Axel Rudolph

Axel Rudolph (* 26. Dezember 1893 in Köln-Nippes in Deutschland; † 30. Oktober 1944 in Brandenburg-Görden), auch Heinrich Weiler, war ein deutscher Autor von Kriminal- und Abenteuerromanen in den Dreißiger Jahren des 20.Jahrhunderts. Er starb unter dem Fallbeil der Nationalsozialisten.

Inhaltsverzeichnis

Leben bis 1932

Rudolphs Vorleben bis in die Dreißiger Jahre war abenteuerlich. Axel Rudolph wurde (unter dem Namen Oskar Karl Alexius Rudolph) als einziges Kind einer dänischen Mutter und eines schwedischen Vaters in Köln-Nippes geboren. Der Vater arbeitete als Volksschullehrer. Als Kohlenarbeiter im Ruhrpott arbeitete Axel Rudolph bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs – als Kriegsfreiwilliger in Belgien und Frankreich wurde er verletzt und kam 1915 an die Ostfront.

Am 2. Juni 1915 geriet Axel Rudolph während eines deutschen Giftgasangriffs im Lomza in russische Kriegsgefangenschaft. In der Haft verriet er seine Kenntnisse über die preußische Festung Köln, die die Russen ihrerseits an die verbündeten Franzosen weiterleiteten. Axel Rudolph verbüßte nach eigenem Bekunden anschließend eine Gefangenschaft in Sibirien, floh aus dem Lager bei Irkutsk und kam auf Vermittlung von Elsa Brändström schließlich in das dänische Internierungslager Hald. 1918/19 war Axel Rudolph Freikorps-Angehöriger, verließ das Korps jedoch schnell wieder und arbeitete erneut als Hauer im Ruhrgebiet.

In den Zwanziger Jahren versuchte Axel Rudolph, sich mit Gelegenheitsjobs und ersten journalistischen Arbeiten über Wasser zu halten. Mit einer dänischen Ehefrau, Marie Stenbæk, hatte er zwei Töchter. Doch die Ehe scheiterte, und Marie ging zurück nach Dänemark.

1930 war Axel Rudolph arbeits- und obdachlos. Er tippelte durchs Land, arbeitete als Tagelöhner und wurde Hausarbeiter im Obdachlosenasyl in Bochum. 1932 erfuhr er, dass er mit einem Exposé für einen Tonfilm einen vierten Platz eines Ufa-Wettbewerbs erreicht hatte. Die Universum Film (Ufa) forderte ihn auf, nach Berlin zu kommen. Gleichzeitig heuerte ihn der Westdeutsche Rundfunk für einen 20-Minuten-Beitrag über China an, und ein Berliner Verlag bezahlte einen Vorschuss für einen ersten Roman. Axel Rudolph zog nach Berlin, begann bei der Ufa als Hilfsdramaturg und konnte schon kurz darauf von seinen Büchern leben.

Leben ab 1932

Axel Rudolph veröffentlichte unter seinem Namen und den Pseudonymen Heinrich Weiler und Richard Erden in den Jahren 1932 bis 1943 mehr als 50 Werke der Trivialliteratur. Seine Kriminal- und Abenteuerromane spielen in der Arktis, auf den Ölfeldern Venezuelas, auf hoher See, unter Tage, in den USA, Asien oder den Großstädten Deutschlands und in Dänemark – wobei seine imaginierten Reisen oft den Hintergrund für die Handlungen geben, in denen nicht selten der deutsche Underdog gegen alle Widerstände durch Beharrlichkeit und Ehrlichkeit sein Glück macht. Etliche Bände erschienen gleichzeitig als Taschenbuch und Leinenausgabe und erlebten Nachdrucke als gekürzte Romanhefte oder Zeitungsromane.

Für mindestens vier Kinofilme schuf Axel Rudolph die Buchvorlage oder arbeitete am Drehbuch mit; so etwa auch am Film "Der Stern von Valencia" (1933, Regie: Alfred Zeisler), der zeitgleich in einer französischen Fassung (Regie: Serge de Poligny) unter anderem mit Jean Gabin als Darsteller in den Kinos anlief.

Im September 1936 zog Axel Rudolph mit seiner Verlobten Gertrud, die er 1933 kennengelernt hatte, in das westhavelländische Dorf Semlin bei Rathenow. 1939 verschärften sich die Bedingungen für die deutsche Unterhaltungsliteratur; Goebbels' Propagandaministerium betrieb die Instrumentalisierung von Kriminalromanen etc. für nationalsozialistische Zielsetzungen, etwa Erfolgsberichte deutscher Polizeiarbeit. Chronische Individualisten wie Axel Rudolph wurden aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Ohnehin war Rudolph suspekt; schon 1932 hatte er nach einer tätlichen Auseinandersetzung mit SA-Männern eine Anklage bekommen und war von der Ufa gekündigt worden.

Verfolgung und Hinrichtung

Für Axel Rudolph kam der Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer einem Berufsverbot gleich. Durch die Hilfe des Afrika-Sachbuchautors Hermann Freyberg, der einen oder mehrere von Rudolphs Romanen unter seinem eigenen Namen veröffentlichte, konnte die hieraus resultierende wirtschaftliche Lage gebessert werden. 1943 heiratete Axel Rudolph seine Verlobte Gertrud. Durch eine Denunziation im unmittelbaren Freundeskreis – einer enttäuschten Geliebten, die Tochter des Semliner Ortsgruppenleiters der NSDAP war – gelangten Briefe, in denen Rudolph aus seiner Verachtung für das nationalsozialistische Regime keinen Hehl machte, in die Hände der Gestapo.

Silvester 1943 wurden Gertrud und Axel Rudolph in Semlin verhaftet. Nach fünf Monaten Untersuchungshaft im Stapo-Gefängnis Potsdam, Priesterstraße, wurden die beiden nach Berlin überstellt. Am 18. Juli 1944 standen sie vor dem Volksgerichtshof von Roland Freisler. Wegen Wehrkraftzersetzung und "Feindbegünstigung" wurde Gertrud Rudolph zu dreijähriger Haft mit anschließendem Erziehungslager verurteilt. Axel Rudolph wurde zum Tod verurteilt. Am 30. Oktober starb er unter dem Fallbeil im Zuchthaus Brandenburg-Görden.

Nachkriegszeit

Gertrud Rudolph lebte noch einige Zeit in Semlin. Ihr Versuch, beim regionalen OdF-Ausschuss (Opfer des Faschismus) die Anerkennung als politisch Verfolgte zu erreichen, scheiterte unter Hinweis auf den Roman "Eingereist über Wladiwostok" (1938), in dem Axel Rudolph einen Abenteuerroman (offenbar auf der Grundlage seiner eigenen Erlebnisse in Irkutsk) vor der Kulisse sibirischer Arbeitslager und stalinistischer Politkommissare spielen lässt. Das Buch geriet mit zwei später folgenden auf die Liste der auszusondernden Literatur. Auch der eigene Lebenswandel wurde Gertrud Rudolph vom Rathenower OdF-Ausschuss zur Last gelegt – ihr "asoziales Verhalten", ihre Ansprüche auf Entschädigung aus der Plünderung des Semliner Wohnhauses, die Tatsache, dass sie seit ihrer Haftentlassung "noch nicht einen Tag gearbeitet" habe. Der Rathenower Ausschuss bezweifelte ihren Haftgrund ebenso wie die nazikritische Haltung von Axel Rudolph und betrieb engagiert die Aberkennung ihres Opferstatus.

Gertrud Rudolph zog enttäuscht in den Westen, wo sie in den 1950er Jahren den Nachlass ihres Mannes als Groschen- und Heftromane vermarktete. Sie lebte eine Weile in Bayern, dann in Gelsenkirchen-Buer, wo sie 1996 starb.

Gegenwart

Im Frühjahr 2008 präsentierte die gebürtige Semlinerin Heike Brett ihre Recherchen zum Leben des gänzlich in Vergessenheit geratenen Schriftstellers Axel Rudolph in der Semliner Kirchengemeinde. In der Folge begann – zusammen mit dem Redakteur der dörflichen Webseite, Martin Keune – eine intensive Recherche zu den Umständen von Rudolphs Tod und Leben. Am 6. Juli 2008 lief in Semlin auf den Tag genau 70 Jahre nach der Berliner Uraufführung der Film „Mordsache Holm“. Am 13. September 2008 wurde vor dem Semliner Gemeindehaus eine Gedenktafel mit dem Text "Schriftsteller AXEL RUDOLPH * 26. Dezember 1893 † 30. Oktober 1944 Ermordet im Zuchthaus Brandenburg-Görden" im Gehweg verlegt. Ostern 2009 kam es zum ersten Kontakt mit noch in Dänemark lebender Verwandtschaft des Semliner Schriftstellers, die das Dorf im Westhavelland besuchte. Im August 2009 erschien in der Edition Q des be.bra Verlages Martin Keunes biografischer Roman „Groschenroman“ über das Leben und Sterben von Axel Rudolph.

Romane von Axel Rudolph

  • "Gebt uns ehrliche Waffen!" (1933)
  • "Die Eisfrau. Ein Polarroman" (1933)
  • "Der Mann aus Rio" (1935)
  • "Amor im Pazifik" (1935)
  • "Der Mann aus der Tiefe. Ein Bergmannroman" (1935)
  • "Palazzo Grioni" (1936)
  • "Einer vom Regiment Rammin" (1937)
  • "Schatten um Rußlands Thron" (1937)
  • "Die schöne Sylvia" (1937)
  • "Lore kommt für alles auf" (1937)
  • "Der rote Hahn" (1937)
  • "Eingereist über Wladiwostok" (1938)
  • "Virgin, die geheimnisvolle Jacht" (1939)
  • "Diamanten in Lüderitzbucht" (1939)
  • "Wo blieb Carl Ermelund?" (1940)
  • "Das Bildnis der Unbekannten" (1940)
  • u.a.

Unter dem Pseudonym Heinrich Weiler:

  • "Inshallah. Ein Fliegerroman" (1935)
  • "Usan und die Menschenräuber" (1936)
  • "Mordsache Kowalsky" (o.J.)
  • u.a.

Unter dem Namen seines Freundes Hermann Freyberg:

  • "Fünf Groschen für mein Leben" (1942)
  • "Unaufgefordert erscheint" (1944)
  • evtl. weitere

Drehbücher und Filmvorlagen

  • "Der Stern von Valencia" (1933) Regie: Alfred Zeisler, Drehbuch Friedrich Zeckendorf und Axel Rudolph
  • "L’étoile de Valencia" (1933) Regie: Serge de Poligny, Drehbuch Friedrich Zeckendorf, Jean Galtier-Boissière und Axel Rudolph
  • "Der Polizeifunk meldet" (1939) Regie: Rudolf van der Noss, nach dem Roman "Aktenbündel M2-1706/45" von Axel Rudolph
  • "Mordsache Holm" (1938) Regie: Erich Engels, nach dem Roman "Der rote Faden" von Axel Rudolph

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