BAB 20
Bundesautobahn 20
Basisdaten
Gesamtlänge: 323 km
Bundesland: Schleswig-Holstein
Mecklenburg-Vorpommern
Brandenburg
Niedersachsen (geplant)
Ausbauzustand: 2 Fahrspuren
Karte
Verlauf der A 20

Die Bundesautobahn 20 (Abkürzung: BAB 20) – Kurzform: Autobahn 20 (Abkürzung: A 20), auch „Ostseeautobahn“ oder „Küstenautobahn“ genannt – ist eine Autobahn in Norddeutschland. Die A 20 ist Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 10 und der längste zusammenhängende Neubau einer Autobahn seit 1945 und wird nach Freigabe des nächsten Teilstückes bis Geschendorf, voraussichtlich 2009, die A 61 als längste „zweistellige“ Autobahn ablösen.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

A 20 bei Langsdorf in Richtung Rostock

Die Bundesautobahn 20 führt durchgängig von Lübeck über das unmittelbare Hinterland der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns bis zum Autobahndreieck Kreuz Uckermark an der A 11, wo sie dann in die B 166 in Richtung Schwedt/Oder übergeht.

Von Lübeck über Rostock bis Greifswald verläuft die A 20 in östlicher Richtung, ab hier südlich in Richtung Neubrandenburg, dann weiter südöstlich bis Pasewalk und von dort in Richtung Süden bis zum Kreuz Uckermark. An der zum Autobahndreieck ausgebauten Anschlussstelle Stralsund mündet die als vierspurige Kraftfahrstraße neu gebaute B 96 ein.

Von der Gesamtstrecke befinden sich 279,6 Kilometer in Mecklenburg-Vorpommern, 26,8 Kilometer in Brandenburg und 16,8 Kilometer in Schleswig-Holstein. Bestandteil der Strecke sind 105 Autobahnbrücken, vier Autobahnkreuze und -dreiecke sowie 35 Anschlussstellen.

Der Flughafen Lübeck-Blankensee hat im Zuge der neuen Bundesstraße 207 eine direkte eigene Anschlussstelle Lübeck-Süd erhalten.

Raststätten

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Für den bisher befahrbaren Teil der A 20 wurden fünf Raststätten geplant, von denen bis Ende 2008 nur eine eröffnet wurde. Für die vier verbleibenden wurden zwar die infrastrukturellen Vorbereitungen getroffen, allerdings fanden sich noch keine Investoren, die dort Raststätten bauen und eröffnen wollen, so dass die Flächen bisher lediglich als Parkplatz genutzt werden können. So befindet sich auf den östlichen rund 240 Kilometern keine gastronomische Einrichtung direkt an der Autobahn. Grund ist laut Verkehrsministerium die zögerliche wirtschaftliche Entwicklung der Region, das geringe Verkehrsaufkommen und das damit verbundene hohe unternehmerische Risiko. Diese Bedingungen könnten sich jedoch mit dem Beitritt Polens zum Schengener Abkommen und dem damit verbundenen Wegfall der Grenzkontrollen ändern. 2008 sollen die vier Raststätten neu ausgeschrieben werden.[1]

Weiterbau und Planungen

geplanter Verlauf der A 20 nördlich von Hamburg

Eine Weiterführung durch Schleswig-Holstein über Bad Segeberg (Anbindung an die A 21 nach Kiel) und Bad Bramstedt (Anbindung an die A 7) zu einer mautpflichtigen Elbquerung westlich Hamburgs nach Stade in Niedersachsen ist geplant. Das Teilstück vom Kreuz Lübeck in Richtung Bad Segeberg bis Geschendorf ist bereits seit Oktober 2004 im Bau und soll im Juni 2009 fertiggestellt werden. Der Abschnitt enthält 20 Brückenbauwerke inklusive der umstrittenen Wildbrücke bei Strukdorf, die aus großen Stahlbetonbögen besteht und einem Tunnel ähnlich ist. Des Weiteren befindet sich seit April 2008 der Streckenabschnitt Geschendorf bis Weede im Bau, der voraussichtlich Anfang 2010 fertiggestellt wird.[2] Der Planfeststellungsbeschluss für das weitere Teilstück inklusive Querung der A 21 von Weede bis Wittenborn wird Ende 2008 erwartet. Für die restlichen Streckenabschnitte einschließlich der Elbquerung bei Glückstadt erfolgte die formelle Linienbestimmung am 28. Juli 2005. Sie sind derzeit in der Entwurfsbearbeitung. Auf dem Gebiet Niedersachsens soll bei Drochtersen (Landkreis Stade) die A 20 ein Autobahndreieck mit den Autobahnen A 26 und der geplanten A 22 haben. Eine Verlängerung bis zur A 1 bei Sittensen ist vorerst zugunsten der A 22 in Richtung Westerstede zurückgestellt worden.

Das größte Bauwerk dieser Strecke soll die Elbquerung bei Drochtersen werden. Bislang (Oktober 2008) ist vorgesehen, sie von privaten Investoren bauen und über Mauteinnahmen finanzieren zu lassen, jedoch hat sich noch kein Investor gefunden. Geplant sind zwei etwa 5.200 Meter lange zweispurige Röhren mit knapp zwölf Metern Innendurchmesser.

Nummerierung der Anschlussstellen

Bei der Nummerierung der Anschlussstellen wurde die westlich der A 1 liegende Trasse nicht berücksichtigt. Daher wird nach Fertigstellung der Gesamtstrecke ggf. eine neue Nummerierung der Anschlussstellen notwendig. Warum für diesen Teil kein Zahlenbereich, z. B. die Nummern 1 bis 30, freigehalten wurde, ist unklar.

Geschichte

Brücke der A 20 über das Peenetal bei Jarmen
A-20-Brücke über den Elbe-Lübeck-Kanal bei Lübeck

Vor den Bauarbeiten wurde die gesamte Trasse durch das Archäologische Landesamt untersucht. Dabei taten sich zahlreiche neue Fundstellen auf, wurden ausgegraben bzw. gesichert. Vor Beginn dieser Untersuchungen gab es beispielsweise auf dem Teilstück zwischen Schönberg und Rostock nur neun Fundplätze, heute sind es mehr als 160. Beispiel einer Fundstelle im vorpommerschen Landesteil ist der Feuerstellenplatz von Jarmen.

Der erste Spatenstich zu dieser Autobahn wurde im Jahre 1992 vom damaligen Bundesminister für Verkehr, Günther Krause, an der Anschlussstelle Wismar-Mitte durchgeführt. Daher wurde diese Autobahn zeitweilig auch „Krauseautobahn” genannt. Hauptaugenmerk wurde zuerst auf Teilstücke gelegt, in deren Umgebung Bundesstraßen und Ortsdurchfahrten besonders belastet waren. So konnte seit November 1997 das 18 Kilometer lange Teilstück zwischen Grevesmühlen und Wismar-Mitte und seit Ende 2000 das gesamte 91,1 Kilometer lange Teilstück zwischen Schönberg über Wismar nach Rostock befahren werden. Ein Jahr später erfolgte die Freigabe der Strecken zwischen dem Autobahnkreuz Lübeck und Genin sowie zwischen dem Kreuz Uckermark und dem Anschluss Pasewalk-Nord, die seit 2002 schon bis Neubrandenburg-Nord befahrbar war. Am 7. Dezember 2005 eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel nach 14 Jahren Planungen und Bau die letzten Teilstücke bei Tribsees und Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Die Baukosten betrugen insgesamt 1,9 Milliarden €.

Wie das ARD-Fernsehmagazin Panorama bereits 1998 berichtete, wurden Bürgerinitiativen, die für die A 20 gekämpft haben, von der Gesellschaft zur Förderung umweltgerechter Straßen- und Verkehrsplanung, einem Lobbyverband der Asphaltindustrie, auch finanziell unterstützt.[3]

Baupannen

Das etwa 14 Kilometer lange Teilstück zwischen Schönberg in Mecklenburg-Vorpommern und der schleswig-holsteinischen Landesgrenze wurde wegen einer Pannenserie bekannt. Die erst Mitte Dezember 2004 freigegebene Teilstrecke mit einer Betonfahrbahndecke, angeraut mit einem „Besenstrich quer“ – seit etwa 1990 im Autobahnbau als überholt geltend und von den Medien als „Brüllbeton“ tituliert[4] – führte aufgrund erhöhter Reifen-Fahrbahn-Geräusche in einem halben Kilometer Entfernung zu einem Straßenverkehrslärm mit einem Schalldruckpegel von mehr als 100 Dezibel, statt der zulässigen 80 Dezibel. Deshalb wurde bis zur technischen bzw. baulichen Lösung des Problems die zugelassene Höchstgeschwindigkeit auf 100 km/h begrenzt. Im August 2005 wurde der Beton mit einer neuen Asphaltdecke überzogen. Bei den Arbeiten wurden durch bei Regen auf die Fahrbahn geratenen Bitumenbinder etwa 300 Fahrzeuge beschädigt. Im sehr heißen Monat Juli 2006 warf der neue Fahrbahnbelag bis zu 30 Zentimeter große Blasen, die auf Wassereinschlüsse zwischen Beton und Asphalt zurückgeführt und durch Aufbohren beseitigt wurden.[5]Auch in der Folgezeit kam und kommt es bei hohen Temperaturen zu Blasenbildungen im Asphalt. Eine endgültige Abhilfe ist noch nicht in Sicht.

Ökologische Ausgleichsmaßnahmen

Zwischen Franzburg und Richtenberg entsteht seit 2006 durch Aufstauung der Franzburg-Richtenberger See, der als ökologische Ausgleichsmaßnahme für die beim Bau der Autobahn entstandenen Umweltschäden vorgesehen war.

Einzelnachweise

  1. NDR-Fernsehen, Beitrag im Nordmagazin vom 28. Dezember 2007
  2. Antwort auf Kleine Anfrage zum Baufortschritt und Planungsstand Elbquerung in Bundestags-Drucksache 16/10220
  3. Bürgerinitiativen für mehr Straßen – Asphaltlobby finanziert eigene Unterstützerszene – Panorama, NDR
  4. Brüllbeton auf A 20 – NDR 1 Radio MV
  5. Baumängel bei der A 20 – Hamburger Abendblatt

Literatur

  • Landesamt für Bodendenkmalpflege: Die Autobahn A20 – Norddeutschlands längste Ausgrabung. Archäologische Forschungen auf der Trasse zwischen Lübeck und Stettin. 2005, ISBN 3935770111.

Weblinks



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