Autorenlesung

Eine Autorenlesung ist ein öffentlicher Vortrag eines Autors aus einem (meist eigenen) Buch mit Abschnitten seines Werkes vor Publikum.

Axel Hacke bei einer Lesung im Münchner Lustspielhaus 2009

Daneben gibt es auch Lesungen von Autoren vor festen Gruppen, z.B. vor Schulklassen. Lesungen in Schulen dienen vor allem der Leseförderung und werden überwiegend vom Friedrich-Bödecker-Kreis vermittelt.[1]

Lesungen vor einem erwachsenen Publikum finden zum einen – vor allem bei bekannten Autoren – aus marketingtechnischen Gründen statt, um ein neu erschienenes Buch einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und es zu bewerben.

Zum anderen werden Lesungen veranstaltet und besucht, weil man auf ihnen die Autoren persönlich erleben kann. Jeder Autor hat seinen eigenen Stil, seine Werke darzubieten und sich darüber mit dem Publikum auszutauschen.

Zum dritten dienen Lesungen dem direkten Austausch zwischen Autor und Publikum, denn der Autor erhält ein Feedback zu seinen Texten, das er auch weiter verarbeiten kann.

Neben der klassischen Autorenlesung haben sich andere Formate der Lesung etabliert:

  • Einige Autoren sind – ähnlich Musikgruppen – bekannt für ihre besondere Live-Performance (z. B. Harry Rowohlt oder die Kommissar Kluftinger-Autoren Michael Kobr und Volker Klüpfel). Besonders bei Lyrik spielt der Sprachklang eine wichtige, gelegentlich vorherrschende Rolle, wie zum Beispiel in den Avantgarde-Bewegungen des 20. Jahrhunderts (Dada, Futurismus). Auch die Wiener Gruppe um H.C. Artmann, Konrad Bayer und Gerhard Rühm, die konkrete Poesie (Max Bense, Eugen Gomringer, Ernst Jandl, Franz Mon u. a.) und die französischen Lautdichter (poètes sonores) arbeiten mit dem Klang von Sprache.
  • Schauspieler lesen Texte bekannter Autoren, bislang nicht inszenierte Theaterstücke (szenische Lesung) oder noch nicht verfilmte Drehbücher („readings“-Reihe).
  • Mit Poetry Slam oder Open Mike (Offenes Mikrofon) hat sich in den 90er-Jahren in Deutschland eine Art der Lesung etabliert, die nicht einen einzelnen Autor, sondern das Lese-Ereignis in den Mittelpunkt stellt.
  • Eine Variation der öffentlichen Lesung ist die Lesung in Internet-Medien und virtuellen Welten wie Second Life. Dabei werden dem Zuhörer neue Arten der Mitteilung geboten. So kann das Gehörte direkt im Rahmen eines Chat mit einem Teilnehmer oder öffentlich an alle Teilnehmer kommentiert werden, ohne den Fluss der Lesung zu stören.

Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf die mündliche Überlieferung (Oralität) aller Literatur. Rhapsoden, Barden oder Geschichtenerzähler haben in allen Kulturen ihre Werke während des Vortrags entwickelt oder sie memoriert und vor ihren Zuhörern aktualisiert. Die Lesung steht in dieser Tradition der Mündlichkeit. Auch die Liste auf Tonträgern erhaltener deutschsprachiger Dichterstimmen vor 1950 weist darauf hin, dass der seine eigenen Werke rezitierende Autor durchaus keine Modeerscheinung ist.

Inhaltsverzeichnis

Siehe auch

  • Portal:Gesprochenes Wort

Literatur

  • Susan Esmann: Die Autorenlesung – eine Form der Literaturvermittlung. In: Kritische Ausgabe. Nr. 1/2007 (PDF; 0,8 MB).
  • Thomas Böhm (Hrsg.): Auf kurze Distanz. Die Autorenlesung: O-Töne, Geschichten, Ideen. Tropen-Verlag, Köln 2003, ISBN 3-932170-67-9.
  • Gunter E. Grimm: "Nichts ist widerlicher als eine sogenannte Dichterlesung." Deutsche Autorenlesungen zwischen Marketing und Selbstrepräsentation. In: Gunter E. Grimm und Christian Schärf (Hrsg.): Schriftsteller-Inszenierungen. Aisthesis, Bielefeld 2008, ISBN 978-3895286391.
  • Harun Maye: "Klopstock!". Eine Fallgeschichte zur Poetik der Dichterlesung im 18. Jahrhundert. In: Harun Maye, Cornelius Reiber und Nikolaus Wegmann (Hrsg.): Original/Ton. Zur Mediengeschichte des O-Tons. UVK, Konstanz 2007, ISBN 978-3-89669-446-1.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Autorenlesung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Friedrich-Bödecker-Kreis: Aufgaben und Ziele

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  • Autorenlesung — Au|to|ren|le|sung …   Die deutsche Rechtschreibung

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