6. Kreuzzug
Sechster Kreuzzug
Ludwig der Heilige bricht 1248 zum Kreuzzug auf;französische Darstellung aus dem 14. Jahrhundert
Ludwig der Heilige bricht 1248 zum Kreuzzug auf;
französische Darstellung aus dem 14. Jahrhundert
Datum August 1248 bis Mai 1250
Ort Ägypten
Ausgang Kreuzzug gescheitert
Folgen Status quo ante bellum
Friedensschluss 6. Mai 1250
Konfliktparteien
Kreuzfahrer Sultan von Ägypten
Befehlshaber
Ludwig IX. von Frankreich
Robert von Artois
Alfons von Poitiers
Karl von Anjou
as-Salih Ayyub
Turan Schah
Fakhr ed-Din Yusuf
Izz ad-Din Aybak
Truppenstärke
ca. 50.000
  • ca. 2.800 Ritter
unbekannt

Der Sechste Kreuzzug war ein Kreuzzug, der 1248 bis 1250 durch einen Angriff auf Ägypten die Kreuzfahrerstaaten entlasten sollte.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

1220 war das Reich der Choresmier in Persien von Dschingis Khan zerschlagen worden, der letzte Choresm-Schahs Dschalal ad-Din fiel 1231. Ein infolgedessen vaterlandsloser Rest des choresmischen Heeres, eine Reitertruppe die sich Khwarezmiyya nannte, die nach Syrien entkommen war, ließ sich 1244 vom Ayyubiden-Sultan as-Salih als Söldner anwerben. Auf dem Weg, sich bei Gaza mit dem Heer der Ayyubiden zu vereinigen hatten diese im Spätsommer 1244 Jerusalem für die Ayyubiden zurückerobert und geplündert.

Angesichts dieser neuen Bedrohung hatten sich die Kreuzfahrerstaaten mit den islamischen Reichen von Damaskus, al-Kanack und Homs gegen die Ayyubiden verbündet. Die Verbündeten sammelten ihre Heere bei Askalon um zunächst das ayyubidisch-choresmische Hauptheer zu schlagen und anschließend die Rückeroberung Jerusalems anzugehen. Am 17. Oktober 1244 erlitten die Verbündeten in der Schlacht von La Forbie eine vernichtende Niederlage gegen das Ayyubiden-Heer unter Baibars. Schon wenige Tage später schickte der lateinische Patriarch Robert von Jerusalem den Bischof von Beirut nach Europa, um dort für einen Kreuzzug zu werben.

Anders als 1187 weckte die Eroberung Jerusalems durch die Moslems diesmal keine breite Kreuzzugsbegeisterung unter den Königen Europas. So befand sich der heilig-römische Kaiser Friedrich II. im Krieg mit dem Papst Innozenz IV. und König Heinrich III. von England war mit der Rebellion des Simon V. de Montfort beschäftigt. Allein König Ludwig IX. von Frankreich hatte nach dem Sieg über die Albigenser in Montségur seine Macht weit genug gefestigt, um sein Reich eine Weile verlassen zu können. Auf die Kreuzpredigten des Fulko von Chateauroux hin, erklärte er 1245 seine Bereitschaft zur Teilnahme.

Verlauf

Zypern

Ludwig IX. „der Heilige“ setzte sich also an die Spitze des Kreuzzugsheeres. Im August 1248 schiffte er sich in Aigues Mortes nach Zypern ein. In seinem Gefolge waren auch seine Gemahlin Margaretha, drei seiner Brüder und zahlreiche Bischöfe und Hochadlige seines Landes. Zeitgenössische Quellen geben die Stärke seines Heeres mit 50.000 Mann, darunter 2.800 Ritter, an. Ludwig ließ sein Heer auf Zypern überwintern und entschied, seinen Angriff zunächst gegen das Kernland der Ayyubiden, Ägypten, zu richten.

Damiette

Um ein englisches Kontingent verstärkt, landete Ludwig mit venezianischen und genuesischen Schiffen Anfang Juni 1249 an der ägyptischen Küste. Dort schlug er ein ayyubidisches Heer unter Fakhr ed-Din Yusuf, das die Landung zu verhindern versuchte. Am 5. Juni erreichten die Kreuzfahrer die strategisch wichtige Stadt Damiette. Die dortigen Verteidiger versagten in der folgenden Schlacht vollkommen. Die Kreuzfahrer konnten die wichtige Stadt fast kampflos einnehmen.

Ludwig übergab Damiette nun nicht an den nominellen König von Jerusalem, dem sie während des Fünften Kreuzzugs versprochen worden war, sondern behielt sie selbst als Stützpunkt.

Al-Mansura

Schlacht von al-Mansura
Datum Dezember 1249 bis April 1250
Ort al-Mansura, Ägypten
Ausgang Sieg der Muslime
Konfliktparteien
Kreuzfahrer Bahri-Mameluken
Befehlshaber
Ludwig IX. von Frankreich
Robert von Artois (†)
Alfons von Poitiers
Karl von Anjou
Guillaume de Sonnac (†)
William Longespée (†)
Fakhr ed-Din Yusuf (†)
Rukn ad-Din Baibars
Faris ed-Din Aktay

Ludwig machte nun zwei taktische Fehler: Er begann nicht mit einer Belagerung des nahe gelegenen und schwach verteidigten Alexandria und er verzichtete auf die Verfolgung der geschlagenen ayyubidischen Armee. Erst im November 1249 stieß er ins Landesinnere Richtung Kairo vor, wo der Sultan as-Salih seine Truppen neu sammelte. Wie ihren Vorgängern beim Kreuzzug von Damiette machten den Kreuzfahrern das schwierige, schlammig-überflutete Gelände des Nildeltas sowie Krankheiten zu schaffen. Diesmal wahrten die Kreuzfahrer aber die Disziplin und belagerten die Stadt al-Mansura.

Zeitgleich in der Nacht vom 22. auf den 23. November starb Sultan as-Salih und die ayyubidische Herrschaft schien erschüttert. Am 8. Februar 1250 erstürmten die Kreuzfahrer schließlich al-Mansura sowie das außerhalb der Stadt befindliche feindliche Heerlager. Am folgenden Tag führten die Ayyubiden einen erbitterten Gegenangriff, den die Kreuzfahrer zwar abweisen konnten, bei dem sie aber verheerende Verluste erlitten. Unter den Toten war auch ein Bruder Ludwigs, Graf Robert I. von Artois. Die Kreuzfahrer waren zudem durch Hunger und Krankheiten geschwächt, so dass sie Boten zum Sultan entsandten, um über einen Frieden zu verhandeln.

Unterdessen hatte as-Salihs Witwe, Schadschar ad-Dur, für ihren jungen Sohn und neuen Sultan Turan Schah entschlossen die Regentschaft ergriffen. Sie war sich anscheinend der geschwächten Situation der Kreuzfahrer bewusst und lehnte Friedensverhandlungen ab. Weitere Verhandlungsversuche des Grafen Philipp von Montfort mit dem Sultan wurden vereitelt. So sahen die Kreuzfahrer sich gezwungen, am 5. April al-Mansura aufzugeben und sich in Richtung Damiette zurückziehen. Die Mamlukengarde des Sultanats nahm die Verfolgung der Kreuzfahrer auf. Am 6. April 1250 wurden Ludwig IX., seine Brüder, und der Großteil seines Heeres gefangen genommen.

In der Gefangenschaft schloss Ludwig einen zehnjährigen Waffenstillstandsvertrag mit Turan Schah. Nach diesem wurde den Kreuzfahrern gegen ein hohes Lösegeld und Rückgabe Damiettes freier Abzug gewährt.

Akkon

Nach 31-tägiger Gefangenschaft kam Ludwig am 8. Mai 1250 in der Kreuzfahrerbastion Akkon in Palästina an. Dort hielt er sich die folgenden Jahre über auf, konsolidierte die Verhältnisse des Königreichs Jerusalem und bewirkte in Verhandlung mit den Muslimen etwa die Freilassung der letzten christlichen Gefangenen aus der Schlacht von La Forbie. Als er vom Tod seiner Mutter Blanka erfahren hatte, die für ihn die Regentschaft in Frankreich übernommen hatte, kehrte Ludwig schließlich 1254 nach sechsjähriger Abwesenheit nach Frankreich zurück.

Folgen

Für die Christen war der Sechste Kreuzzug ein gewaltiger Fehlschlag.

Auf muslimischer Seite hatte er insofern Bedeutung, als die Mamluken großen Anteil am Sieg hatten. Noch 1250 ermordeten mamlukische Offiziere Sultan Turan Schah und brachten Ägypten nach einer Phase des Chaos in ihre Gewalt. Diese innermuslimischen Wirren brachten den verbliebenen Kreuzfahrerstaaten eine vorübergehende Entlastung.

Wegen der strategischen Bedeutung Damiettes für die Kreuzfahrer ließ der spätere Mamelukensultan Baibars die Stadt zerstören und einige Kilometer entfernt vom Fluss mit stärkeren Festungsanlagen wieder aufbauen.

Quellen

Den Bericht eines Zeitzeugen des Sechsten Kreuzzuges liefert Jean de Joinvilles "La Vie de Saint Louis".

Literatur

  • Watterson, Barbara. The Egyptians. Blackwell Publishing, 1998. Seite 260 f.
  • Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 806-810.

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