Avraham Sharir

Avraham Sharir (* 23. Dezember 1932 in Tel Aviv) ist ein israelischer Politiker und ehemaliger Minister.

Biografie

Nach dem Besuch einer High School in Tel Aviv absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Hebräischen Universität Jerusalem, das er mit der Zulassung als Rechtsanwalt abschloss. Allerdings war er nicht als Rechtsanwalt tätig, sondern zunächst zehn Jahre von 1954 bis 1964 Sekretär der Fraktion der Partei Allgemeine Zionisten (Tzionim Klalim) in der Knesset. Anschließend folgte zunächst eine Tätigkeit als Direktor der Wirtschaftsabteilung der Jewish Agency in den USA, ehe er von 1967 bis 1970 Direktor des Koordinationsbüros der Wirtschaftsorganisationen der Arbeitnehmer in Israel war. In den folgenden vier Jahren war er für das Außenministerium als Wirtschaftskonsul in Atlanta und dann von 1972 bis 1974 als Wirtschaftskonsul mit Zuständigkeit für den Westen der USA. Im Anschluss daran folgte von 1974 bis 1977 eine Tätigkeit als Generalsekretär der Liberalen Partei (Miflega Libralit Yisraelit), die zum Parteienbündnis Likud gehörte.

Am 13. Juni 1977 wurde er als Vertreter des Likud erstmals zum Abgeordneten der Knesset gewählt, der er bis zum 13. Juli 1992 angehörte. Ministerpräsident Menachem Begin berief Sharir am 11. August 1981 als Tourismusminister erstmals in ein Kabinett. Dieses Amt übte er auch unter Begins Nachfolgern Jitzchak Schamir und Schimon Peres bis zum 22. Dezember 1988 aus. In diesem Amt legte er ein Konzept vor, nach dem 30 Orte in Judäa und Samaria zu touristischen Zentren ausgebaut werden sollten.[1] In seine Amtszeit als Tourismusminister fielen auch die Feierlichkeiten zum 40. Gründungstag Israels 1988, die allerdings überschattet waren von Reisewarnungen des State Department in den Gazastreifen und das Westjordanland, die auch zum Rückgang von Touristen aus Europa führten.[2][3][4]

Darüber hinaus war er zusätzlich vom 30. Juli 1986 bis zum 22. Dezember 1988 auch Justizminister. Während dieser Zeit unternahm er auch einen Amtsbesuch anlässlich des 45. Jahrestages des Aufstandes im Warschauer Ghetto[5] sowie in das KZ Auschwitz und erklärte dazu:

„Dort, ins Massengrab legte ich die Säckchen Erde aus dem Heiligen Lande. Tränen standen in meinen Augen. Fast brach ich in Weinen aus. Es war eine symbolische Geste zu Ehren der Asche von Millionen, die kein Grab haben durften, deren Asche und Gebeine in fremden Gefilden verstreut wurden…In Auschwitz sieht alles ganz anders aus. Was in Israel bedeutend erscheinen mag, minimiert sich hier und verschwindet: die Querelen, die Rivalitäten, der Krieg unter Juden. Als ich dort mit dem Erziehungsminister Jitzchak Nawon Arm in Arm einherschritt, verstand ich, wie künstlich doch die Unterteilung in Parteien ist… In Auschwitz sahen wir alle, was einem staatslosen Volk passieren kann. Nur hier kann man begreifen, wie berechtigt unser Insistieren auf Sicherheit ist.“[6]

1990 verließ er den Likud, um die Neue Liberale Partei (Miflaga Libralit Hadasha) zu gründen, um dadurch Schimon Peres die Bildung einer Minderheitsregierung zu ermöglichen. Als dieser Plan scheiterte, trat er zwar wieder dem Likud bei, erlitt jedoch bei der Wahl zur Knesset eine Wahlniederlage, die zu seinem Ausscheiden aus der Politik führte.[7]

Quelle

Einzelnachweise

  1. „Pläne fürs Westjordanland“, Die Zeit 24. Dezember 1982
  2. „‚Mit so etwas muß man in Israel rechnen‘ - Deutsche Touristen im Heiligen Land“, HAMBURGER ABENDBLATT 23. Dezember 1987
  3. „Israel fürchtet, daß viele Touristen wegbleiben“, HAMBURGER ABENDBLATT 31. März 1988
  4. „The No-Shows at Israel's Party“, TIME-MAGAZINE 25. Juli 1988
  5. „Israeli Aides to Visit Warsaw“, NEW YORK TIMES 13. April 1988
  6. Zuckermann, Moshe: „Werte der Erinnerungskultur. Ein Defizit?“, S. 6
  7. „Israeli Coalition Cracks at Last Minute“, NEW YORK TIMES 12. April 1990

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Avraham Sharir — MKs Date of birth = birth date|1932|12|23 Place of birth = Tel Aviv, Mandate Palestine Year of Aliyah = Date of death = Place of death = Knesset(s) = 9th, 10th, 11th, 12th Party = Likud Former parties = New Liberal Party Gov t roles = Minister of …   Wikipedia

  • Sharir — Avraham Sharir (* 23. Dezember 1932 in Tel Aviv) ist ein israelischer Politiker und ehemaliger Minister. Inhaltsverzeichnis 1 Biografie 2 Quelle 3 Einzelnachweise 4 Siehe auch …   Deutsch Wikipedia

  • Sharir, Avraham — (1932 )    Born in Tel Aviv, he studied Law at the Hebrew University of Jerusalem and became an attorney. He was active in youth and student circles of the General Zionist Organization and served as parliamentary secretary of the Liberal Party… …   Historical Dictionary of Israel

  • POLITICAL LIFE AND PARTIES — Introduction It was largely due to the existence of the pre state political parties, which had conducted intensive political activities for almost half a century within the framework of the yishuv , under the British Mandate for Palestine, that… …   Encyclopedia of Judaism

  • List of Likud Knesset Members — and the sessions of the Knesset (the Israeli parliament in Jerusalem) in which they served (place on Likud list is given in brackets): 8th Knesset Likud Members (31 December 1973 to 17 May 1977): Zalman Abramov; Moshe Arens; Yoram Aridor; Yohanan …   Wikipedia

  • Tourism Minister of Israel — Israel This article is part of the series: Politics and government of Israel Basic Laws Jerusalem Law …   Wikipedia

  • Liste der Biografien/Sh — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • New Liberal Party (Israel) — New Liberal Party מפלגה ליברלית חדשה Leader Yitzhak Moda i Founded 15 March 1990 Split from Likud Ideology …   Wikipedia

  • The dirty trick (Israel) — The dirty trick (Hebrew: התרגיל המסריח‎, HaTargil HaMasriah, lit. the stinking trick) refers to a political scandal that erupted in Israel in 1990. It consisted of an attempt by Shimon Peres to form a narrow government made up of the left wing… …   Wikipedia

  • List of Israeli politicians — List of Israeli politicians: A * Aharon Abuhatzera, former minister, head of the National Religious Party * Yosef Almogi, former minister and mayor of Haifa * Yigal Allon, former general, government minister * Shulamit Aloni, founder of Human… …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”