Awni Karoumi

Awni Karoumi (arabisch ‏عوني كرومي‎, DMG ʿAunī Karūmī; * 22. Juli 1945 in Mosul, Provinz Ninawa; † 27. Mai 2006 in Berlin) war ein irakischer Regisseur, Theaterwissenschaftler. Bis 1990 war er Assistenzprofessor an der Akademie der Schönen Künste in Bagdad, danach ordentlicher Professor an der Yarmuk-Universität in Jordanien.

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

Karoumi studierte zwischen 1962 und 1965 Schauspiel und Regie am Institut der Schönen Künste in Bagdad. Er schloss das Studium mit einem Diplom in Theaterkunst ab. 1972 erwarb er das Diplom in Theaterwissenschaft, Sektion Ästhetik und Kunstwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. 1976 promovierte er zum Dr. phil. in Theaterwissenschaften, Sektion Ästhetik und Kunstwissenschaften der Humboldt-Universität.

Er arbeitete anschließend von 1977 bis 1981 als für Theaterwissenschaften an der Akademie der Schönen Künste Bagdad, wo er 1981 zum Assistenzprofessor für Theaterwissenschaft aufstieg. Diesen Posten hatte er bis 1990 inne und übernahm dann von 1991 bis 1995 eine Professur für Theaterwissenschaft an der Fakultät für Erziehung und Schöne Künste der Yarmuk-Universität in Irbid (Jordanien). Seit 1995 war er freiberuflich an verschiedenen Theatern und Universitäten tätig, unter anderem am Theater an der Ruhr.

Zu jener Zeit beantragte er mit seiner Familie in Deutschland Asyl, nachdem er zunächst in Bagdad, später auch in Jordanien wegen seiner Inszenierungen ins Visier islamischer Fundamentalisten geraten war.

Seine Schwerpunkte lagen in der Lehre der Schauspielkunst, Regiekunst, Theaterwissenschaft, Interpretation und Analyse, Theaterkritik und Theatergeschichte. Außerdem engagierte er sich in der wissenschaftlichen Betreuung der M.A.-Arbeiten mehrerer Studenten.

Eigene Inszenierungen

Karoumi inszenierte hauptsächlich in Bagdad, später, ab 1996 dann auch in Deutschland, vor allem in Berlin. Daneben trat er aber auch in anderen Ländern, vornehmlich im arabischen Raum in Erscheinung. Insbesondere brachte er in seiner Zeit an der Yarmuk-Universität in Irbid mehrere Theaterstücke auf die Bühne.

Als Schauspieler

Als Schauspieler trat Karoumi vor allem 1997 in Erscheinung. Er spielte im Theater an der Ruhr unter der Regie von Roberto Ciulli in dem Stück „Schlangenhaut“ und in Berlin in Ein Bericht für eine Akademie nach Franz Kafka unter der Regie von Saleh Husseini. Im gleichen Jahr spielte er in Bahrain in den Stücken „at-tawarbuk“ („Die Etagen“), von Fauziya asch-Schuwaisch, „al khiyûl“ („Die Pferde“) von Ibrahim Abdallah Ghuloum und „dschuwîra“ von Aqîl Suâr. 2002 trat er nochmals in Bahrain auf in „Die Vorstellung hat noch nicht begonnen“ von Ismael Fehat.

Wissenschaftliche Vorträge

Karoumi wurde auch durch seine weltweit gehaltenen theaterwissenschaftlichen Vorträge, die ihn durch die gesamte arabische Welt, aber achu nach Europa und sogar nach Kuba führten, bekannt.

Liste der Veröffentlichungen in arabischer Sprache

Bücher

  • 1979 turudsch tadrîs at-tamthîl (Methodik des Schauspielunterrichts), Bagdad
  • 1980 fann-al- tamthîl (Die Schauspielkunst), Bagdad
  • 1982 al-masrah al-madrasî (Das schulische Theater), Bagdad
  • 1993 muqadima fî-l-masrah (Einführung in das Theater), Irbid; hawl an-naqd al-masrahî (Über die Theaterkritik), Irbid
  • 1998 Rûbîrtû Giûllî wa-masrah ar-rûr (Roberto Ciulli und das Theater an der Ruhr), Kulturministerium Syrien, Damaskus
  • 2001 Roberto Ciulli und zwanzig Jahre an der Ruhr -Kairo Deutschland Gegenwärtiges Theater- Qatar
  • 2006 Theater Labor - Vereinigte Emirates
  • 2006 das Schultheater- Vereinigte Emirates

Maschinengeschriebene Titel (in Arabisch)

  • 1983 Schauspielkunst, für das 3. Studienjahr, Bagdad
  • 1984 Regiekunst im Theater, Bagdad
  • 1984 Entwurf zur Methodik der Arbeit am Volkstheater, Bagdad
  • 1989 Forschungsprogramm zum experimentellen Theater, Bagdad
  • 1989 Schauspielkunst – Bewegungssprache im Theater, Bagdad

Artikel

  • 1974 wazifat al-muhridsch fî-l-masrah (Funktion des Regisseurs im Theater), in: Madschalla al-Mataqqaf al-Arabî, Nr.4;
  • awrâq ghair mansûra ´an Taufîq al-Basrî (unpublizierte Papiere über Tafiq al-Basri), in: Madschalla as-Sînima wa-l-Masrah, Nr.3;

al-film at-tasdschîlî (Der Dokumentarfilm), in: Madschalla as-Sînima wa-l-Masrah, Nr.4

  • 1978 al-masrah fî-riyâd al-atfââl (Das Theater im Kindergarten), in: Madschalla al-Aqlâm, Nr.2;
  • Hypothesen im altirakischen Theater, in: Madschalla al-Aqlâm, Nr.3
  • 1979 Krotowski und das arme Theater, In: Madschalla al-Aqlâm, Nr.2;
  • Das Theater Heiner Müllers, in: Madschalla al-Aqlâm, Nr.2
  • 1987 Die Bewegung im Theater, in: Madschalla Fadâ´at Masrahîya, Nr.3
  • 1991 Über das 1. Jordanische Theaterfestival, in: al- Fanûn, Nr.10
  • 1992 Fragen der Entfremdung des arabischen Theaters, in: Masrah al-Urdunî, Nr. 1 fann at-tamtil (Die Schauspielkunst), in: al-Fanûn, Nr. 1
  • 1994 asch-schaklaniyîn wa-tadschrîb fî-l-masrah (Probleme der Formalisten und die Situation des experimentellen Theaters), in: Dirasât Masrahîya, Nr. 3;
  • al-haraqa-lughat al-masrah (Die Bewegungssprache des Theaters), in: al-Hayat al-Masrahîya, Band 47

Liste der Veröffentlichungen in Deutsch und Englisch

  • 1974 Jawad Salim, ein moderner Künstler des Irak, in: Bildende Kunst, Heft 3;
  • Neue Stücke im syrischen Theater, in: Theater der Zeit, Nr. 8;
  • Erzählung von Nureddin al-Sadiq, in: ebenda;
  • Brecht im Irak, in: Theater der Zeit, Nr. 9;
  • Die Bedeutung der Inszenierung von Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ in Bagdad, Frühjahr 1973, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin, Ges. Sprachw. R. XXIII, 1974, 3/4
  • 1977 On the problems of depicting social reality in the Iraqi theater, in: Theater and Social Reality, Berlin
  • 1980 Brecht im Irak, in: Brecht 80. Berlin
  • 1982 Probleme der Entwicklung und der gegenwärtigen Situation des arabischen-irakischen Theaters, in: Material zum Theater, Nr. 165, Reihe: * Internationales Theater, H. 12, Berlin
  • 1998 Der Skandal in Damaskus um Brechts Kleinbürgerhochzeit, in: INAMO Nr. 14/15, Sommer/Herbst 1998
  • 2000 Ein Regisseur über Arabisches theater –Theater der Zeit

Mitgliedschaft in Organisationen, Funktionen

In Bagdad war Karoumi ab 1977 vierzehn Jahre lang Mitglied des Wissenschaftlichen Rates der Universität und Mitglied des Rates der Theaterfakultät. Ab 1975 war er auch Künstlerischer Direktor der Volksbühne und gehörte ab 1977 der irakischen Künstlergewerkschaft an. 1987 wurde er zudem Mitglied des irakischen Internationalen Theaterinstituts (ITI) und im darauffolgenden Jahre Mitglied des Hohen Komitees des Bagdader Theaterfestivals.

In Kuwait gehörte er 1989 unter anderem dem Ensemble des Arabischen Theaters an.

Während seiner Zeit in Irbid war er Mitglied des Rates der Fakultät der Schönen Künste der Yarmuk-Universität und ab 1992 Leiter der Abteilung Drama der Yarmuk-Universität.

In Berlin gehörte er 1998 zu den Gründern des „Theatervereins Masrah-Theater“.

Auszeichnungen und Anerkennung

1978 erhielt Karoumi einen 1. Preis für die Produktion von „Das Leben des Galileo Galilei“ auf dem Universitätsfestival Mosul und eine Anerkennungsmedaille für „Die Stille und die Wölfe“ in Havanna. Ein Jahr später wurde er mit dem 1. Preis für „Schau nicht durchs Schlüsselloch“ beim Festival des Arbeitertheaters in Bagdad geehrt. Ebenfalls in Bagdad bekam er 1980 den Titel als „Bester irakischer Regisseur“ für „Theatergedichte“ und „Über der Linie der Ablehnung“.

1987 ehrte das Karthago Festival in Tunis Karoumi mit dem 1. Preis für die Regie von „Melodie des Schaukelstuhls“ und er erhielt die „Silbermedaille für 25jährige Theaterarbeit im Irak“. 1991 bekam er eine Goldmedaille als „Anerkennung als avantgardistischer Theaterschaffender“ beim Karthago Festival in Tunis. Es folgte 1999 eine Ehrenurkunde für die Regie des Stückes „Die Etagen“ von Fauziya asch-Schuwaisch beim „Festival der Dichtung“ in Bahrain.

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