BLSJ

Der Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen e.V. (BLSJ) ist ein Netzwerk lesbischer Journalistinnen und schwuler Journalisten.

Der BLSJ engagiert sich insbesondere auf zwei Ebenen:

  • Einerseits tritt er für die Rechte und Interessen lesbischer Journalistinnen und schwuler Journalisten und für ein vorurteilsfreies Klima in den Redaktionen ein und dokumentiert Fälle von Diskriminierung am Arbeitsplatz.
  • Andererseits setzt er sich für eine faire und realitätsgetreue Berichterstattung über Lesben und Schwule ein und wird gegen homophobe Medienberichte aktiv, da Medien eine entscheidende Rolle beim Abbau von Vorurteilen spielen. In der Berichterstattung soll jenseits von Klischees die Vielfalt lesbischer und schwuler Lebenswelten abgebildet werden.

Der Bund wurde am 19. April 1997 in Berlin gegründet. Er besitzt Regionalgruppen in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt/Main und München. Der Vorstand des BLSJ besteht aus Ute Roos, Axel Bach und Martin Rosenberg. Mitglieder sind in vielen führenden deutschen Medienunternehmen vertreten. Nach eigenen Angaben ist der BLSJ die weltweit drittgrößte Interessengemeinschaft lesbischer und schwuler JournalistInnen nach den USA und Kanada.

Inhaltsverzeichnis

Aktivitäten

In seinem Kölner Appell vom 22. September 2001 fordert der BLSJ lesbische, schwule und bisexuelle Personen des öffentlichen Lebens auf, aus ihrer sexuellen Orientierung kein Geheimnis zu machen. Dadurch solle zu einem entspannten und selbstverständlichem Umgang mit solchen Lebensweisen beigetragen werden. Von JournalistInnen und Medien verlangt der Verein eine Enttabuisierung. Die sexuelle Orientierung sei zu erwähnen, wenn dies für das Verständnis einer Nachricht oder Geschichte oder zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit einer Person erforderlich sei. In der Berichterstattung über Personen des öffentlichen Lebens sei zwischen sexueller Orientierung und Privatleben zu unterscheiden, und dabei alle Menschen gleich zu behandeln.[1][2][3][4]

Der BLSJ beobachtet die Berichterstattung in den Medien. In mehreren Fällen hat der Verein den Deutschen Presserat auf lesben- und schwulenfeindliche Zeitungsberichte aufmerksam gemacht und zu entsprechenden Rügen veranlasst.

Im Zuge der Berichterstattung um den am 14. Januar 2005 ermordeten Rudolph Moshammer wurde von einigen namhaften Medien der Begriff Homosexuellen-Milieu verwendet, welcher auch durch die Berichterstattung früherer Jahrzehnte in pejorativer Weise mit schmuddeligen Assoziationen verbunden ist. Der BLSJ richtete daraufhin die Webseite www.homosexuellen-milieu.de ein, kritisierte die Kollegenschaft in zwei Presseaussendungen und klärte diese über den Begriff auf.[5][6][7] Unter anderem dies löste eine kurze Diskussion in Blogs, Print- und Rundfunkmedien über den Begriff aus, der dabei auch als Unwort bezeichnet wurde und am 18. Januar vom Tagesspiegel schon zum zukünftigen Unwort des Jahres 2005 vorgeschlagen wurde.[8] Die Berichterstattung verzichtete in weiterer Folge weitestgehend auf ihn.

Die Tätigkeit der BLSJ wird von verschiedenen deutschen Zeitungen in ihren Druckausgaben und Onlineportalen aufgegriffen.[7][9][8][10][1][3]

Fachgruppe Wissenschaftsjournalismus

Innerhalb des Bundes gründete eine Gruppe von WissenschaftsjournalistInnen am 10. März 2000 in Köln eine „Fachgruppe Wissenschaftsjournalismus“, welche seit der Bundeskonferenz im Jahre 2002 vom BLSJ offiziell anerkannt wird. In dieser werden auch Kontakte nach Afrika, wie zum Beispiel nach Südafrika sowie nach Südostasien gepflegt. Im Jahre 2001 wurde von der Fachgruppe erstmals der Königin-Christine-WissenschaftsjournalistInnen-Preis ausgeschrieben. Am 1. September 2002 wurde dann die eigene Königin-Christine-Gesellschaft gegründet, zu deren sieben Gründungsmitgliedern auch drei Mitglieder des BLSJ gehören. Diese vergab den Preis des Jahres 2002.

Felix-Rexhausen-Preis

Mit dem jährlich vergebenen Felix-Rexhausen-Preis wird publizistisches Engagement bei der Berichterstattung über Lesben und Schwule gewürdigt. Die Jury setzt sich aus sieben Mitgliedern zusammen, zu denen die Professoren Carmen Kaminsky und Petra Werner gehören. Für den Preis wird eine eigene Webseite betrieben.[11] Benannt ist er nach dem selbstbewusst-schwulen Journalisten Felix Rexhausen, der – noch zu Zeiten des § 175 und der strafrechtlichen Verfolgung von Homosexualität – die Lebensumstände schwuler Männer "eindringlich, aber auch ironisch und selbstkritisch thematisierte" (Zitat laut BLSJ).

Preisträger

  • 1998 Thomas Rombach und Jürgen Kolb für die Hörfunk-Reportage Der süddeutsche Sängerkrieg oder Heidelberger Rosa Kehlchen versus Badischer Sängerbund beim Frankfurter RadioX
  • 1999 Karin Jurschik für Es gibt nichts, worüber wir nicht reden könnten in der Kölner StadtRevue und
    Detlef Grumbach für ein Portrait Martin Danneckers im Deutschlandfunk: Bürger wider Willen - die Schwulen-Bewegung zwischen Revolte und Integration
  • 2000 Lesbisch-Schwule Presseschau Berlin, die von 1982-2001 Artikel nach dem Thema Homosexualität durchforstet hat
  • 2001 Martina Keller für Ich liebe dich, Daddy! über Homosexualität in Namibia, im Deutschlandfunk
  • 2002 Rosvita Krausz für Leb wohl mein Herzensschöner – Nachruf auf eine schwule Liebe, Sender Freies Berlin (SFB).
  • 2003 Valentin Thurn für den ZDF-Film Mein Papa liebt einen Mann
  • 2004 Lorenz Wagner für seine Reportage Goldrausch in Gelsenkirchen in der Financial Times Deutschland
  • 2005 Hatice Ayten für ihre Fernsehdokumentation Out of Istanbul bei arte
  • 2006 Martin Reichert für seinen Artikel Adieu Habibi in der taz
  • 2007 Ted Anspach für seine Fernseh-Dokumentation Homosexualität – genetisch bedingt? bei arte [12]
    • Kerstin Kilanowski erhält für ihr dreistündiges Radio-Feature Tanz auf der Grenze – Was ist Mann, was ist Frau? in WDR 3 einen undotierten Sonderpreis.
  • 2008 Aljoscha Pause für seine Fernsehreportage Das große Tabu - Homosexualität und Fußball im Deutschen Sportfernsehen (DSF) [13]

Königin-Christine-Preis

Der Preis ist nach Christina von Schweden benannt, welche ein Verhältnis zu ihrer Hofdame gehabt haben soll und die Wissenschaften förderte. Er soll wissenschaftliche Themen in der Berichterstattung über Schwule, Lesben und Transgender fördern. Der von der Fachgruppe Wissenschaftsjournalismus im Jahre 2000 gestiftete und 2001 erstmals verliehene Preis wird seit 2002 von der nahe stehenden Königin-Christine-Gesellschaft vergeben.

  • 2001 Herbert Cerutti aus der Schweiz für seine verschiedenen Beiträge zum Thema Homosexualität im Tierreich
  • 2002 Volkart Wildermuth für sein Hörfunkfeature Machen Gene schwul? auf WDR 5
  • 2003-2007 keine Preisvergabe

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Axel Krämer: Wie out ist Outing?, taz, 15. September 2001; Vorgeschichte; mit Erwähnung der Süddeutschen
  2. www.koelner-appell.de, Zugriff: 16. Dezember 2007
  3. a b Sammy Shamdin: "Kölner Appell" der schwul-lesbischen JournalistInnen an die Medien, Kölner Stadt-Anzeiger, September 2001; bei rainbow.at am 24. September 2001
  4. Felix Blech: "Kölner Appell" der schwul-lesbischen JournalistInnen verabschiedet, queer.de, bei rainbow.at am 23. September 2001
  5. www.homosexuellen-milieu.de
  6. Norbert Blech: Medienmilieu übertreibt Mosi-Mord, Queer.de, Stand vom 7. Februar 2006
  7. a b BLSJ kritisiert Medien, Queer.de, 16. Januar 2005
  8. a b Auf ein Wort - Heute wird das Unwort des Jahres verkündet, Tagesspiegel, 18. Januar 2005
  9. dirk-vongehlen: Begriffsverwirrung im Fall Moshammer, jetzt.sueddeutsche.de, 19. Januar 2005
  10. Brigitte Maser: Schwul in Istanbul - Medienpreis, Stadtrevue Köln, 2005
  11. www.felix-rexhausen-preis.de
  12. Queer.de: „Rexhausen-Preis für Arte-Doku“, 28. Januar 2008
  13. rexhausen-preis.de: „Aljoscha Pause gewinnt Felix-Rexhausen-Preis“, 26. Oktober 2008

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