BAB 22
Bundesautobahn 22
Basisdaten
Gesamtlänge: ca. 120 km
Bundesland: Niedersachsen
Ausbauzustand: in Planung

Die geplante Bundesautobahn 22 (Abkürzung: BAB 22) – Kurzform: Autobahn 22 (Abkürzung: A 22) – soll von der A 28 zwischen den Anschlussstellen Bad Zwischenahn-West und Zwischenahner Meer über die A 29 bei Jaderberg, durch den Wesertunnel über die A 27 bei Bremerhaven bis an den geplanten Elbtunnel zwischen Drochtersen und Stade führen. Ab dem geplantem Dreieck Drochtersen ist geplant, die Elbe als A 20 zu unterqueren. Außerdem zweigt dort die A 26 nach Hamburg ab. Die A 20 führt weiter bis nach Lübeck und dann nach Mecklenburg-Vorpommern. Derzeit führt durch den Wesertunnel die Bundesstraße 437. In der regionalen Presse wird sie oft auch Küstenautobahn genannt und soll mit ihrem küstenparallelen Verlauf die Hinterlandanbindung der norddeutschen Häfen verbessern.

Inhaltsverzeichnis

Planungsstand

Die Autobahn A 22 ist im Bundesverkehrswegeplan als „Weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ eingestellt und gilt damit auf Bundesebene als nachrangig. Das Land Niedersachsen strebt die Aufstufung in den „Vordringlichen Bedarf“ bei der nächsten Überarbeitung dieses Planungswerkes an. Für diesen Fall kündigt das niedersächsische Verkehrsministerium bei reibungslosen Planfeststellungsverfahren den Baubeginn 2014 und die Fertigstellung 2018 bis 2020 an,[1] bei dem Erörterungstermin zum Raumordnungsverfahren wurde 2020 als frühester möglicher Fertigstellungstermin genannt.[2] Das Land Niedersachsen hat am 10. Oktober 2007 das Raumordnungsverfahren durch die Regierungsvertretung in Lüneburg (ehemalige Bezirksregierung) eröffnen lassen.[3]

Am 29. Mai 2007 hat der damalige niedersächsische Verkehrsminister Walter Hirche angekündigt, zwischen Elbe und Weser eine Trasse über Bremervörde und Loxstedt vorrangig zu planen.[1] Eine Nordvariante, die über Lamstedt und Bad Bederkesa an die A 27 nördlich von Bremerhaven führen würde, ist aber nicht endgültig ausgeschlossen, die endgültige Klärung erfolgt im Raumordnungsverfahren.

Weitere Planung und Entscheidung

Auf fachlich-technischen Seite der Planung wird nach dem Raumordnungsverfahren durch das Land Niedersachsen die Linienbestimmung durch das Bundesverkehrsministerium erwartet, in der die Trassenwahl auf wenige hundert Meter festgeschrieben wird. Ist diese erfolgt, kann dann wieder das Land nach Zustimmung des Bundes die Planfeststellungsverfahren durchführen, in denen die Details metergenau festgelegt werden. Formal wird erst hier über den Bau entschieden, in diesem Schritt sind auch Klagen möglich. Ist die Planfeststellung rechtskräftig und die Finanzierung geklärt, kann ausgeschrieben und gebaut werden.

Sach- und finanzpolitisch ist es nicht zu erwarten, dass ein Projekt des „weiteren Bedarfs“ ohne vorige Aufwertung umgesetzt wird; in den vergangenen Jahren führte der Bund nur die Projekte des „Vordringlichen Bedarfs“, auch die nicht vollständig, aus. Die nächste Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplans wird für 2009/10 erwartet, hierzu machen die Länder Vorschläge. Bei den letzten Überarbeitungen (1993 und 2003) wurde von den Ländern jeweils ein Mehrfaches von dem gefordert, was der Bund als finanzierbar ansah. Formal wird der Bedarfsplan dann vom Bundestag als Gesetz beschlossen. Planungs- und Baugelder werden vom Haushaltsausschuss des Bundestages im Rahmen des Bundeshaushaltes freigegeben, dabei folgt er bei der Auswahl der Projekte üblicherweise den Empfehlungen von Verkehrsministerium und Verkehrsausschuss.

Verlauf der Hauptvariante

Verlauf der A 22
Der Wesertunnel soll bei allen Varianten Bestandteil der A 22 werden

Der Verlauf der Autobahn wird erst bei der Planfeststellung rechtsverbindlich festgelegt. Dennoch geht aus den am 18. Oktober 2007 veröffentlichten Unterlagen zum Raumordnungsverfahren[4] und der Landesplanerischen Feststellung vom Februar 2009[5] eine von den Planern bevorzugte Variante hervor. Diese beginnt an der Anschlussstelle Bad Zwischenahn-West der A 28, führt von dort nordwärts durch das Dringenburger Moor und trifft etwa einen Kilometer nördlich der Anschlussstelle Jaderberg auf die A 29. Von dort geht es in einem Bogen nordöstlich um Jaderberg herum mit einer Querung der Jade bei Nordbollenhagen. Die Trasse wendet sich über Neustadt und östlich Schwei wieder nach Norden, um von Westen her auf die bestehende Bundesstraße 437 zu treffen. Diese soll außerhalb des Wesertunnels zur Autobahn ausgebaut werden, für den Tunnel selbst ist fraglich, ob er autobahntauglich ist. An der Anschlussstelle Stotel an der A 27 ist ein Autobahndreieck geplant, ein weiteres südlich der Anschlussstelle Bremerhaven-Wulsdorf. Fast im Halbkreis wird die geplante Autobahn Loxstedt nördlich umfahren, die Trasse verläuft nördlich der Bahnstrecke Bremen–Bremerhaven in südöstliche Richtung, um dann am Nordrand von Lunestedt wieder nach Osten abzubiegen, Hipstedt wird im Südosten berührt. Bremervörde wird nordwestlich umfahren[6], die Oste nördlich von Nieder-Ochtenhausen überbrückt. Die Vorzugsvariante läuft weiter östlich Estorf, nördlich Oldendorf und nordwestlich Himmelpforten. Engelschoff wird südöstlich umfahren. Auf etwa halber Strecke zwischen Drochtersen und Gauensieckermoor ist das Autobahndreieck zur A 20 und A 26 vorgesehen.

Zunächst wurden verschiedene Alternativvarianten ins Auge gefasst. Sie beginnen im Westen zwischen südlich Uplengen und Neuenkruge und breiten sich zwischen Rastede und Bockhorn aus. Von Jade bis Stotel gibt es nur geringe Möglichkeiten zum Abweichen. Östlich der A 27 gibt es Trassen südlich von Stotel bis nördlich Debstedt, wobei ein etwa 10 km breiter Bereich entlang der Geeste von Schiffdorf bis Alfstedt ausgelassen wird. Die südlichste Variante verläuft weiter zwischen Basdahl und Gnarrenburg, die nördlichste zwischen Lamstedt und Hemmoor. Die östlichste Variante folgt der Bundesstraße 74 bis zum Stader Ortsteil Wiepenkathen und mündet westlich Bützfleth auf die geplante A 26. Mit der Landesplanerischen Feststellung sind diese Trassen aus der Diskussion genommen.

Im Raumordnungsverfahren wurden Baukosten um 1,1 Mrd. € genannt.[7]

Diskussion

Gefordert wird der Bau der A 22 insbesondere von der (Hafen-)Wirtschaft in Nordwestdeutschland, nicht zuletzt aufgrund des erwarteten Zusatzverkehrs durch den Bau des JadeWeserPorts in Wilhelmshaven. Die Autobahn würde vor allem eine kürzere Verbindung zwischen den Niederlanden bzw. dem Ruhrgebiet und 60 km an Hamburg vorbei (sowie weiter nach Skandinavien und Osteuropa) schaffen[8] und soll die A 1 um zwei Prozent entlasten. Da der Bund die Planung noch nicht finanzieren will, wurden im Jahr 2006 – insbesondere von Unternehmen der Region – über 750.000 € Spendengelder gesammelt, um sich an den notwendigen Planungskosten zu beteiligen, damit diese sofort beginnen. Dieses Drittel der Planungskosten wird als private Spende deklariert, obwohl viele der Großspenden von Verbänden, Versorgern, Geldinstituten und anderen „halböffentlichen“ Firmen kommen.

Es gibt erhebliche Widerstände der betroffenen Bevölkerung entlang der geplanten Trassen. Ein breites Bündnis aus Bürgerinitiativen, Umwelt- und Verkehrsverbänden wendet sich gegen die mit dem Bau verbundene Landschaftszerstörung, zweifelt die Wirtschaftlichkeit des Projektes an (Nutzen-Kosten-Verhältnis laut Bundesverkehrswegeplan: 1,9, laut Unterlagen Raumordnungsverfahren bis 4,2) und sieht eine Vielzahl regionaler Arbeitsplätze gefährdet. Das Bündnis fordert als Alternative den Ausbau des Bahnnetzes, um noch mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern zu können.

Die A 22 ist eng mit der geplanten Elbquerung bei Drochtersen im Zuge der Bundesautobahn 20 (hier: Lübeck–geplantes Dreieck Drochtersen) verknüpft. Im Rahmen des Raumordnungsverfahrens wurde erklärt, dass der vorgesehene Elbtunnel Voraussetzung für die „Küstenautobahn“ ist. Der Verkehrswegeplan 2003 enthält keine Finanzmittel für den Tunnel, da er von privaten Investoren gebaut und über Mauteinnahmen finanziert werden soll; jedoch hat sich bis September 2008 kein Investor dafür gefunden.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Pressemitteilung des Nds. Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
  2. dpa-Meldung in HAZ, Welt und anderen Zeitungen am 27./28. 08. 2008
  3. http://www.kuestenautobahn.info/54.220.0.0.1.0.phtml
  4. http://beteiligung.kuestenautobahn.info
  5. http://www.kuestenautobahn.info/54.232.0.0.1.0.phtml
  6. "Östlich der Weser weist die festgestellte Trasse eine zügigere Linienführung auf und bindet den Raum Bremervörde so in das Autobahnnetz ein, dass die bisher geplante Ortsumfahrung Bremervörde durch die A 22 entbehrlich wird." heißt es in der Landesplanerischen Feststellung.http://www.kuestenautobahn.info/54.232.0.0.1.0.phtml und http://www.kuestenautobahn.info/77.0.0.1.0.0.phtml?PHPSESSID=4903741ac8a106c97c3d0414d7ccf4fc
  7. Erläuterungsbericht, S. 278, abgefragt am 9. Oktober 2008
  8. Karte der Initiative A22-jetzt

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