Ave-Maria-Rufen

Den Gebetsruf gibt es in einer christlichen Form, verbreitet im europäischen Alpengebiet, und in einer islamischen Form, dem sogenannten Adhān.

Der europäische Gebetsruf (umgangssprachlich "Betruf" oder "Alpsegen" genannt), auch Ave-Maria-Rufen, bzw. Sennen-Ave (so in Liechtenstein) oder Sankt-Johannis-Segen, wird vom Älpler, sobald dieser im Sommer mit dem Vieh auf die Alpweiden gezogen ist, allabendlich über die Weiden hinweg gerufen.

Die Tradition des Gebetsrufes wird noch heute in katholischen Berggebieten der Schweiz, namentlich in den Kantonen Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern, St. Gallen, Appenzell Innerrhoden sowie im Oberwallis, nach dem Eintreiben und Melken der Kühe verrichtet.

Es handelt sich um einen textbezogenen Sprechgesang mit Rufmelodik und psalmodierendem Vortrag ohne Liedgestalt. In einer Art Gebetsrezitation werden nach allen vier Himmelsrichtungen Maria und die Schutzheiligen nach Schutz für alle Lebewesen und die Habe auf der Alp angerufen.

Der Älpler benutzt zur megaphonartigen Verstärkung seiner Stimme einen hölzernen oder blechernen Milchtrichter ("Folle"), durch den er seine Bitte auf vier bis fünf Rezitationstönen singt, um "alles, was auf dieser Alp ischt und dazugehört, zu behüätä und zu bewahre" (Ringmotiv in der Innerschweiz) oder das Vieh "vor dem Wolf sin Rache" und "dem Bäre si Tatze" (Sargans) zu beschützen.

Als angeblich heidnischer Viehsegen wurde der Betruf von der Luzerner Obrigkeit um 1609 offiziell verboten. Erst später soll ein Jesuitenpater, Johann Baptist Dillier (1668-1745), diesen alten Viehruf christlich umgedeutet haben, indem er unter anderem die Rufform "Loba" (für die Anrufung der Kuh) in das "Gott ze lobe" umfunktionierte und insgesamt aus dem "Viehsegen" einen christlichen Text schuf.

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