BILDblog
Bildblog
Altes Logo bis April 2009

Neues Logo seit April 2009
Beschreibung deutsches Watchblog
Erstausgabe Juni 2004
Erscheinungsweise unregelmäßig
Reichweite
(Statista.org, August/September 2008[1])
ca. 0,05 Mio. Leser
Chefredakteur Stefan Niggemeier
Weblink bildblog.de

Bildblog (geschrieben meist BILDblog) ist ein seit 2004 von mehreren Medienjournalisten betriebenes Watchblog, das die Arbeit der Springer-Publikationen „Bild“, deren Ableger „Bild am Sonntag“ und deren Online-Auftritt „Bild.de“ kritisch begleitete. Im April 2009 erweiterte das Watchblog sein Themenfeld unter dem Namen Bildblog für alle und mit dem Motto Ein Watchblog für deutsche Medien auch auf andere Publikationen.[2]

Bildblog weist häufig Fehler in der Berichterstattung, ungenügend recherchierte Artikel und Schleichwerbung nach und macht auch auf Verstöße gegen den Pressekodex aufmerksam.

Heute lesen täglich rund 50.000 Menschen das Weblog, und es ist einer im August/September 2008 durchgeführten repräsentativen Studie zufolge das bekannteste deutschsprachige Blog.[1]

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Die Bildblog-Gründer störten sich an der Tendenz, die Bild als „lustiges Quatschblatt“[3] zu lesen, und nahmen sich daraufhin vor, die vielfach kritisierte Art der Berichterstattung der Zeitung in einem Weblog zu dokumentieren. Nach Meinung der Betreiber sei die „Bild“ als auflagenstärkste und am meisten zitierte deutsche Tageszeitung zu journalistischer Sorgfalt verpflichtet.

Im April 2009 eingeführtes Motto von Bildblog für alle

Die Journalisten Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis, die das Blog damals betrieben, gründeten später die B-Blog GbR, um einerseits weitere Journalisten für Bildblog beschäftigen zu können, und andererseits auch, um das Projekt finanzieren zu können. Weitere Mitarbeiter sind Heiko Dilk, Lukas Heinser und seit April 2009 der freie Journalist Christian Jakubetz. Seit Juni 2004 werden die Ausgaben der „Bild“, der „Bild am Sonntag“ und des Onlineauftritts „Bild.de“ recherchiert und Fehler häufig noch am Erscheinungstag aufgedeckt. Dabei vergleichen die Bildblog-Redakteure die Berichte der Zeitung mit Originalquellen, sprechen mit Betroffenen und gehen so genannten „sachdienlichen Hinweisen“ nach, die Bildblog-Leser einsenden. Seit April 2009 greift Bildblog ein im Dezember 2008 unter dem Titel Bildblog für alle durchgeführtes Experiment[4] auf, indem die Mitarbeiter nach eigenem Anspruch auch über „die kleinen Pannen und die große Desinformation“ anderer deutschsprachiger Medien aufklären.[2] Im Rahmen dieser Umorientierung erneuerte Bildblog am 6. April 2009 sein Logo, nahm als Motto „Ein Watchblog für deutsche Medien“ an und wechselte die Hauptfarbe seines Layouts vom auf die BILD-Gruppe verweisenden Rot zur allgemeinen Warnfarbe Gelb.

Die Beiträge des Bildblogs wurden zunächst unter Pseudonymen wie „Clarissa“, „Hobbes“, „Lupo“ und „spYri“ veröffentlicht. Dabei wurde von Seiten der Betreiber zunächst offen gelassen, wer hinter welchem Pseudonym steckt. Mit dem Verlassen des Blogs Ende März 2009 gab Christoph Schultheis bekannt, unter dem Pseudonym „Clarissa“ geschrieben zu haben.[5] In Bildblog für alle unterzeichnen die Beiträger ab April 2009 mit ihrem Namen.

Wechselwirkung mit Bild

Technisch bedingt haben die Berichte auf Bildblog kaum Auswirkungen auf die Print-Ausgaben der „Bild“ und „Bild am Sonntag“. Jedoch wurden einige auf Bildblog enthüllte Ungereimtheiten in der „Bild“ selbst korrigiert. Vor allem in kleinen Meldungen innerhalb der im Jahr 2006 wiedereingeführten Korrekturspalte auf Seite 2 der Zeitung wurden von Bildblog kritisierte Darstellungen im Nachhinein relativiert oder zurückgenommen. Ähnliche Korrekturen gab es auch in der „Bild am Sonntag“. In diesem Zusammenhang benannte „Bild“ das Bildblog jedoch nie als Quelle.

Häufiger werden von Bildblog auf „Bild.de“ gefundene und veröffentlichte Fehler noch am selben Tag von „Bild.de“ korrigiert. Da sich Bildblog deswegen als „externe Schlussredaktion“ missbraucht sah, schickten die Redakteure im April 2006 eine Rechnung über 45 Korrekturen an „Bild.de“.[6] Den Brief beantwortete „Bild.de“ nicht.

Der Bildblog-Aufruf, den „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann zu fotografieren, führte zu geteiltem Medienecho.

Im Oktober 2006 rief Bildblog unter der Überschrift „Fotografiert Kai Diekmann!“ dazu auf, in der Manier der „Bild“-Leserreporter Bilder vom Chefredakteur der Zeitung zu machen.[7] Bildblog wolle so die Belastbarkeit des Chefredakteurs für Aktionen testen, die dieser anderen Prominenten zumutet, hieß es. Die Aktion stieß auf geteiltes Medienecho, da Bildblog unter anderem vorgeworfen wurde, auf „Bild“-Methoden zurückzugreifen.[8]

Nicolaus Fest, ein Mitglied der Bild-Chefredaktion, bezeichnete das Bildblog mehrfach als „studentischen Spaß“.[9] Der damalige „Bild am Sonntag“-Chefredakteur Claus Strunz schrieb dagegen in der „BamS“ vom 7. Januar 2007:

„Wie Sie vielleicht wissen, wird unsere Arbeit seit einiger Zeit sehr genau beobachtet. Unter www.bildblog.de stellen Journalisten täglich eine Analyse unserer Ausgaben zusammen. Dabei gehen sie sehr kritisch mit uns und unserem Beruf um. Wir verfolgen dies wohlwollend, weil wir uns als Kontrolleure der Mächtigen verstehen und es zu unserem Demokratieverständnis dazugehört, dass auch der Kontrolleur kontrolliert wird.“

Claus Strunz

Für Medienwissenschaftler ist Bildblog als neues Medium interessant. Dem Projekt werden wichtige Kontrollfunktionen zugestanden, und es wird als eine neue Form, Informationen zu beschaffen oder zu hinterfragen, als bedeutende Veränderung der deutschen Presselandschaft gewertet. So sprach der Philosoph Jürgen Habermas in seinem Vortrag über Die Rolle der Massenkommunikation in westlichen Demokratien ausdrücklich über das Bildblog als Beispiel einer Gegenöffentlichkeit im Netz: „Die Wurzeln einer egalitären Öffentlichkeit werden von Autoren und Lesern reaktiviert.“[10]

Im Februar 2008 versuchte der Axel Springer Verlag zu erwirken, dass es den Redakteuren von Bildblog verboten wird, weiterhin Eingaben an den Deutschen Presserat zu richten. Der Springer-Verlag argumentierte, dass es der Bildblog-Redaktion mit ihren „kommerziell motivierten“ Eingaben lediglich darum gehe, Stoff für ihre weitere Berichterstattung zu gewinnen. Insgesamt hatte Bildblog in den vergangenen dreieinhalb Jahren zwölf Eingaben gemacht.[11] Der Presserat lehnte den Antrag des Verlages im März 2008 ab.[12]

Fernsehwerbung

Am 23. August 2007 wurde erstmals ein TV-Werbespot für das Bildblog und damit zum ersten Mal überhaupt für ein deutschsprachiges Blog ausgestrahlt.[13] Der Spot mit dem auf die Bild-Kampagne „Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht“ anspielenden Slogan „Jede Lüge braucht einen Mutigen, der sie zählt“ war auf MTV, Viva und Comedy Central zu sehen.[14]

Die Kosten für die Produktion des Werbefilms übernahm das Medienunternehmen Brainpool. Sowohl die Hauptdarsteller Anke Engelke und Christoph Maria Herbst als auch der Regisseur Tobi Baumann verzichteten auf eine Gage.

Auszeichnungen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Bekanntheit von Webseiten mit Blogs. In: Statista.org. Abgerufen am 31. März 2009.
  2. a b Aus BILDblog wird BILDblog für alle. In: Bildblog. 3. April 2009. Abgerufen am 4. April 2009.
  3. Den Großen vors Schienbein treten. In: Spiegel Online. 26. April 2007. Abgerufen am 31. März 2009.
  4. BILDblog für alle (alle Einträge). In: Bildblog. 30. November 2008–5. Januar 2009. Abgerufen am 4. April 2009.
  5. Christoph Schultheis: In eigener Sache: Clarissa sagt Tschüssi. In: Bildblog. 31. März 2009. Abgerufen am 31. März 2009.
  6. In eigener Sache. In: Bildblog. 29. April 2006. Abgerufen am 31. März 2009.
  7. Fotografiert Kai Diekmann!. In: Bildblog. 31. Oktober 2006. Abgerufen am 31. März 2009.
  8. Blog-, Presse- und Leserstimmen (1). In: Bildblog. 13. Oktober 2006. Abgerufen am 31. März 2009.
  9. Zum Beispiel in: Medienmagazin. Radio Eins, 30. Oktober 2004.
  10. Christian Stöcker: Jürgen Habermas und die Netz-Nerds. In: Spiegel Online. 23. Juni 2006. Abgerufen am 31. März 2009.
  11. "Bild" geht gegen "Bildblog" vor. In: Heise online. 16. Februar 2008. Abgerufen am 31. März 2009.
  12. Beschwererecht nicht missbraucht. In: Deutscher Presserat (presserat.de). 12. März 2008. Abgerufen am 31. März 2009.
  13. V.i.S.d.P.-Magazin. Nr. 44, 24. August 2007, S. 3 (PDF). 
  14. "Bild"-Kritik im TV: Stars werben für "Bildblog". In: Spiegel Online. 22. August 2007. Abgerufen am 31. März 2009.

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