B-Wagen
Stadtbahnwagen B
Stadtbahnwagen B100S aus Köln und Bonn
Hersteller: DUEWAG, Siemens, Kiepe
WU (10 Fahrzeuge)
Baujahr(e): 1973–1999
Achsformel: B'2'B'
Länge über Kupplung: 28.000 mm
Leermasse: 39,0 t
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Stundenleistung: 2×235 kW = 470 kW
Sitzplätze: 72
Stehplätze: 111

Der Stadtbahnwagen B (kurz: B-Wagen) ist ein regelspuriges Hochflur-Stadtbahn-Fahrzeug, von dem zwischen 1973 und 1999 insgesamt knapp 470 Exemplare gebaut wurden, die auf verschiedenen Stadtbahn-Netzen in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz kommen. Entwickelt wurde das Fahrzeug von der Düsseldorfer Waggonfabrik DUEWAG, die auch den größten Teil baute. Im Allgemeinen handelt es sich dabei um 2,65 Meter breite und 28 Meter lange zweiteilige Fahrzeuge auf drei Drehgestellen mit insgesamt sechs Achsen. Einige Fahrzeuge in Dortmund wurden mit zusätzlichen Mittelteilen verlängert, diese verfügen über acht Achsen.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Ende der 1960er Jahre plante man, ein Stadtbahnnetz Rhein-Ruhr zwischen Düsseldorf und Dortmund aufzubauen. Als einheitliches Fahrzeug war der Stadtbahnwagen A vorgesehen, der als kurzgekuppelter Doppeltriebwagen geplant war. Die Versorgung mit Fahrstrom sollte über eine seitliche Stromschiene erfolgen. Aber auch eine Version für den Oberleitungseinsatz sowie mit Klappstufen für Vorlaufverkehre wurde diskutiert.

In der Region Köln/Bonn sollte ein eigenes Stadtbahnnetz entstehen. Dabei gab es zwei Besonderheiten: Die Stadtbahn sollte zwischen Köln und Bonn das Streckennetz der Köln-Bonner Eisenbahnen benutzen und musste deshalb als Eisenbahnfahrzeug nach der EBO zugelassen werden. In der Kölner Innenstadt war bereits ein Tunnel mit engen Kurvenradien für die Straßenbahn gebaut worden, den auch die Stadtbahn benutzen sollte. Bund und Land weigerten sich damals, sich an der Finanzierung zu beteiligen, weil dort die geforderten Trassierungselemente der Stadtbahn Rhein/Ruhr für den Betrieb des A-Wagens nicht eingehalten wurden.

Da der Stadtbahnwagen A an letzterer Bedingung scheiterte, wurde ein eigenes Fahrzeug geplant, das Stadtbahnwagen B genannt wurde. Drei Prototypen (zwei in Köln, einer in Bonn) wurden 1973 ausgeliefert. Für das Stadtbahnnetz Rhein-Ruhr wurde schließlich der Stadtbahnwagen B als Provisorium übernommen und zuerst in Essen ab 1977 eingesetzt. Der Typ A wurde nie für die Stadtbahnen an Rhein und Ruhr gebaut. Eine Version mit an den geplanten A-Wagen angelehnten Parametern wurde ab 1981 für die Stadtbahn Stuttgart unter der Bezeichnung DT 8 verwirklicht.

Die Kölner und Essener Wagen hatten dabei einen Anstrich in Stadtbahnfarben erhalten, der zuerst in Frankfurt am Main ausgeführt wurde. Die Bonner Wagen waren in zwei Grüntönen lackiert worden.

Der B-Wagen wurde in mehreren Serien gebaut. Die erste Version mit geteilter Frontscheibe (B100S) fährt in Köln (Serie 2000), Bonn (74xx bis 77xx) und Essen/Mülheim an der Ruhr (Serie 50xx). Zur Eröffnung der Düsseldorfer Stadtbahn 1981 wurden durch die Rheinbahn 12 Wagen des Typs B 80 (4001–12) in Stahlbauweise beschafft. Diese Fahrzeuge wiesen bereits eine einteilige Frontscheibe und große Zielfilmkästen sowie einen Drehstromantrieb auf. Die Höchstgeschwindigkeit betrug nur noch 80 km/h. Eine neue Version mit Aluminiumaufbau und veränderten Klappstufen (für ein bequemeres Einsteigen) kam ab 1984 in Düsseldorf zum Einsatz (Serien 41xx bis 42xx), teilweise mit Buffetraum (Rheinbahn-Bistro) 4101–4104). Bei diesen Fahrzeugen wurde auch die Einzeltür am Fahrerplatz links zu Gunsten eines größeren Fahrerraumes weggelassen. Bei den Fahrzeugen der Vorserie wurden die Türen nachträglich entfernt. Für Duisburg wurde ein annähernd gleicher Wagentyp geliefert, aber in Stahlbauweise (47xx). Einige waren mit einem Speiseabteil ausgerüstet. Duisburg und Düsseldorf (dort schon bei der Gelenkwagen (Straßenbahn)serie GT8S) wählten ebenfalls den Stadtbahnanstrich, allerdings in einem dunkleren Rot.

Düsseldorfer B80 D Traktion im größten Stadtbahnhof von NRW : LTU Arena / Messe Nord
B-Wagen in Bonn-Beuel
Bochumer B-Wagen von innen

Ab 1984 beschafften Bonn (83xx) und Köln (2100) weitere B-Serien, die in der Ausführung eher dem Duisburger Typ glichen. Eine in Köln eingesetzte Serie, die Ende der 1980er Jahre entstand, hat nur einen Führerstand an einem Wagenende (Serie 2200) und verkehrt daher nur in Doppeltraktion. Von diesem Typ lieferte die Berliner „Waggon-Union“ zehn Fahrzeuge nach Köln.

Eine an die Kölner Reihe 2200 angelehnte Form des B-Wagens, aber mit zwei Führerständen, wird in Bochum und Dortmund, dort auch als achtachsige Variante, eingesetzt.

Dem Stadtbahnwagen B ähnliche Versionen gibt es bei der Stadtbahn in Karlsruhe (siehe dazu auch DUEWAG GT 8-100). Ebenso fahren B-Wagen, teilweise mit U-Bahn-ähnlichen Türen ausgerüstet, in Mexiko-Stadt, Monterrey, Guadalajara/Mexiko. Des Weiteren kommen im Ausland Triebwagen mit B-Parametern in Lausanne/Schweiz (B-Kompabilität aufgrund der Exporthoffnungen des Herstellers), London (mit Stromschiene, ein Teil verkehrt heute nach Umbau für Oberleitungsbetrieb in Essen), Newcastle upon Tyne/Großbritannien, Pittsburgh, St. Louis/USA, Ankara (mit Stromschiene), Bursa und der Türkei (dort Original-DUEWAG-Bauart) zum Einsatz. Einige Kölner Fahrzeuge der ersten Serie wurden 2007 nach Istanbul verkauft.

Nachfolger

Seit Mitte der 1990er-Jahre wird der B-Wagen nicht mehr weiterentwickelt. Verschiedene Hersteller bieten Fahrzeuge mit ähnlichen Parametern an, um alternde Fahrzeuge zu ersetzen.

Bislang konnte Bombardier 73 Fahrzeuge nach Köln und Bonn verkaufen, die 2002/2003 geliefert wurden. Die in Bonn ausgemusterten B-Wagen sicherten sich die Dortmunder Stadtwerke in einem internationalen Bieterwettbewerb.

Bochum bestellte 2005 sechs Stadler Tango. Entgegen der ursprünglichen Spezifikation sind diese Fahrzeuge nicht mit den vorhandenen B80D kombinierbar. Es ist allerdings geplant, deren technischen Systeme durch Stadler modernisieren zu lassen. Dadurch würde nicht nur die Lebensdauer auf ca. 40 Jahre gesteigert, sondern auch die Möglichkeit geschaffen, gemischte Doppeltraktionen einzusetzen.

Modernisierungen

Bedingt durch Kürzungen bei der Fahrzeugförderung und Unzufriedenheit mit den Nachfolgebaureihen[1] haben sich sowohl die Bonner, als auch die Kölner Verkehrsbetriebe entschieden, mittelfristig auf Neuanschaffungen zu verzichten und stattdessen ihre ältesten B-Wagen umfassend zu modernisieren.

Zweiterstellung Bonn

Die Stadtwerke Bonn beginnen 2009 mit der sogenannten „Zweiterstellung“ ihrer 25 B-Wagen der Baujahre 1974–1977, die somit für weitere 25 Betriebsjahre ertüchtigt werden sollen. [2] Für etwa 900.000 Euro pro Fahrzeug werden neue, rückspeisefähige Antriebe eingebaut, die Fahrerkabine vergrößert, die Fahrzeugfront und der Fahrgastraum umgestaltet. Der Prototyp soll Ende 2009 fertiggestellt sein, anschließend sollen vier Fahrzeuge pro Jahr modernisiert werden.

Umbau Köln

Die Kölner Verkehrs-Betriebe planen ab 2010 die umfassende Modernisierung von 28 B-Wagen der Baujahre 1984 und 1985.[3] Für 1,6 Millionen Euro pro Fahrzeug wird eine Fahrerkabine modernisiert, der Innenraum und die Frontgestaltung modernisiert und eine Temperierungsanlage eingebaut. Die zweite Fahrerkabine entfällt zugunsten eines vergrößerten Fahrgastraums, wodurch die Fahrzeuge analog der Serie 2200 nur noch in Doppeltraktion einsetzbar sind. Ein Prototyp wird bis Juni 2011 gefertigt, ab 2012 sollen sieben Fahrzeuge pro Jahr umgebaut werden.

B-Wagen in Deutschland

Stadt Typ Baujahr Fahrzeugnummer Bemerkungen
Bochum B80D 1988–93 6001–6025 ohne Klappstufen, Außenschwingtür
Bonn (SWB) B100S 1973 7351 Prototyp, get. Frontscheibe, seit 2003 Ersatzteilspender in Dortmund. Verschrottet im Sommer 2006.
Bonn (SWB) B100S 1974–77 7451–7467
7651–7654
7751–7760
get. Frontscheibe, 12 Stück 2003 nach Dortmund verkauft
Bonn (SSB) B100S 1975 7571–7578 get. Frontscheibe
Bonn (SWB) B100S 1984 8451–8456
Bonn (SSB) B100S 1983/4 8371–8378
8471
Bonn (SWB) B100T 1993 9351–9364
Bonn (SSB) B100T 1993 9371–9376
Dortmund B80C/6 1986–1993 301–343 343 von 1998 bis 2000 versuchsweise mit Kunststoffmittelteil
Dortmund B80C/8 1993–1994 344–354 Als Sechsachser geliefert, später Umbau zum B80C/8
Dortmund B80C/8 1998–1999 355–364 Als Achtachser geliefert
Dortmund B100S 1974 401–411 get. Frontscheibe, ex Bonn, bislang nur 401–409 in Betrieb
Düsseldorf B80D 1981 4001–4012 Falttür
Düsseldorf B80D 1986 4101–4104 Falttür, Speiseabteil
Düsseldorf B80D 1986–1990 4201–4288 Falttür
Duisburg B80C 1983 4701–4714 Falttür
Duisburg B80C 1984 4715–4718 Falttür, Umbau aus Speisewagen, nur drei Doppeltüren pro Seite
Essen B80C 1976 5101–5111 Außenschwingtür, get. Frontscheibe, Umbau aus B100S
Essen B80C 1978 5121–5128 Falttür, get. Frontscheibe, Umbau aus B100S
Essen B80C 1985 5141–5145 Falttür
Köln B100S 1973 2001/2 Prototypen, get. Frontscheibe, verschrottet
Köln B100S 1976 2003–2029 get. Frontscheibe
Köln B80S 1977 2030–2049 get. Frontscheibe, 2042, 2046, 2052 nicht mehr in Betrieb
Köln B100S 1978 2050–2054 get. Frontscheibe
Köln B100S 1977 2095–2099 get. Frontscheibe, ex KBE
Köln B100S 1984/85 2101–2122 2118 ausgemustert
Köln B100S 1986 2192–2199 ex KBE, 2197 nicht mehr vorhanden
Köln B80D 1987–1992 2201–2240 1 Führerstand, Außenschwingtür
Köln B80D 1988/89 2251–2260 1 Führerstand, Außenschwingtür, Hersteller: Waggon-Union
Köln B80D 1993/94 2301–2333 Außenschwingtür
Mülheim an der Ruhr B100S 1976 5012–5016 Außenschwingtür, get. Frontscheibe
Mülheim an der Ruhr B80S 1985 5031–5032 Falttüre

Siehe auch

Quellen

  1. SWB-Geschäftsführer Heinz-Jürgen Reining: „Was man heute auf dem Markt bekommt, hat nicht die Qualität, die wir wollen“ aus: Nur die Karosserien bleiben erhalten, General-Anzeiger vom 30. Dezember 2008
  2. 25 Stadtbahnwagen werden modernisiert: Nach zweijähriger Konzeption Prototyp erstellt Pressemitteilung der Stadtwerke Bonn vom 29. Dezember 2008
  3. KVB modernisiert komplette Stadtbahnwagen-Serie Pressemitteilung der Kölner Verkehrs-Betriebe vom 25. November 2008

Weblinks


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