B61 (Waffe)
Die zahlreichen Einzelbaugruppen einer B61

Die Atombombe B61 war über zwei Jahrzehnte die am weitesten verbreitete Kernwaffe der USA. Sie ist als frei fallende Fliegerbombe konzipiert und wurde seit 1968 in großer Stückzahl in Europa stationiert.

Die erste Stationierung von Kernwaffen in Deutschland erfolgte bereits 1955 im Zusammenhang mit dem Kalten Krieg. Ein Großteil dieser Waffen wurden seit 1996 in die USA zurückverlegt.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

eine in Hauptbaugruppen zerlegte B61-Bombe

Die B61, ursprünglich (vor 1968) mit TX-61 bezeichnet, wurde 1963 im Los Alamos National Laboratory in New Mexico entwickelt. Die Produktion begann verspätet 1968 aufgrund von Problemen während der Konstruktion.

Insgesamt wurden 3155 B61 gebaut, von denen im Jahr 2002 noch 1925 Stück im Arsenal waren. Weltweit sind derzeit noch rund 1000 Bomben einsatzfähig, etwa 480 sind in Europa (England, Belgien, Deutschland, Griechenland und Türkei) stationiert. Vermutlich sind im Rahmen der nuklearen Teilhabe heute 20 Atombomben dieses Typs in Deutschland beim Jagdbombergeschwader 33 der Bundeswehr auf dem Fliegerhorst Büchel in 11 unterirdischen Bunkern gelagert.[1] Weitere 308 Atombomben waren zumindest bis 2005 auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein und den deutschen Luftwaffen-Fliegerhorsten Nörvenich, Büchel und Memmingen (bis 2002) einsatzbereit.

Die Anzahl der stationierten B61-Atombomben wird zugunsten der Konzentration auf U-Boot-gestützte strategische Atomraketen (Submarine Launched Ballistic Missile, SLBM) reduziert. Durch diese Maßnahme verlieren frei fallende nukleare Fliegerbomben für die USA und die NATO an Bedeutung.

Insgesamt wurden neun Versionen der B61 produziert, die sich – äußerlich nahezu identisch – lediglich in der Funktionsweise unterscheiden. Bei dem Modell B61 Mod 10 wurden die Gefechtsköpfe aus den Pershing-II-Raketen wiederverwendet. Der eigentliche Sprengkopf der B61 wurde seit seiner Einführung mit Ausnahme einer Sicherung nur wenig verändert.

Die neueste Entwicklung ist die B61 Mod 11 aus dem Jahre 1997, die als atomarer Bunkerbrecher zur Bekämpfung von unterirdischen Bunkeranlagen entwickelt wurde. Bei diesem Modell wurde die Hülle aus abgereichertem Uran gefertigt, um eine ausreichende Penetrationsleistung in Erdreich und Stahlbeton zu gewährleisten. Technische Detailstudien ergeben jedoch auch für diesen Waffentyp, dass ein Einschluss der Explosion unterhalb der Erdoberfläche nicht erreicht werden kann. Der dadurch hervorgerufene radioaktive Niederschlag macht diese Version zu einer sogenannten „schmutzigen Atombombe“ im Sinne der ursprünglichen Definition.[2][3]

Einsatzflugzeuge

B-52H mit möglicher Waffenlast

Mit der B61 kann eine Vielzahl von strategischen und taktischen Bombern und Kampfflugzeugen ausgerüstet werden. Dazu gehören die amerikanischen

sowie der in mehreren europäischen Staaten eingeführte

Design

B61-Atombombe: Die Einzelteile des Nuklearsprengkopfes

Bei der B61 handelt es sich um eine Wasserstoffbombe nach dem Teller-Ulam-Design. Bei dieser Waffe wird die Primärstufe (Fissionszünder für die Fusionsladung) durch ein Tritium-Deuterium-Gemisch verstärkt. In der Sekundärstufe wird Lithium-6-Deuterid für die Kernfusion verwendet. Die B61 ist stromlinienförmig gebaut, damit sie auch außen an überschallschnellen Kampfflugzeugen montiert werden kann. Der Bombenkörper ist 3,58 Meter lang und hat einen Durchmesser von 33 Zentimetern, das Gewicht beträgt zwischen 320 und 540 Kilogramm (abhängig von der Bauweise).

Die meisten Versionen sind mit einem Fall-/Bremsschirm aus Nylon/Kevlar mit einem Durchmesser von 7,30 Meter ausgerüstet, um die Waffe im Fall so weit abzubremsen, dass das Trägerflugzeug genügend Zeit hat, sich aus dem Wirkungsbereich der Explosion zu entfernen. Die Bombe übersteht durch den Fallschirm einen Aufprall und kann auch zu einem späteren Zeitpunkt gezündet werden. Die B61 kann in der Luft und auf dem Boden gezündet werden und ist selbst bei einem schirmgebremsten Abwurf bei doppelter Schallgeschwindigkeit aus 15 Metern Höhe (lay down) noch funktionstüchtig.

Die maximale Sprengkraft entspricht einem Äquivalent von 340.000 Tonnen TNT.

Es ist beabsichtigt, den Waffentyp bis zum Jahre 2025 einsatzfähig zu halten.

B61-Atombomben in einer ausgefahrenen Unterflur-Lagereinheit in einem geschütztem Hangar

Aktuell noch einsatzfähige Varianten

  • B61 mod 3: Selektierbare Sprengkraft 0,3/1,5/60//170 kT.
  • B61 mod 4: Selektierbare Sprengkraft 0,3/1,5/10/45 kT.
  • B61 mod 7: Selektierbare Sprengkraft 10/170/340 kT.
  • B61 mod 10: Selektierbare Sprengkraft 0,3/5/10/80 kT.
  • B61 mod 11: Bunkerbrechende Bombe, Sprengkraft ~10 kT.

Referenz

Weblinks

Einzelnachweise

  1. US-Atomwaffen in Deutschland und Europa, von Otfried Nassauer
  2. Atomare Bunkerbrecher und ihre Wirkung auf die Umwelt
  3. Low-Yield Earth-Penetrating Nuclear Weapons (pdf, englisch)

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