Römisch-Katholische Kirche in Deutschland

Römisch-Katholische Kirche in Deutschland
St. Gereon in Köln - älteste römisch-katholische Kirche Deutschlands aus dem 4. Jahrhundert - Thebäische Legion

Die römisch-katholische Kirche in Deutschland umfasst 25.461.118 Katholiken (31,0% der Gesamtbevölkerung)[1]. Die Anzahl der Kirchenaustritte hat in den letzten Jahren wieder zugenommen und lag 2007 bei 93.600 (2006, 84.389) gegenüber ca. 10.000 Eintritten. Die Zahl der Teilnehmer an der sonntäglichen Messfeier nimmt von Jahr zu Jahr noch immer ab und betrug nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 2007 13,7% der Kirchenmitglieder.

Wenn auch die Katholische Kirche ihrem Wesen nach weltumspannend (katholikos: „allgemein“) ist, so können doch die einzelnen Länder unterschieden werden, und zum Beispiel die Kirche Deutschlands tritt auch als solche gelegentlich in der Weltkirche in Erscheinung.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Unter „Kirche Deutschlands“ ist hier die katholische Kirche in der Bundesrepublik Deutschland zu verstehen. Der „deutsche“ liturgische Kalender dagegen bezieht sich auch auf Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und Südtirol, für die alle zusammen auch der Salzburger Erzbischof nach wie vor den Titel des „Primas Germaniae“ innehat. Mit diesem Titel sind allerdings keine Rechtsfolgen mehr verbunden.

Struktur und Statistik

Die Katholische Kirche besteht in Deutschland aus sieben Kirchenprovinzen mit insgesamt 27 Diözesen:

Hauptartikel Bistümer der römisch-katholischen Kirche in Deutschland

Überblick über die Kirchenprovinzen in Deutschland

Nummer Metropolie Metropolitanerzbischof Suffraganbistümer Suffraganbischöfe Lage der Metropolie in Deutschland
1 Bamberg Ludwig Schick Eichstätt
Würzburg
Speyer
Gregor Maria Hanke OSB
Friedhelm Hofmann
Karl-Heinz Wiesemann
2 Berlin Georg Kardinal Sterzinsky Dresden-Meißen
Görlitz
Joachim Reinelt
Konrad Zdarsa
3 Freiburg Robert Zollitsch Mainz
Rottenburg-Stuttgart
Karl Kardinal Lehmann
Gebhard Fürst
4 Hamburg Werner Thissen Hildesheim
Osnabrück
Norbert Trelle
Franz-Josef Bode
5 Köln Joachim Kardinal Meisner Aachen
Essen
Limburg
Münster
Trier
Heinrich Mussinghoff
Felix Genn
Franz-Peter Tebartz van Elst
Franz-Josef Overbeck (Diözesanadministrator)
Robert Brahm (Diözesanadministrator)
6 München-Freising Reinhard Marx Augsburg
Regensburg
Passau
Walter Mixa
Gerhard Ludwig Müller
Wilhelm Schraml
7 Paderborn Hans-Josef Becker Erfurt
Fulda
Magdeburg
Joachim Wanke
Heinz-Josef Algermissen
Gerhard Feige

Überblick über die Diözesen in Deutschland

Nummer Erzbistum/Bistum Gründung Aktueller Bischof Aktuelle Weihbischöfe Bistumskirche (Dom) Lage des Bistums in Deutschland
1 Erzbistum Bamberg 1007 Ludwig Schick
Werner Radspieler Bamberger Dom
2 Bistum Eichstätt 740 Gregor Maria Hanke OSB Eichstätter Dom
3 Bistum Speyer 346
610
1817
Karl-Heinz Wiesemann Otto Georgens Speyerer Dom
(Kaiserdom)
4 Bistum Würzburg 742 Friedhelm Hofmann Ulrich Boom Würzburger Dom
5 Erzbistum Berlin 1930 Georg Sterzinsky
(Kardinal)
Matthias Heinrich Hedwigskathedrale
6 Bistum Dresden-Meißen 968
1921
Joachim Reinelt - Hofkirche (Dresden)
7 Bistum Görlitz 1972
1974
Konrad Zdarsa Kathedrale St. Jakob
8 Erzbistum Freiburg 1827 Robert Zollitsch
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Rainer Klug
Bernd Uhl
Paul Wehrle
Freiburger Münster
9 Bistum Mainz 350
745
Karl Lehmann
(Kardinal)
Werner Guballa
Ulrich Neymeyr
Mainzer Dom
Wormser Dom
10 Bistum Rottenburg-Stuttgart 1828 Gebhard Fürst Johannes Kreidler
Thomas Maria Renz
Rottenburger Dom St. Martin (Kathedrale)
Domkirche St. Eberhard (Konkathedrale in Stuttgart)
11 Erzbistum Hamburg 831
1995
Werner Thissen Hans-Jochen Jaschke
Norbert Werbs
Neuer Mariendom (Hamburg)
12 Bistum Hildesheim 815 Norbert Trelle Hans-Georg Koitz
Nikolaus Schwerdtfeger
Hildesheimer Dom
13 Bistum Osnabrück 783 Franz-Josef Bode Theodor Kettmann Osnabrücker Dom
14 Erzbistum Köln 313
795
Joachim Meisner
(Kardinal)
Manfred Melzer
Rainer Woelki
Heiner Koch
Kölner Dom
15 Bistum Aachen 1802
1930
Heinrich Mussinghoff
Stv. Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Karl Borsch
Johannes Bündgens
Aachener Dom
16 Bistum Essen 1958 Diözesanadministrator:
Weihbischof Franz Vorrath
Franz Vorrath
Ludger Schepers
Essener Münster
17 Bistum Limburg 1827 Franz-Peter Tebartz van Elst Gerhard Pieschl Limburger Dom
18 Bistum Münster 805 Felix Genn Heinrich Janssen
Josef Voß
Heinrich Timmerevers
Franz-Josef Overbeck
St.-Paulus-Dom
19 Bistum Trier 250 Stephan Ackermann Jörg Michael Peters
Robert Brahm
Trierer Dom
20 Erzbistum München-Freising 723
739
Reinhard Marx
Engelbert Siebler
Bernhard Haßlberger
Franz Dietl
Frauenkirche (München) (Kathedrale)
Freisinger Dom (Konkathedrale)
21 Bistum Augsburg 304
738
739
Walter Mixa
Deutscher Militärbischof
Anton Losinger
Josef Grünwald
Mariendom Augsburg
Basilika St. Ulrich und Afra
22 Bistum Passau um 400
739
Wilhelm Schraml Stephansdom zu Passau
23 Bistum Regensburg 652
739
Gerhard Ludwig Müller Reinhard Pappenberger Regensburger Dom
24 Erzbistum Paderborn 806 Hans-Josef Becker Manfred Grothe
Matthias König
Hubert Berenbrinker
Paderborner Dom
25 Bistum Erfurt 742
1994
Joachim Wanke Reinhard Hauke Erfurter Dom
26 Bistum Fulda 744 Heinz-Josef Algermissen Karlheinz Diez Fuldaer Dom
27 Bistum Magdeburg 968
1994
Gerhard Feige Kathedrale St. Sebastian Magdeburg

Weitere Fakten

Bedeutend unter den Bistümern sind die traditionell von einem Kardinal regierten Erzbistümer Köln und München-Freising, welche als Metropoliten (nicht nur) des größten Teils des Rheinlandes bzw. als geborener Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz eine Vorrangstellung in traditionell katholischen Regionen genießen. Seit dem 12. Jahrhundert führt Köln sogar die Bezeichnung „Sancta“ im Stadtnamen: „Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia“ — Heiliges Köln von Gottes Gnaden, der römischen Kirche getreue Tochter. Bedeutend ist auch das Hauptstadtbistum, welches in jüngerer Zeit gleichfalls zu einem traditionellen Kardinalssitz geworden ist. Mainz hat das alte Vorrecht, sich „Heiliger Stuhl“ zu nennen, was keinem anderen Bistum der Welt außer Rom zukommt.

Die Bistümer sind im allgemeinen weiter unterteilt in Dekanate, Pfarrverbände und Pfarreien; auf der Ebene letzterer gibt es auch weitere Seelsorgsstellen wie zum Beispiel in Krankenhäusern. Die Zahl der Pfarreien und sonstiger Seelsorgsstellen beträgt 12.521 (Stand: 2006).

Es gibt (Stand 2005) 102 Bischöfe (davon 34 emeritiert; ohne Kurienbischöfe), 13.924 Welt- und 2.266 Ordenspriester (davon zusammen 4.956 beurlaubt oder im Ruhestand) und 2.742 Ständige Diakone, von denen 1.676 noch einen weiteren Beruf ausüben. Von den Priestern sind 8.751 unmittelbar in der Pfarrseelsorge tätig. Somit betreut ein Pfarrer in Deutschland im Durchschnitt zwischen zwei- und dreitausend Gläubige, dennoch sind viele Pfarrgemeinden (insbesondere Dorfgemeinden) wegen des Priestermangels unbesetzt.

Zusammengeschlossen sind die Bistümer im Verband der Diözesen Deutschlands, welcher auch Rechtsträger der Deutschen Bischofskonferenz ist. Derzeitiger Vorsitzender ist der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle. Des Weiteren existiert für die Bistümer Bayerns und der ehemals bayrischen Pfalz die Freisinger Bischofskonferenz unter dem Vorsitz des München-Freisinger Erzbischofs. Der Heilige Stuhl ist in Deutschland durch den Apostolischen Nuntius Erzbischof Jean-Claude Périsset vertreten.

Eine Besonderheit der deutschen Kirche ist die weitverzweigte Organisation der Laien in eigenen Gremien. Die Pfarrgemeinderäte werden von den Katholiken der einzelnen Pfarreien gewählt (in der Regel aktives Wahlrecht ab 16 und passives ab 18 Jahren); der Pfarrer beruft noch Mitglieder hinzu. Entsprechend werden von den PGRs Dekanatsräte gewählt, und dann wiederum die Diözesanräte und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (Präsident 2006: Hans-Joachim Meyer). Im ZdK sind viele Politiker vertreten, wie z. B. Meyer selbst oder Bundesministerin Annette Schavan.

Anzahl der Mitglieder der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland

Als „Land der Reformation“ ist Deutschland konfessionell eher gespalten, wobei die Spaltung nach der Integration der Ostflüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in früheren Ausmaßen auftritt. Dennoch kann man den Süden und Westen als tendenziell katholisch bezeichnen (Bistum Passau mit 88,9% Katholikenanteil), während die ehemaligen preußischen Gebiete im Norden und Osten eher protestantisch geprägt sind (Erzbistum Hamburg mit 6,8% Katholiken, aber 46,5% Protestanten bei der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Landeskirche) und die Einwohner der Neuen Bundesländer zum Großteil keiner Religion angehören (z.B. Bistum Dresden-Meißen mit 3,4% Katholiken und 21,6% Protestanten der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens).

In Deutschland existiert ein Kirchensteuersystem, welches den deutschen Bistümern im Vergleich mit den Bistümern anderer Länder zu einer gewissen Finanzkraft verhilft.

Auf ein Ordensleben haben sich 30.160 Menschen verpflichtet, davon 4.961 Männer (3.388 Priester) und 25.199 Frauen. Säkularinstituten gehören 2.161 Leute an (200 Männer, 1.961 Frauen), dem Opus Dei circa 600.

Die Zahl der Besucher der sonntäglichen Messfeier nimmt von Jahr zu Jahr ab und betrug nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 2005 nur noch 3,6 Millionen Menschen, (14,0% der Kirchenmitglieder) gegenüber 6,19 Millionen Teilnehmern im Jahre 1990 (21,9% der Kirchenmitglieder in 1990).

Auch in den anderen Bereichen der Grundstrukturen des kirchlichen Lebens gibt es rückläufige Zahlen. Die Anzahl der Taufen ist 2006 mit 188.077 Personen auf einem neuen Tiefstand angelangt, in 1990 wurden noch 300.000 Personen getauft. Die Zahl der Trauungen verringerte sich auch und betrug 49.613 (1990: 116.000). Bei den katholischen Bestattungen lag die Anzahl im Jahr 2006 bei 253.259 Personen (1990: 298.000).

Seit Jahrzehnten ist in Deutschland die Zahl der Kirchenaustritte aus der römisch-katholischen Kirche weit höher, als die der Neu- und Wiedereintritte.

Die Kirche beschäftigte in Deutschland 2005 3.003 Pastoralreferenten (1.904 Männer, 1.099 Frauen) und 4.311 Gemeindereferenten (961 Männer, 3.350 Frauen), dazu kommen weitere Beschäftigte in der Kirche angeschlossenen Organisationen (z.B. Caritas). Insgesamt stehen etwa 100.000 Menschen in ihren Diensten.

Geschichte

Bis zur Reformation

Die Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland beginnt bereits in römischer Zeit. Das erste bekannte Bistum im 3. Jahrhundert war Trier. Kurz danach wurden weitere Bistümer wie Köln, um 300, oder im 4. Jahrhundert Mainz, begründet. Mit dem Ende des Römischen Reiches kam es jedoch zu einem Stillstand der Mission, die auch nicht durch einige iro-schottische Missionsversuche wieder belebt wurden. Erst mit Bonifatius kam es wieder zu Bewegungen in der Kirche Deutschlands. Neben einer Straffung der Moral und einer Ordnung der bereits vorhandenen Kirche kam es nun zu neuen Missionen mit Bistumsgründungen. Als erste Kirchenprovinzen wurden Mainz, Köln und Trier errichtet. Doch auch in den folgenden Jahrhunderten wurde die Macht der Bischöfe durch zahlreiche mächtige Klöster durchlöchert. Mit dem ausgehenden 10. Jahrhundert begann die Osterweiterung des Reiches. Auch sie führte zu neuen Missionen und Bistumsgründungen, so dass man die Grundstruktur der Katholischen Kirche in Deutschland mit dem frühen 12. Jahrhundert als abgeschlossen betrachten kann. Eine Besonderheit bilden hierbei die zumeist großflächigen Diözesen, welche in ihrer Größe nicht mit italienischen oder französischen Bistümern zu vergleichen sind. Primas Germaniae - schon damals in Deutschland ein reiner Ehrentitel - wurde der Erzbischof von Magdeburg.

Kirchenprovinzen und Bischofssitze in Mitteleuropa um 1500
Deutsche Bistümer um 1500:
  1. Patriarchat Aquileia mit Laibach, Pedena, Trient und Triest
  2. zur Kirchenprovinz Besançon (Frankreich): Basel, Lausanne
  3. Erzbistum Bremen-Hamburg mit Lübeck, Ratzeburg und Schwerin
  4. zur Kirchenprovinz Gnesen (Polen): Breslau und Lebus
  5. Köln mit Lüttich, Minden, Münster, Osnabrück, Utrecht
  6. Magdeburg mit Brandenburg, Havelberg, Merseburg und Naumburg
  7. Mainz mit Augsburg, Chur, Eichstätt, Halberstadt, Hildesheim, Konstanz, Paderborn, Speyer, Straßburg, Verden, Worms und Würzburg
  8. Erzbistum Prag mit Olmütz
  9. zur Kirchenprovinz Reims (Frankreich): Tournai
  10. Salzburg mit Brixen, Chiemsee, Freising, Gurk, Lavant, Passau, Regensburg, Seckau, Wien und Wiener Neustadt
  11. zur Kirchenprovinz Tarantaise (Frankreich): Sitten
  12. Trier mit Metz, Toul und Verdun
  13. zur Kirchenprovinz Lund (Dänemark): Schleswig
  14. zur Kirchenprovinz Riga (Baltikum): Ermland, Kulm, Pomesanien, Samland
  15. Exemte Bistümer: Bamberg, Cammin, Meißen

Reformation/Gegenreformation

Zu weiteren Veränderungen innerhalb der deutschen Kirche kam es erst mit der Reformation. Hierbei gab es unter den Gläubigen, wie auch der Kirchenleitung, oftmals Verwirrung. War doch gar nicht klar, welcher Konfession man nun angehörte. So heißt es von einem Pfarrer, dass er verheiratet sei und den Laienkelch reiche, aber gut katholisch sei. Die katholische Gegenreformation führte zu einem neuen Bemühen um die Seelsorge und damit verbunden ein Heben der Bildung des einfachen Klerus. Neue Orden widmeten sich nun dem Schulwesen und der Krankenpflege und eine neue Volksfrömmigkeit erwuchs. Gleichzeitig gingen zahlreiche Bistümer unter, deren Gebiete erst reformiert und dann säkularisiert wurden. Andere wiederum schieden durch den „Besitzwechsel“ aus und fielen an Frankreich oder Polen. Es entstanden aber auch neue, so wie in den heutigen Niederlanden und Belgien. Für das untergegangene Erzbistum Magdeburg wurde nun der Erzbischof von Salzburg zum Primas Germaniae.

Aus protestantischer Sicht ist die Reformation ein Prozess der Teilung der katholischen (d.h. „allgemeinen“) Kirche gewesen, in dessen Folge die eine Kirche in mehreren Teilen weiterbesteht. In den Teilen Deutschlands, die sich der Reformation anschlossen, entstanden so Landeskirchen unter der Leitung des jeweiligen Landesherren, statt des Papstes. Da sich - zumindest in Deutschland - die Bischöfe nicht der Reformation anschlossen, kann man aus katholischer Sicht und auch in organisatorischer Hinsicht durchaus von einer Abspaltung sprechen. Die meisten Kirchen der Reformation verstehen sich theologisch aber auch weiterhin als Teil der katholischen (also: „allgemeinen“) Kirche.

Bistumsmäßig gingen die ganze Kirchenprovinz Bremen-Hamburg sowie die Mainzer Suffragane Halberstadt und Verden verloren. Der vormalige Kölner Suffragan Utrecht wurde zum Erzbistum erhoben und war mit seinen Suffraganen nun ziemlich eindeutig dem belgischen Gebiete zugehörig; dort wurde auch das neue Erzbistum Mecheln errichtet, dem man unter anderem der vormalige Kölner Suffragan Lüttich unterstellte. Wien und Wiener Neustadt wurden exemt.

18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert zeigten die Bemühungen der Gegenreformation ihre Früchte. Die Lage der Kirche in Deutschland hatte sich stabilisiert und es blühte eine reiche Volksfrömmigkeit. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts aber kam es erneut zu Bewegungen, wenn auch zuerst nur klein und unscheinbar. So brachte die Aufklärung ein Erstarken des Nationalkirchengedankens, was zu einem Versuch der Einschränkung der Macht des Papstes über die deutsche Kirche führte.

Von der hierarchischen Struktur her war mittlerweile das Patriarchat von Venedig (vormals Aquileia) aufgehoben worden und das Erzbistum Görz für den österreichischen Teil an seine Stelle getreten. Wien war mit den neugeschaffenen Suffraganen Linz und St. Pölten zum Erzbistum erhoben worden, Breslau, Fulda, Laibach, Passau, und Sitten waren exemt. Sachsen, die Lausitz und Norddeutschland mussten als apostolische Präfektur bzw. Vikariate verwaltet werden.

Säkularisation und nachfolgende Zeit

Die Säkularisation hatte fast alle Strukturen der Kirche in Deutschland zerstört. Viele Bischofsstühle waren jahrelang vakant, ihre Gebiete fielen an neue Landesherren. Mit diesen wurde im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts neu verhandeln: Päpstliche Zirkumskriptionen mit den einzelnen Ländern, welche auch finanziell für die Bistümer aufkommen mussten, ordneten die Kirche neu:

Deutsche Bistümer 1825:
  1. Bamberg mit Eichstätt, Speyer und Würzburg
  2. Freiburg mit Fulda, Mainz und Rottenburg
  3. Köln mit Hildesheim, Limburg, Münster, Osnabrück, Paderborn und Trier
  4. Erzbischöfliche Personalunion Gnesen-Posen: Bistum Kulm
  5. München-Freising mit Augsburg, Passau und Regensburg
  6. Exemte Bistümer: Breslau, Apostolische Präfektur Lausitz, Apostolisches Vikariat des Nordens, Apostolisches Vikariat Sachsen

In den folgenden Jahren kam es zu einem Erstarken der Volksfrömmigkeit und des Vereinswesens. Dies hatte auch politische Folgen: So wurde etwa die Zentrumspartei gegründet. Besonders im Bereich des Sozialen, also etwa in der Krankenpflege und der Kindererziehung, kam es zu zahlreichen Neugründungen von Ordensgemeinschaften. Auch der Konflikt mit dem preußischen Staat im Kulturkampf konnte das erstarken des Katholizismus nicht aufhalten. Die Abspaltung der alt-katholischen Kirche führte nur zu einem geringen Verlust von Gläubigen. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert versöhnten sich Staat und Kirche zunehmend. Dies führte auch zu einer zunehmenden "staatstragenden Einstellung" der kirchlichen Obrigkeit; so galt der Kölner Erzbischof Felix von Hartmann als ein Anhänger Kaiser Wilhelms II. Erst die Weimarer Republik führte die Katholische Kirche aus ihrem Schattendasein zu einer eigentlichen Emanzipation.

Weimarer Republik und Drittes Reich

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1921 wurde das alte Bistum Meißen wiedererrichtet und 1930 das damals neugegründete Bistum Berlin (aus den brandenburgischen und pommerschen Teilen des vormaligen Bistums Breslau) mit dem ostpreußischen Bistum Ermland dem nun zum Erzbistum erhobenen Breslau unterstellt. Auch Paderborn (vormals zu Köln) wird Erzbistum, mit den Suffraganen Fulda (vormals zu Freiburg) und Hildesheim (vormals zu Köln). Die Apostolischen Vikariate und die Präfektur werden aufgehoben und den Bistümern zugeteilt.

Ein Konkordat mit dem ganzen Deutschen Reich, um das sich Nuntius Eugenio Pacelli (der spätere Pius XII.) bemüht, kam erst im Jahre 1933 unter der nationalsozialistischen Reichsregierung zustande; die Aussicht darauf spielte wohl auch eine Rolle bei der katholischen Zentrumspartei, dem Ermächtigungsgesetz zuzustimmen. Dieses Reichskonkordat gilt als „vorkonstitutionelles Recht“ weiter fort und bestimmt somit bis heute das Verhältnis der katholischen Kirche zum Staat.

Im Dritten Reich daraufhin gelang es der katholischen Kirche zunächst, sich der Gleichschaltung zu entziehen und auch einige Male Aufsehen zu erregen (z. B. durch die vom deutschen Erzbischof Michael Kardinal Faulhaber maßgeblich mitvorbereitete päpstliche Enzyklika „Mit brennender Sorge“ oder die Predigten des späteren Kardinals Bischof Graf Galen). Später aber zeigte sich, dass Hitler auf das Konkordat nicht viel gab. Die Eingliederung katholischer Jugendverbände in die Hitlerjugend und die Verfolgung missliebiger Geistlicher mit Hilfe des sogenannten Heimtückegesetzes (vor allem nach dem Erscheinen und Verlesen der Enzyklika Mit brennender Sorge) machten dies deutlich. Nicht wenige katholische Christen wurden vom NS-Regime verfolgt.

Doch wurde der Kirche nach dem Krieg auch eine unkritische Haltung zum Nationalsozialismus vorgeworfen. Insbesondere nach der Veröffentlichung des literarischen Werkes „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth wurden und werden, zunächst dem Papst, aber auch dem deutschen Episkopat, Schweigen und (nach Meinung der Kritiker) verfehlte diplomatische Zurückhaltung vorgeworfen. Allerdings wird immer wieder auch darauf verwiesen, dass die Kirche hinter der diplomatischen Fassade durchaus gegen den Nationalsozialismus arbeitete.

Die Lage im geteilten Deutschland

Die Teilung Deutschlands stellte auch die katholische Kirche vor Schwierigkeiten, besonders da die Kirche, bzw ihre Gläubigen in der DDR unter Repressalien litt. Organisatorisch wurden vor allem Provisorien angewandt, man hütete sich, die Bistumsgrenzen an den neuen Staatsgrenzen auszurichten; daran zeigt sich auch, dass die katholische Kirche in Deutschland - bisweilen in Opposition zum Heiligen Stuhl - die Wiedervereinigung favorisierte. Das Erzbistum Paderborn hatte einen „bischöflichen Kommissarius“ in seinem Ostteil in Magdeburg, die Bistümer Fulda und Würzburg einen gemeinsamen Generalvikar in Erfurt (der formelle Verwaltungssitz für die Würzburger war Meiningen). 1972/73 schließlich wurden die Gebiete mit dem Status eines (Erz-)Bischöflichen Amtes versehen und die Prälaten zu Apostolischen Administratoren ernannt, es unterblieb jedoch – außer beim bisherigen Erzbischöflichen Amt Görlitz, bei dem es um die deutsch-polnische, nicht die innerdeutsche Grenze ging – selbst die Erhebung zur Apostolischen Administratur, welche ja immer noch Vorläufigkeit ausdrücken würde.

In einem Gebiet, das von keinen rechtlichen Querelen um die Staatsgrenzen geplagt war, gründete man derweil 1957 ein neues Bistum, das „Ruhrbistum“ Essen als Suffragan von Köln.

Mitgliederzahlen in der "alten" Bundesrepublik

Jahr  % der Bevölkerung Anzahl in 1000[2]
1965 43,8 25998
1966 43,9 26277
1967 44,0 26352
1968 44,1 26634
1969 44,1 26977
1970 44,6 27195
1975 43,8 27011
1980 43,3 26720
1985 43,3 26713
1989 42,7 26764
1990 42,2 26901

Nach der Wiedervereinigung

Nach der Wiedervereinigung wurden 1994 die Provisorien aufgehoben, die territoriale Gliederung der deutschen Kirche kann als abgeschlossen betrachtet werden: Im einzelnen wurden die bischöflichen Ämter Erfurt-Meiningen (nun Erfurt) und Magdeburg zu Bistümern erhoben und Paderborn unterstellt, Berlin – dessen Bischöfe schon seit längerem kraft persönlicher Verleihung den Erzbischofstitel getragen hatten – wurde Erzbistum mit dem vormaligen exemten Bistum Meißen (seit 1980 Dresden-Meißen) und der Apostolischen Administratur (nunmehr Bistum) Görlitz als Suffraganen; und schließlich errichtete man aus vorwiegend osnabrückischen Gebieten das Erzbistum Hamburg und unterstellte ihm die Bistümer Osnabrück (vormals zu Köln) und Hildesheim (vormals zu Paderborn).

Im Jahre 1995 erreichte im Rahmen des sogenannten Kirchenvolksbegehrens die kirchenkritische Gruppierung „Wir sind Kirche“ in Deutschland nicht ganz eineinhalb Millionen Unterschriften. Seitdem finden sich gelegentlich bei kirchenpolitischen Entscheidungen in den Medien deren Stellungnahmen.

Eine weitere Konfliktsituation waren die Kontroversen mit dem Papst um die kirchliche Schwangerschaftskonfliktberatung. Hierbei wurde, nach absolvierter Beratung, ein Schein ausgestellt, welchen der deutsche Staat als Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung akzeptierte. Ohne Beratungsschein kann die jeweilige Abtreibung gar nicht ausgeführt werden. Betonten die deutschen Bischöfe die durch die Beratung geretteten Menschenleben, so verwies der Papst darauf, dass durch den Schein eine formale Beteiligung der deutschen Kirche an der Abtreibung stattfand. Abtreibung hat nach Ansicht des Papstes und der deutschen Bischöfe, den moralischen Rang des Mordes. Nach einem schließlichen ausdrücklichen Verbot stellten die Bischöfe die Beratung, oder genauer das Ausstellen des Scheines, mit vorübergehender Ausnahme des Limburger Bischofs Franz Kamphaus, ein. Katholische Laien reagierten mit der Gründung des Vereines Donum Vitae, welcher laut dem damaligen Nuntius Erzbischof Lajolo in offenem Widerspruch zu den Anweisungen des Heiligen Vaters handle und das Zeugnis der Katholischen Kirche verdunkle. Ranghohe Mitglieder des Vereins sind zugleich Mitglieder des ZdK.

Aufsehen erregte der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller mit seiner Neuordnung der Laienräte, die er mit den Anforderungen des gültigen Kirchenrechts begründet und die unter anderem vom ZdK schärfstens verurteilt wurde: Sie sei „Rechtsbruch“; das ZdK plante vorübergehend, den neugebildeten Räten die Mitarbeit zu verweigern, Bischof Müller stellte die Zahlungen an das ZdK ein.

Papst Benedikt XVI. besuchte 2006 den Freistaat Bayern. Dieser Besuch wurde zu einem großen katholischen Fest und fand ein großes Medienecho. Eine seiner Aussagen kann als treffende Zustandsbeschreibung der Kirche Deutschlands gewertet werden; er sagte sinngemäß: Die deutschen Katholiken seien eifrige Spender, um soziale Projekte der Kirche in Ländern der Dritten Welt zu unterstützen; schwer aber sei es, von ihnen Geld für die eigentlich primäre kirchliche Aufgabe der Evangelisierung zu bekommen. Auch 2007 steigt die Zahl der Eintritte und Rückkehrer. [3] So sind die Zahlen der Austritte aus der römisch-katholischen Kirche seit dem Jahr 2003 (129.598) rückläufig.

Mitgliederzahlen im wiedervereinigten Deutschland

Jahr  % der Bevölkerung Anzahl in 1000[4] Priesteranzahl[5] Anzahl je Priester
1991 35,1 28198
1995 33,9 27215
1997 33,4 27383 17911 1529
2000 32,6 26817 17129 1566
2005 31,4 25905 16190 1600
2006 31,2 25685 15935 1612
2007 31,0 25461 15759 1615

Kirchensteuer

Es ist eine deutsche Eigenheit, dass der Staat von den Mitgliedern vieler Kirchen, die in Deutschland repräsentiert sind, zusammen mit der Einkommensteuer eine Kirchensteuer erhebt, mit der die Kirchen u. a. ihre sozialen Einrichtungen erhalten, was also auch im Fall der Katholischen Kirche zutrifft. Lediglich eine Kirchenaustrittserklärung je nach Bundesland vor einem Standesamt oder Amtsgericht beendet die Kirchensteuerpflicht der betreffenden Person.

Kirchenbauten

2006 gab es in Deutschland 24.500 katholische Kirchen, Tendenz leicht abnehmend. Siehe auch Liste bekannter Kirchengebäude. Auswahl kunsthistorisch besonders bedeutender Kirchen:

Literatur

  • Geschichte des kirchlichen Lebens in den deutschsprachigen Ländern seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, hrsg. von Erwin Gatz, 8 Bände, Freiburg im Breisgau [u.a.] : Herder, 1991-2008
  • Matthias Drobinski: Oh Gott, die Kirche. Versuch über das katholische Deutschland, Düsseldorf: Patmos, aktualisierte Neuauflage 2008, ISBN 3491725321
  • Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939 - 1945 : Geschichte und Erinnerung, Entschädigung und Versöhnung ; eine Dokumentation, hrsg. im Auftr. der Deutschen Bischofskonferenz von Karl-Joseph Hummel und Christoph Kösters, Paderborn [u.a.] : Schöningh, 2008

Quellen

  1. [1]
  2. Quelle: [2] (PDF)
  3. Die Welt: Die Deutschen entdecken ihren Glauben wieder 8. April 2007
  4. Quelle: [3] (PDF)
  5. Quelle: [4] (PDF)

Weblinks


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