Autonome Gemeinschaft Katalonien
Comunidad Autónoma de Cataluña
Comunitat Autònoma de Catalunya (kat.)
Comunautat Autonòma de Catalonha (aran.)
Autonome Gemeinschaft Katalonien

Flagge

Wappen
Karte
Basisdaten
Land: Spanien
Verwaltungssitz: Barcelona
Fläche: 32.091 km²
Einwohner: 7.197.174
Bevölkerungsdichte: 224,1 Einw./km²
Ausdehnung: Nord-Süd: ca. ? km
West-Ost: ca. ? km
ISO 3166-2: ES-CT
Homepage: www.gencat.cat
Kfz-Kennzeichen:
Internet-TLD:
Politik und Verwaltung
Amtssprachen: Spanisch, Katalanisch,
im Val d’Aran auch Aranesisch
Autonomie seit: 29. September 1977
(Wiederherstellung)
Präsident: José Montilla (PSC)
Vertretung in den
Cortes Generales:
Kongress: 46 Sitze
Senat: 7 Sitze
Gliederung: 4 Provinzen
41 Comarques
Karte
Karte

Katalonien (katalanisch Catalunya [kətəˈluɲə], spanisch Cataluña [kataˈluɲa], aranesisch Catalonha [kataˈluɲa]) ist eine Autonome Gemeinschaft in Spanien. Sie liegt im Nordosten der Iberischen Halbinsel zwischen der Mittelmeerküste und den Pyrenäen. Die Hauptstadt ist Barcelona. Amtssprachen sind Katalanisch und Spanisch sowie im Arantal auch Aranesisch. Aufgrund geschichtlicher und kultureller Besonderheiten gilt die Region neben dem Baskenland und Galicien als eine der „historischen Autonomen Gemeinschaften“ (span. autonomías históricas).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Im Norden, getrennt durch die Pyrenäen, grenzt Katalonien an Frankreich und Andorra, im Westen an Aragonien und im Südwesten an die Region Valencia. Die höchste Erhebung ist der 3143 m hohe Pica d’Estats, ein Gipfel des Montcalmmassivs.

Bedeutende Städte neben Barcelona sind Tarragona, Lleida und Girona, sowie Manresa, Igualada, Martorell, Terrassa und Sabadell. L’Hospitalet und Badalona, ebenfalls große Städte, grenzen direkt an Barcelona und gehören in dessen Agglomeration.

Der Küstenverlauf ist vielgestaltig und im Norden an der felsigen Costa Brava geprägt von zahlreichen sandigen kleinen Buchten, den Calas, während im Süden an der Costa Daurada weite Sandstrände vorherrschen.

Zu Katalonien gehört auch noch die auf französischem Gebiet liegende Exklave Llívia.

Naturparks

Katalonien nennt einige der bedeutendsten Naturschutzparks der iberischen Halbinsel sein Eigen. Hervorzuheben sind im Nordwesten in den Pyrenäen der Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici, im Nordosten in den Vorpyrenäen der Naturschutzpark Vulkane der Garrotxa und im Süden der Naturpark im Delta des Ebro. Die Naturparks werden z.B. im Rahmen des Xarxa de Parcs Naturals (Naturpark-Netz) der Diputació de Barcelona (Provinzialverwaltung der Provinz Barcelona) verwaltet.

Klima

In Katalonien wirkt das Mittelmeerklima: Heiße, trockene Sommer wechseln sich mit milden, regenreichen Wintern ab.

Geschichte

Katalonien war ursprünglich von Iberern besiedelt, später lag das Küstengebiet im Einflussbereich Karthagos. Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. gewann Rom die Vorherrschaft; die Römer erhoben 19 n. Chr. die Gegend zur römischen Provinz Hispania Tarraconensis. Bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. fasste das Christentum Fuß im Bereich des heutigen Kataloniens.

Im Zuge des Auflösungsprozesses des Imperium Romanum kamen 418 die Westgoten erstmals mit Polizeiaufgaben betraut nach Spanien, aber erst nach der Schlacht von Vouillé 507 setzten sie sich auf der Iberischen Halbinsel fest. Das Erbe dieses Westgotenreiches behauptete sich am Südhang der Pyrenäen am zähesten. Bis in das 11. Jahrhundert blieb der gotische Rechtskodex Liber Iudicum von 654 in Gebrauch – auch die Einbeziehung der südlichen Pyrenäenregion in das fränkische Markensystem (Spanische Mark) änderte nichts daran.

Die Bewahrung lokaler Eigenständigkeit war jedoch nicht gleichbedeutend mit kultureller Isolation. Der Pyrenäenraum war von jeher ein bevorzugtes Durchzugsgebiet für Kultur und Handel zwischen dem Vorderen Orient und den britischen Inseln.

Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Frankenreich und den Arabern entstanden Ende des 8. / Anfang des 9. Jahrhunderts im nördlichen Teil des heutigen Kataloniens und in Nordkatalonien mehrere Grafschaften, die zunächst dem westfränkischen bzw. französischen König unterstanden, im Laufe der folgenden Jahrhunderte aber zunehmend selbständiger wurden.

Der Graf Wilfried der Haarige (katalanisch Guifré el Pilós; † 11. August 897) vereinigte die Grafschaften Urgell, Cerdanya, Barcelona und Girona unter seiner Herrschaft und begründete die Dynastie der Grafen von Barcelona. Ende des 10. Jahrhunderts lösten sich die katalanischen Grafschaften aus der Lehnsherrschaft des westfränkischen Königs. Neben diesen politischen Anführern kommt auch dem geistlichen Führer Abt Oliva, der unter anderem dem kulturellen Zentrum Kataloniens, der Abtei von Ripoll, vorstand, eine große Bedeutung zu.

Durch den Ehevertrag zwischen Raimund Berengar IV., Graf von Barcelona, und der erst einjährigen Petronila/Peronella, Erbin der Krone Aragoniens, entstand 1137 aus Aragonien und den im 12. Jahrhundert mit Katalonien weitgehend identischen Ländern der Grafen von Barcelona eine Staatsgemeinschaft, die als Krone Aragonien bekannt ist. Durch weitere dynastische Verbindungen sowie Eroberungen wurde sie im Hoch- und Spätmittelalter zur führenden Macht des westlichen Mittelmeerraumes. Ihr wirtschaftliches und kulturelles Zentrum war der katalanische Teil der Staatsgemeinschaft, das Prinzipat Katalonien, dessen Handelsflotte den westlichen Mittelmeerraum beherrschte.

15. bis 18. Jahrhundert

1469 heiratete Ferdinand, Erbe der Krone Aragoniens, seine Cousine Isabella, Erbin von Kastilien. Sie gingen als die Katholischen Könige (Los Reyes Católicos) in die Geschichte ein. Dies war jedoch zunächst bloß eine Personalunion, so dass die innere politische Eigenständigkeit Kataloniens erhalten blieb.

Im Konflikt zwischen Spanien und Frankreich Mitte des 17. Jahrhunderts ergriff Katalonien Partei für Frankreich, saß jedoch dann beim Friedensschluss von 1659, dem Pyrenäenfrieden, zwischen allen Stühlen und wurde zweigeteilt: Die katalanischen Gebiete nördlich der Pyrenäen (Nordkatalonien) gingen an Frankreich verloren.

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1700–1713), in dem es um die Thronfolge nach dem Tod des kinderlos gebliebenen Karl II. ging, ergriff Katalonien wieder für die „falsche“ Seite Partei, indem es den Habsburger Thronprätendenten Erzherzog Karl gegen den Bourbonen Philipp von Anjou unterstützte. Der im Frieden von Utrecht als Sieger hervorgegangene Philipp V. bestrafte Katalonien dafür hart: 1714 ergab sich Barcelona den Truppen Philipps, in den Folgejahren wurden die katalanischen Institutionen aufgelöst, wodurch die katalanische Selbstverwaltung endete. Zum Gedenken dieses Ereignisses wird heute der 11. September, der Tag der Kapitulation 1714, als katalanischer „Nationalfeiertag“ (Diada Nacional de Catalunya) begangen.

Siehe auch: Liste der Vizekönige von Katalonien (1479–1713)

20. Jahrhundert

In der Zweiten Republik wurde Katalonien zunächst 1931 eine provisorische Autonomie mit Wiedererrichtung der Generalitat gewährt; diese wurde im Autonomiestatut von 1932 festgeschrieben. Von 1934 bis 1936 war die Autonomie jedoch suspendiert und wurde mit dem Sieg Francisco Francos im Spanischen Bürgerkrieg 1939 aufgehoben. Während des Bürgerkrieges 1936–39 war Katalonien (vor allem Barcelona) Schauplatz einer Revolution.

Die Generalitat bestand während der Franco-Diktatur im Exil fort. Im Zuge der nach Francos Tod einsetzenden Transition wurde Katalonien 1977 erneut zunächst eine provisorische Autonomie gewährt und der zurückgekehrte Josep Tarradellas als Präsident der Generalitat anerkannt. Auf der Grundlage der demokratischen spanischen Verfassung von 1978 erhielt Katalonien 1979 ein neues Autonomiestatut. In dessen Rahmen wurden die Kompetenzen und auch die Finanzierung der Region immer weiter ausgebaut, meist auf Druck der national-katalanischen Gruppierungen. Die Politik in Katalonien wurde seit dem Jahr 1980 von dem christdemokratisch-nationalkatalanisch geprägten Parteienbündnis Convergència i Unió (CiU) unter ihrem Vorsitzenden Jordi Pujol geprägt. Von 1980 bis zum Jahr 2006 erzielte CiU bei Wahlen viermal relative und dreimal absolute Mehrheiten und stellte mit Pujol bis 2003 ununterbrochen den Regierungschef Kataloniens (President de la Generalitat). Seit 2003 wird Katalonien von den Sozialisten (PSC) in einer Koalition mit zwei weiteren Linksparteien regiert. Präsident der Generalitat war von 2003 bis 2006 Pasqual Maragall, seit 2006 ist es José Montilla (beide PSC). 2006 erhielt Katalonien ein neues Autonomiestatut mit erweiterten Kompetenzen.

Politischer Status

Seit 1978 besitzt Katalonien den Status einer Autonomen Gemeinschaft innerhalb des spanischen Staates. Unter diesen ragt Katalonien gemeinsam mit den übrigen „historischen“ Autonomen Gemeinschaften, dem Baskenland, Galicien und Navarra durch ein besonders hohes Maß an eigenen Befugnissen in Gesetzgebung und Verwaltung hervor. Unter anderem verfügt Katalonien über eine eigene Polizeieinheit, die Mossos d’Esquadra, die nach und nach die Aufgaben der spanischen Polizei auf katalanischem Gebiet übernehmen. Auch in zahlreichen anderen Politikfeldern, so etwa der Bildungs-, der Gesundheits- und der Wirtschaftspolitik, verfügt Katalonien über weitreichende Kompetenzen. Diese sind im Autonomiestatut niedergelegt, das einerseits die Befugnisse der Autonomen Gemeinschaft gegenüber denen des spanischen Staates abgrenzt, andererseits das Zusammenspiel der katalanischen Institutionen regelt und somit als funktionales Äquivalent einer Verfassung fungiert. Es bedarf der Zustimmung des katalanischen Parlaments, des spanischen Parlaments (in Form eines Organgesetzes) und der katalanischen Bevölkerung durch ein Referendum. Das erste Autonomiestatut von 1978 wurde 2006 durch eine Neufassung mit erweiterten Kompetenzen abgelöst. Weiterhin strebt eine Mehrheit der katalanischen Parteien nach einer Ausweitung der autonomen Befugnisse (siehe auch Abschnitt Politik).

Nationales Selbstverständnis

Aufgrund der historischen, sprachlichen und kulturellen Unterschiede zum übrigen Spanien bezeichnen viele Einwohner Katalonien als eine eigene Nation. Der Begriff Nation wird dabei im Sinne einer Kulturnation verstanden und nicht über eine ethnische Zugehörigkeit definiert. Die Frage nach der Selbstbezeichnung als „Nation“ stand 2005 und 2006 im Mittelpunkt der Verhandlungen um das neue Autonomiestatut. Das katalanische Parlament hatte mit großer Mehrheit (88,9%) gegen die Stimmen des Partido Popular (11,1%) eine Resolution beschlossen, die Katalonien als „Nation“ bezeichnet. Als dies jedoch im gesamtspanischen Parlament auf Widerspruch stieß, einigte man sich schließlich auf eine Kompromissformel in der Präambel[1]. Demnach wird einerseits festgehalten, dass „das Parlament Kataloniens das Gefühl und den Willen der Bürger Kataloniens aufgenommen hat, indem es mit großer Mehrheit Katalonien als Nation definiert hat“, andererseits darauf verwiesen, dass „die spanische Verfassung […] die nationale Wirklichkeit Kataloniens als Nationalität anerkennt“. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die spanische Verfassung von 1978 innerhalb der „unauflöslichen“ spanischen Nation nur „Nationalitäten“, nicht aber eigenständige Nationen kennt.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2008 befürworten 35% der Katalanen eine staatliche Unabhängigkeit Kataloniens, 45% sind dagegen, 20% unentschieden.[2]

In einer Studie des staatlichen katalanischen Meinungsforschungsinstituts Centre d'Estudis d'Opinió (CEO) vom Februar 2009 sprachen sich, auf die Frage nach dem gewünschten Verhältnis zwischen Katalonien und Spanien, gar nur 16,1% für eine vollständige Unabhängigkeit aus, während 35,2% einen Bundesstaat innerhalb eines föderalen Spaniens und 38,6% das derzeitige Modell als Autonome Gemeinschaft befürworteten. 63,7% wünschen sich jedoch nach dieser Studie grundsätzlich mehr Autonomie für Katalonien.[3]

Sprachen

Während der Franco-Diktatur wurde der öffentliche Gebrauch der katalanischen Sprache unterdrückt, viele Ortsnamen wurden ins Spanische übersetzt, Schulunterricht fand ausschließlich auf Spanisch statt. Seit 1978 jedoch genießt die Region Katalonien ein verfassungsmäßig abgesichertes Autonomiestatut. Seitdem gewinnt die traditionell angestammte katalanische Sprache zunehmend an Bedeutung. Die verschiedenen kulturellen und sprachlichen Autonomiebestimmungen wurden im Autonomiestatut von Katalonien präzisiert und festgeschrieben. Somit stehen sich Spanisch („Kastilisch“) und Katalanisch heute offiziell gleichberechtigt gegenüber, auch wenn das Katalanische immer dominanter wird. Die Regionalregierung unterstützt die katalanische Sprache nach Kräften, auch Medien aller Art werden finanziell gefördert.

Heute spricht der überwiegende Teil der Bevölkerung im Alltag Katalanisch, während Spanisch als Zweitsprache gelernt wird. Laut einer auf Schulhöfen durchgeführten Studie neigen Sprecher mit katalanischer Muttersprache zumeist dazu, sich der jeweiligen Muttersprache des Gesprächspartners zu bedienen. Castellano-Sprecher hingegen bleiben auch gegenüber Katalanischsprachigen tendenziell bei ihrer eigenen Sprache.[4] Dies führt zu einer in Verhältnis zur demographischen Verteilung stark überproportionalen Präsenz des Castellano. Der Schriftverkehr mit öffentlichen Behörden und der Schulunterricht erfolgen jedoch fast ausschließlich auf Katalanisch, die Universitäten lehren überwiegend in der katalanischen Landessprache, und Unternehmen müssen ihre Publikationen (zumindest auch) in Katalanisch herausgeben. Spanischsprachige Zuwanderer aus anderen Landesteilen empfinden diese Politik mitunter als schikanös, da ihnen, etwa für öffentliche Stellen, Katalanischkenntnisse abverlangt werden. Diese können sie in Sprachkursen, die vielerorts kostenlos angeboten werden, erwerben.

Im Bereich der Printmedien und im Hörfunk hat das Katalanische schon heute eine beherrschende Stellung, im Fernsehen nimmt es breiten Raum ein. Angesichts dieser Entwicklungen ist es nicht verwunderlich, dass vor allem die jüngere Generation heute meist besser Katalanisch spricht als Spanisch. Im Val d’Aran (Arantal) sprechen ca. 7.000 Menschen Aranesisch, einen okzitanischen Dialekt. Obwohl Okzitanisch in Südfrankreich weit verbreitet ist, genießt es nur im Arantal offiziellen Status.

In konservativen spanischen Medien wird häufig der Vorwurf erhoben, die katalanische Regierung verhalte sich in Ihrer Sprachpolitik genauso wie Francisco Franco, nur eben mit umgekehrtem Vorzeichen[5]: „Ein besonderer Dorn im Auge ist der spanischen Rechten die sprachliche Immersion an den Grundschulen Kataloniens. Die Methode der Immersion, die auch in anderen multilingualen Kontexten (z.B. in Kanada oder Finnland) angewandt wird, zielt darauf, Kindern den zügigen Erwerb einer Zweitsprache durch zügigen Kontakt mit einer schulischen Umgebung zu erleichtern, in der die Zweitsprache eine prominente Rolle spielt. Auf Katalonien bezogen bedeutet dies im Klartext, daß Kinder, die nicht katalanische Muttersprachler sind (überwiegend also spanischsprachige Kinder), möglichst frühzeitig ein hohes Niveau an Sprachkompetenz im Katalanischen erwerben sollen. Es ist aber keineswegs intendiert, daß die Kinder ... das Kastilische „verlernen“ und von einem solchen „Verlernen“ kann in der Realität auch nicht die Rede sein: „Kastilisch-Unterricht ist an allen Schulen Kataloniens Pflicht.“[6] Der große katalanische Schriftsteller Manuel Vázquez Montalbán, der all seine Werke in kastilischer Sprache verfasst, hat – unverkennbar polemisch – „mit beißendem Spott die hysterische Panikmache analysiert, die die Wahnvorstellung aufkommen lassen soll, mit der Immersionsmethode würden spanischsprachige Opfer in Massen von der katalanischen Sprachüberflutung ertränkt.“[6]

Solchen Vorwürfen steht jedoch die Sprachenklausel aus dem katalanischen Autonomiestatut von 2006 entgegen. Im Artikel 6 heißt es in der offiziellen deutschen Übersetzung der Generalitat:

„Das Katalanische ist die offizielle Sprache Kataloniens, ebenso wie das Spanische, das die offizielle Sprache des spanischen Staates ist. Jeder Einzelne hat das Recht, die beiden offiziellen Sprachen zu benutzen, und die Bürger Kataloniens haben das Recht und die Pflicht, sie zu beherrschen.“

Und auf das Val d’Aran bezogen, heißt es in diesem Statut:

„Die okzitanische Sprache, im Aran als Aranesisch bezeichnet, ist die diesem Gebiet eigene Sprache und ist gemäβ den Bestimmungen des Autonomiestatuts und den Gesetzen zur Normalisierung der Sprache eine offizielle Sprache Kataloniens.“

Katalonien versteht sich also als zwei- bzw. dreisprachige (bezieht man die spezielle Situation im Val d’Aran mit ein) Kulturnation. Diese Situation wird von einer großen Mehrheit der Katalanen – und dies sind per definitionem alle Bürger, die in Katalonien leben – nicht als Last, sondern als eine Bereicherung erfahren.

Politik

Das Parlament Kataloniens (Parlament de Catalunya) besteht aus 135 Abgeordneten, die alle vier Jahre in direkten allgemeinen Wahlen gewählt werden. Es wählt seinerseits den Präsidenten der Generalitat de Catalunya (President de la Generalitat de Catalunya), der das Oberhaupt der regionalen Selbstverwaltung ist. Der Präsident der Generalitat kann (Autonomiestatut, Art 67 Nr. 8) einen Conseller Primer (soviel wie Premierminister) ernennen und ernennt die übrigen consellers (soviel wie Ressortminister), die zusammen den Consell Executiu oder Govern de la Generalitat de Catalunya (Regionalregierung) bilden. Alle Institutionen der regionalen Selbstverwaltung zusammen (Parlament, Präsident und Regierung) bilden die Generalitat de Catalunya. Katalonien erhält gegenwärtig ebenso wie die übrigen Autonomen Gemeinschaften Spaniens mit Ausnahme des Baskenlandes und Navarras 33 Prozent der in dieser Region erhobenen Einkommenssteuern.

Im regionalen Parteiensystem Kataloniens ist, bedingt durch die historischen Auseinandersetzungen mit der spanischen Zentralgewalt und das Bewusstsein kultureller Eigenständigkeit, der Zentrum-Peripherie-Cleavage stark ausgeprägt; demnach stehen sich Vertreter einer stärkeren Autonomie bzw. Unabhängigkeit der Region (in der Regel als „katalanische Nationalisten“ bezeichnet) und Anhänger eines starken spanischen Zentralstaates gegenüber. Diese Konfliktlinie deckt sich nicht mit den anderen des politischen Spektrums, sondern liegt quer zu ihnen. Die derzeit im katalanischen Parlament vertretenen Parteien sind wie folgt zu kennzeichnen:

  • Convergència i Unió (Konvergenz und Union – CiU): Bündnis aus einer liberalen (Convergència Democràtica de Catalunya – CDC) und einer christdemokratischen (Unió Democràtica de Catalunya – UDC) Partei, geeint durch einen gemeinsamen gemäßigten katalanischen Nationalismus. Das Bündnis befürwortet eine wesentlich stärkere Autonomie, zur Frage der Unabhängigkeit Kataloniens gibt es keine einheitliche programmatische Parteilinie, sie wird allgemein nicht ausgeschlossen, aber auch nicht offensiv gefordert. CiU tritt nur in Katalonien zu Wahlen an und ist seit der Wiedereinführung der Demokratie durchgehend die stärkste politische Kraft im Regionalparlament; im gesamtspanischen Parlament ist CiU die drittstärkste Kraft (Stand: 2008).
  • Partit dels Socialistes de Catalunya (Partei der Sozialisten Kataloniens – PSC): Als eigene Partei verfasster Landesverband der spanischen Sozialisten (PSOE), sozialdemokratische Programmatik. Befürwortet ebenfalls, wenn auch in geringerem Maß als die CiU, eine Stärkung der regionalen Autonomie, wird jedoch schon aufgrund ihrer Verbindung mit einer gesamtspanischen Partei nicht als katalanisch-nationalistisch bezeichnet.
  • Esquerra Republicana de Catalunya (Republikanische Linke Kataloniens – ERC): Linksliberal, strebt eine staatliche Unabhängigkeit Kataloniens an, lehnt die spanische Monarchie ab. Tritt nur in Katalonien zu Wahlen an.
  • Partido Popular (Volkspartei – PP): Konservativ, lehnt den katalanischen Nationalismus ausdrücklich ab. Tritt in ganz Spanien zu Wahlen an.
  • Iniciativa per Catalunya Verds (Initiative für Katalonien Grüne – ICV): Zusammenschluss der aus der früheren kommunistischen Partei hervorgegangenen Iniciativa per Catalunya und der regionalen Grünen, verortet sich links von den Sozialisten. Tritt nur in Katalonien zu Wahlen an, zuletzt jedoch in Listenverbindung mit der gesamtspanischen Izquierda Unida (Vereinigte Linke).
  • Ciutadans – Partit de la Ciutadania (Bürger – Partei der Bürgerschaft – C’s): Linksliberal, lehnt den katalanischen Nationalismus explizit ab. Neugründung, trat erstmals bei den Regionalwahlen 2006 an.

Durch diese heterogene Konstellation ergeben sich vielfältige Bündnismöglichkeiten, die zugleich je spezifisches Konfliktpotenzial aufweisen. So hält sich die ERC neben der derzeit wahrgenommenen Möglichkeit einer Koalition mit PSC und ICV auch die Option eines Bündnisses mit der CiU offen. Im ersteren Fall begünstigt die gemeinsame linke Programmatik die Zusammenarbeit, diese wird jedoch erschwert durch unterschiedliche Ansichten zur Autonomie bzw. Unabhängigkeit der Region und die gesamtspanische Einbindung der PSC; im zweiten Fall wären Gemeinsamkeiten und Gegensätze umgekehrt.

Mit den 1980 stattfindenden ersten Regionalwahlen nach der Franco-Diktatur begann die langjährige Regierungszeit der CiU unter dem Präsidenten der Generalitat Jordi Pujol. Sie endete erst im Jahr 2003, als Pujol nicht mehr zur Wahl am 16. November antrat und sich danach eine Koalition aus PSC, ERC und ICV unter Pasqual Maragall (PSC) bildete. Dieser gelang zwar eine grundlegende Überarbeitung des Autonomiestatuts und damit eine Stärkung der regionalen Kompetenzen. Da jedoch in den Verhandlungen mit dem spanischen Parlament erhebliche Kompromisse gemacht wurden, lehnte die ERC die Reform als nicht weitreichend genug ab, was zum Ende der Koalition und vorzeitigen Neuwahlen am 1. November 2006 führte, dabei trat Maragall nicht mehr an. Der sozialistische Spitzenkandidat José Montilla bildete nach der Wahl erneut eine Koalition mit ERC und ICV und wurde Präsident der Generalitat.

Partei Stimmanteil 2006 Sitze 2006 Stimmanteil 2003 Sitze 2003 Stimmanteil 1999 Sitze 1999
Partit dels Socialistes de Catalunya (PSC-PSOE) 26,8 % 37 31,2 % 42 37,9 % 52
Convergència i Unió (CiU) 31,5 % 48 30,9 % 46 37,7 % 56
Esquerra Republicana de Catalunya (ERC) 14,0 % 21 16,5 % 23 8,7 % 12
Partido Popular (PP) 10,6 % 14 11,9 % 15 9,5 % 12
Iniciativa per Catalunya Verds – Esquerra Unida i Alternativa (ICV-EA) 9,6 % 12 7,3 % 9 3,9 % 3
Ciutadans – Partit de la Ciutadania (C’s) 3,0 % 3
Sonstige 4,5 % 0 2,2 % 0 2,3 % 0
Gesamt 100 % 135 100 % 135 100 % 135

Im Rahmen des Europa der Regionen pflegen das deutsche Bundesland Baden-Württemberg und Katalonien eine enge Partnerschaft („Vier Motoren für Europa“).

Politische Gliederung

Die vier Provinzen Kataloniens
Die 41 Comarques Kataloniens

Katalonien ist in vier Provinzen eingeteilt: Barcelona, Tarragona, Lleida (katal., nicht mehr amtlich Lérida (span.)) und Girona (katal., nicht mehr amtlich Gerona (span.)). Parallel dazu besteht eine Einteilung in insgesamt 41 Kreise (comarques). Von katalanischer Seite wird angestrebt, die Provinzen durch sieben sog. vegueries (historischer Name einer territorialen Gliederungseinheit) zu ersetzen, da die Provinzen in den Augen der Nationalisten ein Relikt des nationalspanischen Zentralismus darstellen.

Wirtschaft

Katalonien ist die wirtschaftsstärkste Autonome Gemeinschaft Spaniens nach Madrid, Navarra und dem Baskenland. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht die Region einen Index von 124 (EU-27:100) (2006).[7] Die Arbeitslosenrate lag 2005 bei 7 %[8].

Katalonien ist eine hochindustrialisierte Region. Bedeutende Zweige sind u.a. Textilien, Chemie, Pharmazeutika und Automobilbau (die Produktion der Marke Seat erfolgt hauptsächlich in Katalonien).

Im Agrarsektor ist besonders der Weinanbau hervorzuheben. Katalonien ist nach Frankreich der bedeutendste Produzent und Exporteur von Sekt.

Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Tourismus. Die Badeorte der Costa Brava, im Norden, und der Costa Daurada, im Süden, sind beliebte Ferienziele in ganz Europa. Barcelona ist andererseits der erste Hafen des Mittelmeeres im Verkehr von Kreuzfahrtschiffen.

Kultur

Von Katalonien im Sinne der heutigen spanischen Region unterschieden werden müssen die Katalanischen Länder (katalanisch Països Catalans), die neben der gemeinsamen Sprache, dem Katalanischen, weitere historische und kulturelle Gemeinsamkeiten aufweisen. Zu diesen „Ländern“ (Països) gehören neben der gleichnamigen Region in Spanien die Balearen, Valencia, das zu Frankreich gehörende Roussillon („Nordkatalonien“), ein schmaler Streifen in Aragonien, die sogenannte Franja de Ponent , Andorra und die Stadt Alghero (katalan. Alguer) auf Sardinien.

Die katalanische Flagge (Senyera) ist gelb mit vier roten Streifen. Die katalanische „Nationalhymne“ Els Segadors (Die Schnitter) (Titel) greift im Text einen Aufstand aus Protest gegen die kastilischen Machthaber im 17. Jahrhundert auf.

„Nationalfeiertag“ ist der 11. September, an dem 1714 die Truppen des bourbonischen Thronprätendenten Philipp V. während des spanischen Erbfolgekrieges Barcelona eingenommen hatten. In der Folge schaffte Philipp V. die traditionellen Institutionen der Länder der ehemaligen aragonesischen Krone ab, die während des Krieges zum größten Teil auf Seiten seiner habsburgischen Gegner standen. Die Katalanen sehen den 11. September als Tag, an dem Katalonien seine Unabhängigkeit verlor. Heute gedenkt man an dem Tag einerseits der getöteten katalanischen Soldaten, feiert andererseits insbesondere, dass es die katalanische Sprache und Kultur trotz der Repressalien bis heute überleben.

George Orwell schrieb ein eindrucksvolles Buch über den spanischen Bürgerkrieg in Katalonien unter dem Titel Mein Katalonien.

Die Sardana ist der bekannteste traditionelle Tanz des katalanischen Volkes.

Die katalanische Tradition, am 23. April zum Gedenktag des katalanischen Schutzheiligen St. Georg (katalan. Sant Jordi, span. San Jorge) Rosen und Bücher zu verschenken, übernahm die UNESCO bei der Einrichtung eines weltweiten Feiertags zu Ehren der Bücher, dem Welttag des Buches. Traditionell schenken die Männer ihrer Liebsten eine Rose und die revanchiert sich mit einem Buch. Der Brauch, Rosen zu verschenken gilt als der ältere. Dass an diesem Tag Bücher verschenkt werden, wird auf den Umstand zurückgeführt, dass der 23. April der Todestag von Miguel de Cervantes und William Shakespeare ist.

Castells sind die halsbrecherischen und spektakulären Menschenpyramiden, die Mannschaften (katalan. colles) aus verschiedenen Städten in Katalonien traditionell zu hohen Festlichkeiten zustande bringen. Sie können bis zu 10 „Stockwerke“ hoch sein, die Menschen in den oberen Stockwerken sind jünger (und schlanker) und als Spitze des Turmes fungiert ein kleines Kind . (Siehe auch: Muixeranga).

Bekannte Künstler

Malerei, Architektur:

Musik:

Gastland der Buchmesse 2007

2007 war die katalanische Kultur (sie und die Sprache sind auch außerhalb der Region etabliert) Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Signet auf Plakaten war u. a. der katalanische Esel (in einer Version ein natürlicher, in einer anderen als Parodie auf das spanische Symbol des Osborne-Stiers). Die Teilnahme von Schriftstellern, die aus Katalonien stammen, aber in spanischer Sprache schreiben, war lange umstritten.[9] In Katalonien sitzen besonders viele Verlage, die auch nach Südamerika liefern.

Die Universität Frankfurt beherbergt mit 35.000 Bänden die größte katalanische Forschungsbibliothek (auf Katalanisch und über das Land – außerhalb dessen). Anlässlich des Gastlandauftritts entstand ein Abkommen, das Forschungszentrum auszubauen und das Cervantes-Institut zu gründen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Deutschsprachiger Text des Autonomiestatuts auf den Seiten des katalanischen Parlaments
  2. Analyse von 21 publizierten Umfragen zum Thema „Soziale Unterstützung einer Unabhängigkeit Kataloniens“ (auf Katalanisch)
  3. Analyse von Februar 2009, Frage 28: „Wie soll ihrer Meinung nach das Verhältnis zwischen Spanien und Katalonien aussehen?“ (auf Katalanisch)
  4. El uso del castellano dobla el del catalán en los patios de las escuelas, El País (Katalonien-Ausgabe) vom 29. November 2006, online-Fassung
  5. ABC (Tageszeitung Madrid) am 12.09.1993: „Wie unter Franco aber umgekehrt: Verfolgung des Kastilischen in Katalonien“; Auch der Vorsitzende der spanischen Volkspartei Mariano Rajoy griff 2006 im Rahmen der Kampagne der spanischen Konservativen gegen das neue katalanische Autonomiestatut auf solche Vorwürfe zurück.
  6. a b Peter A. Kraus: Katalonien im demokratischen Spanien, p. 213 ff. in Walther L. Bernecker, Torsten Eßer, Peter A. Kraus: Eine kleine Geschichte Kataloniens.
  7. http://www.ine.es/prensa/np488.pdf Instituto Nacional de Estadistica
  8. http://www.eds-destatis.de/en/downloads/sif/dn_06_01.pdf
  9. Kleinere Wunder dürfen erwartet werden: Die Region Katalonien stellt ihr Programm für die Frankfurter Buchmesse vor. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. Juni 2007.

Literatur

  • Pilar Arnau i Segarra / Gero Arnscheidt / Tilbert Dídac Stegmann / Manfred Tietz (Hg.). Narrative Neuanfänge. Der katalanische Roman der Gegenwart, Berlin 2007, edition tranvia/Verlag Walter Frey, ISBN 978-3-938944-13-4
  • Walther L. Bernecker / Torsten Eßer / Peter A. Kraus. Eine kleine Geschichte Kataloniens, Frankfurt 2007, suhrkamp taschenbuch 3879, ISBN 978-3-518-45879-2
  • Sören Brinkmann: Katalonien und der Spanische Bürgerkrieg, Geschichte und Erinnerung, Berlin 2007 (edition tranvía/Verlag Walter Frey), ISBN 978-3-938944-12-7
  • Carlos Collado Seidel: Kleine Geschichte Kataloniens, München 2007 (C.H. Beck), ISBN 978-3-406-54787-4
  • Torsten Eßer/ Tilbert D. Stegmann (Hrsg.). Kataloniens Rückkehr nach Europa 1976–2006: Geschichte, Politik, Kultur und Wirtschaft. LIT Verlag Münster 2007, Reihe: Kultur: Forschung und Wissenschaft Bd. 8, ISBN 978-3-8258-0283-7

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