BMW R 37
BMW R 37, ausgestellt beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix 2011

Die BMW R 37 war das erste sportliche Motorrad von BMW.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Entwicklung

Lenkkopf mit Typenschild

Schon während der Entwicklung des ersten BMW-Motorrads R 32 begannen parallel die Arbeiten an einem erheblich leistungsfähigeren Sportmodell. Bereits Anfang 1923 lief ein Prototyp mit parallel angeordneten Ventilen im nur teilweise gekapselten OHV-Zylinderkopf – und wie das Tourenmodell ohne Vorderradbremse.[1]

Der junge Konstrukteur Rudolf Schleicher entwickelte gekapselte Leichtmetall-Zylinderköpfe, die das Bild aller BMW-Motorräder bis heute prägten.[2]

Am 10. Dezember 1924 präsentierte BMW 14 Monate nach der R 32 auf der Deutschen Automobilausstellung in Berlin erstmals das Sportmodell R 37 der Öffentlichkeit.[3]

BMW gab mit diesem Motorrad das Baukastenprinzip der kommenden Modellgenerationen vor. Fahrwerk und Getriebe mit Grundmotor waren weitgehend baugleich; die Differenzierung für die Hubraumklassen mit 500 cm³ und 750 cm³ und nach Sport- und Tourenmodellen wurde durch vergrößerte Zylinderbohrungen und kopf- oder seitengesteuerte Zylinderköpfe und Zylinder umgesetzt.

Sportliche Erfolge

Schon vor der Einführung als neues Sportmodell errang die R 37 bei zahlreichen nationalen Wettbewerben im Jahr 1924 erste Erfolge.[4]

Die Teilnahme an folgenden Rennen ist belegt:

  • Eifelrennen 1924: Franz Bieber (Sieger)
  • Ruselbergrennen 1924: Franz Bieber (Sieger)
  • Solitude Rennen 1924: Franz Bieber, Rudolf Schleicher, Rudi Reich (Sieger)
  • Hindelang-Oberjochrennen 1924: Rudolf Schleicher
  • Ettaler Bergrennen 1924: Rudi Reich auf BMW R 37 mit Seitenwagen

Rudolf Schleicher gewann mit der von ihm entwickelten BMW R 37 die 1. Goldmedaille für Deutschland bei der Internationalen Sechstagefahrt 1926; gleichzeitig war es der erste internationale Motorsporterfolg für BMW.[5][6]

Vermarktung

Der Preis für das Motorrad betrug 1925 gemäß der Preisliste von BMW 2.900 Reichsmark – 700 Reichsmark mehr als für die R 32; Lichtanlage, Hupe, Tacho und Soziussitz waren nicht enthalten.[7]

Die Produktion wurde 1926 nach nur 152 Einheiten beendet[8]; Nachfolger war die Ende 1926 vorgestellte R 47.

Technik

Motor

Stoßstangenmotor

Der Motor mit der Bezeichnung M 2 B 36 war als längslaufender Zweizylinder-Boxer-Viertaktmotor mit OHV-Ventilsteuerung ausgeführt.[9]

Aufbau

Das Motorgehäuse war horizontal teilbar. Ein Zwischenzahnrad oberhalb der Kurbelwelle trieb die noch eine Ebene höher liegende Nockenwelle an, die wiederum die Zündanlage in der nächsten Ebene antrieb. Durch diese Zahnradkaskade baute der Motor für einen Boxermotor relativ hoch.

Die Nockenwelle öffnete über Stoßstangen und rollengelagerte Kipphebel die Ventile.

Die neuen Zylinderköpfe mit V-förmig hängenden Ventilen und die nun in Strömungsrichtung angeordneten Kühlrippen des Zylinders verdoppelten annähernd die Leistung gegenüber der hubraumgleichen R 32.

Die Auspuffanlage wurde im Lauf der Produktionszeit bis über die Hinterachse verlängert.

Vergaser

Der Vergaser, eine Eigenkonstruktion von BMW, saugte die Luft durch das Schwungradgehäuse an.

Die Gemischmenge („Gasschieber“) und Gemischzusammensetzung („Luftschieber“) wurde über 2 Hebel an der rechten Lenkerhälfte eingestellt.

Zündung

Ein Hochspannungsmagnet von Bosch oder eine Zündlichtmaschine waren mit einem Spannband auf einer Plattform oberhalb der Kurbelwelle befestigt. Die Zündverstellung erfolgte über einen Hebel an der linken Lenkerhälfte.

Antrieb

Antriebswelle der R 37 – noch keine „echte“ Kardanwelle

Die R 37 hatte ein handgeschaltetes Getriebe mit Antriebswelle auf der rechten Seite des ungefederten Hinterrades.

BMW bezeichnete die die Kraftübertragung vom Getriebe zum Hinterrad als „Kardanantrieb“, die Antriebswelle als „Kardanwelle“ und das Getriebegehäuse am Hinterrad als „Kardangehäuse“ – technisch richtig war es lediglich ein Wellenantrieb des Hinterrades, da es keine Kardangelenke gab.[10]

Das horizontal teilbare Getriebegehäuse war direkt an das Motorgehäuse angeflanscht. Die Eingangswelle mit 3 Gängen wurde direkt von der Einscheiben-Trockenkupplung im Schwungrad der Kurbelwelle angetrieben. Die Ausgangswelle trieb über eine Hardyscheibe in direkter Verlängerung die Antriebswelle an.

Der Kickstarter wurde noch parallel zur Fahrzeuglängsachse betätigt; dazu war eine Kegelradumlenkung im Getriebegehäuse eingebaut. Diese aufwändige Umlenkung wurde erst 4 Jahre später bei der R 52 und R 57 aufgegeben.

Fahrwerk

Das Fahrwerk war das gleiche wie bei der R 32: ein Rohrrahmen ohne Hinterradfederung, die Vordergabel ist eine gezogene Kurzschwinge mit Blattfederung.

Auf vielen zeitgenössischen Bildern sind Reibungsstoßdämpfer an der vorderen Schwinge zu erkennen.[11]

Keilklotzbremse am Hinterrad

Das Hinterrad wurde durch ein fussbetätigte Keilklotzbremse verzögert, die auf eine eigene Bremsfelge wirkte.

Technische Daten

Kenngrößen R 37
Bohrung 68 mm
Hub 68 mm
Hubraum 494 cm³
Verdichtungsverhältnis 6,2 : 1
Leistung 12 kW / 16 PS
Vmax 115 km/h
Eigengewicht 120 kg
Leergewicht 134 kg
Zulässiges Gesamtgewicht ca. 330 kg
Tankinhalt 14 l

Siehe auch

Literatur

  • Udo Stünkel: BMW-Motorräder Typenkunde : Alle Serienmodelle ab 1923. Delius Klasing, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7688-2451-4.

Einzelnachweise

  1. Prototyp 500ccm ohv. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 25. April 2011 (Suche im BMW Group Archiv): „1923 - Auf Basis der R 32 aufgebaute kopfgesteuerte Sportmaschine mit Stahlzylindern und gußeisernen Zylinderköpfen.(Vorläufer der R 37). War wegen Kühlungsproblemen nur bei einer Winterfahrt erfolgreich.“
  2. Zylinderkopf der R 37. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 25. April 2011 (Suche im BMW Group Archiv): „Der erste R 37 Zylinderkopf, von Rudolf Schleicher beschriftet.“
  3. BMW präsentiert die R 37, das erste Sportmodell der Marke BMW. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 25. April 2011 (Suche im BMW Group Archiv): „Auf der Deutschen Automobilausstellung in Berlin (10. - 18. Dezember 1924) präsentiert BMW mit der R 37 das erste Sportmodell mit Leichtmetall-Zylinderkopf und hängender Ventilsteuerung.“
  4. R 37 - Rennen 1924. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 28. April 2011 (Suche im BMW Group Archiv).
  5. ISDT 1926. Vintage Motor & Motorcycle Sport Online, abgerufen am 12. April 2011 (englisch): „An outstanding rider on many of the hills. Never looked worried.“
  6. BMW R 37 mit Rudolf Schleicher bei Sechtagefahrt 1926. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 12. April 2011 (Suche im BMW Group Archiv).
  7. Preisliste Nr.28 für BMW-Motorräder R 32, R 39, R 37 und den Seitenwagen S 38. In: BMW Geschichte. BMW AG, 1925, abgerufen am 15. April 2011 (Suche im BMW Group Archiv): „B.M.W. Renn-Modell 16 PS“
  8. Udo Stünkel: BMW-Motorräder Typenkunde : Alle Serienmodelle ab 1923. Delius Klasing, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7688-2451-4, S. 10–11.
  9. Motor M 2 B 36. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 15. April 2011 (Suche im BMW Group Archiv).
  10. Handbuch für BMW-Räder, Typ R 32 / 37. In: BMW Geschichte. BMW AG, 1925, abgerufen am 22. August 2011 (PDF, Suche im BMW Group Archiv).
  11. R 37 und Rennfahrer Köppen. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 19. Juli 2011 (Suche im BMW Group Archiv): „Rennfahrer Paul Köppen, Berlin, mit seiner R 37 und Siegeskranz“

Weblinks

 Commons: BMW R 37 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • BMW R 37. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 17. Juli 2011 (Suche im BMW Group Archiv).

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