Rudolf von Bennigsen
Rudolf von Bennigsen (Holzschnitt um 1871)

Karl Wilhelm Rudolf von Bennigsen (* 10. Juli 1824 in Lüneburg; † 7. August 1902 auf seinem Gut Bennigsen bei Springe) war ein nationalliberaler deutscher Politiker im 19. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Rudolf von Bennigsen ist als Sohn des Capitäns im Infanterie-Regiment (später Generalmajor) Karl von Bennigsen geboren. Dieser hatte als Leutnant 1813 an der Schlacht an der Göhrde teilgenommen. Er entstammte aus dem niedersächsischen Adelsgeschlecht von Bennigsen, das nach seinem Gut Bennigsen bei Springe benannt wurde.

Rudolf von Bennigsen studierte an der Georg-August-Universität Göttingen und in Heidelberg. Er war Mitglied des Corps Hannovera Göttingen und des Corps Vandalia Heidelberg.

Nach seiner Ausbildung wurde Bennigsen erstmals als liberaler Oppositionsführer in der zweiten Kammer des Königreiches Hannover politisch aktiv. 1859 war er Mitgründer und Vorsitzender des Deutschen Nationalvereins. Nach der Annexion Hannovers durch Preußen 1866 wurde von Bennigsen Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses (1867–1883) sowie des Reichstages des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reichs (1867–1883) und unterstützte Bismarcks Reichsgründungspolitik, obwohl er andere Vorstellungen vom Aufbau des neuen Staatswesens hatte. So war er 1870 Bismarcks Vertrauensmann bei den Verhandlungen zwischen dem Norddeutschen Bund und den süddeutschen Staaten.

Von 1873 bis 1879 war Bennigsen Präsident des Preußischen Abgeordnetenhauses. Ab 1871 führte er als Mitglied des Reichstags des neu gegründeten Deutschen Reichs die Fraktion der neuen Nationalliberalen Partei an, die in den ersten Jahren des Deutschen Reichs die stärkste politische Kraft war. Dabei unterstützte er meist den außenpolitischen Kurs der Regierung, während er im Inneren meist stärker in der Oppositionsrolle stand. Auch den Vorsitz der Nationalliberalen Partei hatte Bennigsen inne.

Rudolf von Bennigsen als Student 1843

1877 bot Reichskanzler Bismarck ihm einen Ministerposten an. Dazu kam es jedoch nicht, weil der Nationalliberale weitere zwei Ministerposten, einen davon für Rudolf Virchow und den anderen für Franz von Stauffenberg forderte. Bismarck wollte jedoch lediglich den Chef Bennigsen aus der Nationalliberalen Partei heraussprengen, um die Opposition zu schwächen. Verärgert über Bennigsens Zumutung behauptete Bismarck, der Kaiser Wilhelm I. habe alle drei Personen mit dem Kommentar abgelehnt: „Virchow rot, Bennigsen rosa, Stauffenberg rosa. Alle drei rot“. Bismarck griff Stauffenberg an, er strebe nur aus persönlichen Motiven nach einem Ministeramt. Stauffenberg wurde von Bennigsen in Schutz genommen. Die Abspaltung einer linken Gruppe der Nationalliberalen, zu der auch Virchow und von Stauffenberg gehörten, konnte Bennigsen 1880 nicht mehr abwenden. Er legte 1883 alle Ämter und Mandate im Reichstag nieder und wurde bis 1897 Mitglied des Preußischen Staatsrates. Bennigsen war von 1888 bis 1897 Oberpräsident der Provinz Hannover.

Ein Begriff ist heute insbesondere die Lex Bennigsen von 1867, für die von Bennigsen verantwortlich zeichnete.

Bennigsen arbeitete insbesondere im ersten Jahrzehnt nach der Reichsgründung eng mit Bismarck zusammen, der den Hannoveraner wegen seines Pragmatismus schätzte. Bennigsen fehlte die unmittelbare Erfahrung des preußischen Verfassungskonfliktes, weswegen er Bismarck gegenüber weitaus positiver eingestellt war als seine altpreußischen Parteifreunde. Diese unterschiedlichen historischen Vorprägungen der führende Köpfe der Nationalliberalen Partei trugen schließlich auch maßgeblich mit zur Spaltung der Nationalliberalen Partei bei.

Ehrungen

  • Ernennung zum Ehrenbürger Hannovers am 10. Juli 1894.
  • Nach ihm ist das Rudolf-von-Bennigsen-Ufer des Maschsees benannt.
  • 1903 wurde in Berlin-Friedenau die Bennigsenstraße und später in Hamburg-Harburg eine Straße gleichen Namens nach dem Politiker benannt.
  • Sein 1907 errichtetes Denkmal vor der Provinzialverwaltung in Hannover wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.
  • 1932 benannte der Rosenzüchter Peter Lambert eine cremefarbene Kletterrose nach Bennigsen.
  • Die FDP-nahe Rudolf von Bennigsen-Stiftung in Niedersachsen trägt seinen Namen.
  • 2002 gründete sich der Förderverein Rudolf von Bennigsen (kurz: RvB-Verein) mit Sitz in Bennigsen. Das Vereinsziel, im Dorf Bennigsen ein Denkmal des Politikers zu schaffen, wurde im Jahr darauf erreicht. Die Porträtbüste schuf der Springer Künstler Heiko Prodlik-Olbrich.
  • 2005 übernahm der RvB-Verein die Betreuung der Bennigser Zweigstelle der Springer Stadtbibliothek mit ehrenamtlichen Kräften. Seitdem heißt sie Rudolf-von-Bennigsen-Bibliothek.

Literatur

  • Hermann Oncken: Rudolf v. Bennigsen, ein deutscher liberaler Politiker. 2 Bde. 1910.

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