1. Advent
Der Erzengel Gabriel verkündet der Jungfrau Maria die Ankunft des Herrn. Ölgemälde von Robert Campin, 1420–1440, Brüssel

Advent (von lat.: adventus „Ankunft“, dazu advenit „er kommt“) ist die Vorbereitung der Christenheit auf das Hochfest der Geburt des Herrn, Weihnachten. Zugleich stellt der erste Adventssonntag den Beginn des christlichen Jahreskreises dar.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ursprünglich entsprach der Begriff Advent dem griechischen Begriff epiphaneia („Erscheinung“, siehe Epiphanias) und bedeutet die Ankunft, Anwesenheit, Besuch eines Amtsträgers, insbesondere die Ankunft von Königen oder Kaisern. Es konnte aber auch die Ankunft der Gottheit im Tempel ausdrücken. Dieses Wort übernahmen nun die Christen, um ihre Beziehung zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, zum Ausdruck zu bringen.

Die Adventszeit war ursprünglich eine Fastenzeit, die die Alte Kirche auf die Tage zwischen dem 11. November und dem ursprünglichen Weihnachtstermin, dem Erscheinungsfest am 6. Januar festlegte. Diese acht Wochen ergeben abzüglich der fastenfreien Sonn- und Samstage insgesamt vierzig Tage. Seit 1917 wird das Adventsfasten vom katholischen Kirchenrecht nicht mehr verlangt.

Die Adventszeit geht zurück auf das 7. Jahrhundert. In der römischen Kirche des Westens gab es zunächst zwischen vier und sechs Sonntage im Advent, bis Papst Gregor der Große ihre Zahl auf vier festlegte. Die vier Sonntage standen symbolisch für die 4.000 Jahre, welche die Menschen nach kirchlicher Geschichtsschreibung auf den Erlöser warten mussten. Diese Regelung wurde von dem Konzil von Trient bestätigt, nachdem sich abweichende regionale Traditionen etabliert hatten. Die rechtsverbindliche Regelung erfolgte 1570 durch Papst Pius V. Im ambrosianischen Ritus sowie in einigen Diözesen, z. B. in der Diözese Mailand, das im ambrosianischen Ritus verblieben ist, hat sich die sechswöchige Adventszeit bis heute gehalten. Dabei betonte man im gallischen Bereich das endzeitliche Motiv der Wiederkunft Christi, das zur Ausgestaltung des Advents als Zeit einer ernsthaften Buße führte, wohingegen im römischen Einflussbereich das weihnachtlich-freudige Ankunftsmotiv der Menschwerdung Gottes Einfluss gewann; dies drückt sich unter anderem in den O-Antiphonen aus.

Dieser Ambivalenz wird an den unterschiedlichen Adventssonntagen in der Liturgie Rechnung getragen.

Die Adventszeit im kirchlichen Festkalender

Der erste Adventssonntag liegt zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember. Mit dem Advent beginnt in den katholischen und evangelischen Kirchen das neue Kirchenjahr. Die Adventszeit endet am Heiligen Abend mit der ersten Vesper von Weihnachten.

In der katholischen Kirche verbreitet sind sogenannte Roratemessen, das heißt, frühmorgendliche Heilige Messen im Schein von Kerzenlicht.

Die Adventssonntage im Kirchenjahr haben jeweils einen besonderen Charakter: Der erste Adventssonntag erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem (Mt 21,1–9 LUT). Der zweite Adventssonntag hat die erhoffte Wiederkunft des Herrn zum Thema. Der dritte Adventssonntag erinnert an Johannes den Täufer als Vorläufer Jesu Christi. Im Zentrum des Gottesdienstes am vierten Adventssonntag steht der Lobgesang der Maria (Lk 1,46–55 LUT). Die liturgische Farbe der Adventszeit ist violett.

Der dritte Adventssonntag, im katholischen und lutherischen Kirchenjahr Gaudete, trägt seinen Namen nach den lateinischen Anfangswort des Introitus „Gaudete in Domino semper“, „Freut Euch im Herrn allezeit!“ Diese Vorfreude drückt sich in der katholischen und in der Liturgie der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche durch die mögliche Verwendung rosafarbener (rosa = verdünntes Violett) Paramente aus.

Siehe auch: Sonntage des Advents

Die orthodoxen Kirchen begehen den Advent bis heute sechswöchig als Fastenzeit, und zwar ab dem 15. November (des entsprechenden Kalenders) bis zum 24. Dezember. Der Begriff „Advent“ ist dort nicht so verbreitet bzw. wird erst in jüngerer Zeit verwendet. Man spricht eher vom Philippus-Fasten bzw. Weihnachtsfasten. Vorgeschlagen sind drei Wochen leichtes Fasten (mit Fisch) und drei Wochen mittelschweres Fasten (kein Fisch). Das Kirchenjahr beginnt in der orthodoxen Kirche nicht am 1. Advent, sondern am 1. September.

Adventstradition

Adventskalender
Adventskranz mit brennenden Kerzen

Insbesondere für Kinder gibt es seit 1908 (durch Gerhard Lang und seinen diesbezüglichen Auftrag an die Lithographische Anstalt Reichhold & Lang) gedruckte Adventskalender verschiedenster Ausprägung, seit 1920 mit zu öffnenden Türen. Sie haben meist 24 Türen, von denen vom 1. bis zum 24. Dezember jeweils eine geöffnet wird („Dezember-Kalender“ im Unterschied zu den Adventskalendern, die jeweils am 1. Advent begannen). Weniger verbreitet sind Kalender, die den Zeitraum des Advents – also vom ersten Adventssonntag bis Weihnachten – abdecken. Diese haben die passende Anzahl von Türchen für das betreffende Jahr oder haben vier zusätzliche Türchen, um den längstmöglichen Advent, der vom 27. November (So) bis 24. Dezember (Sa) dauern kann, abzudecken.

Der Adventskranz weist mit seinen vier Kerzen auf das Licht hin, das Christus in die Welt gebracht hat. 1839 ließ der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern (1808–1881) im Betsaal des „Rauhen Hauses“ in Hamburg zum ersten Mal einen hölzernen Leuchter mit 23 Kerzen aufhängen – 19 kleine rote für die Werktage bis Weihnachten, vier dicke weiße für die Sonntage.[1] In den Ostkirchen ist der Adventskranz heute teilweise übernommen und auf sechs Kerzen erweitert worden.

Inzwischen ist der ursprünglich evangelische Brauch der Adventskränze auch von der katholischen Kirche übernommen werden, wobei die Kerzen meist in den liturgischen Farben gehalten sind: drei violette Kerzen für den ersten, zweiten und vierten Adventssonntag sowie eine rosa Kerze für den dritten Adventssonntag (Gaudete).

Der Adventskranz wird eher als der Weihnachtsbaum mit der religiösen Bedeutung des Advents assoziiert.

Typisch für die Adventszeit ist außerdem das Zubereiten von Weihnachtsgebäck wie etwa dem Christstollen oder der Aachener Printen.

Eine Reihe von Adventstraditionen sind auch im Artikel Weihnachtsbrauch unter Vorweihnachtszeit beschrieben.

Adventslieder (Auswahl)

Zu den gängigsten Adventsliedern in den christlichen Kirchen gehören:

Kommerzialisierung und früher Beginn

Weihnachtseinkauf 1950

In jüngster Zeit gibt es Bestrebungen der Kirchen in Deutschland, einer Ausdehnung der Adventszeit durch den Einzelhandel und die Werbebranche über den Christkönigsonntag bzw. den Ewigkeitssonntag, an dem in den evangelischen Kirchen der Gedenktag der Entschlafenen begangen wird, hinaus[2] oder einer Öffnung von Einzelhandelsgeschäften an Adventssonntagen[3] durch Kampagnen und juristische Schritte Einhalt zu gebieten. Dabei hoffen die Kirchen auf die Einsicht der Verbraucher. So wird gemäß dem Grundsatz, dass das Angebot der Nachfrage folge, argumentiert: „Werden die Waren nicht gekauft, verschwinden sie über kurz oder lang wieder zur Unzeit aus den Regalen“.[4]. Von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der katholischen Kirche, vertreten durch das Erzbistum Berlin, wurde unter Berufung auf Art. 140 Grundgesetz gegen das Berliner Ladenöffnungsgesetz, das es ermöglicht, an allen vier Adventssonntagen Geschäfte zu öffnen, eine Verfassungsbeschwerde eingereicht.[5]

Wissenswertes

Zwischen dem Namen der Konfession der Adventisten und dem kirchlichen Begriff „Advent“ besteht kein direkter Zusammenhang. Der Name dieser Kirche bezieht sich nicht auf das Warten des ersten Kommens Christi, sondern auf das zweite Kommen, also auf die Wiederkunft Christi und die Apokalypse.

Einzelnachweise

  1. Manche Publikationen sprechen von 20 oder 24 weißen Kerzen, z. B. Uwe Birnstein: Der Erzieher. Angesichts dessen, dass der 1. Adventssonntag im Jahr 1839 auf den 1. Dezember fiel, dürfte es sich bei insgesamt 23 Kerzen um die wahrscheinlichste Variante handeln. 24 Kerzen sind vor dem Hintergrund plausibel, dass der 24. Dezember zur Adventszeit – und nicht zum Weihnachtsfest – gehört. Die 24 weißen und 4 roten Kerzen könnten eine Fehlannahme auf Grund von Abbildungen sein, wie sie etwa beim Rauhen Haus unter http://www.rauheshaus.de/stiftung/geschichte/von-1832-bis-1881/ zu sehen sind.
  2. katholisch.de: Auf Advent warten können lohnt sich. Die großen Kirchen in Baden-Württemberg starten Aktion „Advent ist im Dezember“
  3. Evangelische Landeskirche in Baden: Freude über geschützte Adventssonntage; Meldung vom 7. Dezember 2006
  4. Bistum Eichstätt: Zeit zum Warten? Advent ist im Dezember – Frauenbund will Verbraucher zum Umdenken anregen; Meldung vom 7. November 2008
  5. Christen in der Wirtschaft /CiW Wirtschaftsnachrichten: Kirchen reichen Verfassungsbeschwerde gegen Ladenöffnung am Sonntag ein; Meldung vom 12. November 2007

Weblinks


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