Sankt Kanzian am Klopeiner See


Sankt Kanzian am Klopeiner See
St. Kanzian am Klopeiner See
Wappen von St. Kanzian am Klopeiner See
Sankt Kanzian am Klopeiner See (Österreich)
Sankt Kanzian am Klopeiner See
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: Völkermarkt
Kfz-Kennzeichen: VK
Fläche: 40,94 km²
Koordinaten: 46° 37′ N, 14° 35′ O46.61444444444414.575833333333442Koordinaten: 46° 36′ 52″ N, 14° 34′ 33″ O
Höhe: 442 m ü. A.
Einwohner: 4.378 (1. Jän. 2011)
Bevölkerungsdichte: 106,94 Einw. pro km²
Postleitzahl: 9122
Vorwahl: 04239
Gemeindekennziffer: 2 08 13
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Klopeiner Straße 5
9122 St. Kanzian
Website: www.st.kanzian.at
Politik
Bürgermeister: Thomas Krainz (SPÖ)
Gemeinderat: (2009)
(23 Mitglieder)
10 SPÖ, 7 ÖVP, 2 GWL, 4 BZÖ&parteifreie
Lage der Gemeinde St. Kanzian am Klopeiner See im Bezirk Völkermarkt
Bleiburg Diex Eberndorf Eisenkappel-Vellach Feistritz ob Bleiburg Gallizien Globasnitz Griffen Neuhaus Ruden Sankt Kanzian am Klopeiner See Sittersdorf Völkermarkt KärntenLage der Gemeinde Sankt Kanzian am Klopeiner See im Bezirk Völkermarkt (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Klopeiner See vom Georgibergl aus gesehen

Sankt Kanzian am Klopeiner See, amtlich St. Kanzian am Klopeiner See (slowenisch: Škocjan v Podjuni), ist eine Gemeinde mit 4378 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2011) im Bezirk Völkermarkt in Kärnten.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Sankt Kanzian liegt im Jauntal, südlich der zum Völkermarkter Stausee aufgestauten Drau und ungefähr sieben Kilometer vom Stadtzentrum der Bezirkshauptstadt Völkermarkt entfernt. Zum Gemeindegebiet gehören der Klopeiner See, der Turnersee, der Kleinsee und der Georgiberg.

Gemeindegliederung

Sankt Kanzian am Klopeiner See ist in sieben Katastralgemeinden gegliedert: Grabelsdorf (Grabalja vas), Lauchenholz (Gluhi les), St. Kanzian (Škocjan), St. Marxen (Šmarkež), St. Veit im Jauntal (Šentvid v Podjuni), Srejach (Sreje) und Stein (Kamen).

Das Gemeindegebiet umfasst folgende 37 Ortschaften (Einwohnerzahl Stand 2001):

  • Brenndorf (Goreča vas) (57)
  • Duell (Dole) (15)
  • Grabelsdorf (Grabalja vas) (155)
  • Horzach I (Horce pri Škocjanu) (55)
  • Horzach II (Horce pri Šentvidu) (43)
  • Kleindorf I (Mala vas pri Škocjanu) (23)
  • Kleindorf II (Mala vas pri Kamnu) (49)
  • Klopein (Klopinj) (254)
  • Lanzendorf (Lancova) (27)
  • Lauchenholz (Gluhi les) (82)
  • Littermoos (Zablate) (51)
  • Mökriach (Mokrije) (34)
  • Nageltschach (Nagelče) (124)
  • Oberburg (Zgornji Podgrad) (13)
  • Obersammelsdorf (Žamanje) (84)
  • Oberseidendorf (Zgornji Ždinja vas) (34)
  • Peratschitzen (Peračija) (130)
  • Piskertschach (Piskrče) (44)
  • Saager (Zagorje) (18)
  • Sankt Kanzian am Klopeiner See (Škocijan v Podjuni) (286)
  • Sankt Lorenzen (Šentlovrenc) (63)
  • Sankt Marxen (Šmarkež) (77)
  • Sankt Primus (Šentprimož) (160)
  • Sankt Veit im Jauntal (Šentvid v Podjuni) (137)
  • Schreckendorf (Straša vas) (97)
  • Seelach (Selo) (285)
  • Seidendorf (Ždinja vas) (61)
  • Sertschach (Srče) (122)
  • Srejach (Sreje) (178)
  • Stein im Jauntal (Kamen v Podjuni) (207)
  • Steinerberg (Kamenska Gora) (51)
  • Unterburg (Spodnji Podgrad) (348)
  • Unternarrach (Spodnje Vinare) (67)
  • Untersammelsdorf (Samožna vas) (31)
  • Vesielach (Vesele) (80)
  • Wasserhofen (Žirovnica) (660)
  • Weitendorf (Betinja vas) (95)

Geschichte

Frühe Geschichte

Pfarrkirche Heiliger Kanzian
Kirche mit dem Wunschglöcklein auf dem Georgibergl

Auf der Gracarca, einem Mittelgebirgsstock am südöstlichen Ufer des Klopeiner Sees, wurden Siedlungsspuren gefunden, die der Urnenfelderkultur (um 900-730 v. Chr.) und der Hallstattkultur (um 730-300 v. Chr.) zugerechnet werden. Diese und weitere Funde lassen darauf schließen, dass es sich bei dieser Siedlung möglicherweise um die Stadt Noreia, der Hauptstadt des keltischen Königreichs Noricum handeln könnte, das zwischen ca. 300 und 15 v. Chr. bestand. Grabfunde aus der Spätantike (300-590 n. Chr.) und dem Frühmittelalter im heutigen Gemeindegebiet weisen auf weitere frühe Ansiedlungen hin.

Die Pfarrkirche St. Kanzian ist den Geschwistern Kanzius, Kanzian und Kanzianilla, die im Jahre 290 n. Chr. in Aquileia den Märtyrertod erlitten haben, geweiht. Die Pfarre St. Kanzian bestand schon im 12. Jahrhundert, wahrscheinlich aber schon früher, da der Patriarch Udalricus sie im Jahre 1106 n. Chr. dem Kloster Eberndorf abgetreten hat.

Gemeindegeschichte

Zu einer selbständigen Gemeinde wurde St. Kanzian im Jahre 1866, nachdem die erst 1850 gebildete Gemeinde Kühnsdorf aufgelöst wurde und sich die drei Katastralgemeinden St. Kanzian, Srejach und St. Marxen zusammenschlossen; schon 1876 wurde die Ortsgemeinde um die Katastralgemeinde Grabelsdorf (davor zu Eberndorf) erweitert. Drei weitere Katastralgemeinden (Stein, St. Veit und Lauchenholz) wurden nach der Auflösung der Ortsgemeinde Rückersdorf 1944 eingemeindet. 1973 und 2002 folgten noch kleinere Gebietskorrekturen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließen sich erste Anfänge des Fremdenverkehrs am Klopeiner See, einem der wärmsten Badeseen Österreichs, und am Turnersee feststellen. Ab dieser Zeit erlebte die Region einen konstanten wirtschaftlichen Aufschwung, ab den 1950er Jahren entwickelte sich St. Kanzian zu einer der führenden Fremdenverkehrsgemeinden Österreichs.

Ortstafelstreit

Die fehlende zweisprachige Ortstafel von St. Kanzian war 2001 Auslöser des Urteils des Verfassungsgerichtshofs, in dem die 25%-Regelung des Volksgruppengesetzes als verfassungswidrig aufgehoben wurde (siehe auch Ortstafelstreit).

Bevölkerung

Nach der Volkszählung 2001 hat die Gemeinde St. Kanzian am Klopeiner See 4.297 Einwohner, davon sind 94,4 % österreichische, 1,9 % bosnische und 1,1 % deutsche Staatsbürger. 12,8 % gehören der slowenischsprachigen Volksgruppe an. Gemäß einem Urteil des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) vom 26. Juni 2006 gilt der gleichnamige Hauptort der Gemeinde aufgrund des laut der VZ 2001 unter 10 % gesunkenen Anteils der slowenischen Minderheit jedoch nicht mehr als „gemischtsprachig“. Nichtsdestotrotz zählen die slowenischen Kulturvereine (insbesondere der Verein Danica) und -aktivitäten zu den Trägern des Kulturlebens in der Gemeinde[1] und werden alle Pfarren zweisprachig geführt.[2]

Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 88 % der Gemeindebevölkerung, zur evangelischen Kirche 3,3 %, zum Islam 2,3 %. Ohne religiöses Bekenntnis sind 4,4 %.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 23 Mitglieder und setzt sich seit der letzten Gemeinderatswahl 2009 wie folgt zusammen:[3]

Direkt gewählter Bürgermeister ist Thomas Krainz (SPÖ).[4]

Wappen

Das Wappen von Sankt Kanzian hat folgende Blasonierung: „Im Wellenschnitt geteilter Schild. Oben in Grün drei einmal eingeschnittene Semmeln (Hildegardislaibeln) in natürlicher Farbe, 1:2 geteilt; unten fünfmal von Silber im Wellenschnitt geteilt.“[5] Die fünffache Wellenteilung in der unteren Schildhälfte symbolisiert den Klopeiner See. Die drei Laibeln sind der Darstellung im „Großen Hildegardsstock“ nachempfunden und erinnern an Hildegard von Stein und das Brauchtum des Striezelwerfens.

Wappen und Fahne wurden der Gemeinde am 29. Mai 1970 verliehen. Die Fahne ist Grün-Weiß mit eingearbeitetem Wappen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Burg- und Pfarrkirche Heiliger Laurentius in Stein im Jauntal
Markus Pernhart, Stein im Jauntal, Öl auf Leinwand
„Großer Hildegardsstock“ in Stein im Jauntal
Sankt Primus im Jauntal

Kulturwanderweg Gracarca

Die Gracarca (slowenisch gradec ‚Burg, befestigter Ort‘) ist zusammen mit dem Dreiseenblick im Westen und dem Georgiberg im Osten ein heute dicht bewaldeter Mittelgebirgsstock am südöstlichen Ufer des Klopeiner Sees. Seine Längsausdehnung beläuft sich auf fast 2 km. Wie beim Kitzelsberg oder beim Steiner Berg handelt es sich um sogenannte Sattnitz-Konglomerat, eine relativ weiche Ablagerung aus dem Tertiär.

Die archäologisch-historische Erforschung im Bereich der Gracarca setzte mit Oswald Menghin (1927) und Herbert Pohl (1931/34) ein, deren Vorbild bald Schulkinder und Urlaubsgäste folgten. Erste großangelegte Ausgrabungen unternahm zwischen 1952 und 1966 Franz Xaver Kohla, der verdiente Erforscher der Kärntner Burgen und ehrenamtliche Kustos für Ur- und Frühgeschichte am Landesmuseum Kärnten. Diese Abteilung setzt seit 1992 in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Verein 5000 Jahre Gračarca gegründet 1989 und der Gemeinde Sankt Kanzian am Klopeiner See die Untersuchungen fort.

Museen

  • Keltenmuseum auf der Gracarca

Sternwarte

Die Helmrich-Lambrecht-Sternwarte wurde Ende der 1950er Jahre von Ing. Helmrich Lambrecht als seine Privatsternwarte errichtet. In der Kuppel, welche nahe dem Zentrum von St. Kanzian, vis-á-vis der Volksschule, gelegen ist, befinden sich drei Teleskope. Die zwei Spiegelteleskope stammen aus der Hand von Ing. Lambrecht und die Linsen des Linsenteleskop wurden von der Firma Zeiss gefertigt. Zu Lebzeiten Lambrechts fanden auch regelmäßig Führungen für interessierte Touristen und Einwohner der Region statt. Nach dem Tod Helrich Lambrechts ging die Sternwarte in den Besitz seines Enkels Eugen Freund über.

Im Jahr 2009 wurde die Sternwarte von der IAAZ wiederbelebt. Nach umfangreichen Restaurationsarbeiten konnte der Führungsbetrieb in der Sommersaison 2009 wiederaufgenommen werden.[6]

Bauwerke

  • Die Pfarrkirche Hl. Kanzian in St. Klopein war eine Urpfarre des Patriarchats Aquileia. Sie wurde 1106 erstmals urkundlich erwähnt und ist eine ursprünglich romanische Chorturmkirche mit spätgotischem Polygonalchor (1518) und Wehrobergeschoss. Das frühhistoristische Langhaus stammt aus den Jahren 1849-1860
  • Die Pfarrkirche Hl. Laurentius in Stein, urkundlich erstmals 1238 erwähnt, war Teil einer mittelalterlichen Burganlage aus dem 12. Jahrhundert, die 1458 zerstört wurde und von der nur noch Reste ehemaliger Wehrbauten zu sehen sind.
  • Filial- und ehemalige Friedhofskirche Hl. Margareta in Stein, unterhalb der Pfarrkirche am Talboden
  • Der „Große Hildegardsstock“ ist ein Bildstock am Fuß des Kirchhügels von Stein. Er wurde zu Ehren der Gräfin Hildegard von Stein, Gattin des Edlen Albuin aus dem Geschlecht der Aribonen und Mutter des Bischofs Albuin von Brixen (975-1006) errichtet, die im Jauntal als Volksheilige verehrt wird. In der flachbogigen Nische befindet sich auf der Altarmensa eine Figur der heiligen Karmelitin Theresia von Avila. Darüber sind drei weitere Nischen angebracht, in der mittleren ist Hildegard, seitlich zwei Jesuitenheilige abgebildet. Die Malereien sind mit der Jahreszahl 1717 bezeichnet.
  • Das Wunschglöcklein auf dem Georgibergl. In dem quadratischen Turm an der Südseite der kleinen Kirche befindet sich das sogenannte Wunschglöcklein. Der Sage nach pilgerten früher Jungfrauen, die sich einen Mann wünschten, zur Sankt Georgs-Kirche. Dort läuteten sie das Glöcklein und beteten dabei um die Erfüllung ihres Wunsches. Der heilige Georg soll ihnen dann bald zu einem Ehemann verholfen haben.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Striezelwerfen in Stein findet jährlich um den 5. Februar statt.[7]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Sankt Kanzian am Klopeiner See

Persönlichkeiten

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Slovensko prosvetno društvo Danica / Slowenischer Kulturverein Danica, Sankt Primus/Šentprimož: http://www.danica.at/
  2. Vgl.: Liste der Pfarren im Dekanat Eberndorf/Dobrla vas, http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Pfarren_im_Dekanat_Eberndorf/Dobrla_vas
  3. Amt der Kärntner Landesregierung, abgerufen 18. März 2009.
  4. Amt der Kärntner Landesregierung, abgerufen 18. März 2009.
  5. zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 248
  6. Sternwarte St. Kanzian (iaaz.at) Stand: 23. Juni 2011 23:00 Uhr
  7. Striezelwerfen (brauchtumsseiten.de); siehe auch Kurt Grafschafter: So ist´s Brauch in Kärnten. Heyn Verlag, Klagenfurt 1999, ISBN 3-85366-899-2, S. 24-28

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