Axel-Springer-Hochhaus
Axel-Springer-Haus in Berlin

Das Axel-Springer-Hochhaus ist ein Verlagsgebäude in Berlin und gehört zum Medienkonzern der Axel Springer AG. Es befindet sich an der Kreuzung der Rudi-Dutschke-Straße mit der Axel-Springer-Straße im Ortsteil Kreuzberg.

Zwischen 1959 und 1965 entstand mit dem quer zur damaligen Kochstraße (heute: Rudi-Dutschke-Straße) stehenden goldfarbenen Gebäudeteil der erste Flügel des heutigen Hauses. Während der Bauphase kam es zum Mauerbau. 1961 war die Baustelle mit Wissen des Verlages Ausgangspunkt des Fluchttunnels von Rudolf Müller und anderen Fluchthelfern.[1][2][3]

In einer Rede an seine Mitarbeiter des neuen Zeitungshauses sagte Axel Springer am 28. November 1964:

„ [...] daß wir, wenn wir in die Kochstraße gehen, nicht nur in ein neues, schönes, großes Gebäude gehen – nicht nur in das historische Zeitungsviertel von Berlin: wir gehen in der Kochstraße auch einen Weg nach Deutschland, wenn man darunter versteht, daß es nicht lohnt, auf dieser Welt hohe Häuser für Zeitungen zu bauen, wenn man nicht eine Idee hat, die größer ist, als wir alle es selbst sind. Eine Idee, die heißt: Freiheit für alle Deutschen in einem Vaterlande mit der rechtmäßigen Hauptstadt Berlin und inmitten eines friedlichen Europa!“

Axel Springer[4]

Am 6. Oktober 1966 weihte er das 19-geschossige, 78 Meter hohe[5] Hochhaus ein. Der konservative Axel Springer trotzte zahlreichen Kritikern mit dem Bau des Hauses in unmittelbarer Nähe der Sektorengrenze. Es sei eben ein „Schrei gegen den Wind“, so Springer damals. Auf dem Dach des Hauses befand sich eine große Laufschrift, auf der aktuelle Nachrichten kommuniziert wurden.

Ab 1968 entstand jenseits der Sektorgrenze im damaligen Ost-Berlin der Komplex Leipziger Straße. Im Berliner Volksmund gibt es für diese besonders hohen Bauten auch die Bezeichnung „Springerdecker“, da vermutet wurde, sie seien unter anderem errichtet worden, um die großen Werbereklamen der Springerzeitungen Bild, Berliner Morgenpost und B.Z. auf dem Dach des naheliegenden Hochhauses des Axel-Springer-Verlages zu verdecken.

Zwischen 1992 und 1994 entstand der um 90° versetzte zweite Flügel des Hochhauses, der durch seine ganzflächige Verglasung dominiert. Nachdem die direkt benachbarte Druckerei des Springer-Verlages in eine neue Halle in Spandau mit modernerer Ausrüstung umgezogen war, wurde im Juli 2000 das – seinerzeit unter Denkmalschutz stehende und nunmehr ungenutzte – Druckereigebäude abgerissen. An dessen Stelle entstand die Axel-Springer-Passage als achtgeschossiges Geschäftshaus, das im Januar 2004 eingeweiht wurde.

In der 19. Etage befindet sich der Journalisten Club, mit der originalgetreuen Vertäfelung des Gebäudes der Londoner Times. Den Club zu besuchen ist ein Privileg, das Gästen der Redaktion und ausgewählten Kunden des Verlages vorbehalten ist. Prominente Gäste waren der Dalai Lama, Michail Gorbatschow, George Bush und Billy Wilder.

Im Axel-Springer-Hochhaus befinden sich die Redaktionen der Zeitungen Die Welt, Berliner Morgenpost, Welt am Sonntag, Welt kompakt und die dazugehörigen Online-Ausgaben sowie für die bundesweiten Ausgaben der Bild-Zeitung. Seit März 2008 wird auch die Bild am Sonntag an diesem Standort produziert.

Fassade des Hochhauses anlässlich des Besuch des Papstes im September 2011 in Deutschland

Um das Gebäude herum befinden sich zahlreiche Skulpturen und Denkmäler, wie beispielsweise die Skulptur Balanceakt von Stephan Balkenhol oder das Denkmal Väter der Einheit des Bildhauers Serge Mangin. Die Berliner Taxifahrer schenkten Springer am 6. Oktober 1981 eine Eiche. Die Taxifahrer dankten Springer dafür, dass er in Zeiten des Kalten Krieges mit dem Neubau ein Bekenntnis für Berlin abgegeben habe. Der Baum steht an der Südseite des Gebäudes zwischen dem Denkmal für die Jerusalemkirche und der Axel-Springer-Straße Ecke Rudi-Dutschke-Straße. Die Inschrift lautet: „15 Jahre Axel-Springer-Haus, Berliner Taxifahrer pflanzten Dir, zum Geburtstag diese Eiche hier.“[6]

Beide Seiten der Fassade wurden anlässlich des Besuch des Papstes im September 2011 in Deutschland mit einer überdimensionalen Titelseite der Bild-Zeitung vom 19. April 2005 verhüllt. Damals titelte das Boulevardblatt „Wir sind Papst!“ als „Ausdruck der kollektiven Freude, aber auch der hohen Erwartungen an das Pontifikat des ersten deutschen Papstes seit 500 Jahren“.[7] Die beiden Planen hatten die Abmessungen von jeweils 45 × 64 Meter und wogen je 1235 Kilogramm.

Weblinks

 Commons: Axel-Springer-Hochhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Sven Felix Kellerhoff: Ein Fluchttunnel auf der Baustelle des Verlages. 25. Mai 2009, abgerufen am 27. September 2009.
  2. Sebastian Lehmann und Michael Sontheimer: Das falsche Kaliber. 21. Dezember 1998, abgerufen am 27. September 2009.
  3. Sigrid Averesch: Ein Grenzzwischenfall und die Propagandaschlacht des Kalten Krieges. 15. Dezember 1998, abgerufen am 27. September 2009.
  4. Henseleit, Felix: ....und doch ist dies der alte Schauplatz noch. Das Berliner Zeitungsviertel damals und heute. Sonderdruck für die Freunde unseres Hauses (Axel Springer Verlag), Ullstein, Berlin 1965.
  5. Axel Springer AG: Daten- und Faktensammlung (zur Skulptur "Balanceakt") vom 25. Mai 2009, abgerufen am 8. Oktober 2011
  6. K. Jahr-Weidauer: Ruf der Taxifahrer: Bin uff Achse zu Axel. In: Berliner Morgenpost vom 10. Juni 2008, abgerufen 8. Juli 2011
  7. Pressemeldung des Axel-Springer-Verlages: BILD begrüßt Papst Benedikt XVI. in Deutschland: Axel-Springer-Haus in Berlin wird mit Titelseite „Wir sind Papst!“ verhüllt vom 15. September 2011, abgerufen am 23. September 2011
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