Richard Scheibe

Richard Scheibe (* 19. April 1879 in Chemnitz; † 6. Oktober 1964 in Berlin) war ein deutscher Bildhauer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Scheibe studierte Malerei in Dresden und München, wandte sich danach jedoch der Bildhauerei zu. 1914 wurde er Mitglied der Berliner Sezession, die auch seine Werke ausstellte. 1924 entwarf er auf Vorschlag von Peter Behrens, der damals Architekt der I.G. Farbenindustrie AG in Frankfurt am Main war, das Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Beschäftigten des Unternehmens.

Von 1925 bis 1933 leitete er als Professor das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt am Main. Als der Reichspräsident Friedrich Ebert 1925 starb, erhielt er von der Stadt Frankfurt den Auftrag für ein Denkmal. Die überlebensgroße Bronzefigur eines nackten Jüngling wurde 1926 an der Außenmauer der Frankfurter Paulskirche angebracht, was zu heftigen Protesten des Kirchenvorstands führte. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten entlassen, das Denkmal wurde abgebaut und eingelagert. 1934 wurde Scheibe wieder am Städelschen Kunstinstitut eingestellt. Scheibe wollte eigentlich 1936 das Denkmal, das er wegen der bevorstehenden Wahl des neuen Reichspräsidenten in nur sieben Tagen hatte entwerfen müssen und nicht als gelungen betrachtete, einschmelzen lassen. Es blieb aber erhalten und steht heute im Innenhof des Historischen Museums von Frankfurt. Für den 25. Todestages von Friedrich Ebert 1950 fertigte er eine neue Version, die am alten Platz an der Paulskirche angebracht wurde und dort heute noch steht.

Skulpturen von Richard Scheibe
Ebert-Denkmal an der Frankfurter Paulskirche
„Die Morgenröte“ im Skulpturengarten Mannheim, Bronze, 1937
Ehrenmal der Opfer des 20. Juli 1944 im Hof des Bendlerblocks
Arbeiterstatue im Ausstellungsraum des Technischen Verwaltungsgebäudes der Hoechst AG

1934 verließ er Frankfurt und lehrte nun an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. 1936 wurde Scheibe Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Im selben Jahr stellte die IG Farben eine weitere Plastik Scheibes auf, die „Befreiung“. Anlass war die damals gefeierte Wiedereingliederung des Saarlandes nach der Volksabstimmung am 13. Januar 1935. Ihn verband eine enge Freundschaft mit Georg Kolbe, mit dem zusammen er ab 1937 mehrfach auf der Großen Deutschen Kunstausstellung vertreten war. 1938 kaufte Adolf Hitler seine Skulptur Denker.[1] In der NS-Zeit erhielt er verschiedene Ehrungen: 1937 wurde er zum Professor ernannt, 1944 erhielt er die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft.[1] In der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm ihn Hitler im August 1944 in die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten bildenden Künstler auf, was ihn von einem Kriegseinsatz, auch an der Heimatfront befreite.[1]

Scheibes Ehrenmal der Opfer des 20. Juli 1944 wurde 1953 in Anwesenheit des Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter im Bendlerblock in Berlin enthüllt. Er erhielt das Große Bundesverdienstkreuz und 1954 das Halskreuz des Großen Verdienstordens. An seinem 80. Geburtstag wurde Scheibe zum Ehrensenator der Berliner Akademie der Künste ernannt. Nach seinem Tod 1964 wurde Richard Scheibe auf dem Evangelischen Friedhof Alt-Schmargendorf beigesetzt.

Sein Werk umfasst Tier- und Menschenplastiken sowie Portraits und ist beeinflusst von Auguste Rodin und Aristide Maillol.

Zu den Schülern Scheibes zählten unter anderem Edzard Hobbing, Christian Höpfner, Harald Haacke, Hans Joachim Ihle, Karl-Heinz Krause, Norbert Kricke, Katharina Szelinski-Singer, Helmut Strebel, Waldemar Grzimek, Karl Paul Egon Schiffers und Ivo Beucker.

Literatur

  • Robert Thoms: Große Deutsche Kunstausstellung München 1937–1944. Verzeichnis der Künstler in zwei Bänden, Band II: Bildhauer. Berlin 2011, ISBN 978-3-937294-02-5.

Weblinks

 Commons: Richard Scheibe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 518.

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