Avro 669
Avro 621 Tutor

Die Avro 621 Tutor war ein Flugzeug des britischen Herstellers Avro.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Im Jahre 1929 entwickelte Avro-Chefkonstrukteur Roy Chadwick ein zweisitziges Ausbildungsflugzeug für die RAF als Nachfolger für die legendäre, aber inzwischen in die Jahre gekommene Avro 504N. Nach Versuchen mit metallenen Materialien, die bereits erfolgreich von Fokker verarbeitet worden waren und den guten Erfahrungen, die man mit den ersten Avians mit Stahlrohrrahmen gemacht hatte, beschloss Chadwick, auch bei dieser Konstruktion das im Vergleich zu Holz stabilere Material zu verwenden.

Das neue Modell war anwendungsbedingt mit stabilen Holmen ausgestattet, und es wurde das großflächige, weil leicht ansprechende Seitenruder der Avian verwendet. Als Triebwerk diente ein fünfzylindriger unverkleideter Armstrong Siddeley Mongoose IIIA-Reihenmotor (in der späteren Militärversion als Mongoose IIIC bezeichnet).

Im Dezember 1929 war der Prototyp mit der zivilen Kennung G-AAKT in Martlesham fertig gestellt und wurde am 28. Juni 1930 in Hendon erstmals vorgestellt. Am 5. Juli 1930 nahm die Maschine, als Avro 621 Trainer bezeichnet, am King´s Cup Race teil und zeigte dort ihre exzellente Wendigkeit.

Darauf erhielt Avro einen Auftrag des Luftfahrtministeriums über zunächst 21 Maschinen, die dann bei verschiedenen Einheiten der Luftwaffe getestet wurden. Im März 1930 erhielt die irische Luftwaffe drei Maschinen (dort wurde das Flugzeug als "Triton" bezeichnet), eine Maschine mit zivilen Kennzeichen ging an die australische Fluggesellschaft Australian National Airways Ltd..

Nach diesem ersten Verkaufserfolg wurde die 621 modifiziert und mit dem stärkeren Armstrong Siddeley Lynx IVC motorisiert. Zunächst wurden zwei Prototypen mit diesem Motor ausgestattet, später folgte eine große Anzahl weiterer Maschinen mit dem Lynx IVC.

Nach den Tests bei der Luftwaffe beschloss diese, die nun als Avro 621 Tutor bezeichnete Maschine ab Juni 1932 als Standard-Ausbildungsflugzeug in Dienst zu stellen. Zuvor waren jedoch werksseitig diverse Änderungen vorzunehmen; so wurde ein geändertes Fahrwerk eingebaut, und es wurden Querruder auf allen vier Flächen verwendet - in den ersten Versionen hatten nur die unteren Tragflächen Querruder. Eine erneute Modifikation erfolgte auf Grund einer Forderung des Luftfahrtministeriums ab dem Modelljahr 1934. Eine Maschine, die 1936 in Martlesham getestet wurde mit weiteren grundlegenden Änderungen wurde als Avro 621 Tutor Mk. II bezeichnet, blieb jedoch ein Einzelstück.

Mit dem Erfolg der Tutors und den hohen Verkaufszahlen wurden bei Avro neue Massenfertigungstechniken eingeführt. So wurden die Maschinen komplett im Werk in Newton Heath aufgebaut, danach in das 24 Kilometer entfernte Woodford Aerodrom gebracht, dort verspannt und eingeflogen und von dort zu den Standorten der RAF überführt.

Neben der britischen Luftwaffe, dem Hauptabnehmer, wurden Maschinen an die dänische Marine, die griechische Luftwaffe und an das polnische Informationsministerium ausgeliefert. Mit Dänemark schloss Avro ein Lizenzabkommen, jedoch wurden dort letztlich lediglich drei Maschinen gebaut.

In der Zeit von 1930 bis 1938 stellte Avro insgesamt 795 Tutors her, davon 310 ohne Motoren. Vier Maschinen waren bis in das Jahr 1939 als Trainer im Dienst der englischen Luftwaffe. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gingen etliche Tutors der Luftwaffe in zivile Hände über.

Eine Maschine (Seriennummer K3215/Kennung G-AHSA) gehört heute noch (Stand 2005) im flugfähigen Zustand zur Flugzeugsammlung in Shuttleworth in Old Warden (England).

Aufbau

Bei der Avro 621 Tutor handelte es sich um einen zweistieligen Doppeldecker. Der Rumpf bestand aus einem mit Stoff bespannten Stahlrohrrahmen. Die beiden Tragflächen waren gleich lang; alle Flächen waren mit Querrudern ausgestattet.

Das Fahrwerk bestand aus einem zweirädrigen, starren Hauptfahrwerk sowie einem starren Hecksporn.

Varianten/Projekte

Avro 646 Sea Tutor

In den Jahren 1934 bis 1936 lieferte Avro ein Vorserienexemplar und 14 Serienmaschinen dieses Typs aus. Es handelte sich um die Schwimmerversion der Avro 621 Tutor, ausgestattet mit Zwillingsschwimmern. Bis 1938 waren diese Maschine in Felixstowe und bei der Seaplane Training School in Calshot im Einsatz.

Avro 662

Die Avro 662 war eine weiter entwickelte 621 mit einem Armstrong Siddeley Lynx-Motor. Diese Maschine war ähnlich einer für die ägyptische Luftwaffe produzierten Ausführung der Avro 626, ging aber nicht über das Entwicklungsstadium hinaus.

Avro 669

Auch das Projekt Avro 669, eine Tutor mit dem Armstrong-Siddeley Cheetah IX-Motor, wurde lediglich am Reißbrett geplant, jedoch nie verwirklicht.

Technische Daten

Avro 621

Version mit Mongoose IIIC-Motor
(Version mit Lynx VIC-Motor, sofern abweichend, in Klammern)

Kenngröße Daten
Länge    8,12 m (7,94 m)
Höhe    2,92 m
Flügelspannweite    10,36 m
Flügelfläche    28,07 m² (27,97 m²)
Leergewicht    696 kg (836 kg)
Max. Fluggewicht vollgetankt    990 kg (1.132 kg)
Antrieb    ein Armstrong-Siddeley Mongoose IIIC-Motor mit einer Leistung von 116 kW (157 PS)

(ein Armstrong-Siddeley Lynx IVC-Motor mit einer Leistung von 160 kW (218 PS)

Höchstgeschwindigkeit    167 km/h (193 km/h)
Reisegeschwindigkeit    153 km/h (156 km/h)
Steigleistung    221 m/min (277 m/min)
Dienstgipfelhöhe    3.780 m (4.880 m)
Reichweite    ca. 610 km (ca. 400 km)
Besatzung    2 (ein Ausbilder und ein Flugschüler)

Siehe auch


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