64Bit-Architektur

Unter 64-Bit-Architektur versteht man in der EDV eine Prozessorarchitektur, deren Wortbreite 64 Bit beträgt.

Inhaltsverzeichnis

Architekturen

frühe Vertreter unter den Supercomputern:

  • IBM 7030 Stretch mit 64-Bit Wortbreite und 32- oder 64-Bit Befehlsbreite (1961)
  • CDC Star-100 Vektorrechner, Nachfolger der 60-Bit Rechner der Control Data Corporation (1974)
  • Cray-1, der erste 64-Bit Vektorrechner der nachfolgend berühmt gewordenen Cray Supercomputerlinie (1976)
  • Elxsi 6400 sogenannter „Minisupercomputer“ mit 64-Bit Datenpfaden aber 32-Bit Adressraum (1983)

moderne Familien von Universalprozessoren:

Design

Vereinfacht dargestellt bedeutet 64-Bit, dass die Prozessoren durch ihre ALU-Bauart so ausgelegt sind, dass 64 Bit (also 8 Byte) gleichzeitig bzw. während eines Taktes verarbeitet werden können. Das schließt die externe und interne Gestaltung von Datenbus und Adressbus, die Breite des Registersatzes mit ein. Weiterhin ist der Befehlssatz meistens durchgängig auf 32-Bit ausgelegt, insofern keine abwärtskompatiblen Altlasten (siehe x86-Architektur) vorhanden sind. Dies gilt analog für die gängigen Adressierungs-Arten, wobei die Bitbreite der Recheneinheit (ALU) sich prinzipiell von der der Adresseinheit unterscheiden kann (wie bei den meisten 64-Bit-CPUs).

In der PowerPC-Architektur wurde – im Gegensatz zu x86 – die Erweiterung auf 64-Bit von Anfang an vorgesehen, da diese CPU ursprünglich aus dem Bereich der Großrechner (IBM POWER-Architektur) stammt. Auch für die MIPS-Architektur wurde frühzeitig eine 64-Bit-Erweiterung vorgesehen, in beiden Fällen erfolgte die Realisierung als Hardware erst einige Jahre später.

Vorteile

Die Vorteile von 64-Bit-CPUs liegen in der einfacheren Berechnung größerer Integer-Werte (durch die breitere ALU), was zum Beispiel Vorteile bei Verschlüsselungsalgorithmen, grafischen Berechnungen (zum Beispiel Festkommaarithmetik für Computerspiele), 64-Bit-Dateisystemen oder Multimediaformaten (MPEG2, MP3) mit sich bringt.

Ein weiterer Vorteil gegenüber einer 32-Bit-Architektur: es können mehr als vier Gigabyte Arbeitsspeicher direkt adressiert werden, wovon Anwendungen mit hohem Speicherbedarf, wie Videoverarbeitung und Datenbanksysteme profitieren.

Probleme

Ohne speziell angepasste Ausführungsumgebung kann allerdings kein Vorteil durch den Wechsel von 32-Bit auf 64-Bit-CPUs gezogen werden. Dies wird insbesondere bei abwärtskompatiblen CPUs wie AMD Athlon 64 (X2), AMD Phenom X3/X4, Intel Pentium D, Intel Pentium Extreme Edition, Intel Core 2 Duo, Intel Core 2 Quad, Intel Core i7 oder den 64-Bit PowerPC-CPUs deutlich. Dies betrifft nicht nur die Betriebssysteme mit 64-Bit-Systemkern zur Paging-Verwaltung mit großen Adressen, sondern auch die Hilfsbibliotheken der Programme mit den darin eingesetzten Algorithmen: Viele alte Systeme verwenden 32-Bit-optimierte Algorithmen, die erst nach Anpassung durch Programmierer von der 64-Bit-Erweiterung profitieren.

Die Notwendigkeit der Anpassung betrifft im Anwendungsbereich besonders mathematische Hilfsfunktionen (auch Multimedia und Spiele) aber auch die Speicherverwaltung. Viele Programme aus dem Unix-Bereich haben hierbei einen Vorsprung, da dort 64-Bit-Architekturen schon lange üblich sind. Über die Entwicklung der Workstations wurden im Unixbereich (einschließlich Linux) auch Desktopprogramme schon langjährig auf 64 Bit angepasst, bevor die Windowsprogramme auf die 64-Bit-Editionen von Windows angepasst wurden. Bei Mac OS X ist die Entwicklung gemischt, da der Unix-basierte Kern und die Desktopoberfläche aus verschiedenen Entwicklungszweigen stammen. Gerade letztere Systeme machen dabei Gebrauch von der Möglichkeit der abwärtskompatiblen CPUs, auf einem 64-Bit-Betriebssystemkern sowohl 32- und 64-Bit-Programme parallel auszuführen – diese haben jedoch das Problem, dass die Wechselwirkung der Programme auf dem Desktop gehemmt sein kann (bekannt etwa für Browser-Plugins).

Ähnlich wie bei SIMD oder AltiVec-Erweiterungen ist also auch für 64-Bit-Systeme in der Regel speziell angepasste Software nötig.

Jedoch verfügt nicht jedes System mit 64-Bit-Datenpfaden auch über 64-Bit-Adresspfade. Diese können im Extremfall weiterhin 32-Bit bleiben (4 GB Adressraum).

Programmiermodell

Unter der Programmiersprache C schlägt sich die Anzahl der Bits sowohl bei der Größe der Zeiger-Typen (z. B. void*) als auch Integer-Typen (insbesondere int und long) nieder. Beim Übergang von einer 32-Bit-Architektur verbreitert man in der Regel Zeiger und long auf 64 bit, während der int auf 32 bit verbleibt. Dieses nennt man dann abgekürzt LP64. Zur Rückwärtskompatibilität mit der 32-Bit-Architektur, die meist als ILP32 ausgeführt wurde, hatte man teils auch long identisch mit int gelassen, dieses Programmiermodell, ebenso wie ILP64, haben sich jedoch nicht durchgesetzt – alle heutigen unixartigen 64-Bit-Betriebssysteme drücken die 64-Bit-Architektur in einem LP64-Typenmodell aus.

Für einige Plattformen besteht die Möglichkeit, Programme von 32-Bit Vorgänger-Systemen ohne Überarbeitung direkt auf einer 64-Bit-Plattform compilieren bzw. ablaufen zu lassen. Die AMD64-Prozessoren (einschließlich Intel 64) etwa bieten hierfür einen 32-Bit-x86-Kompatibilitätsmodus. Um dies zu realisieren, enthalten die Prozessoren zusätzliche Komponenten für die Interpretation des 32-Bit-Befehlssatzes. Moderne Betriebssysteme aktivieren diesen Modus für die jeweiligen Prozesse – eine Markierung an der Programmdatei besagt, ob sie im erweiterten 64-Bit-Modus oder im kompatiblen 32-Bit-Modus auszuführen sind. Wo die Hardware keine Rückwärtskompatibilität anbietet, besteht auch die Möglichkeit, das Ziel der Ausführung von 32-Bit-Programmen über eine vergleichsweise langsame, softwarebasierte Emulation zu realisieren.

Siehe auch

Weblinks


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