Avco Lycoming

Lycoming ist ein US-amerikanischer Hersteller von Flugzeugmotoren. Lycoming wurde 1916 als Nähmaschinenfabrik in Williamsport, Pennsylvania (USA) gegründet. Kurze Zeit später wurde die Produktion auch auf Fahrräder ausgedehnt. Nach dem Kauf des Unternehmens durch Errett Lobban Cord im Jahre 1929 wurde die Produktpalette abermals erweitert und mit dem R-680 der erste Flugzeugmotor hergestellt. Während des Zweiten Weltkrieges produzierte das Unternehmen zudem auch Panzermotoren, etwa für den Spähpanzer M22 Locust. Lycoming war lange Zeit Teil des AVCO-Konzerns und hieß AVCO Lycoming. 1986 wurde das Unternehmen von Textron aufgekauft und heißt seit dem offiziell Textron Lycoming. Neben Kolbenmotoren stellt Lycoming heutzutage auch Gasturbinen für Flugzeuge und Hubschrauber her.

Inhaltsverzeichnis

Konstruktion

Lycoming-Motoren sind heute die am Weitesten verbreiteten Kolbentriebwerke für Kleinflugzeuge. Es handelt sich um luftgekühlte, 4 bis 8-zylindrige modular aufgebaute, großvolumige Boxermotoren mit doppelter Magnetzündung. Der Propeller wird bei den meisten Modellen direkt angetrieben, sitzt also ohne Getriebe direkt auf der Kurbelwelle. Turbolader und Benzineinspritzung sind erhältlich, aber eher unüblich. Die Motoren haben den Ruf einer sehr hohen Zuverlässigkeit, welche durch die sehr konservative Auslegung (einfachste Konstruktion, niedrige Drehzahl, niedrige Literleistung) erreicht wird. Zudem sind die Motoren seit Jahrzehnten nahezu unverändert. Nachteilig an dieser im Vergleich zu modernen Automotoren stark veralteten Bauweise ist der hohe Verbrauch des gegenüber Automobiltreibstoffen nochmals erheblich teureren Flugbenzins. In anderen relevanten Kategorien (Gewicht, Zuverlässigkeit, Preis, Wartungskosten) ist der Vorteil modernerer Konstruktionen geringer oder nicht vorhanden.

Konkurrenzsituation

Der direkte Konkurrent Teledyne Continental baut technisch sehr ähnliche Motoren. Porsche hatte sein in den 80er Jahren begonnenes Flugmotorenengagement im Jahre 1990 wieder eingestellt. Die Firma Thielert baut moderne Turbodiesel und sah bis zur Insolvenz lange Zeit wie der chancenreichste Konkurrent aus. Die von Rotax gebauten Motoren sind im Ultraleicht-Bereich verbreitet und eignen sich auch für VLA, jedoch aufgrund beschränkter Leistung nicht für größere Flugzeuge. Aufgrund der weltweit immer schlechtere Verfügbarkeit von AvGas und der stark gestiegenen Kosten sind grundlegende Neukonstruktionen jedoch in baldiger Zukunft unvermeidlich. Aufgaben, die bisher Flugzeugen mit Lycoming-Motor vorbehalten waren, können mittlerweile auch von moderner motorisierten VLA und TMG übernommen werden, so etwa der Schlepp von Segelflugzeugen oder auch die Pilotenausbildung.

Flugmotoren

  • Boxermotoren (Opposed): O-235, O-350, O-360
  • Boxermotoren mit Benzineinspritzung (Injection Opposed), z. B. IO-540 mit 4, 6 oder 8 Zylindern, die in diversen Motorflugzeugen, u. a. von Cessna, Piper oder Beech eingesetzt werden.
  • Boxermotoren mit Untersetzungsgetriebe (Geared Opposed), z. B. Lycoming GO-480-B1A6 aus Dornier Do-27 und Piaggio P-149
  • Sternmotoren: Lycoming R-680 für Boeing Stearman sowie Lycoming XR-7755, ein 36-Zylinder-Reihensternmotor mit Flüssigkeitskühlung markierte den Höhepunkt in der Entwicklung von Sternmotoren. Vier 9-Zylinder-Sterne waren hintereinander in Reihe angeordnet und erzeugten zusammen eine Leistung von 5000 PS (3676 kW).

Kennzeichnungssystem

Lycoming verwendet für seine Kolbenmotoren ein eigenes Kennzeichnungssystem. Die Motorbezeichnung besteht aus drei Kennzeichnungsgruppen:

  • Buchstaben-Nummer-Alphanumerik

Der Buchstabe am nächsten zum Bindestrich der Nummer gibt die Motorbauform an:

  • O - Boxermotor
  • X - X-Motor
  • R - Sternmotor

Die Bauformen können mit den verschiedenen Ausstattungsvarianten kombiniert werden:

  • I - Kraftstoffeinspritzung
  • G - Untersetzungsgetriebe für den Propellerantrieb
  • T - Turboaufladung
  • S - Kompressoraufladung
  • A - Ausführung für den Kunstflug mit einer Trockensumpfschmierung
  • AE - Ausführung für den Kunstflug mit einer Nasssumpfschmierung
  • H - Ausführung für den Einsatz in Hubschraubern
  • V - Ausführung für den Einsatz mit senkrecht stehender Kurbelwelle (ebenfalls Hubschrauber)
  • M - Ausführung für den Einsatz in unbemannten Flugzeugen wie Drohnen. Ohne Zulassung für die allgemeine Luftfahrt
  • L - Antrieb dreht links herum.

Die Nummer gibt den Hubraum in Cubic Inches an. Eine 1 am Schluss bedeutet "integrierter Hilfsantriebsblock".

Triebwerkstypen

Weblinks


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