Royal Botanic Gardens (Kew)
Temperate House
Palm House
Innenansicht eines Gewächshauses
Im Temperate House

Die Royal Botanic Gardens, Kew (Kew Gardens) sind eine ausgedehnte Parkanlage mit bedeutenden Gewächshäusern; sie sind zwischen Richmond upon Thames und Kew im Südwesten Londons gelegen. Sie zählen zu den ältesten botanischen Gärten der Welt. Es sind dort Pflanzen und Gewächse zu sehen, die nirgends sonst in Europa oder gar auf der nördlichen Halbkugel zugänglich wären. Neben den weltbekannten viktorianischen Gewächshäusern finden sich in Kew Gardens auch großflächige Parkanlagen mit sehr alten Rhododendrongewächsen. Die Besucherzahlen liegen heute bei zirka 1 Million pro Jahr.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Blüte des Tulpenbaums Liriodendron tulipifera in den Kew Gardens

Die Royal Botanic Gardens in Kew verdanken ihren Ursprung den exotischen Gärten, die Lord Capel von Tewkesbury bei Kew anlegte. Sie wurden von Prinzessin Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg, der Witwe Friedrich Ludwigs, des Prinzen von Wales, deutlich erweitert. Unter Augusta änderte sich auch der Sinn und Zweck der Gärten, die zuvor als Lustgärten gedient hatten, nun aber zum ersten Mal unter anderem auch als botanische Gärten dienten. Diese Arbeiten wurden von William Chambers durchgeführt; eine 1762 von ihm gebaute chinesische Pagode steht noch heute. König Georg III. stellte William Aiton und Joseph Banks an, um die Gärten weiter auszubauen.

1840 wurden die Gärten in einen nationalen botanischen Garten umgewidmet und nochmals deutlich erweitert. In der Folge entstanden auch das Herbarium und eine Bibliothek. Am 3. Juli 2003 wurden die Royal Botanic Gardens von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Beschreibung

Die Gewächshäuser

Das zwischen 1841 und 1849 errichtete Palm House (deutsch: Tropenhaus) ist das älteste noch existierende viktorianische Gewächshaus. Es ist durchgängig sehr intensiv besucht; empfindliche Menschen (Herz-Kreislauf-Schwierigkeiten, Atembeschwerden) sollten sich angesichts der Luftfeuchtigkeit von nahezu hundert Prozent und der hohen Temperaturen nicht zu lange dort aufhalten. Sehr sehenswert im Palm House sind die Aquarien im Untergeschoss, wo allerlei exotische Fische und andere Wasserlebewesen beobachtet werden können.

Das Temperate House (deutsch: Haus der gemäßigten Klimazonen) ist etwa doppelt so groß wie das Palm House und damit das größte aller Gewächshäuser in Kew. Dort wachsen Pflanzen aus allen Kontinenten, unter anderem eine der größten nicht im Freien wachsenden Palmen der Welt.

Das dritte große Gewächshaus ist dasjenige der Prinzessin von Wales, das Princess of Wales Conservatory. Es wurde erst 1987 von Prinzessin Diana eröffnet und beherbergt Pflanzen aus zehn verschiedenen Klimazonen.

Des Weiteren existieren mehrere kleinere Gewächshäuser, darunter das Waterlily House (deutsch: Seerosenhaus) und das – sich noch im Bau befindliche – Alpine House.

Der See

Der kleine See in Kew Gardens ist, wie fast alle landschaftlichen Darbietungen in den Gärten, künstlich angelegt. Er bietet vielen verschiedenen, auch ungewöhnlichen, Wasservogelarten eine Wohn- und Brutstätte und ist besonders sehenswert während der Paarungs- und Nistzeit.

Queen Charlotte's Cottage

Queen Charlotte Cottage

Das kleine Landhäuschen verdankt seinen Namen seiner ersten Besitzerin, Queen Charlotte, der Frau von König George III. Das Häuschen war ein Hochzeitsgeschenk an Charlotte und wurde von der Königlichen Familie als Picknickhäuschen genutzt, zu keiner Zeit aber als Wohnhaus. Der Innenraum ist Besuchern an ausgewählten Tagen im Jahr zugänglich.

Kew Palace

Kew Palace

Kew Palace ist der einzige der ehemals drei königlichen Paläste, der heute noch steht. Der 1631 erbaute Palast ist von König Georg II. gekauft worden, um damit für die Unterbringung seiner Kinder als einer Art Kindergarten zu sorgen.

Der einzige König, der selbst im alten Kew Palace, dem „White House“ gelebt hat, war Georg III. Dieses Haus wurde 1802 teilweise abgerissen. Im Jahre 1811, als Georg III. geistig erkrankte und erblindete, zog der in den Palast von Windsor Castle und verweilte dort bis zu seinem Tod im Jahre 1820.

Aufgrund seines typisch flämischen Aussehens wird der Palast auch Dutch House (holländisches Haus) genannt. Der Palast wurde nach zehn Jahren Renovierungsarbeiten am 27. April 2006 für die Öffentlichkeit wieder freigegeben. Die Kosten für die Restaurierung des Hauses im Stil des frühen 18. Jahrhunderts beliefen sich auf umgerechnet 9,6 Millionen Euro. Königin Elisabeth II. feierte am Abend des 21. April 2006 mit engsten Familienangehörigen im frisch restaurierten Kew Palace ihren 80. Geburtstag. Hinter dem Gebäude findet man Queen's Garden (Garten der Königin). Dort wurde ein Kräutergarten angelegt, in dem Heilkräuter wachsen, die im 17. Jahrhundert verwendet wurden.

Das Chokushi-Mon

Karamon des Nishi Hongan-ji

Das Chokushi-Mon („Das Tor des kaiserlichen Gesandten“) ist eine verkleinerte Nachbildung des Karamon („chinesisches Tor“), Haupteingang des Nishi Hongan-ji in Kyoto. Es wurde 1910 für die Japanisch-britische Ausstellung in London erbaut, danach abmontiert und in Kew Gardens wieder errichtet. Das Tor wurde im Stil der Azuchi-Momoyama-Zeit (spätes 16. Jahrhundert) ausgeführt. Das aus Holz gefertigte Tor enthält sehr viele handgeschnitzte Teile. Diese stellen vor allem Blumen und Tiere, aber auch eine alte chinesische Legende dar.[1]

Umgeben ist das Chokushi-Mon von einem japanischen Steingarten im Stil des 16. Jahrhunderts. Dieser besteht aus drei Teilen, dem „Garten des Friedens“, dem „Garten der Aktivität“ und dem „Garten der Harmonie“, in denen verschiedene Aspekte japanischer Gärten dargestellt werden.

Die Bambusgärten

In Kews Bambusgärten wachsen etwa 120 verschiedene Arten. Im Zentrum dieser Anlage befindet sich ein kleines, traditionelles japanisches Haus. Außerdem gibt es rund um das Haus, zwischen den Pflanzungen, einige aus Bambus gefertigte Dinge zu sehen, wie zum Beispiel ein Windspiel und ein Xylophon.

Der Steingarten

Der Steingarten (englisch: Rock Garden) wurde bereits 1882 angelegt. Später wurde der verwendete Kalkstein durch Sandstein ersetzt, da letzterer mehr Wasser speichern kann. Damit wurde ermöglicht, dass auch feuchtigkeitsliebende Pflanzen im Steingarten angepflanzt werden können. Heute beherbergt der Steingarten feuchtigkeitsliebende Gewächse und Gebirgspflanzen aus allen Kontinenten.

Ausstellungen

In der Nähe des Tropenhauses gibt es ein kleines Museum, das Museum No.1, das die ständige Ausstellung Plants and People (deutsch: Pflanzen und Menschen) zeigt. In dieser wird dargestellt, in wie vielen Bereichen und auf welche Art und Weise sich die Menschheit Pflanzen zu Nutze gemacht hat.

Eine zweite ständige Ausstellung in der Marianne North Gallery zeigt Bilder dieser Künstlerin, die sehr viel gereist ist und fast ausschließlich Naturbilder gemalt hat. Das besondere an der Ausstellung ist, dass das Gebäude ausschließlich zu diesem Zweck errichtet wurde und die Bilder auf „viktorianische“ Art ausgestellt sind, was heißt dass sie lückenlos, Rahmen an Rahmen die Wände zieren.

Neben diesen beiden festen Ausstellungen gibt es immer wieder wechselnde Ausstellungen verschiedener Kunstwerke, meist Skulpturen, im Freien und in den Glashäusern.

Thematische Pflanzungen

Verstreut über die gesamte Parkanlage findet man immer wieder begrenzte Gebiete, in denen bestimmte Gewächse gezogen werden. Unter anderem befindet sich hinter dem Tropenhaus ein 1923 angelegter Rosengarten, in dem über zehn verschiedene Rosenarten kultiviert werden. In der Nähe der Bambusgärten besteht eine großflächige Anpflanzung von Rhododendron, das Rhododendron Dell, die über 700 verschiedene Exemplare enthält. Daneben gibt es die Möglichkeit durch eine Stechpalmenallee (englisch: Holly Walk) zu schlendern. Diese ist mehr als einen Kilometer lang und besteht aus ausgewachsenen Stechpalmen, von denen die meisten bereits über 135 Jahre alt sind.

Weitere thematische Pflanzungen sind der Azaleengarten (englisch Azalea Garden), der Fliedergarten (Lilac Garden), in dem 105 Arten kultiviert werden und das Colour Spectrum (deutsch: Farbenspektrum), in dem jede Farbe des Regenbogens durch verschieden Pflanzen repräsentiert ist. Der Mediterrean Garden (deutsch: Mediterraner Garten) beherbergt vor allem Sträucher und Kräuter aus dem Mittelmeerraum. Der Waterlily Pond (deutsch: Seerosenteich), in dem im Frühling verschiedenen Teichpflanzen blühen, ist umgeben vom Woodland Glade, wo neben anderen Nadelbaumarten auch Mammutbäume wachsen.

Wissenschaftliche Bedeutung

Im Seerosenhaus

Kew, wie die Gärten heute unter Botanikern genannt werden, besitzt eine umfangreiche Samenbank. Zusammen mit dem Herbarium der Harvard University und dem Australischen National-Herbarium arbeitet Kew an der IPNI-Datenbank, mittels derer autoritative Pflanzennamen zur Verfügung gestellt werden.

Bildung und Ausbildung

Allgemeine Angebote

Wie in botanischen Gärten üblich, sind auch in Kew Gardens die Pflanzen mit Informationsschildchen versehen. Diese enthalten den allgemein gebräuchlichen englischen Namen der Pflanze, die botanische Bezeichnung und, falls die Pflanze importiert wurde, den Herkunftsort. Um mehr Hintergrundwissen über bestimmte Pflanzen, Projekte oder Bauwerke in den Royal Botanic Gardens zu gewinnen, können Besucher sich mit Informationsblättern versorgen. Die meisten davon sind auch online zugänglich.

Des Weiteren bietet Kew Gardens eine Reihe von Kurzlehrgängen, Studientagen und Lesungen an. Themengebiete sind unter anderem Botanik, Gartenbau, Natur- und Pflanzenfotographie und -illustration.

Climbers and Creepers, ein themenbezogener Spielplatz, bietet Kindern die Möglichkeit zu erfahren, wie Pflanzen sich ernähren und vermehren. Sie können dort in und auf übergroßen Pflanzenmodellen die Pflanzenwelt aus der Perspektive von Insekten erleben. Die Modelle sind interaktiv und reagieren auf Bewegung und ähnliches.

Literatur

  • Heather Angel: Die grüne Arche. Eine einzigartige Welt der Pflanzen im Botanischen Garten Kew („Kew“). Gerstenberg Verlag, Hildesheim 1994, ISBN 3-8067-2080-0.
  • Henk Beentje: The Kew Plant Glossary. An illustrates dictionary of plant terms. Kew Publ., Richmond 2010, ISBN 978-1-84246-422-9.
  • Ray Desmond: Kew. The history of the Royal Botanic Gardens. Harvill Books, London 1998, ISBN 1-86046-529-3.
  • Peter Sager: Englische Gartenlust. Von Cornwall bis Kew Gardens. Insel-Verlag, Frankfurt/M. 2006, ISBN 3-458-34884-0.

Einzelnachweise

  1. http://www.kew.org/ksheets/pdfs/k28chokushimon.pdf

Weblinks

 Commons: Kew Gardens – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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