Ayat ar-Rajm

Der Steinigungsvers (arabischآية الرجم‎ āyatu r-radschm, DMG āyatu ʾr-raǧm ) soll ursprünglich Bestandteil von Sure 33 des Korans gewesen sein und sieht die Steinigung von verheirateten Ehebrechern vor. Er lautet im Original:

الشيخ والشيخة إذا زنيا فارجموهما البتة نكالا من الله والله عزيز حكيم‎ (asch-schaichu wa-ʾsch-schaichatu idhā zanayā fa-ʾrdschumūhumā al-battata nakālan mina ʾllāhi wa-ʾllāhu ʿazīzun wa-hakīmun)

Die Übersetzung lautet:

„Wenn ein bejahrter Mann und eine bejahrte Frau Unzucht treiben, so steinigt sie auf jeden Fall als Strafe Gottes. Und Gott ist gütig und weise.“[1]

Der Steinigungsvers sollte möglicherweise ursprünglich Teil des Korans werden, da die im Vers vorgesehene und praktizierte Strafe im islamischen Recht als Sunna beibehalten wurde. In der ersten, angeblich vollständigen Abschrift, deren Zusammensetzung auf den dritten Kalifen Uthman (644-656) zurückgeführt wird, kommt dieser Vers nicht vor.

Seine Authentizität ist in der Wissenschaft umstritten. Vermutet wird, dass er die Praxis der Steinigung nachträglich legitimieren sollte.[2]

Inhaltsverzeichnis

Die Überlieferung

Die Existenz des Steinigungsverses wird aus mehreren Hadithen hergeleitet.[3] Ibn Ishaq erklärt in seiner Biographie des Propheten Mohammed, Umar habe erwähnt, Steinigung sei im Buch Gottes die Strafe für verheiratete Männer und Frauen, die Unzucht (i. e. Ehebruch) betrieben. Dabei müsse der Beweis erbracht sein oder eine Schwangerschaft oder ein Geständnis vorliegen.[4]

Auch as-Suyuti berichtet über die Kontroverse zu dem Steinigungsvers. Er erklärt, Zaid b. Thabit habe sich geweigert, den Vers in die kanonische Fassung aufzunehmen, da nur Umar ihn bezeuge und nennt drei verschiedene Varianten dieses Verses.[5]

Sahih Muslim führt den Vers auf Umar zurück. Dieser habe gesagt, der Vers sei ursprünglich Bestandteil des Korans gewesen. Er habe gesehen, wie Mohammed steinigen ließ, und sie hätten nach ihm gesteinigt[6]. Beweis oder Schwangerschaft oder Geständnis mussten demnach vorliegen, um die Strafe vollstrecken zu dürfen.[7]

Ferner existiert eine Überlieferung, die auf A'ischa zurückgeht, derzufolge der Steinigungsvers einer jener Verse gewesen sei, der nach dem Tod des Propheten verloren gegangen sei. Eine Ziege sei in das Zimmer gekommen und habe die Blätter, auf denen der Vers geschrieben stand, aufgefressen. Dieser Vers habe die Steinigung als Strafe für Unzucht vorgeschrieben.[8][9]

Einzelnachweise

  1. Zitiert nach: Friedrich Schwally: Über den Ursprung des Qorans. In: Theodor Nöldeke (Hrsg.): Geschichte des Qorans. Teil I, Dieterich, Leipzig 1909, S. 248. 
  2. F. Buhl: s.v. AL-Kur'AN. In: A. J. Wensinck, J. H. Kramers (Hrsg.): Handwörterbuch des Islam. E. J. Brill, Leiden 1976. 
  3. Ausführliche Belegstellen in Friedrich Schwally: Über den Ursprung des Qorans. In: Theodor Nöldeke (Hrsg.): Geschichte des Qorans. Teil I, Dieterich, Leipzig 1909, S. 248, Fußnote 1. 
  4. Alfred Guillaume: The Life of Muhammad. A translation of Ishaq's Sirat Rasul Allah. Oxford University Press, London 1955, S. 684. 
  5. Abū al-Qāsim ibn ʻAlī Akbar Khūʼī: Prolegomena to the Qur'an. Oxford University Press, New York 1998, ISBN 0-19-511675-5, S. 139. 
  6. Friedrich Schwally: Über den Ursprung des Qorans. In: Theodor Nöldeke (Hrsg.): Geschichte des Qorans. Teil I, Dieterich, Leipzig 1909, S. 25. 
  7. Diese Überlieferung lässt sich hier in der Originalsprache lesen Sahih Muslim Nr. 3201
  8. Alfred Guillaume: Islam. Penguin Books, Harmondsworth 1954, S. 191. 
  9. Auch bei Ahmad ibn Hanbal: Musnad. Bd. 6, al-Maktab al-Islāmī, Beirut 1969, S. 269. 

Literatur

  • Joseph Schacht: s.v. Zinā'. In: A. J. Wensinck, J. H. Kramers (Hrsg.): Handwörterbuch des Islam. Brill, Leiden 1941, S. 826–827. 
  • Friedrich Schwally: Über den Ursprung des Qorans. In: Theodor Nöldeke (Hrsg.): Geschichte des Qorans. 2. Auflage. Teil I, Dieterich, Leipzig 1909. 
  • Alfred Guillaume: Islam. Penguin Books, Harmondsworth 1954. 

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Naskh (tafsir) — Part of a series on the Quran …   Wikipedia

  • Naskh (exégesis) — Este artículo o sección sobre religión necesita ser wikificado con un formato acorde a las convenciones de estilo. Por favor, edítalo para que las cumpla. Mientras tanto, no elimines este aviso puesto el 18 de febrero de 2008. También puedes… …   Wikipedia Español

  • Termes arabes utilisés en Islam — Vocabulaire de l islam Religion religions abrahamiques : judaïsme · christianisme · islam …   Wikipédia en Français

  • Vocabulaire de l'islam — Voici une liste de termes arabes que l on rencontre dans l islam. Ils sont parfois difficilement traduisibles et les traductions sont parfois moins précises que le terme en arabe. Quelques termes sont passés de l arabe au turc avant de passer au… …   Wikipédia en Français

  • Islam — For other uses, see Islam (disambiguation). The Kaaba, in Mecca, Saudi Arabia, is the …   Wikipedia

  • Glossary of Islamic terms in Arabic — The following list consists of concepts that are derived from both Islamic and Arab tradition, which are expressed as words in the Arabic language. The main purpose of this list is to disambiguate multiple spellings, to make note of spellings no… …   Wikipedia

  • Glossary of Islam — This article is part of the series …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”