Axiale Chiralität

Axiale Chiralität ist ein Spezialfall der Chiralität, bei der das Molekül kein chirales Zentrum, sondern eine Chiralitätsachse aufweist.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen

Axiale Chiralität kommt häufiger bei atropisomeren Biarylsystemen vor, deren Rotation um die Aryl-Aryl-Bindung gehindert ist, sowie bei Dihydroanthracenon-Verbindungen.[1] Die Erscheinung wurde 1922 von J. Kenner und W. Stubbings zum ersten Mal bei der 6,6’-Dinitrodiphensäure nachgewiesen.[2]

Des Weiteren weisen Allen-Verbindungen und Kumulene mit einer geraden Anzahl kumulierter Doppelbindungen bei unsymmetrischer Substitution axiale Chiralität auf (z.B. Propadien-Derivate). Helicale Moleküle wie beispielsweise die Helicene sind axialchiral. Spiroverbindungen können ebenfalls axiale Chiralität aufweisen.

Die Enantiomere axialchiraler Verbindungen werden mit den stereochemischen Deskriptoren Ra und Sa gekennzeichnet, obwohl auch die Plus (P)-/ Minus (M)-Notation gebräuchlich ist.[3]

Anwendung

Axial chirale Liganden mit C2-Symmetrie wie BINAP (2,2'-bis-(diphenylphosphino)-1,1'-binaphthyl) werden in der enatioselektiven homogenen Katalyse eingesetzt. Durch den Einsatz geeigneter Ring-Substituenten lassen sich die sterischen und elektronischen Effekte variieren.[4][5]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Absolute stereochemistry of fungal metabolites: Icterinoidins A1 and B1, and atrovirins B1 and B2. Melvyn Gill and Peter M. Morgan Arkivoc (RI-1154C) 2004 Online Artikel.
  2. J. Kenner, W. V. Stubbings; A Second Form of 6,6’-Dinitrophenic Acid and its conversion into New Cyclic Systems, Journal of the Chemical Society 119 (1921) 593.
  3. Eintrag: axial chirality. In: IUPAC Compendium of Chemical Terminology (the “Gold Book”). doi:10.1351/goldbook.A00547 (Version: 2.1.5).
  4. R. Noyori, Nobelpreisvortrag, 8. Dezember 2001.
  5. P. J. Walsh, M. C. Kozlowski: Fundamentals of asymmetric catalysis. Verlag University Science, S. 614 (Auszug in der Google Buchsuche).

Weblinks


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