Avenir Suisse

Avenir Suisse ist eine Denkfabrik von Schweizer Grossunternehmen. Die Stiftung wurde 1999 von 14 internationalen Schweizer Firmen ins Leben gerufen: ABB, Credit Suisse Group, Groupement des Banquiers Privés Genevois, Jacobs Holding, Kuoni Holding, McKinsey Switzerland, Nestlé, Novartis, Hoffmann-La Roche, SAirGroup, Sulzer AG, Swiss Re, UBS und Zurich Financial Services. Nach den Erfahrungen der ersten drei Jahre beschloss der Stiftungsrat im Jahre 2004, die Aktivitäten des Think-Tanks zeitlich unbefristet weiterzuführen. Hierfür wurde der ursprünglich geschlossene Kreis der Stifter geöffnet, um die ideelle und die finanzielle Basis der Stiftung nachhaltig zu verbreitern. Heute wird Avenir Suisse von über 100 Förderern aus allen Branchen und Regionen, von Privatpersonen und von Firmen aller Grössenordnungen, unterstützt.

Vom 1. Januar 2001 bis zum 30. Oktober 2010 wurde Avenir Suisse vom Schweizer Soziologen und Manager Thomas Held geleitet. Seit dem 1. November 2010 ist der ehemalige NZZ-Wirtschaftsredaktor Gerhard Schwarz Direktor der Stiftung.

Inhaltsverzeichnis

Organisation

Oberstes Organ von Avenir Suisse ist der Stiftungsrat, der sich aus 20 bis 25 Vertretern der Wirtschaft, der Wissenschaft und des öffentlichen Lebens zusammensetzt. Er konstituiert sich selbst, wählt aus seiner Mitte den Präsidenten und ernennt die Vorsitzenden und Mitglieder aller Kommissionen sowie den Direktor von Avenir Suisse. Zudem genehmigt er das Budget sowie den Jahresbericht und die Rechnung. Der sogenannte Leitungsausschuss genehmigt die thematischen Schwerpunkte und überwacht das Projekt-Portfolio. Er setzt sich zusammen aus dem Präsidenten des Stiftungsrates, dem Präsidenten der Förderstiftung sowie den Vorsitzenden des Nominationsausschusses, der Finanz- und der Programmkommission. Der Nominationsausschuss evaluiert geeignete Persönlichkeiten für den Stiftungsrat, die Kommissionen und die Direktion. Die Finanzkommission prüft das Budget und die Abschlüsse zuhanden des Stiftungsrates. Die Programmkommission berät den Direktor und sein Team bei der Auswahl der zu behandelnden Themen, und er garantiert mit seiner kritischen Begleitung die wissenschaftliche Qualität der Projekte. Der Direktor trägt die operative Verantwortung für die Stiftung. Er definiert im Rahmen der Vorgaben die einzelnen Projekte und sorgt für die Kommunikation der Studienergebnisse nach aussen. Er vertritt Avenir Suisse gegenüber Öffentlichkeit, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Das operative Team von Avenir Suisse besteht aus wissenschaftlichen Projektleiter/innen und -assistent/inn/en hauptsächlich aus der Ökonomie sowie verwandten Gebieten.

Ziele

Als operative Stiftung und als Think Tank nach angelsächsischem Vorbild engagiert sich Avenir Suisse für die gesellschafts- und wirtschaftspolitische Entwicklung der Schweiz. Avenir Suisse will frühzeitig relevante Themen definieren und zukünftigen Handlungsbedarf, aber auch Lösungsvorschläge und Denkanstösse aufzeigen. Zu diesem Zweck beauftragt Avenir Suisse wissenschaftliche Institute und Fachleute im In- und Ausland mit Analysen oder organisiert Tagungen, Debatten und Foren aller Art. Durch die verständliche und praxisnahe Aufbereitung der Studien und Ergebnisse will Avenir Suisse nachhaltige Impulse und Grundlagen für die öffentliche Diskussion vermitteln.

Selbstdarstellung

Avenir Suisse will frühzeitig relevante Themen definieren und Handlungsbedarf sowie Lösungsvorschläge und Denkanstösse aufzeigen. Zu diesem Zweck erarbeitet der Think-Tank selbst oder in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Instituten und Fachleuten aus dem In- und Ausland längere und kürzere Analysen, organisiert Tagungen sowie Foren aller Art und nimmt mit Vorträgen, Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln sowie Beiträgen in den elektronischen Medien an der öffentlichen Diskussion teil. Ein besonderes Anliegen von Avenir Suisse ist die möglichst verständliche und praxisnahe Aufbereitung der Studienergebnisse.

Die Schweiz steht hinsichtlich Wohlstand, Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich zwar relativ gut da, doch bleibt die wirtschaftspolitische «Revitalisierung» der Schweiz, wie sie in den 1990erJahren aus Unternehmerkreisen, aber auch von ökonomischer Seite postuliert wurde, eine Daueraufgabe. Im Unterschied zu Verbänden wie «Economiesuisse» beteiligt sich Avenir Suisse nicht aktiv an Vernehmlassungen oder Abstimmungskampagnen. Vielmehr will der Think-Tank möglichst frühzeitig Beiträge zur wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Meinungsbildung leisten und so den geistigen Boden für jene Reformen schaffen, die mit Blick auf die Sicherung von Wohlstand, Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich sind. Er nimmt dabei bewusst eine längerfristige, nicht an der Tagespolitik orientierte Perspektive ein und will mit seiner gesamtheitlichen, wissenschaftlich abgestützten Vorgehensweise und der verständlichen Aufbereitung der Erkenntnisse eine Lücke zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik schliessen.

Positionen

Avenir Suisse vertritt eine marktwirtschaftliche Sichtweise und orientiert sich an einem klassischen liberalen Welt- und Gesellschaftsbild. Deswegen lautet das Motto: unabhängig – aber nicht neutral. Der Think-Tank geht davon aus, dass die anstehenden Probleme nicht in erster Linie vom Staat zu lösen sind, sondern dass dieser vielmehr Rahmenbedingungen schaffen sollte, in denen sich Eigeninitiative und Eigenverantwortung entwickeln können. Die Stiftung erarbeitet und lanciert ihre Projekte in jeder Beziehung unabhängig und selbständig. Dies ist einerseits gewährleistet durch eine auf mehrere Jahre im Voraus gesicherte Finanzierung durch die Förderer und klare Corporate Governance-Regeln. Anderseits bürgt eine hoch qualifizierte Programmkommission sowohl für die Qualität als auch für die Unabhängigkeit der Arbeit. Avenir Suisse bezieht weder für noch gegen eine politische Partei Stellung und ist offen gegenüber allen Kräften, die die Zukunft konstruktiv und in liberalem Sinne mitgestalten wollen.

Themen

Wachstum

Die beiden zentralen Wachstumskräfte der vergangenen Jahre waren der Aussenhandel und der Finanzsektor. Die sich allmählich ausbreitende globale Wirtschaftskrise wird zur Folge haben, dass es einerseits zu einer deutlichen Verlangsamung des Aussenhandels kommen und andererseits der Finanzsektor einen schwierigen Konsolidierungsprozess durchlaufen wird. Somit brechen auch die zwei zentralen Wachstumsstützen für die Schweiz weg. Es wird nun darauf ankommen, wie sich die Schweiz angesichts dieser Ausgangslage wieder aufrichten kann. Die Schweiz verdankt vor allem ihrer hohen wirtschaftlichen Offenheit und der damit einhergehenden Stärke des Exportsektors viel ihres erworbenen Wohlstandes. In einer Welt, die in der Krise jedoch zunehmend protektionistischer werden wird, sieht sich die Schweizerische Volkswirtschaft vor grosse Herausforderungen gestellt.

Zu diesen Herausforderungen gesellen sich nach wie vor bestehende Strukturprobleme im Binnenmarkt. Die gegenwärtige Krise wird aber die öffentliche Bereitschaft auch für vorsichtige Liberalisierungsschritte weiter mindern (Stichworte Elektrizitätsmarkt, Poststellennetz). Generell wird mit einem erstarkenden Misstrauen gegen marktwirtschaftliche und wettbewerbliche Lösungsansätze zu rechnen sein.

Hinzu kommt, dass nirgendwo die Vetokräfte einzelner Gruppen (Kantone, Gemeinden, Branchen, Verbände) so stark sind wie in der Schweiz. Die Zersplitterung der Exekutive schwächt die Reaktionsfähigkeit der Schweiz in der Krise zusätzlich.

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise diskreditiert liberale, marktwirtschaftliche und wettbewerbsorientierte Lösungsansätze keineswegs. Abgesehen davon, dass überzeugende Alternativen dazu nirgends auszumachen sind, muss vielmehr konstatiert werden, dass in vielen Bereichen nicht zu viel, sondern zu wenig Wettbewerb, Markt und ordnungspolitische Rigorosität mitverursachend für die Krise war. Avenir Suisse wird sich daher weiterhin für liberale, marktwirtschaftliche und wettbewerbsorientierte Grundsätze einsetzen.

CH-Institutionen / Föderalismus

Laut Avenir Suisse hat sich die räumliche Wirklichkeit der Schweiz in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Die heutige Siedlungsstruktur entziehe sich mehr und mehr den ursprünglichen Kategorien von «Stadt» und «Land». Ökonomisches und gesellschaftliches Handeln sei immer weniger an geographische Grenzen gebunden. Vielmehr entstehe eine Collage von städtischen, vorstädtischen und ländlichen Elementen, die gemeinsam ein nationales Netzwerk vor allem von Agglomerationen bilden.

Trotz jahrzehntelanger und kostspieliger Dezentralisierungsbemühungen konzentrieren sich nach Ansicht der Avenir Suisse die wirtschaftliche Wertschöpfung, Pendlerströme und auch die Wissenschaft auf die Metropolitanregionen Zürich, Basel, Bern, Genf-Lausanne und Tessin. Die traditionellen kleinräumigen, föderalistischen Entscheidungsprozesse vermögen den institutionellen Anforderungen, die dieses neue sich bildende Gefüge verlangt, immer weniger gerecht zu werden.

Avenir Suisse beleuchtet in verschiedenen Publikationen und Konferenzen die entstandene Wirklichkeit und untersucht die entsprechenden Folgen für die schweizerische Wirtschafts- und Regionalpolitik.

Alternde Gesellschaft

Geringere Kinderzahl und die längere Lebenszeit führen in der Schweiz wie in allen entwickelten Ländern zu einer alternden Gesellschaft. Die Zahl der über 65-Jährigen beträgt heute 25 Prozent (gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen) und wird sich in 30 Jahren verdoppeln. Diese historisch einmalige und mittelfristig nicht beeinflussbare Entwicklung hat mannigfaltige Auswirkungen auf Finanzen, Wachstum und den Sozialstaat insgesamt.

Avenir Suisse hat in diesem Bereich eigene Alternativszenarien zu den offiziellen demographischen Szenarien des Bundesamtes für Statistik berechnet und korrigiert und daraus verschiedene Vorschläge zu einer nachhaltigen Bevölkerungs- und Altersvorsorgepolitik entwickelt. Dazu gehören Anregungen zu den Themen Altersarbeit, Migration/Einbürgerung sowie vor allem kritische Auseinandersetzungen mit dem System der 2. Säule.

Bildung und Innovation

In einer globalisierten Welt ist auch zwischen den Bildungssystemen ein Wettbewerb entstanden. Dies erfordert eine dynamische Bildungs- und Wissenschaftspolitik. Die Leistungsfähigkeit der Ausbildungs- und Innovationssysteme ist ständig zu überprüfen und zu verbessern. Bildung ist der wichtigste «Rohstoff» der Schweiz. Rund 5,5% des BIP (rund 21 Mrd. Franken) fliessen in das öffentliche Bildungswesen.

Die vielgepriesene Qualität der Schweizer Schulen wurde 2001 durch die PISA-Studien («Program für International Student Assessment», OECD) relativiert. Aber auch die zunehmende Zahl der Hochschulrankings stellt nach Ansicht der Avenir Suisse dem tertiären Bildungsbereich nicht nur gute Noten aus. Ein hohes Bildungsniveau sei jedoch eine Voraussetzung für Fortschritt und Innovation.

Avenir Suisse hat mit eigenen Studien die Erfolgskriterien von erfolgreichen Lehrpersonen untersucht. Für die Hochschulpolitik entwickelte Avenir Suisse einen integralen Vorschlag für eine Neupositionierung im internationalen Umfeld. Für eine zukünftige Innovationspolitik hat Avenir Suisse ein neuartiges Konzept eines Innovationsmarkts vorgestellt, der die ungenügende Verbindung zwischen der hochwertigen Schweizer Grundlagenforschung und den Bedürfnissen der Unternehmen herstellen könne. Zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Volksschule schlägt Avenir Suisse die Einrichtung von kommunalen Tagesschulen vor.

Publikationen

Weblinks

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