Avitall Gerstetter

Avitall Gerstetter (* 1972 in Berlin[1]) ist die erste jüdische Kantorin in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Avitall Gerstetter wuchs in einer traditionellen jüdischen Familie in West-Berlin auf und wurde durch ihre Mutter, die Musik- und Bat Mizwa-Lehrerin Chava Gerstetter, an die Musik herangeführt. Nach dem Abitur studierte Avitall Gerstetter Hauptfach Gesang bei Professor Rudolf Riemer, sowie Klavier, Klarinette und Tanz an der Universität der Künste Berlin. Als Zweitfach studierte sie Englisch an der Technischen Universität Berlin. Schon früh fiel ihr besonderes Gesangstalent auf, das sie unter anderem im Chor der Jüdischen Gemeinde der Synagoge Pestalozzistraße bewies. Von Oberkantor Estrongo Nachama wurde sie ermutigt, Kantorin zu werden. Im Jahr 2001 absolvierte Gerstetter ihre Kantorenausbildung in New York und amtiert seither regelmäßig in den Synagogen Oranienburger Straße und Hüttenweg [2][3], wobei es anfangs in orthodoxen Kreisen der Berliner Gemeinde Vorbehalte gegen eine Kantorin gab. [4][5]

Gesellschaftliches Engagement

Um Menschen unterschiedlicher Religion zusammenzubringen, organisierte Avitall Gerstetter 2005, in Zusammenarbeit mit haGalil, erstmals ein interkonfessionelles Fußballturnier. Sie nannte das Turnier "Avitallscup". Bei der zweiten Austragung im Juni 2006 spielten je eine atheistische, christliche, jüdische und muslimische Mannschaft. Diese wurden von Prominenten wie Petra Pau und Ulla Meinecke unterstützt, als Schiedsrichter fungierte Hans-Christian Ströbele.[6]

Zusammen mit Konstantin Wecker nahm Avitall Gerstetter 2005 eine Benefiz-CD zugunsten von haGalil auf.

Konzerte

Sie gab und gibt zahlreiche Konzerte in Deutschland, England, Italien und in den USA. Ihr Programm umfasst Klassik, Lieder in Jiddisch sowie synagogale Musik.

Im Vorfeld eines Konzerts im September 2006 in Trier kam es zu einem Eklat, als die Geschäftsführerin der Tuchfabrik ihre Raumzusage angesichts der Ereignisse des Libanonkrieges zunächst zurückzog. Nach Protesten der Jüdischen Gemeinde wurde die Absage zurückgenommen.[7]

Diskographie

  • Die jüdische Stimme (2000)
  • Avitall in Concert (2003)
  • Sage nein zu Antisemitismus (2005, zusammen mit Konstantin Wecker)
  • Walking the corniche (2007)
  • we will remember them (2008, zusammen mit Dominic Miller und Mike Lindup)

Quellen

  1. http://www.zentralratderjuden.de/down/kulturprogramm2005.pdf, Seite 11
  2. Berliner Zeitung vom 31. Juli 2000
  3. Berliner Morgenpost, 7. September 2003
  4. Interview in der TAZ, 6. Juni 2005
  5. Welt am Sonntag vom 4. Dezember 2005
  6. Tagesspiegel vom 24. Juni 2006, TAZ vom 26. Juni 2006
  7. TAZ vom 5. August 2006

Weblinks


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