Azimutmessung

Der Begriff Azimutmessung umfasst die astrogeodätischen Methoden zur absoluten Richtungsbestimmung auf Vermessungspunkten. Sie werden durch Winkelmessung zwischen einem Gestirn und einem gut markierten terrestrischen Ziel- oder Hochpunkt vorgenommen, wofür man im Allgemeinen einen Theodolit verwendet.

Wegen der scheinbaren Bewegung des Gestirns am Himmel ist beim Anzielen desselben auch eine genaue Zeitmessung vorzunehmen, und zur Berechnung sind die Koordinaten des Standpunkts erforderlich.

Statt der Messung von Winkeln können auch Sterndurchgänge in der Vertikalebene des Zielpunktes beobachtet werden, beispielsweise mit einem Passageninstrument.

Die erhaltenen Azimute beziehen sich auf die astronomische Nordrichtung und sind damit absolute Richtungen. Gemeinsam mit den Kreiselazimuten werden sie deshalb auch als absolute Orientierungsmethoden bezeichnet.

Die wichtigsten Verfahren sind

  1. das Sonnenazimut (Winkelmessung zwischen Sonnenmitte und Zielpunkt)
  2. das Polaris-Azimut (Winkelmessung mit dem Polarstern)
  3. die Embacher-Methode (Sternbeobachtung in der größten Digression
  4. die Niethammer-Methode (Durchgänge von Sternpaaren im Vertikal des Zielpunktes)
  5. die Zirkummeridian-Methode.

Sonnenazimute sind rasch und bei Tage möglich, aber nur mäßig genau (je nach Aufwand 2-10"). Die anderen Methoden können etwa 0,1 bis 1" erreichen, Bei (3) wird gleichzeitig die geografische Breite bestimmt, bei (4) evt. auch die geografische Länge oder die Sternzeit.

Wichtige Anwendungen der Verfahren sind

Literatur

  • Karl Ramsayer: Geodätische Astronomie, Band IIa des Handbuchs der Vermessungskunde, 900 p., J.B.Metzler-Verlag, Stuttgart 1969
  • Gottfried Gerstbach: Zur Azimutmessung mit Sekundentheodoliten. Österr. Zeitschrift für Vermessungswesen Jg.71, p.53-68, Wien 1983
  • Albert Schödlbauer: Geodätische Astronomie – Grundlagen und Konzepte., De Gruyter-Verlag Berlin/ New York 2000.

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