzt werden.

Quellen

  • Stadtarchiv der Stadt Konstanz
  • Informationstafeln im Konstanzer Ländehafen

Einzelnachweise

  1. Wilhelm Büsing: Bodensee-Uferbeschreibung. Verlag Paula Büsing, Konstanz 1984. S. 19
  2. Stadtwerke Konstanz GmbH (Hrsg.): Einblicke. Stadtwerke Konstanz GmbH. Ca 2008, S. 38
  3. Stadtwerke Konstanz GmbH: Einblicke, ca 2008, S. 41

Literatur

  • Jürgen Klöckler: Eine Landstraße über das Wasser. In: Stadtwerke direkt (der Stadtwerke Konstanz), April 2003, S. 4 (Siehe auch Weblink).

Weblinks


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