5B-Wetterlage
Zugstrassen der barometrischen Minima (Tiefdrucktrajektorie) nach W.J. v. Bebber

Eine Vb-Wetterlage (‚V‘ = römisch 5) ist durch eine Zugbahn eines Tiefdruckgebietes von Italien über die Poebene oder Nordadria hinweg, über Friaul und Slowenien um die Alpen herum, nordostwärts über Österreich, Ungarn und Polen gekennzeichnet. Die als „Vb“ bekannte Zugbahn wurde von Wilhelm Jacob van Bebber deklariert und mit dieser Notation in das System der Großwetterlagen integriert.

Allgemein steht auch Mittelmeertief, je nach Tiefkernlage Genuatief oder Adriatief. Daneben gibt als Variante des Adriatiefs auch die Richtung Balkan nach Osten/Südosten abziehende Vc/Vd-Wetterlage nach Bebber. Mit Va wurde die Zugbahn Biskaya–Spanien/Frankreich–Ligurien bezeichnet

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Das Vb/a-Tief entsteht durch einen Kaltluftvorstoß über Frankreich in das westliche Mittelmeer, oft in Verbindung mit einer Nordwestwetterlage, im Golf von Genua, mit Bildung eines Tiefs in diesem Raum, oder durch einen von England/Biskaya über Frankreich südwärts geschobenen Tiefkern (Va).

  • Ein Genuatief im eigentlichen Sinne ist eine Sonderform, die sich zuerst am Apennin und dann im Alpenbogen verhängt und über dem Piemont, dem Wallis und den Zentral- und Westalpen abregnet, mit starkem Föhn in den Nordalpen.
  • Ein Adriatief, das also über den Apennin an die Adria gesprungen ist, oder sich erst dort bildet, folgt im allgemeinen der klassischen Zugbahn nordost- (Vb), ost- (Vc) oder südostwärts (Vd). Besonders die Vb-Lagen pumpen über längeren Zeitraum große Feuchtigkeitsmengen in die Flußgebiete von Donau, Elbe und auch Rhein, und führen typischerweise zu schweren Stauniederschlägen an Ostalpen, Karpaten und Erzgebirge und Überschwemmungen mit großflächigem Einzugsgebiet.

Bei der Vb-Trakjetorie handelt es sich um die einzige Zugbahn von Südwest nach Nordost über Mittelosteuropa.

Vb-Lagen treten gewöhnlich im Frühjahr und Herbst auf, können aber prinzipiell zu jeder Jahreszeit vorkommen und sind in den Sommermonaten, wie etwa 2002, besonders niederschlagsreich, da das Mittelmeer dann sehr warm ist und eine südliche Strömung mit hohen Temperaturen viel Feuchtigkeit transportieren kann. Die feuchtwarme Luft gleitet dann auf der Vorderseite des Tiefdruckgebietes auf die am Boden liegende Kaltluft auf und führt zu langanhaltenden Niederschlägen, die in Staubereichen an den Alpen und höheren Mittelgebirgen auch recht ergiebig sein können.

Vb/a-Ereignisse

Im Alpenraum und auch in den nördlich angrenzenden Ländern ist die Vb-Lage wegen der oftmals heftigen Niederschläge gefürchtet. Diese führten 1997 zum Oderhochwasser, 1999 zum Pfingsthochwasser, 2002 zum Elbehochwasser, 2005 zum Alpenhochwasser sowie auch zu den Überschwemmungen in der Schweiz von 1987 (Gotthardgebiet), 1993 (Brig) und 2000 (Gondo). Auch das Magdalenenhochwasser von 1342, das bisher größte bekannte Hochwasserereignis in Deutschland/Mitteleuropa (Vor allem Main/Rhein und Donau) wird einer Vb-Wetterlage zugeschrieben.

Beim Elbehochwasser kam es zu extremen Stauniederschlägen am Erzgebirge (Zinnwald-Georgenfeld: 312 mm in 24 Stunden). Winterliche Südstaulage ist etwa für die Februar-Episode des Lawinenwinter 1951 verantwortlich, mit bis zu 4 m Neuschnee innert 2 Tagen.

30. September 1983
7. Oktober 1996

Vb/a-Wetterlagen (Starttermin eines Ausnahmeereignisses im Mitteleuropa):

2007
  • 22. März: mit 20 cm Neuschnee von Osten durch Vb auf dem Flughafen Hahn im Hunsrück durch Tief Paul II[1]
  • 22. August: mit sintflutartigen Regenfällen in Niedersachsen und im Sauerland durch Tief Quirinus
  • 06. September: mit 90 cm Neuschnee auf der Zugspitze und Überschwemmungen in Niederösterreich durch Tief Xaver
  • 27. September: Vb-Tief Faysal I von der Adria über Passau zur Eifel mit Überschwemmungen in Aachen und Umgebung
  • 29. September: Vb-Tief Faysal II von der Adria nach Norden zum Harz, die Innerste sprang über die Ufer durch Vb-Regengüsse
2008
  • 29. Oktober: Vb-Tief Yulietta[2] vom Golfe du Lion über Norditalien nordostwärts ziehend, mit Dauerregen, Bergland Schnee, Ostalpen extreme Föhnströmung[3]
  • 27. November: Ein Genuatief-Tief[4] verbindet sich mit Biskaya-Tief Nina und Mitteleuropatief Phostine: Heftiger Schneefall in Norditalien (Trentino, Südtirol, Ligurien, Piemont) bis Kärnten und Tirol (Osttirol 120 cm Schnee), Überschwemmung in Venedig (20-jähriges Ereignis, Pegel 185 cm)[5], schwer betroffen auch Lodi in der Lombardei und Pordenone in Friaul;[6] Föhnsturm in Oberösterreich und Salzburg bis 100 km/h, 14° in Linz[5]
  • 11.–13. Dezember 2008: Das Biskayatief Tine mit klassischer V-Zugbahn vom 5.[7] zieht am 7. über Zentralspanien[8], und am 10. über Italien[9]. Am 12. Dezember ausgeprägter Hochdruckkeil über Frankreich, Südföhnströmung über den Alpen bis Südschweden (Föhntemperaturen über 15° am Nordalpenrand). Wieder schwere Schneefälle in Norditalien, der Schweiz, Süd- und Osttirol[10] (mit einem Todesfall am 17. Dezember), in Kärnten über 1 m Schnee (nach Angaben der ZAMG ein 80-jähriges Ereignis)[11], im Tessin ½ m[10], schwere Verkehrsbehinderungen mit zahlreichen Sperren, abgeschnittene Täler (Lesachtal), Lawinenwarnstufen bis 4 in den südlichen Kalkalpen[11], Überschwemmungen von Venedig über Rom (Evakuierungen in Ostia) bis Süditalien[10], aber auch Schneechaos in Nordspanien und den Französischen Alpen[12] (100.000 Haushalte ohne Strom). Tine zerfällt über der Adria.
  • 12–17. Dezember 2008: Das nachrückende, ähnliche Tief Verena[13] bringt weiterhin Schneechaos und verstärkt die Überschwemmungen in Spanien bis Mallorca, Frankreich, Italien – im Alpenraum bleibt es von geringerer Auswirkung als seine beiden Vorgänger.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ausgangslage: gif, wetterzentrale.de
  2. Prognose 20081127. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  3. Luftmassen-Kampf, Newsarchiv wetter24.de, 30. November 2008 07:55
  4. Prognose 20081127. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  5. a b Chronik: Venedig von der Flut überrascht; Österreich: Heftige Schneefälle sorgten für Chaos. In: Salzburger Nachrichten. 2. Dezember 2008, S. 20; 8. 
  6. "Land unter" in Norditalien. Handelsblatt, 27. November 2008. Abgerufen am 12. Dezember 2008.
  7. Prognose 20081205. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  8. Prognose 20081207. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  9. Prognose 20081210. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  10. a b c Schweiz und Norditalien im Tiefschnee. In: Panorama » Welt. Die Presse, 11. Dezember 2008, 13:55. Abgerufen am 12. Dezember 2008.
  11. a b Schnee: Kärnten fürchtet neues Mittelmeertief. In: Panorama » Welt. Die Presse, 14. Dezember 2008, 18:41. Abgerufen am 12. Dezember 2008.
  12. Mittelmeertief lässt halb Europa im Schnee versinken. In: Panorama » Welt. Die Presse, 10. Dezember 2008, 12:32. Abgerufen am 14. Dezember 2008.
  13. Prognose 200815215. Institut für Meteorologie, FU Berlin

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