B-Examen

Ein Kirchenmusiker ist ein Musiker, der in einer Kirchengemeinde als Organist und/oder Chorleiter arbeitet. Das kann hauptamtlich, nebenberuflich oder auch ehrenamtlich sein. Gebräuchlich ist als kirchliche Berufsbezeichnung auch Kantor oder in älterer Schreibweise Cantor. Diese Bezeichnung stammt aus der älteren Kirchentradition einschließlich der jüdischen Synagogen und leitet sich vom lateinischen cantare „singen“ ab. Kantor war und ist Sänger oder Vorsänger mit besonderen liturgischen Aufgaben innerhalb des Gottesdienstes oder der Messe, etwa dem Psalmgesang. Hieraus entstand dann die Chorleitung mit allen Aufgaben der Chorpädagogik wie Stimmbildung, Probentechnik und Dirigat, zuweilen einschließlich der Orchesterleitung. In der Zusammenlegung aller Tätigkeiten (Organist und Chorleiter oder in der Musikpädagogik) ist der Beruf Kirchenmusiker entstanden. Eine Trennung beider Ämter „Organist“ und „Kantor“, wie sie zum Beispiel in größeren Kirchen Frankreichs üblich ist, ist in Deutschland eher selten.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung

Die berufliche Qualifizierung gliedert sich in vier Stufen:

  • D-Prüfung: Kirchenmusiker mit Ausbildung im Kirchenkreis und Prüfung, früher „Hilfskirchenmusiker“ genannt
  • C-Prüfung: etwa zweijähriger Besuch eines C-Seminars oder Studium an einer Kirchenmusikschule mit nachfolgendem C-Abschluss für den Nebenberuf; in Bayern auch durch Besuch einer Berufsfachschule für Musik zu erwerben
  • B-Prüfung: vierjähriges Studium mit B-Prüfung an einer Kirchenmusikschule, Musikhochschule oder Akademie für den hauptberuflichen Dienst
  • A-Prüfung: 4- bis 6-jähriges A-Studium oder Zusatzstudium für B-Kirchenmusiker, jeweils mit A-Prüfung für den hauptberuflichen Dienst an Hauptkirchen mit besonderen künstlerischen Schwerpunkten etwa in der Chorarbeit oder dem Orgelspiel sowie Leitungsaufgaben (Kirchenmusikdirektor) in Kirchenbezirken

Der Ausbildungskanon eines hauptamtlichen Kirchenmusikers umfasst in der Regel die Fächer: Orgelliteraturspiel, Liturgisches Orgelspiel, Klavier, Gesang, Chorleitung, Orchesterleitung, Partiturspiel, Generalbassspiel, Tonsatz, Gehörbildung, Liturgik, Hymnologie, Geschichte der Musik, Historische Musikwissenschaft, Orgelbaukunde, Kirchenkunde und zunehmend an kirchlichen Ausbildungsstätten auch christliche Popularmusik.

Aufgaben

Heute ist der Kirchenmusiker in zunehmendem Maße auch Musikpädagoge in der Gemeinde. Neben liturgischen und künstlerischen Aufgaben (zum Beispiel Leitung von Konzerten für Chor und Orchester oder Durchführung von Orgelkonzerten) nimmt die musikpädagogische Betreuung für Laien in Chören und Gruppen einen breiten Raum ein, zum Teil bis hin zur musikalischen Früherziehung in Kirchgemeinde und Kindergarten. Des weiteren gehört auch die Ausbildung von kirchenmusikalischem Nachwuchs für den Einsatz als neben-/ehrenamtliche Kirchenmusiker (Klavier- und Orgelunterricht sowie Chorleitung) zu den Aufgaben, vor allem der hauptamtlichen Kirchenmusiker.

Die jeweiligen Schwerpunkte der kirchenmusikalischen Arbeit werden durch die Kirchengemeindeleitung oder den Kirchenkreis (je nach Anstellungsträger) bestimmt, oft sind auch die finanziellen Möglichkeiten ausschlaggebend.

Berufssituation

Während es seit etwa 1950 besonders in Deutschland zu einem breit gefächerten Ausbau des Studiums kam (aus Organistenschulen wurden „Kirchenmusikschulen“, aus Kirchenmusikschulen wurden Akademien und Hochschulen mit entsprechend qualifizierten Studienabschlüssen), wurden die oben genannten Stellenbezeichnungen feste Anstellungsverhältnisse mit entsprechendem Etat für Kirchenmusik. Diese Entwicklung etablierte somit den Beruf in Deutschland gegenüber vielen anderen Ländern als (geschützten) Berufsstand in allen künstlerischen, liturgischen und musikpädagogischen Bereichen. Diese Praxis ist seit vielen Jahren rückläufig. Zwar gibt es in Deutschland weiterhin jährlich professionelle Studienabgänger, die Stellenbesetzungen jedoch gehen vermehrt aus finanziellen Gründen zu Honorarverträgen und prozentualen Stellenvergaben oder Herabstufungen von A-Stellen zu B- oder C-Stellen oder von C- zu D-Stellen über. Im Gegenzug werden allerdings auch neue Stellen im überregionalen Bereich geschaffen (Bezirkskantor, Dekanatskantor, Kreiskantor, Regionalkantor), die als Arbeitsschwerpunkt die Ausbildung und Betreuung von nebenamtlichen und ehrenamtlichen Organisten/Chorleitern sowie Projektarbeit beinhalten.

In manchen Gegenden (vor allem in kleineren Gemeinden) werden die Aufgaben des Kirchenmusikers vermehrt mit anderen kirchlichen Aufgabenfeldern (Verwaltung, Jugendarbeit etc.) kombiniert.

Statistik

Obwohl die Kirchenmusikerstellen weitestgehend auf die beiden großen Kirchen beschränkt sind, ist durch die Aufteilung in verschiedene Landeskirchen sowie Bistümer keine gesicherte Statistik möglich.

Evangelische Kirchenmusiker im Bereich der EKD:

1994 2006
hauptberufliche Stellen 2270–2350 1680–2000
davon A-Stellen 25% 25%
Anzahl der 100%-Stellen 85% 42%
nebenberufliche Stellen 16.500 17.000

In der römisch-katholischen Kirche in Deutschland waren Anfang 2006 etwa 1600 hauptamtliche sowie 8000 nebenamtliche Kirchenmusiker tätig. 2004 waren etwa 400 evangelische sowie etwa 300 katholische Studenten an den Kirchenmusikhochschulen eingeschrieben. Mitte 2006 waren es 392 evangelische Studenten.


Richtlinien und Ordnungen

Siehe auch


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • examen — [ ɛgzamɛ̃ ] n. m. • 1339; mot lat. « aiguille de balance », de exigere « peser » 1 ♦ Action de considérer, d observer avec attention. ⇒ considération (1o), étude, inspection, investigation, observation, recherche. Examen destiné à apprécier (⇒… …   Encyclopédie Universelle

  • Examen ICFES — Saltar a navegación, búsqueda Las Pruebas ICFES son un conjunto de pruebas que se realizan en Colombia semestralmente, aplicados a jóvenes estudiantes año 11º (senior year) y son realizados por el ICFES para permitir el ingreso a la educación… …   Wikipedia Español

  • Examen (evaluación estudiantil) — Saltar a navegación, búsqueda Estudiantes haciendo un examen en la Universidad de Viena En la educación, certificación, asesoría y muchos otros campos, un examen o prueba es una herramienta o técnica que se usa para medir a los estudiantes en …   Wikipedia Español

  • examen — EXÁMEN, examene, s.n. 1. Mijloc de verificare şi de apreciere a cunoştinţelor dobândite de elevi, de studenţi, de candidaţi pentru ocuparea unui loc, a unui post etc. ♢ Examen de diplomă = examen susţinut în faţa unei comisii speciale, după… …   Dicționar Român

  • Examen d'État unifié — (en russe : Единый государственный экзамен, ЕГЭ, Yediniy gosudarstvenniy ekzamen, EGE) est un examen de la Fédération de Russie. С est un examen que chaque élève doit passer après l obtention du diplôme de l école pour entrer dans une… …   Wikipédia en Français

  • Examen neurologique — Examen clinique neurologique L examen clinique neurologique est en médecine une partie de l examen clinique évaluant les fonctions du système nerveux chez un patient. On recherche des signes d atteintes du système nerveux périphérique ou du… …   Wikipédia en Français

  • examen — à futur vaut enqueste pour le regard des tesmoings decedez, lors que les parties sont appointées en enqueste, Testificatio testium senio aut morbo causariorum anticipata, quae saepe fit ante litem institutam diplomatica venia fidem obtinet… …   Thresor de la langue françoyse

  • Examen de conduite — Auto école Une auto école (ou autoécole) également école de conduite est un établissement d’enseignement qui dispense la formation théorique et pratique et des apprentissages qui permettent de se protéger des dangers de la circulation et de tenir …   Wikipédia en Français

  • B+ — Fonction publique française  Pour les autres articles nationaux, voir fonction publique. La fonction publique française regroupe l ensemble des fonctionnaires de France, soit : 1,750 million de fonctionnaires d État selon l INSEE[1]… …   Wikipédia en Français

  • Examen de conscience — L examen de conscience est une technique pratiquée dans le christianisme afin de recenser ses erreurs graves de comportement (voir : péché) de manière à pouvoir d une part s en confesser et d autre part éviter d y retomber. Le principe en… …   Wikipédia en Français

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”