Santa Maria della Salute


Santa Maria della Salute
Santa Maria della Salute in Venedig

Santa Maria della Salute ist eine barocke Kirche in Venedig an der Einfahrt zum Canal Grande. Sie ist eine der beiden Votivkirchen Venedigs, die aus Anlass einer Pestepidemie in der Stadt erbaut wurden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am 22. Oktober 1630 gelobte der Doge Nicolò Contarini der Madonna eine Kirche, mit der Bitte um Beendigung der Pest, die seit 1629 in der Stadt wütete und bei der die Stadt rund 46.000 Einwohner (ein Drittel ihrer Bevölkerung) verloren hatte. Die Kirche sollte an exponierter Stelle am Bacino di San Marco gegenüber dem Dogenpalast errichtet werden. Aus dem ausgeschriebenen Wettbewerb ging der Venezianer Baldassare Longhena, ein Schüler Scamozzis als Sieger hervor, obwohl der Senat zunächst lieber einen römischen Architekten engagiert hätte.

Mit dem Bau der Kirche wurde eine grundlegende städtebauliche Neuordnung dieses Bereichs in Angriff genommen, der das Bild Venedigs, festgehalten in unzähligen Veduten vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, bis heute prägen sollte. Die alte Bebauung mit Wohnhäusern und Kloster und Kirche San Trinità wurden abgerissen, um Platz für die Kirche, den Neubau der Zollstation und das Konventsgebäude der Somasker, die die Kirche zu betreuen hatten, zu schaffen. Diese Bauten sind wesentliche Komponenten eines einzigartigen städtebaulichen Ensembles um den Bacino. Sie sind Ergebnis einer sorgfältige Planung durch den Senat und die venezianischen Baubehörden, die auf ein jahrhundertealtes Wissen von Stadtbaukunst und urbanistischer Inszenierung zurückgreifen konnten.

Longhena hat mit Unterbrechungen sein ganzes Leben lang an der Errichtung der Kirche gearbeitet, die erst 1687, fünf Jahre nach seinem Tod, eingeweiht wurde.

1921 erhielt die Kirche den Ehrentitel einer päpstlichen Basilica minor.

Architektur

Die Kirche am Canal Grande

Der Plan des damals 33-jährigen Architekten Baldassare Longhena für die zu bauende Kirche war revolutionär. Die Außenansicht des Baus mit achtseitigem Grundriss, zwei Kuppeln und zwei Campanili, zudem ganz mit Marmor verkleidet, sollte besonders beeindruckend wirken. Die Kirche wurde nach 50-jähriger Bauzeit erst fünf Jahre nach Longhenas Tod 1687 geweiht. Longhena hatte mit dieser Salute-Kirche eine klare Alternative zum römischen Barock geschaffen, indem er besonderen Wert auf vielschichtige Licht- und Schattenwirkung gelegt hat. Das Licht ist in der venezianischen Architektur immer von herausragender Bedeutung gewesen.

Die „Salute“ ist ein achteckiger Zentralbau mit der Hauptfassade zum Canàl Grande hin. Die Grundriss-Gestaltung und die Raumanordnung greifen frühmittelalterliche und antike Vorbilder auf wie z.B. San Vitale in Ravenna oder die Aachener Pfalzkirche: Das Zentrum ist ein achteckiger Raum, der von einem Umgang mit sechs Seitenaltären begleitet wird. Der Fußboden ist wie der von San Marco mit aufwändigen, jedoch großflächigen und einfacheren Marmordekorationen versehen.

Die Fenster der beiden Exedren leuchten den Altarraum hell aus, zusammen mit den hohen Fenstern einer weiteren, kleineren Kuppel über dem Presbyterium. Das Portal, zu dem eine repräsentative vielstufige Treppenanlage führt, wird durch eine Triumphbogenfassade gebildet. Besonderheit der äußeren Architektur sind die orecchioni genannten riesigen Voluten, die den hohen durchfensterten Tambour der Kuppel zu stützen scheinen, jedoch nur eine dekorativ-pathetische Funktion haben und den vielen Heiligenfiguren als Sockel dienen.

Longhena hatte beim Bau der Kuppelkirche große technische Probleme zu bewältigen. Zur Befestigung des Baugrundes wurden mehr als 10.000 Eichenpfähle verbraucht (Die Salute-Kirche ruht auf 1.106.657 Stämmen von je vier Metern Länge, Bauzeit dafür 2,2 Jahre; nach Honour, Hugh: Venedig. München 1977, S. 209 waren es 1.156.627 Holzpfähle) Um das Gewicht der riesigen Kuppel möglichst zu reduzieren, konstruierte Longhena eine leichte, zweischalige Kuppel aus Holz, die anschließend verputzt wurde. Das beim Bau der Kirche verwendete Material ist istrischer Stein sowie die in Venedig beliebten leichten Ziegel, die mit einer Schicht von pulverisiertem Marmor (marmorino) überzogen wurden.

Innenausstattung

Die innere Ausstattung der Kirche wirkt durch die Verwendung von weißem Putz und grauem Stein eher nüchtern. Ihren Prunk bezieht sie durch einen kostbaren Marmorfußboden mit Einlegearbeiten und durch die prachtvollen Altäre in den Kapellen, die sich an den Umgang des zentralen Raums anschließen. Die Skulpturen des Hochaltars im Presbyterium erinnern an die Pest: Vor der Madonna mit dem Kind kniet die allegorische Figur der Venezia, während die Pest, in Gestalt einer hässlichen alten Frau, von einem Putto verjagt wird. In den Altar integriert ist ein von den Venezianern als wundertätig angesehenes Marienbild byzantinischer Herkunft.

In der Kirche befinden sich neben Gemälden von Tintoretto, Salviati und verschiedenen anderen Künstlern sechs Bilder Tizians, die dort nach der Auflösung des Klosters Santo Spirito in Isola im 17. Jahrhundert untergebracht wurden. Eins dieser Bilder ist anlässlich der Pestepidemie von 1510, der Giorgione zum Opfer fiel, entstanden und befindet sich heute in der Sakristei der Kirche. Es zeigt den Stadtpatron Venedigs, den Evangelist Markus, zusammen mit den beiden Ärzten Cosmas und Damian sowie den Pestheiligen Rochus und Sebastian.

ponte della Salute 2008
Innenansicht 21. November 2008

Jedes Jahr wird am 21. November zum Dank an die Madonna zur Errettung von der Pest eine Schiffsbrücke für eine Prozession von der Kirche Santa Maria del Giglio über den Kanal zur Kirche geschlagen und ein mehrtägiges Fest unter reger Teilnahme insbesondere der Einwohner Venedigs gefeiert. An allen Festtagen finden in ununterbrochener Folge von morgens 8 Uhr bis zum Abend Gottesdienste statt.


Öffnungszeiten

täglich 9 bis 12 und 15 bis 17:30 Uhr

Literatur

  • Reclams Kunstführer. Italien Bd 2; Oberitalien Ost. Stuttgart 1965.
  • Bassi, Elena: Architettura del Sei e Settecento a Venezia, pp. 90-102
  • Hopkins, Andrew: Santa Maria della Salute : architecture and ceremony in Baroque Venice, Cambridge 2000
  • Wittkower, Rudolf: S. Maria della Salute: scenographic architecture and the Venetian Baroque, in: SAH 1.1958 pp. 3-10
  • Herbert Rosendorfer ,Kirchenführer Venedig. Edition Leipzig 2008, ISBN 978-3-361-00618-8
  • Ennio Concina, Pietro Codato, Vittorio Pavan, Kirchen in Venedig, Hirmer Verlag München, 1996, ISBN 3-7774-7010-4

Weblinks

 Commons: Santa Maria della Salute – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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